2.
3.
3.1
3.2. Varianten der Moderne
3.2.1. Säkularisierungsbegriff
3.3. 'Spleen und Idéal'
3.3.1. 'Hin zum Idéal'
3.4. 'Sprachmagie'
3.5. 'le Bien - Spiritualität'
4. Modus der Antike
4.1. Venus in der Malerei
5. La femme in den Versen von Baudelaire
5.1. Das „tu“ und „ton“ miroir
7.
1. Einleitung
Unter dem Thema „Facetten der Moderne“ ist das ganze Spektrum von Begriffen und Merkmalen dessen, was quer durch die Epochen immer wieder als neu und modern begriffen wird, zu verstehen. Das Rationale und das Ästhetische, ratio und passio erscheinen oft im Licht der 'Schwarzweißmalerei-Geschichte'. Dieser Aspekt wird besonders bei Baudelaire zum Spannungsverhältnis zwischen dem 'Himmlischen' und 'Irdischen'. Solche Ambivalenz hat ihren Ursprung in der Antike, wo die Philosophie sich mit dem Phänomen der Abgrenzung von Verstand und Gefühl befasste.
Die gegenseitigen Einflüsse sind ein beliebtes Thema der Problematik der 'Ich-Krisenhaftigkeit'. Die Baudelairesche Auffassung von 'Gut' und 'Böse' bezieht sich vor allem auf das 'la femme', die entweder glorifiziert oder verteufelt wird.
Im Gedicht L'homme et la mer ist jedoch auch die Vision von 'l'homme' erfassbar. 2. Begriffe von „modern“
In der lateinischen Bedeutung ist der Begriff 'modo' als „eben jetzt, eben da“ bekannt. 1 In diesem Sinne bezieht sich der Inhalt dessen Begriffs auf zeitliche Kategorie und zwar auf gegenwärtige, die das Momentane, Augenblickliche und das Aktuelle in sich hat. Auf diese Weise wird die Verwurzelung der ästhetischen Moderne in der Antike - zumindest auf der Oberfläche des Begriffs - angedeutet. Im Beitrag von Vietta erscheint im Zusammenhang mit 'modo' die Bezeichnung 'an der Epochenschwelle', womit konkret der Übergang von dem alten weströmischen Reich gemeint ist.
'Modern' markiert 'Zeitbewusstsein', das Unterschiede zur älteren Zeit„antiquitas“ aufweist.
Viele Jahrhunderte später - gleich mit dem Erscheinen der deutschen
1 Vgl. Kemper, Dirk: Ästhetische Moderne als Makroepoche. In: Ästhetische Moderne in Europa. Grundzüge und
Problemzusammenhänge seit der Romantik. Hg. v. Silvio Vietta und Dirk Kemper. München: Wilhelm Fink Verlag
1998. S. 103.
Frühromantik - fängt die Zeit an, mit der wieder der Anfang der ästhetischen Moderne in Europa verknüpft wird. Die Aufsätze in Vietta zeigen somit die Breite der Begriffs- und Darstellungsgeschichte dessen, was sich von neu an als 'modern' ausweist. 2 3. Merkmale der Moderne
Wenn im allgemeinen Verständnis der 'Moderne' die Abgrenzung zum 'Alten' liegt, ist die Frage danach, was man darunter zu verstehen hat, berechtigt.
Für die traditionelle abendländische Metaphysik sind die Leitbegriffe des Wahren, Guten und Schönen von großer Bedeutung. Das Phänomen der Abgrenzung nennt Vietta als innere Prozesse, die nach Simonetta Sanna als rationalistische und ästhetische Moderne unterscheidbar sind.
Der Rationalismus wird demnach mit dem Fortschritt und der Beherrschung der Natur verbunden. In der ästhetischen Moderne wird dagegen Bewusstseinskrise artikuliert, die „Degenerationserscheinungen“ der rationalistischen Moderne versprachlicht. 3 So verweist man auf die „Ästhetik des Hässlichen“, was mit negativen Erfahrungen konnotiert wird. Denn „Die Welt der Moderne hat sich dem Fortschritt verschrieben, sie ist aber selbst häßlich […].“ 4 Zu den Leitideen der Moderne gehören zwischen anderen solche Werte wie Vernunft, Reflexivität und vor allem Freiheit. 3.1. Fokussierung auf Freiheitsbegriff
Im Zentrum des ästhetischen Diskurses der Moderne steht der Begriff der Freiheit, in dem personale und überindividuelle Identität eine bedeutende Rolle spielt.
Die Freiheit im historischen Sinne verbindet man mit der Freiheit von Religionskriegen und „[...] mit der Idee vernünftigen Selbstbestimmung des
2 Vgl. Vietta, 1998, S. 1-3.
3 .Vgl. Vietta, 1998, S. 40-41.
4 Vietta, 1998, S. 36-37.
Menschen und der rationalen Erforschung der Natur.“ 5 Die Epoche, die um den Begriff 'Vernunft' fokussiert ist, ist die Aufklärung. Günter Figal nennt Freiheitsphilosophie und Nihilismus, die in der Aufklärung erschienen sind, als Voraussetzungen der Moderne, die geschichtlich und logisch diktiert worden sind. 6 Günter Figal analysiert den Begriff der Freiheit in Bezug auf Kierkegaard, in dessen Philosophie „Selbstzweifel“ und „Selbstüberschätzung“ im Spannungsverhältnis stehen. Figal vergleicht es mit Nietzsches „pathologischem Zwischenzustand“. Für Nietzsche ist es das Spannungsverhältnis zwischen dem „Gewesenen“ und „Jetzt“. Bei beiden sieht Figal „das Ungleichgewicht von Überaktivität und Verzagen“. In diesem Zusammenhang erklärt Figal die menschliche Freiheit als Gegensatz der Verzweiflung. 7
Es werden hier Krisensymptome der „Ich - Erfahrung“ angedeutet. Die Kehrseite dieser Krisenhaftigkeit ist die Darstellungsperspektive, die „[...] dem Ideal eines vernünftig vermittelten, ausgeglichenen Haushalts aller Seelenkräfte […] verpflichtet ist.“ 8
Erst in der Romantik wird die neu gewonnene Freiheit, die sich auf den Selbstentwurf des „Ichs“ bezieht, begrüßt. Mit der Idee der Freiheit wird der Autonomie-Anspruch verbunden, der als ein Hauptmerkmal der ästhetischen Moderne ausgewiesen wird. Friedrich Schlegel fordert die Selbständigkeit des Schönen ein, wobei er das Dichten als willkürlich ausweist. Dadurch wird die Konstitution der Eigengesetzlichkeit der modernen Ästhetik und Eigenverantwortung der Künstler begründet. Man spricht von einer „Absolutsetzung“ des Autors und Künstlers, was mit dem Gedanken der Autonomie in Zusammenhang steht. Nach Novalis wird die Ästhetik vom Prinzip der Nachahmung der Natur abgekoppelt. 9
6 Vgl. Figal, Günter: Krise der Aufklärung - Freiheitsphilosophie und Nihilismus als geschichtslogische
Voraussetzungen der Moderne. In Vietta, 1998, S. 57.
7 Vgl. Figal,Günter, in Vietta, 1998, S. 57-59.
8 Vietta , 1998, S.38.
9 Vgl. Vietta, 1998,S. 26-27.
Arbeit zitieren:
Aldona Kiene, 2011, Facetten der ästhetischen Moderne, München, GRIN Verlag GmbH
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