den darauf folgenden Sonntag angesetzt ist, und obwohl im keine Zeitangabe mitgeteilt wird, errät er ihren Beginn intuitiv. Das heißt jedoch nicht, dass er auch pünktlich bei der angegebenen Adresse, einem alten und schäbigen Mietshaus in einer heruntergekommenen Vorstadt, ankommt. K. hat verschlafen und findet das Untersuchungszimmer erst nach einer langwierigen Suche, bei der er angibt, einen nicht - existenten oder ihm jedenfalls nicht bekannten „Tischler Lanz“ sprechen zu wollen. Umso verblüffter ist er, als diese Suche tatsächlich Erfolg hat und eine junge Frau ihm auf seine Frage hin den Weg zu einem Nebenzimmer mit geöffneter Türe weist und ihn sogar noch mit den Worten: „Nach Ihnen muss ich schließen, es darf niemand mehr hinein“ (S.42, Z.9f) dazu anhält, einzutreten. Obwohl K. es in dem Zimmer schon ohne seine Anwesenheit „zu voll“ (S.42,Z.11) findet, geht er doch hinein und verlässt damit auch symbolisch die ihm bekannte, alltägliche Arbeitswelt, um in die unbekannte des Gerichts einzutauchen. Zu Beginn der angegebenen Textstelle befindet sich der Protagonist des Romans nun also in einem mittelgroßen Raum mit einer Galerie, der voll von verschiedenen Menschen ist und an einen Ort der Versammlung erinnert. Dass all die Anwesenden schon auf K.s Ankunft gewartet haben, wird durch die Tatsache suggeriert, dass die Frau K. darüber informiert, dass nach ihm keiner mehr hinein dürfe. Er lässt sich von einem „kleinen, rotbackigen Jungen“ (S.42, Z.17) durch den ganzen Saal zu dem Podium des Untersuchungsrichters führen. Dabei erkennt K., dass der schmale Weg, den sie beschreiten, „möglicherweise zwei Parteien [trennt]“ (S.42, Z.21) und verlässt sich bei seiner Annahme auf die Tatsache, dass er „nur die Rücken von Leuten, welche ihre Reden und Bewegungen nur an Leute ihrer Parteien richteten“ (S.42, Z.21) sieht. Mit diesem Satz und dem Einblick in K.s Gedanken weist sich der Erzähler eindeutig als ein personaler aus, der einen Standpunkt innerhalb des Geschehens einnimmt und nur schildert, was andere Anwesende auch wahrnehmen können, ohne darüber hinaus zu kommentieren oder Wertungen vorzunehmen. Dieses „Entlassen“ des auktorialen Erzählers ist typisch für die Entstehungszeit des Werkes, die als „Moderne“ bezeichnet wird und sich unter anderem dadurch charakterisieren lässt, dass ihre Autoren sich in ihrer Kompetenz, die immer undurchschaubarere und von stetig neuen Entdeckungen geprägten Welt zuverlässig zu deuten und zu interpretieren, beeinträchtigt sehen. Da es sich bei der Schilderung der Vorkommnisse ausschließlich um eine Darstellung aus K.s Perspektive handelt, haben wir es genauer gesagt mit einem sogenannten „einsinnigen Erzähler“ zu tun. Die Leute, die K. sieht, sind „schwarz angezogen“, in „Festumhänge“ gehüllt (S.42, Z.26f.). was K. leicht verwirrt, ihn jedoch nicht weiter tangiert. Der Untersuchungsrichter, bei dem er schließlich ankommt, wird als „kleiner, dicker, schnaufender Mann“ (S.42, Z.34f.) beschrieben, der manchmal die
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Julia Harzheim, 2010, Interpretation zu "Der Prozess" von Franz Kafka, München, GRIN Verlag GmbH
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