Für meine Arbeit - passend zu meinem Referatsthema - habe ich den Künstler bzw. eine Arbeit des Künstlers Banksy gewählt. Mein Thema aus DuMonts Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst war „Kunst und Politik in den achtziger und neunziger Jahren“, verfasst von Hubertus Butin. So hätte das Thema „Street Art“ wohl als etwas besserer Rahmen gedient, doch ist Street Art eben meist politisch, da diese auf der Straße, für (theoretisch) jede Person zugänglich passiert. Im Falle des Künstlers Banksy - der in den Nullern des 21. Jh. weltbekannt wurde - passt es also hier anzuschließen (als gedachte Fortsetzung, als einen Bruchteil aus einem möglichen Thema „Kunst und Politik in den 00er Jahren des 21. Jh.“)
Gewissermaßen als Einleitung für meine Seminararbeit möchte ich aber an das Ende des anfangs erwähnten Textes von Butin anschließen, den Ausblick bzw. die Feststellungen des Autors zu der gegenwärtigen Lage und Entwicklung der (bildenden) Kunst bezogen auf das (politische) Bild des Künstlers darin - nach außen wie nach innen. So propagieren viele oder zumindest einige (immer noch) die Subjektdezentralisierung, bewirken mit ihrem Auftreten jedoch oft das genaue Gegenteil. Als Beispiel wird im Text hier unter anderen Jonathan Meese genannt, der derzeit immer populärer zu werden scheint - oder seinen Popularitäts-Level zumindest gut zu halten weiß. Popularität gewinnend nicht nur als Kunstschaffender, sondern quasi bereits an der Schwelle zum „Popstar“ stehend.
„Ein überkommenes Künstlerbild, das von den Vorstellungen einer Vorzeige-Authentizität, einer subjektzentrierten Autorenschaft, obsessiver
Werkautonomie und männlicher Dominanz geprägt ist, erlebte eine Renaissance (etwa bei John Bock, Jonathan Meese, Gregor Schneider).“ (Hubertus Butin, 2006)
Nun halte ich Jonathan Meese aber für einen sehr faszinierenden Künstler und möchte glauben, dass seine Agitationen zum Thema Kunst, die die „Menschenmacht“ ablösen solle, seiner inneren Überzeugung entsprechen, und nicht nur Mittel zum Zweck des genauen Gegenteils sind, seiner eigenen Promotion. Wobei ich selbst, sollte es sich tatsächlich nur (oder zumindest auch) um Eigenwerbung Meeses handeln, seine „Manifeste“ weiterhin interessant, im schlimmsten Fall zumindest dennoch unterhaltsam finde oder eben fände. Um jedoch meinerseits hier eine weniger subjektorientierte Ansicht festzuhalten, kann man vermutlich behaupten Meese sei in jedem Fall ein polarisierender Künstler und somit ganz grundsätzlich interessant.
Die Frage, die sich stellt ist jedoch, wäre er ohne seine Wirkung als der „Star-Künstler“ der er inzwischen nun einmal ist - eine Aura, die er nun auch nicht mehr abschütteln kann (und vermutlich auch nicht wollte, wenn er „zum Wohle“ der Glaubwürdigkeit seiner künstlerischen Manifeste könnte - das wäre die weitere Frage) - ebenso präsent bzw. wären seine Inhalte und Kunstwerke ebenso von einem Massenpublikum wahrgenommen?
1
Vermutlich nicht, und so ist das politische Moment an Meese eben doch er selbst, sein Auftreten, stellt man die Frage so nachdrücklich wie von Butin verlangt. Ob nun nur ein Selbstverwirklicher - solche, die Meese eigentlich verdammt - oder ein kreatives Werkzeug für die Vermittlung höherer Werte, einer besseren möglichen Zukunft, was auch immer Meese (auf den ich hier nun bereits mehr eingegangen bin als ich wollte) sein mag, er hat eine (politische) Wirkung, die man nicht von der Hand weißen kann. Ich persönlich habe nichts gegen die Mystifizierung „subjektorientierter“ KünstlerInnen. So muss jede Person für sich persönlich bestimmen, wie er oder sie dieser (Ersatz)Religion gegenübersteht, wie weit er/sie sich einbeziehen will. Denn wenn Fanatismus akzeptiert werden kann, dann doch am ehesten noch in der Kunst. Und wenn schon nicht akzeptiert, dann zumindest toleriert - wie gesagt, zumindest im Bereich der Kunst. Sobald Kunst allerdings politisch wird - und ich wage hier die Aussage, dass gute Kunst meist äußerst politisch ist (vielleicht sein muss) - wird es natürlich wieder komplizierter. Vermeintliche Ideologien versus reine Provokation versus die vielen Schattierungen dazwischen. Ich möchte es vermeiden eine künstlerische Herangehensweise über eine andere zu stellensolange sich diese Herangehensweise selbst treu ist und keine leeren Inhalte verkörpert und verkauft. So darf man vermutlich auch die Widersprüche die sich bei der Auseinandersetzung mit Meese und seinen Inhalten ergeben nicht fehl deuten, sondern sollte sie für das nehmen was sie (zumindest meiner Meinung nach) sind; das Salz in der künstlerischen Suppe (platt ausgedrückt) - egal ob „Jonathan Meese“ nun ein (Gesamt)Kunstwerk oder doch eher (nur) -figur ist.
Möchte man nun aber mögliche Fehlinterpretationen auf ein Minimum reduzieren, bietet es sich vermutlich an beim Thema Politik in der Kunst oder Kunst und Politik, auf einen anderen, weniger subjektorientierten Künstler zurückzugreifen. Welcher Künstler würde sich hier besser anbieten als einer, der so etwas wie ein Phantom ist - und somit (zumindest theoretisch) nicht subjektorientiert wahrgenommen werden kann. Nun wird dieses Phantom ebenfalls zur Ikone hochstilisiert, allerdings ist die Idee, dass die Kunst selbst und nicht der Künstler oder die Künstlerin im Mittelpunkt steht und für die Aufmerksamkeit sorgt, hier eher nachvollziehbar.
Die Rede ist von - wie anfangs erwähnt, dann aber das Thema über den Umweg „Meese“ begangen - Banksy, dem weltweit bekannten aber (noch?) (pseudo?)-anonymen 1 britischen Graffitikünstler bzw. eines seiner Stencil Werke.
Banksy ist aber natürlich ebenso wie Meese nicht für „alle“ der erhabene Prophet der (politischen) Kunst. Dafür steht im Falle von Banksy inzwischen schon sein Name selbst. Unter dem Wort „Banksy“ werden so inzwischen im „Urban Dictionary“ 2 zwei Bedeutungen angeführt. Laut der ersten sei „Banksy“ ein ausnehmender Künstler - anwendbar auf nur eine Person, die diesen (Marken)Namen eben trägt:
2
Perhaps the greatest stencil artist ever he parades his works around Britain quite illegally. He defaces monuments, spray paints animals and generally bugs people off. (Willie C., 2004)
Laut der zweiten sei die Bezeichnung „Banksy” allgemein auf jedermann und -frau anwendbar, und sei so dann gleich bedeutend mit „Sellout“; jemandem der seine Ideale („oder“ in diesem Falle Kunst für Geld) verkauft, wortwörtlich erklärt wie folgt:
A sell out. Somebody who comprimises [sic] their integrity, morality and principles for money. It is commonly associated with attempts to increase mass appeal or acceptability to mainstream society. A person who does this, as opposed to following the original path they laid out for themself [sic], suffers immediate loss of respect. The term comes from the prime example; Banksy, the UK based graffiti artist who writes of anti-consumerism and then goes on to make himself one of the most commercially successful brand names in the art world. (MCMXCV, 2008)
Wieviel Unfehlbarkeit man diesem etwas anderen Online-Wörterbuch im zweiten Punkt nun auch zugestehen will - Tatsache ist, dass Banksy dafür kritisiert wird ein „Mainstream-Künstler“ geworden zu sein. Dennoch denke ich, sollte man hier nuancieren können, denn wenn ein kritischer Künstler in einer Gesellschaft von seiner Kunst leben kann - sogar sehr gut leben kann - dann ist das meiner Meinung nach etwas, das für diese Gesellschaft spricht. Das Spielen mit den Werten - im wahrsten Sinne - macht es schließlich noch viel interessanter.
So mögen (ganz allgemein über den Kunstmarkt gesprochen) viele Verkaufspreise für Kunst zwar pervers erscheinen - doch im Endeffekt zeigt gerade dies wiederum nur eine perverse Facette des Kapitalismus auf, in dem Kunst nun mal zwangsläufig (auch) stattfindet, stattfinden muss.
Nun aber zum eigentlichen Thema, dem Kunstwerk selbst, einem Schablonen-Graffiti von Banksy.
Für die Recherche zum Thema zog ich das Buch bzw. die Werksammlung „Wall and Piece“ von Banksy heran. Da Werke daraus - aufgrund der Schnell- und Kurzlebigkeit von Graffitijedoch bereits „veraltet“ oder weniger abwertend ausgedrückt, politisch oft nicht mehr (brand)aktuell sind (mit Blick auf das Referatsthema und den Bezug darauf), habe ich mich für ein neueres, im Buch somit noch nicht angeführtes Werk entschieden. Ein Werk, das im Zuge Banksys künstlerischem Ausflug nach New Orleans im August 2008 entstand und zumindest der Benennung des Jpeg-Bildes davon auf Banksys eigener Webseite 3 nach den Titel „Looters“ 4 trägt.
3
Arbeit zitieren:
Mag. (FH) J. X. Daller, 2008, Zu "Looters" von Banksy, München, GRIN Verlag GmbH
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