Der enorme Fortschritt der Computertechnologie hat auch vor dem Videobereich nicht halt gemacht. Nachdem sich die Vorzüge des computerunterstützten Videoschnitts lange auf die Steuerung von analogen Videoschnittrecordern beschränkt haben, ist es seit geraumer Zeit ein Leichtes, Videosignale zu digitalisieren und mit dem Computer zu arbeiten. Ständig werden neue Rechner mit immer schnelleren Prozessoren auf
den Markt gebracht. Inzwischen sind die Voraussetzungen mit dem Umgang mit Bildmaterial mehr als günstig. Für relativ wenig Geld lassen sich heute Geräte kombinieren, die sich durch Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit auszeichnen. Systemabstürze werden seltener, ein reibungsloser Prozess wird zunehmend ermöglicht.
Generell wird unter Video jegliche Art von Bewegtbildern verstanden. Videotechnik hingegen umfasst allgemein Verfahren und Ausstattung zur elektronischen Aufzeichnung, Speicherung und Wiedergabe von Bewegtbildinformationen und Toninformationen. Zu unterscheiden gibt es hierbei die analoge und digitale Videotechnik. Zuvor jedoch soll auf die generelle Grundlage von Bewegtbildern eingegangen werden.
1. Grundlagen
Die biologische Grundlage jeglicher Abfolge von Bildern stellt das menschliche Auge dar. Daher geben die psychophysikalischen Eigenschaften des Auges auch die Randbedingungen für die Konzeption des Mediums „Video“ vor. Die visuelle Wahrnehmung des Menschen ist relativ langsam. So können schnell aufeinanderfolgende Reize nicht mehr diskriminiert werden, wodurch eine „Scheinbewegung“ zustande kommt. Hierfür braucht es eine Bildrate von 16 bis 24 Bildern pro Sekunde. Das heißt: Für einen kontinuierlichen Bewegungsablauf braucht es mindestens 25 Bilder pro Sekunde.
Bei der traditionellen Fernsehübertragung wird das Bild in einen Raster zerlegt und die Helligkeitswerte der Rasterpunkte werden zeilenweise nacheinander (sequentiell) übertragen. Dabei stimmt die Anzahl der übertragenen Linien nie mit der Anzahl der aufgezeichneten Linien überein.
Seit 1952 gilt in Mitteleuropa die 625-Zeilen-CCIR-Norm (Comité Consultatif International de Radiodiffusion), d.h. es werden 625 Zeilen vertikal, 833 Bildpunkte horizontal und 50 Halbbilder pro Sekunde übertragen.
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Doch wie überall auf der Welt gibt es auch hier verschiedene Standards:
• PAL (Phase Alternation Line): Europa, Südamerika u.a.; 25 Bilder/s; 625 Zeilen/Bild.
• SECAM (Systeme Electronic Pour Couleur Avec Memoire): Frankreich, Russland; 25 Bilder/s; 625 Zeilen/Bild.
• NTSC (National Television Standard Committee): USA, Japan; 30 Bilder/s; 525 Zeilen/Bild.
Auf 50 Halbbilder pro Sekunde kommt man mit Hilfe des Zeilensprungverfahrens. Es werden dabei in der ersten 1/50 Sekunde nur die ungeraden Zeilen eines Bildes wiedergegeben, in der darauffolgenden 1/50 Sekunde nur die geraden Zeilen. Durch diese Verschachtelung können vor allem sehr helle Bilder flimmerfrei gemacht werden.
2. Analoge und digitale Aufzeichnungsformate
Analoge Aufzeichnungsformate unterscheiden sich hinsichtlich der aufgezeichneten Linien pro Bild, sowie der Art der Signalaufzeichnung. Beispiele sind (in abnehmender Qualität): Betacam, U-matic, S-VHS, Hi-8 und das populärste Videosystem VHS. Der Nachteil all dieser Formate jedoch ist, dass die Qualität von Kopie zu Kopie schlechter wird.
Bei digitalen Aufzeichnungsverfahren wird das Bild bereits während der Aufnahme digitalisiert, komprimiert und im Schrägspurverfahren auf Magnetband aufgezeichnet und der Ton synchron in CD-Qualität digital auf das Band gespeichert. Beispiele sind (in abnehmender Qualität): Digital Betacam, DVCPRO, DVCAM und DV (Digital Video).
Vorteile des digitalen Videos geg. dem analogen:
- Qualität unabhängig vom Übertragungskanal
- Kopierbar ohne Qualitätsverluste
- Fehlerkorrektur vielfältig möglich
- Genaue digitale Filter und Effekte einsetzbar
- Multilayertechnik
- Erweiterungsmöglichkeit/Kompatibilität
- Bildgenauer Schnitt
In der digitalen Videotechnik wird im Prinzip eine Bildrate von 25 bis 30 Bildern pro Sekunde gewählt, wobei ein einziges Vollbild ca. 1,2 MB Speicherplatz beansprucht. Der Nachteil der digitalen Videoverarbeitung liegt auf der Hand: Eine Sekunde Film braucht 30 bis 36 MB, eine Minute ca. 1,8 GB. Der Speicherplatzbedarf wächst enorm! Das Zauberwort heißt Kompression.
3. Digitales Video
Grundsätzlich besteht ein digitales Video aus der sequentiellen Aneinanderreihung einzelner Video Frames (vgl. Abb. 1). Wie beim klassischen Zeichentrickfilm werden einzelne Bilder hintereinander dargeboten.
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Die Größe der Videodateien hängt ab von:
- Frame size: Bildgröße
- Frame rate: Anzahl der Frames pro Zeiteinheit
- Colour depth: Farbtiefe
- Audio-Soundtrack
- Codec
4. Kompression - Codecs
Codec steht in diesem Zusammenhang als Abkürzung für "compression/decompression". Grundsätzlich gehört zu jedem Kompressionsverfahren auch ein entsprechendes Dekompressionsverfahren, das es ermöglicht, das komprimierte Video wieder anzusehen. Man unterscheidet Hardware-und Software-Codecs.
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Audio und Video bei exzellenter Qualität unkomprimiert aufzunehmen und zu speichern. Wie schon erwähnt, sprechen die hierbei entstehenden enormen Datenmengen allerdings dagegen. Deshalb wird bei der Videobearbeitung immer häufiger auf Codecs zurückgegriffen. Diese bemerkt man spätestens dann, wenn eine Videodatei trotz installiertem Player nicht korrekt wiedergegeben werden kann. Das bedeutet leider oft, dass man entweder über kein Bild bei vorhandenem Ton oder im Extremfall weder über Bild noch Ton verfügt. In diesem Fall sind auf dem entsprechenden Rechner nicht die entsprechenden Codecs installiert, mit denen dieses Video bearbeitet wurde. Standardmäßig werden inzwischen jedoch mit jedem Betriebssystem die gängigsten Audio- und Videocodecs mitgeliefert oder man kann sie meist kostenlos aus dem Internet herunterladen. Sie stammen von unterschiedlichen Herstellern und sind auch für recht verschiedene Verwendungszwecke gedacht. Die gebräuchlichsten Videocodecs sind:
• Intel Indeo 5.1: Ein Codec für Windows-PCs und MACs mit guter Bildqualität, der bei hoher Detailtreue schnell arbeitet.
• Cinepak Codec: Ein Codec für Windows-PCs und MACs mit ebenfalls guter Bildqualität, wobei allerdings die Komprimierung für eine problemlose Bearbeitung im Videoschnitt zu langsam ist. Er sollte daher nur beim endgültigen Export der Videodatei eingesetzt werden.
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Arbeit zitieren:
Mag. Marc Hollenstein, 2002, Videotechnik - Modul5 - Videotechnik, München, GRIN Verlag GmbH
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