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A. Einleitung
Jeder Gottesdienst, jede Andacht und auch persönliche Gebete beginnen mit den Worten. „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Gott als Vater und Jesus als Sohn Gottes sind Begriffe, die für jeden mit einer bestimmten Vorstellung verbunden sind. Mit dem Heiligen Geist ist eine Vorstellung schon viel schwieriger. Fragt man Kinder, was sie sich darunter vorstellen, kommt gleich die Antwort „das Gespenst von Gott“, Jugendliche haben auch noch teilweise ein Gespenst im Sinn, aber sprechen vom Geist eher als Verstand. Sie haben dabei vor allem die Trennung von Körper als Materie und den Geist als Verstand oder auch das eigene Sein im Blick. Von Erwachsenen bekommt man oft die Antwort: der Heilige Geist ist eine Taube, die vom Himmel kommt (in Anlehnung an die Taufe Jesu, wie in allen vier Evangelien beschrieben). Da wird das Wesen mit dem Bild gleichgesetzt. Der Heilige Geist wird auch die Kraft Gottes genannt. Weitere Bilder oder Symbole für den Heiligen Geist sind Feuerzungen (Pfingstereignis) oder auch Wasser (Taufe; oder das Wasser, das aus der durchbohrten Seite Jesu rinnt). In den Sakramenten wird der Heilige Geist durch Handauflegung oder Salbung mit Öl (Firmung) gespendet, und damit die Gnade Gottes den Gläubigen mitgeteilt. Dies soll im Leben der Gläubigen Frucht bringen. Geist kommt auch im Sprachgebrauch recht häufig vor, so z.B. als die Lebensgeister, die vom Kaffee geweckt werden. Es gibt den Teamgeist, Geistesblitze, gute und böse Geister, geistreiche Ideen usw. Was also ist in Wahrheit der Heilige Geist?
B. Die Lehre vom Heiligen Geist als wesentliches Thema des christlichen Gottesverständnisses
Diese Aussage der Überschrift muss zuerst einmal in die verschiedenen Teile aufgegliedert und definiert werden.
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1.1. Bedeutung des Wortes Heiliger Geist
Die Bezeichnung Heiliger Geist oder Gottes Geist kommt in der Bibel an vielen Stellen - sowohl im AT (Altes Testament) als auch im NT (Neues Testament) - vor. Dabei werden verschiedene Bilder und Ausdrucksformen für den Geist benutzt. Immer ist es dabei eine Kraft, die von Gott ausgeht und etwas bewirkt. Der Geist wird von Gott geschenkt, aber auch wieder zurückgenommen.
1.1.1 Das hebräische Wort ruach
Im hebräischen steht das Wort ruach, was Wind, Hauch, Atem, Geist bedeutet und in einer weiblichen Form gebraucht wird. Es ist die Lebenskraft. Die ruach ist in natürlichen Vorgängen zu erkennen und ist so als eine Gabe Gottes als Schöpfer aller Dinge zu sehen. In einem Fresko der Heiligsten Dreifaltigkeit in der Kirche Urschalling ist der Heilige Geist als Frau dargestellt. 1 In der feministischen Theologie wird ruach die weibliche Seite Gottes genannt. So wie die Frau einem Kind das Leben schenkt, ist hier die lebensspendende Kraft des Geistes sichtbar. Alles, was lebt und atmet, hat Geist. Dies wird besonders im Schöpfungsbericht oder in dem Text Ezechiel 37,1-10 sichtbar.
1.1.2 Das griechische Wort pneuma
Das griechische Wort für Geist ist pneuma und heißt Wind, Böe, Sturm aber auch Luft und Atem, wie es im medizinischen Gebrauch üblich ist. Es ist ein sächlicher Ausdruck. In der Bibel steht es für den Lebensatem, den Gott schenkt. Gleichzeitig steht es auch für die Kraft in den Naturgewalten, die Leben weitertragen können, wie den Wind, der den Samen der Pflanzen überträgt oder die Wolken antreibt, die den notwendigen Regen bringen. In dem biblischen pneuma ist Gott als der Schöpfer zu sehen, der in allen Elementen und Lebewesen gegenwärtig ist und wirkt.
1 LB 12, 3.22
1.1.3 Das griechische Wort Paraklet
Der aus dem griechischen kommende Name parakletos bedeutet Beistand oder Fürsprecher, Anwalt und wird im Johannesevangelium in den Abschiedsreden Jesu für den Heiligen Geist eingeführt. (Joh. 14,16; 14,26; 15,26; 16,7-11; 16,13-15) Als Paraklet wird der Geist den Jüngern geschickt, um an Jesus Stelle die Gläubigen weiter zu führen und lehren. Er soll wie ein Anwalt für Jesus und seine Gemeinde Zeugnis ablegen. Er ist ebenso Tröster wie auch Lehrer. 4
1.1.4 Das lateinische Wort spiritus
Das lateinische Wort spiritus bedeutet Geist. In dem Wort spiritus sanctus (Heiliger Geist) oder spiritus dei (Geist Gottes) ist die Kraft Gottes, die dem Menschen Spiritualität (Geistigkeit) gibt, zu verstehen. Durch den von Gott geschenkten spiritus wird der Mensch fähig, in eine Beziehung zu Gott zu kommen. Durch diese Spiritualität können Menschen, über ihre eigenen Kräfte hinauswachsend, für die Gemeinschaft handeln, oder kreativ tätig werden.
1.1.5 Heiliger Geist
Die Bibel nennt den Geist Gottes heilig, weil er Teil von Gott ist und damit anders als alles in der Welt. Durch den Geist Gottes ist der Schöpfer Gott mit dem von ihm Geschaffenen verbunden. Als Wirkung des Geistes zählt die Bibel in Galater 5,22-23 Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung auf, wobei nach 1.Kor. 13 die Liebe das Wichtigste ist. Der Mensch erfährt den Heiligen Geist also in den gewöhnlichen Dingen des Lebens und im Umgang mit den Mitmenschen. Im Sprachgebrauch ist der Heilige Geist, wie auch Gott Vater und Sohn Jesus, männlich besetzt. Davon ausgehend wird Gott immer nur als Mann gedeutet. Im ersten Schöpfungsbericht erschafft Gott den Menschen nach seinem Abbild als Mann und Frau. Dies bedenkend, sollte man davon ausgehen, dass Gott natürlich auch eine weibliche Seite hat, wie im Wort ruach ausgedrückt ist. Bedenkt man nun alle Bezeichnungen des Heiligen Geistes, die ja sowohl männlich, sächlich als auch weiblich besetzt sind, muss man davon ausgehen, dass Heiliger Geist alles ist oder auf jeden Fall viel mehr, als mit menschlichen Worten ausdrückbar.
1.2 Die Lehre vom Heiligen Geist
Die Lehre vom Heiligen Geist wird in der Theologie Pneumatologie genannt. Dies leitet sich aus den griechischen Wörtern pneuma (s.o.) und logos ( Wort, Sache,
Arbeit zitieren:
Reinhildt Kühnst, 2009, Die Lehre vom Heiligen Geist gehört zu den wesentlichen Themen des christlichen Gottesverständnisses, München, GRIN Verlag GmbH
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