Jedoch muss man sich nach dem Lesen seines Kommentares die Frage stellen, ob die dargestellten Sichtweisen wirklich alle so vorbehaltlos übernommen und geteilt werden können wie vom Verfasser beabsichtigt, oder ob manche von ihnen nicht vielleicht doch einer kritischeren Hinterfragung unterzogen werden sollten.
Ich gehe mit Harald Martenstein insofern konform, als dass ich meine, wir sollten vorsichtiger sein bei der Auswahl derjenigen Personen, die wir mit dem Wort „Held“ betiteln, denn eine solch unbedachte Auswahl könnte natürlich nur zu leicht zu falschen und eventuell gefährlichen Idealen und Maßstäben führen. Wenn man beispielsweise einen Blick in die Medienwelt wirft, wird man schon nach kurzer Zeit, die man mit Durchblättern eines Promi-Magazines oder mit Ansehen einer entsprechenden Sendung im Fernsehen zugebracht hat, eine äußerst leichtsinnige und entfremdende Verwendung des Begriffs beobachten können. Da heißt es dann beispielsweise: „eindeutiger Held des Abends war jedoch Person XY“, wobei die einzige „Heldentat“ der genannten Person wahrscheinlich darin bestand, bei einer Preisverleihung in einem möglichst erotischen Kostüm, mit einer möglichst aufregenden Begleitung und noch dazu möglichst vielen kreischenden und in Ohnmacht fallenden Heranwachsenden im Schlepptau zu erscheinen. Da ist es kein Wunder, wenn die heutige Jugend den falschen Vorbildern und vor allem auch den falschen Zielen nacheifert.
Allerdings schreibt der Autor ebenfalls, die Frage heiße, was „die wahren von den falschen Helden“ unterscheide (vgl. Z.7f) und unterteilt somit nach ganz bestimmten Maßstäben in zwei Schubladen. Doch fällt die Unterscheidung wirklich immer so leicht, gibt es tatsächlich nur die „wahren“ und die „falschen“ Helden einer Gesellschaft? Und wer darf darüber bestimmen, wer zu welcher Kategorie gehört?
Als Beispiel für einen Helden, der diese Bezeichnung eigentlich überhaupt nicht verdiene, nennt Martenstein die große Gruppe der zu Kriegshelden Stilisierten. Er sagt, sie hätten allesamt nur so gehandelt wie sie handelten, weil es ihnen befohlen worden sei und sie dadurch zu Helden „gemacht“ worden wären (Z.51), dass es bei ihnen generell nur darauf ankäme, „das eigene Leben geringer zu schätzen als den staatlichen Befehl“ (Z.46f). Dies mag gewiss für einen großen Anteil der Soldaten zutreffen, die schlicht und einfach in den Krieg zogen und kämpften, weil sie Angst hatten und keinen anderen Ausweg sahen. In diesem Fall handelt es sich tatsächlich um bestimmt ganz bedauernswerte, aber keineswegs heldenhafte Figuren. Auch diejenigen, die sich als Mitläufer von der anfänglichen Euphorie anstecken ließen und dem Militär beitraten, weil es schick oder üblich so war, lassen sich wohl bestenfalls als „Werkzeuge des Staates“ bezeichnen, wie schon der Autor so treffend formulierte. Was aber ist mit all jenen, die aus eigener Überzeugung in den Krieg zogen, die es taten aus einem „Gefühl der Verantwortung des Einzelnen für das Ganze“ (Z.25f), wie ausgerechnet Harald Martenstein selbst einen der wesentlichen Bestandteile (nämlich das Konservative) für Heldentaten definierte? Beispielsweise aus einem Gefühl der Verantwortung bezogen auf Moralvorstellungen oder Werte, die sie in Gefahr sahen?
Mit diesem Beispiel beabsichtige ich keineswegs die Verherrlichung des Krieges an sich, doch es zeigt, wie schwer die Beurteilung von Taten und Heldentum fallen kann, wie stark sie subjektiven Einflüssen unterworfen ist. So manch ein „Kriegsheld“ meinte sicherlich, aus Verantwortungsgefühl, Selbstüberwindung und sogar aus Nächstenliebe zu handeln, egal wie absurd das nun auch klingen mag. Waren seine Taten deshalb auch automatisch Heldentaten?
Meiner Meinung nach ist eine Pauschalität wie eine solche, mit der der Autor Personen in „wahre“ und „falsche“ Helden unterteilt, schlichtweg fehl am Platze, genauso wie die Erstellung von „Standardkriterien“ zur Beurteilung von Verhaltensmustern. Bei einer näheren Betrachtung der Argumentation Harald Martensteins fallen dem aufmerksamen Leser außerdem Widersprüche auf, die ihn an der vollkommenen Durchdachtheit des Artikels und Auseinandersetzung mit der Definition des Heldenbegriffs zweifeln lassen.
So schreibt Martenstein beispielsweise wortwörtlich, ein Held „müsse kein besonders guter oder vorbildlicher Mensch sein“ (Z.37f), er sei vielleicht sogar ein „besonders lasterhaftes und unangenehmes Exemplar seiner Gattung“ (Z.39), welches „seinen Ruhm nach vollbrachter Tat in vollen Zügen genieße“ (Z.40), seine Geschichte „teuer an Bild verkaufe“ (Z.41) und seiner Familie
Arbeit zitieren:
Julia Harzheim, 2010, Textgebundene Erörterung zum Thema Heldentum, München, GRIN Verlag GmbH
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