Inhaltsverzeichnis II
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
INHALTSVERZEICHNIS........................................................................................................ II
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS VI
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. VII
1 EINLEITUNG. 1
1.1 Ziel der Arbeit 3
1.2 Rechtfertigung und Relevanz des Themas 3
1.3 Hypothesen. 4
2 DIDAKTISCH-METHODISCHER SCHWERPUNKT: EINE
THEORETISCHE VORBETRACHTUNG. 5
2.1 Einbettung in die DFB-Ausbildungskonzeption sowie Klärung wichtiger
Zentralaspekte 5
2.2 Konzeptionelle Aspekte der „Eliteschulen des Fußballs“ 6
2.3 Spezifik des Spezialsportunterrichts sowie methodische Schwerpunkte für
das Vormittagstraining an den „Eliteschulen des Fußballs“ 8
3 PLANUNG DER UNTERRICHTSREIHE 10
3.1 Analyse des pädagogischen Bedingungsgefüges 10
3.1.1 Lerngruppe und Lehrer-Schüler-Verhältnis 10
3.1.2 Äußere Bedingungen. 17
3.1.3 Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung 18
3.2 Didaktisch-methodische Überlegungen und Begründungen. 20
3.2.1 Stellung der Stunden in der Stoffeinheit 20
3.2.2 Sachanalyse 22
3.2.2.1 Aspekte und Ansätze der Persönlichkeitsentwicklung im Fußball 23
3.2.2.2 Psychosoziale Ressourcen 26
Inhaltsverzeichnis III
3.2.2.3 Selbstkonzept 28
3.2.2.4 Selbstwirksamkeit 31
3.2.2.5 Kernziele zur Förderung von Selbstkonzept und Selbstwirksamkeit. 33
3.2.2.6 Optimale Regeneration von Fußballspielern. 34
3.2.3 Didaktische Analyse und Reduktion 36
3.2.4 Lernziele der Unterrichtsreihe. 40
3.2.5 Didaktische Stufung und Vorstellung des Methodenkonzepts 42
3.2.6 Stundenplanungsübersicht. 48
4 DURCHFÜHRUNG DER UNTERRICHTSREIHE 50
4.1 Darstellung und Reflexion der ersten Unterrichtsstunde 50
4.1.1 Auswahl der Lernziele 50
4.1.2 Geplanter Unterrichtsverlauf. 51
4.1.3 Reflexion 53
4.2 Darstellung und Reflexion der zweiten Unterrichtsstunde 58
4.2.1 Auswahl der Lernziele 59
4.2.2 Geplanter Unterrichtsverlauf. 59
4.2.3 Reflexion 61
4.3 Ausführliche Darstellung und Reflexion der dritten Unterrichtsstunde. 67
4.3.1 Didaktisch-methodische Überlegungen 67
4.3.2 Auswahl und Begründung der Lernziele. 71
4.3.3 Geplanter Unterrichtsverlauf. 73
4.3.4 Reflexion 74
4.4 Darstellung und Reflexion der vierten Unterrichtsstunde. 80
4.4.1 Auswahl der Lernziele 80
4.4.2 Geplanter Unterrichtsverlauf. 81
4.4.3 Reflexion 82
5 REFLEXION DER UNTERRICHTSREIHE 89
6 LITERATURVERZEICHNIS IX
7 ANHANG (MATERIALIEN ZUR UNTERRICHTSREIHE) XII
„Alle Ausbildungsprozesse müssen zum Ziel haben, Talente nicht nur fußballerisch, sondern als ‚echte’ Persönlichkeiten voranzubringen! Das Motto ‚Wille schlägt Talent’ drückt aus, wie wichtig und unverzichtbar gerade im Spitzenfußball eine stabile Leistungseinstellung, Leidenschaft und
1 DFB „Eliteschulen“, S. 63.
Abkürzungsverzeichnis V
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Abkürzung Bedeutung
bzgl. ebd. et al. etc. EW f. ff. ggf. Hrsg. HT Hyp. i.e. ITK Kap. KuRa LD
Abbildungsverzeichnis
Abb. 29 und 30: Erwärmung - Koordinationsleiter und Kopfball
Abb. 31 und 32: Erwärmung - Passspiel und Stabilisierung
Abb. 33 und 34: Hauptteil - Torschusswettbewerb und Strafrunde
Abb. 35 und 36: Technikbeobachtung Flugbälle und Spielform
Abb. 37 und 38: Ausklang - Lockerung sowie Schluss - Selbstreflexion
Abb. 39 und 40: Erwärmung - Aufbau FIFA 11 und Aufstellung Passform
Abb. 41 und 42: Erwärmung - FIFA 11 Laufübung 1 und 2
Abb. 43 und 44: Erwärmung - FIFA 11 Oberschenkelrückseite 1 und seitlicher
Unterarmst ütz
Abb. 45 und 46: Erwärmung - FIFA 11 Oberschenkelrückseite 2 und 3
Abb. 47 und 48: Erwärmung - FIFA 11 Einbeinstand mit Ballwurf und
Spr ünge
Abb. 49 und 50: Erwärmung - Passspiel und Hauptteil - Komplexübung
Abb 51 und 52: Hauptteil - „Aufstand“ und Ausklang - „Arsch-Schießen“
Einleitung 1
1 EINLEITUNG
Spieler 2 müssen in ein Mannschaftsgefüge passen - in diesem Zusammenhang taucht seit geraumer Zeit der Begriff der „Persönlichkeitsentwicklung“ verstärkt im Sprachgebrauch des Fußballs auf - doch handelt es sich dabei keinesfalls um eine fußballerische Neuerfindung der jüngsten Zeit. Auf der Suche nach exponierten Spielerpersönlichkeiten im Männerfußball
wird man schnell fündig: Oliver Kahn 3 - alias der „Titan“ - schwebt zahlreichen Zeitgenossen dabei noch als solch eine schillernde Figur vor dem inneren Auge; als „Lichtgestalt“ der diesjährigen WM 2010 in Südafrika schickt sich ein gewisser Thomas Müller aus dem beschaulichen Pähl in Oberbayern an, zukünftig in ebensolch große Fußstapfen treten zu
können 4 . Natürlich brachte auch der Frauenfußball zahlreiche weibliche Identifikationsmöglichkeiten und Pendants hervor. Die lange Erfolgsgeschichte sei an dieser Stelle plakativ nur durch die Namen der nachfolgenden ehemaligen und teils noch aktuellen Spielerinnen angedeutet: Birgit Prinz, Silvia Neid, Steffi Jones, Maren Meinert, etc. Die Grundeinstellungen zur sportlichen Lebensführung jener Profis von einst stellen für den Fußballnachwuchs maßgebliche Orientierungen dar. Sie verkörpern die „menschlichen Zielgrößen“ von Bildungsinstitutionen - insbesondere der Eliteschulen des Fußballs - in der Gegenwart. Sich dieser Tradition zukünftig verpflichtend, wies der Präsident des DFB, Dr. Theo Zwanziger, in seinem Grußwort zum ITK 2009 aktuell darauf hin, dass „die Persönlichkeitsentwicklung von Talenten einen aktuellen Schwerpunkt in der Ausbildung des DFB darstelle. Dem entspricht, dass die Persönlichkeitsförderung die erste aller Leitlinien verkörpert, die in der Broschüre ‚Der weite Weg zum Erfolg - Ausbildungskonzeption des DFB’ präzisiert sind“ (BDFL 2009, S. 5).
2 Zur besseren Lesbarkeit werden Personenbezeichnungen in der männlichen Form verwendet; gemeint sind dabei in allen Fällen Frauen und Männer, sofern diese nicht explizit getrennt voneinander betrachtet werden.
3 Erfolge u.a.: Bester Spieler und Torhüter der WM 2002, 3x Welttorhüter des Jahres, 4x Europas und 2x Deutschlands Fußballer des Jahres, Vizeweltmeister 2002, Europameister und UEFA-Pokal-Sieger 1996, Weltpokalsieger und Champions-League-Sieger 2001, 8x Deutscher Meister, 6x DFB-Pokalsieger, etc.
4 Die TLZ titelt am 5.7.2010: „Müller auf den Spuren von Pele - Beste Karten bei der Wahl zum ‚besten jungen Spieler’ dieser WM“; der deutsche Shooting-Star hat damit die erstmalig 1966 geehrte brasilianische Fußball-Ikone Pele beerbt. Als Kriterien für die Wahl lagen dem Expertengremium nebst fußballerischer Qualitäten die Aspekte „junge und erfrischende Spielweise“, „Kreativität und Inspiration“, „taktische Reife und Effizienz“, „Beliebtheit bei den Fans“, „Vorbildfunktion für Nachwuchsspieler“ und „Fair Play“ zugrunde. Und nicht nur das - auch die gute Kinderstube präsentiert sich in Müllers Fall ganz offensichtlich. Vor den laufenden Kameras der Welt erbittet sich dieser sympathische und humorvolle junge Mann nach dem Achtelfinal-WM-Spiel gegen England die Möglichkeit, seine Großeltern zu grüßen. Müller ist zudem auch noch Torschützenkönig geworden.
Einleitung 2
Demgemäß verschreibt sich der DFB dem primären Ziel einer ganzheitlichen Ausbildung junger Spielerinnen und Spieler, was auch der Sportdirektor Matthias Sammer unterstreicht:
„Unser Leitmotiv einer ganzheitlichen Entwicklung der Persönlichkeit drängt immer wieder dazu, mit den komplexen Anforderungen im Spitzenfußball dem Einzelnen zugleich auch zu helfen, sich auf die nicht weniger komplizierten Herausforderungen seines gesamten Lebens gut vorzubereiten“ (DFB: „Eliteschulen“, S. 2).
Im Lehrplan für das Fach Sport wird pointiert nicht weniger nachdrücklich und wortwörtlich das globale Ziel einer intendierten Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden proklamiert (vgl. TKM 1999, S. 5 sowie Kap. 3.2.1). Was für die Schülerklientel an allgemeinbildenden Gymnasien gilt, kristallisiert sich an den sog. „Eliteschulen des Fußballs“ (vgl. Kap. 2.1) als um ein vielfach verbindlicheres Erziehungs- und Bildungsziel heraus. Ferner spielt auch die Struktur des jeweiligen Spezialsportartenkonzepts als „Medium“ dieses Prozesses eine wichtige Rolle. Der handlungsleitenden Fragestellung - auf welche Weise sich im Fußball die Entwicklung von Lernkompetenz (mit dem Schwerpunkt der Persönlichkeitsentwicklung) gestalten kann - hat sich die vorliegende Arbeit verschrieben.
Anmerkungen zum Aufbau der Pädagogischen Hausarbeit:
Der Skizzierung des Ziels der Arbeit sowie der Rechtfertigung und Relevanz des Themas schließt sich im Kap. 1 zunächst ein Hypothesen-Katalog an, welcher nach der Durchführung der Unterrichtsreihe auf seinen Wahrheitsgehalt hin überprüft wird. Das sich anschließende Kap. 2 beinhaltet in einer sachanalytischen Vorbetrachtung zunächst die Klärung wesentlicher Zentralaspekte sowie konzeptionelle Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Planung des methodisch-didaktischen Schwerpunktes in Kap. 3. Darin präsentieren sich dem Leser wiederum das der Unterrichtssequenz zugrunde liegende personelle, materielle sowie inhaltliche Bedingungsgefüge, methodisch-didaktische Überlegungen sowie die Stundenplanungsübersicht. Der folgende praktische Teil der Arbeit umfasst im Kap.4 - entsprechend seiner zeitlichen Abfolge der pädagogischen Tätigkeit vor, während und nach der Unterrichtsreihe -Durchführung, Dokumentation und Reflexion der einzelnen Stunden. Dem schließt sich eine abschließende Gesamtreflexion mit dem Vergleich von Planung und Durchführung - inklusive Verifikation bzw. Falsifizierung des Hypothesenkatalogs - und ein Fazit in Kap. 5 der Arbeit an. Vereinzelte Zeichnungen, Skizzen und Fotos runden die schriftlichen Ausführungen ab: Sie dienen einerseits der optischen Aufbereitung sowie andererseits dem unterstützenden und dokumentierenden Nachvollzug der vorliegend präsentierten und diskutierten Unterrichts- sequenz.
Einleitung 3
1.1 Ziel der Arbeit
Wie der Titel der Arbeit bereits z.T. vorankündigt, werden in der vorliegenden Unterrichtssequenz Möglichkeiten zur Optimierung der ausgewählten psychosozialen Ressourcen „Selbstkonzept“ und „Selbstwirksamkeit“ erprobt: Ohne einer detailierteren Legitimation im Kap 3.2.2 vorweggreifen zu wollen, stehen im Fokus der Arbeit neben der obligatorischen Verbesserung individualtechnischer und -taktischer Schwächen sowie der Festigung entsprechender Stärken zentrale Aspekte der Persönlichkeit. Diese sollen im Rahmen des SSU bewusst gefördert werden, um eine wichtige Bereicherung zur Erhöhung der Ausbildungsqualität im Vormittagstraining der Eliteschulen (im Einklang mit dem sonstigen Trainings-und Spielpensum im Verein) zu leisten. Konkretisiert trägt die Sequenz dabei nachfolgenden Zielen Rechnung: So wird seitens der SSS die Entwicklung einer positiv-realistischen Überzeugung von der eigenen Wirksamkeit hinsichtlich der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit intendiert. Darüber hinaus verschreibt sich die Unterrichtssequenz dem Aufbau eines positivrealistischen Selbstbildes der SSS. Auf diese Weise sollen die Sportlerinnen u.a. dazu befähigt werden, ihre sportbezogenen Leistungen und Fähigkeiten einerseits realistischer einschätzen und reflektieren zu können. Andererseits werden sie in Richtung einer positiven Selbstwahrnehmung gestärkt und in ihrer eigenen Selbstwirksamkeitserwartung - d.h. auf-grund eigenen Handelns auch schwierige Anforderungen bewältigen zu können - gefördert.
1.2 Rechtfertigung und Relevanz des Themas
Die Fokussierung jener Thematik greift bewusst nicht ausschließlich den Trend zur stetigen Optimierung der traditionellen Trainingsschwerpunkte vergangener Jahre auf, wie sie etwa die Faktoren „Technik“ und „Taktik“ dieses populären Sportspiels darstellen. In Anbetracht der Anforderungen unserer pluralen Gesellschaft, innerhalb derer heranwachsende Sportler „bestehen“ müssen und insofern in vielerlei Hinsicht „ihren Platz finden sollen“, wird jedoch schnell klar, wie essentiell die Fokussierung auf die Entwicklung der Persönlichkeit ist. In meiner Rolle als angehende Beratungs-, Sport- und Spezialsportlehrerin sowie langjährige und DFB-lizenzierte Trainerin beim Frauenfußballbundesligisten FF USV Jena ist die Förderung dieses Entwicklungsfaktors der Heranwachsenden für mich Passion und Verpflichtung zugleich. Kerngedanke dieser Perspektive ist u.a., dass SSS auf breiter Basis eine ganzheitliche sportliche und persönlichkeitsfördernde Ausbildung und Erziehung benötigen, um ihre Anlagen und Fähigkeiten letztlich optimal entfalten und zur Geltung bringen zu können. Persönlichkeitsförderung im Fußball hat insofern eine zentrale Bedeutung für die SSS -
Einleitung 4
hervorhebenswert ist dabei die Tatsache, dass Leidenschaft und Begeisterung wichtiger als Talent und Können sind. Im Hinblick auf dieses Postulat benötigen sie Vorbilder (i.e. Trainer bzw. SSL), Anerkennung und Wertschätzung, um zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranzuwachsen. Sie brauchen anspornende Herausforderungen, um ihre Grenzen auszuloten, und es bedarf der Unterstützung zur Entwicklung von Mut in puncto Eigenständigkeit und Improvisation. Ferner benötigen sie emotionale Zuwendung, um eigene emotional-mentale Stärken aufzubauen, sowie die Gewährung von Freiräumen zur Auslebung ihrer individuellen Kreativität und Emotionalität.
1.3 Hypothesen
1. Die Schülerinnen entwickeln innerhalb der spezialsportlichen Unterrichtssequenz eine positiv-realistische Überzeugung ihrer eigenen sportartbezogenen Selbstwirksamkeit. Darüber hinaus erfahren sie durch den Aufbau eines positiv-realistischen Selbstbildes eine Stabilisierung in puncto Selbstkonzept. Der Nachweis des entsprechenden Lernfortschritts hinsichtlich dieses didaktisch-methodischen Schwerpunktes erfolgt
durch den Vergleich eines als Pre- und Posttest eingesetzten Fragebogens 5 sowie einer zusätzlichen schriftlichen Befragung.
2. Die Schülerinnen verbessern ihre individuellen Schwächen anhand von geeigneten Übungsformen zu ausgewählten fußballspezifischen Techniken - dies intendiert insbesondere die Optimierung der Stoßarttechniken mit dem „schwachen Fuß“ und die Erhöhung der Beweglichkeit (die Überprüfung dieses Lernfortschritts erfolgt mittels des Instrumentariums aus Hyp. 1).
3. Die Schülerinnen empfinden durch eine abwechslungsreiche und belastungsgerechte Unterrichtsgestaltung im Spezialsport Freude und entwickeln dadurch das notwendige Maß an Eigenmotivation, um den jeweiligen persönlichen Lernprozess zu begünstigen. Ferner unterstützen sie durch die Entwicklung ihrer kommunikativen und selbstreflexiven Fähigkeiten den Aufbau eines positiv-realistischen Selbstkonzeptes (die Überprüfung dieser Hyp. erfolgt ebenfalls mittels des Instrumentariums aus Hyp. 1).
5 Dieser basiert auf einer adaptierten und dem vorliegenden didaktisch-methodischen Schwerpunkt angepassten Fragebogenkonzeption von Professor Dr. Ralf Sygusch und Dipl.-Sportwiss. Katrin Dräger.
Didaktisch-methodischer Schwerpunkt 5
2 DIDAKTISCH-METHODISCHER SCHWERPUNKT: EINE THEORETISCHE VORBETRACHTUNG
Im Nachfolgenden werden zunächst wichtige Begrifflichkeiten und konzeptionelle Rahmenbedingungen kurz erläutert, um die Interdependenz einzelner Planungsschritte und Stellgrößen in Kap. 3 der vorliegend dargestellten Unterrichtsreihe transparenter zu gestalten.
2.1 Einbettung in die DFB-Ausbildungskonzeption sowie Klärung wichtiger Zentralaspekte
Persönlichkeitsentwicklung setzt nicht bei „Null“ an - dass ein Schüler, Spieler, Mensch keine Tabula Rasa darstellt, zeigen bereits die strengen Zulassungkriterien für die Talente an den sog. „Eliteschulen des Fußballs“. Das Sportgymnasium „Johann Chr. Fr GutsMuths“ in Jena gilt als solch eine Spezialeinrichtung. Die ambitionierten Kriterienkataloge und intensiven Auswahlprozesse reduzieren bewusst den Kreis förderungswürdiger Talente mit hoffnungsvollen sportlichen Perspektiven: Spieler müssen insofern bereits - nebst sportlicher und schulischer Aspekte - auch ein umfangreiches Spektrum persönlichkeitsorientierter Qualitätsmerkmale aufweisen:
Abb. 1 und 2. Zulassungskriterien für Talente an den Eliteschulen des Fußballs (DFB „Eliteschulen“, S. 24f.)
Didaktisch-methodischer Schwerpunkt 6
2.2 Konzeptionelle Aspekte der „Eliteschulen des Fußballs“
Die DFB-Ausbildungskonzeption dient den Eliteschulen des Fußballs als basale Grundlagesie ist in dieser Hinsicht das bundesweit geltende Pendant zu den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer. Wichtige Leitlinien sind dabei:
1. Individuell fördern und fordern! Diese Leitlinie unterstützen die Eliteschulen mit ihren zusätzlichen
TEs im Zeitplan des Schulunterrichts.
2. Ausbildungsziele [...] an der biologischen und psychischen Entwicklung der Kinder und
Jugendlichen ausrichten!
3. Das Fußballspielen im Verein und in der Schule muss auch die Persönlichkeit der Kinder und
Jugendlichen fördern!
Der DFB geht dabei vom Grundsatz aus, dass das Fußballtraining eines systematischen und langfristigen Leistungsaufbaus auch die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen fördern müsse. Mit dieser Zielstellung einer ganzheitlichen Ausbildung (Abb. 3) sind im Zuge dessen nachfolgende Leitlinien zur Persönlichkeitsförderung deklariert worden:
¾ Fußball-/ Lebensschule
¾ Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit und Eigeninitiative
¾ Förderung von Leistungswillen, Motivation, Selbstbewusstsein, Selbstkritik
¾ Aufbau „psychischer Stärke“
¾ Aufbau von Toleranz und Fairness
Didaktisch-methodischer Schwerpunkt 7
Ziel ist es dabei u.a., die Schwerpunkte und Methoden des Vormittagstrainings stets mit dem übrigen Spiel- und Trainingspensum der Talente abzustimmen. Dabei helfen die Eliteschulen des Fußballs in ihrer Funktion als spezielle Bildungs- und Fördereinrichtungen, die Doppelbelastungen von schulischen und sportlichen Anforderungen zu meistern:
„Die sportlichen Ziele der ‚Eliteschulen des Fußballs’ sind eingebettet in ein übergreifendes pädagogisches Konzept, das gleichzeitig auch die sozialen, schulischen und beruflichen Kompetenzen fördern will. Ziel ist es dabei, die Talente zu starken Persönlichkeiten heranzubilden, die sich auf dem Fußballplatz teamorientiert präsentieren“ (DFB „Eliteschulen“, S. 14). Schließlich basiert Erfolg im Fußball stets auf der Leistung einer funktionierenden Mannschaft mit Persönlichkeiten! Solche Spielerpersönlichkeiten zeichnen sich neben ihren fußballerischen Qualitäten durch außergewöhnliche charakterliche, psychische, intellektuelle und soziale Eigenschaften aus. Dahingehend präzisiert der DFB die „Marschroute“ gemäß seiner Ausbildungsphilosophie: „Intensiver als je zuvor muss sich deshalb die Ausbildung auf eine systematische Persönlichkeitsförderung junger Spielerinnen und Spieler fokussieren“ (ebd.). Den Eliteschulen, welche eine ganzheitliche Ausbildung junger Talente nachdrücklich proklamieren, kommt dabei eine wichtige Aufgabe zu: Schließlich kann sich die einseitige Fixierung auf eine Fußballkarriere äußerst negativ auf die Lebensperspektiven junger Spieler(innen) auswirken,
„denn die Ableitung des eigenen Selbstbildes und -bewusstseins aus der aktuellen sportlichen Leistung baut ein Druckszenario auf, das Spielfreude und Lockerheit zerstören kann. Zudem bleiben individuelle Stärken, Kompetenzen und Ressourcen der Talente in dieser ‚Eindimensionalität des Fußballs’ versteckt“ (ebd.).
Eine Öffnung dieses Spektrums vermittelt u.a. Selbstbewusstsein und Identifikation weit über die enge Bandbreite des Fußballs hinaus und sie fördert die Persönlichkeit der Talente. Ferner stellt die aktive Einbindung junger Persönlichkeiten rund um die Trainingsarbeit einen nicht zu unterschätzenden und wesentlichen Eckpfeiler der Ausbildung dar: Offenheit und Kommunikation sind die Basis für leistungs- und persönlichkeitsfördernde Prozesse! In dieser Hinsicht gilt für den Trainer, die Talente über die Planung und die konkreten Ausbildungsschwerpunkte detailiert zu informieren.
„Wer Talente perspektivisch aufbauen will, der muss die individuelle Persönlichkeit junger Sportler berücksichtigen und erreichen. Ein Trainer muss die Talente nicht nur fordern, sondern auch fördern, er muss sie antreiben, aber auch begleiten. Kein Perspektivspieler wird auf Dauer seine optimale sportliche Leistung abrufen können, wenn er nicht auch seine Persönlichkeit Schritt für Schritt stärkt.“ (ebd. S. 15).
Orientierung bietet in dieser Hinsicht das maßgebliche Leitbild der deutschen Spielkultur: Mit der Formulierung einer einheitlichen nationalen Spielauffassung und -philosophie werden auch Leitlinien für die Qualitätsstandards und Trainingsinhalte bestimmt. Die Anforderungen im modernen Spitzenfußball fungieren demgemäß als Orientierung für die Ausbildung an den
Didaktisch-methodischer Schwerpunkt 8
jeweiligen Eliteschulen. Konsequenzen für die Talentförderung in Form von Schwerpunkten der Ausbildungsstufen sind dabei für den B-Juniorinnenbereich u.a. (vgl. ebd. S. 21ff.):
¾ individualisierte Athletikprogramme
¾ eine stärker an den Anforderungen einzelner Positionen ausgerichtete Technikschulung
¾ Formen von Spielertypen auf der Basis individueller Stärken
¾ Verinnerlichung der Werte und Normen einer konsequenten Ausrichtung auf den Leistungssport
¾ Systematische Wissensvermittlung: Trainingsplanung, Taktik
Abb. 4 und 5. Aspekte des Leitbildes Deutscher Spielkultur (DFB „Eliteschulen“, S. 18f.)
2.3 Spezifik des Spezialsportunterrichts sowie methodische Schwerpunkte für das Vormittagstraining an den „Eliteschulen des Fußballs“
Bei der systematischen Förderung der Talente im Einzeltraining oder in kleinen Lerngruppen sind konkrete altersspezifische inhaltliche, methodische sowie persönlichkeitsfördernde Schwerpunkte zu berücksichtigen (vgl. DFB „Eliteschulen“ S. 31):
¾ Die Anforderungen an die Eigeninitiative und Mitarbeit der Talente durch aktive Einbindung in alle Prozesse der individuellen Leistungssteigerung intensivieren!
¾ Die Eigenverantwortung für die persönliche Leistungsentwicklung bewusster fordern!
¾ Individuelle 6 technisch-taktische Schwerpunkte gezielt auf positionsspezifische Aufgaben abstimmen!
¾ Die Spielbelastungen (intensivere Anforderungen durch überregionale Spielklassen!) in eine dosierte Belastungssteuerung einfließen lassen! Präventive/ regenerative Schwerpunkte systematisch einbauen!“
6 Dies inkludiert einerseits die regelmäßige, differenzierte Spieler-Analyse zur exakten Abstimmung der Trainingsinhalte (Stärken-/ Schwächentraining). Andererseits ist es von großer Wichtigkeit, überhaupt ein intensives persönliches Interesse an jedem Spieler nicht nur zu hegen, sondern auch zu zeigen und individuelle Fortschritte zu betonen (loben, motivieren)!
Didaktisch-methodischer Schwerpunkt 9
Um die zusätzliche Förderung im Vormittagstraining eng verzahnt mit dem übrigen Trainings- und Spielangebot im Verein und Verband in Einklang zu bringen, lassen sich dabei folgende ergänzende Kriterien formulieren:
¾ Einheit von Inhalt und Methodik
¾ Der richtige Wechsel von Belastung und (aktive) Erholung (Regeneration!)
¾ Die ausgewogene Kombination von Ernsthaftigkeit/ Disziplin und Spaß/ Freude 7
Zur Trainingsplanung- und steuerung bleibt zu ergänzen: Mit dem zusätzlichen Vormittagstraining werden Lernerfolge im Bereiche der systematischen individualtechnischen und -taktischen Ausbildung anvisiert. Durch den erweiterten Trainingsumfang soll noch systematischer auf sportliche Spitzenleistungen vorbereitet werden. In der konkreten sportlichen Trainingspraxis vorliegend skizzierter Unterrichtssequenz wird sich demgemäß einerseits an den Schwerpunkten der jeweiligen Ausbildungsstufe sowie am zukünftigen Anforderungsprofil eines Spitzenfußballers und andererseits an der individuellen Förderung der Talente (sowie nicht zuletzt am Lehrplan für das Fach Sport) orientiert. Eine solch systematische Ausbildung hat neben einer vielseitigen und spielgemäßen Ausbildung als Rahmenbedingung gemäß DFB zur Prämisse, dass sich die Trainingsgruppen-Größe im Optimum aus 4 bis 8 Spielern rekrutiert. Wie der Titel der Arbeit bereits vorwegnimmt, verschreibt sich der vorliegende Ausbildungsblock im Rahmen einer Stoffverteilung im Jahresplan dem vordergründigen Schwerpunkt der Persönlichkeitsentwicklung.
7 Der Aspekt der „Freude“ erscheint m.E. ein sehr wesentlicher zu sein: Mit Freude trainieren bedeutet u.a. ein variantenreiches, spielorientiertes und dem aktuellen Können angepasstes Training anzubieten. Darüber hinaus bieten sich Übungsformen mit Torabschluss oder kleinen, motivierenden Einzel-/ Gruppenwettbewerben an. Durch ein vielseitiges, attraktives Angebot sollen u.a. Kreativität und Risikobereitschaft gefördert werden. Letztlich reiht sich die aktive Einbindung der Talente in die Trainingsgestaltung ebenso in die Palette positiver Wirkungsfaktoren ein - nicht zuletzt, um Übersättung und Überdruss vorzubeugen (vgl. DFB: „Eliteschulen“).
Planung der Unterrichtsreihe 10
3 PLANUNG DER UNTERRICHTSREIHE
Im Anschluss an den bereits skizzierten methodisch-didaktischen Schwerpunkt wird im folgenden Teil die Planung der Unterrichtsreihe zum vorliegenden Sachgegenstand anhand der Bedingungsanalyse, didaktisch-methodischer Vorüberlegungen, Konsequenzen und Begründungen sowie der Formulierung von Lernzielen näher ausgeführt.
3.1 Analyse des pädagogischen Bedingungsgefüges
Ausgehend von der Charakterisierung der Lerngruppe sowie dem Lehrer-Schüler-Verhältnis schließt sich jenen internen Bedingungen die Darstellung der äußeren bzw. externen Bedingungen an, wobei entsprechende Schlussfolgerungen für die Unterrichtsgestaltung sogleich an geeigneter Stelle abgeleitet werden.
3.1.1 Lerngruppe und Lehrer-Schüler-Verhältnis
Die Spezialsportklasse 9/10 der Fußballerinnen des GutsMuths Sportgymnasiums konstituiert sich derzeit aus 5 bis 6 Mädchen (zzgl. der Langzeitverletzten Schülerin F, die seit Schuljahresbeginn extern ein individuelles Aufbautraining absolviert). Die Lerngruppe ist mir z.T. bereits durch meine langjährige Trainertätigkeit im Verein bekannt - als SSL übernahm ich den dortigen SSU mit Beginn des 2. Schulhalbjahres. Bedauerlicherweise kristallisiert sich zum Nachteil für die Durchführung der Unterrichtsreihe der Umstand einer für das Sportgymnasium kennzeichnenden hohen Fluktuation heraus: So verließen die Lerngruppe erst kürzlich zwei Mädchen in eine andere Trainingsgruppe - Schülerin G, eine hochtalentierte und leistungsstarke Fußballerin, musste die Gruppe leider infolge einer schulischen Rückstufung aufgrund von Leistungsdefiziten verlassen. Die fußballerisch eher durchschnittlich talentierte Schülerin H hingegen war zwar in der 1. Stunde noch ein Teil der Lerngruppe, es kündigte sich jedoch bereits mehrere Wochen zuvor an, dass sie keine Empfehlung für eine weiterführende Förderung im Fußballbereich an der Eliteschule erhält - derzeit versucht sie für den Verbleib an der Einrichtung einen Neustart in der Sportart „Ringen“. Der SSU in der Klassenstufe 9/10 findet jeweils Montag früh in der 5. und 6. Stunde statt (10.45 Uhr - 12.00 Uhr; netto ca. 75 min.) Des Weiteren sind in der Stundentafel nachfolgende Sportstunden zusätz-
Planung der Unterrichtsreihe 11
lich etabliert: Eine 2. Doppelstunde SSU findet am Mittwoch statt (welche jedoch von einer Kollegin erteilt wird); dieses Pensum wird durch eine Doppelstunde „normalen“ Schulsportunterrichts am Freitagvormittag komplettiert. Laut Beschluss der Fachkonferenz absolvieren die Schülerinnen demnach summa sumarum 6 Stunden Sportunterricht pro Woche innerhalb der Schulzeit (2h im regulären Schulsport, 4h in der jeweiligen Spezialsportart). Dass sich die Mädchen über den Schulunterricht hinaus auch aus zahlreichen Trainingseinheiten sowie dem jeweiligen Wettspielbetrieb sehr intensiv kennen, die Lerngruppe zudem sehr klein ausfällt, ist einer grundsätzlich positiven Unterrichtsatmosphäre äußerst zuträglich. Die Gruppe präsentiert sich „eingeschworen“ sowie im Umgang miteinander fair, loyal und lernzielförderlich. Klassen- und Arbeitsklima sind insofern positiv gefestigt, sodass sich Lehren und Lernen gleichermaßen ertragreich gestalten. Diverse kooperative Arbeits- und Sozialformen, die mitunter solch positive Ausgangsbedingungen voraussetzen, können deswegen ohne Einschränkungen eingesetzt werden und eine abwechslungsreiche Gestaltung der TEs ermöglichen. Ferner präsentieren sich die Lerner aufgeschlossen, motiviert sowie an den unterschiedlichen Lerninhalten bis dato interessiert. Die Mitgestaltung und aktive Teilnahme am Unterricht sind diesbezüglich wertvolle Ressourcen, die es im Lehr-Lern-Prozess zu nutzen gilt. Auffällig ist dennoch der zumeist große Ermüdungszustand der SSS infolge ihres Wettspieleinsatzes im Ligabetrieb am Wochenende - so klagen einige regelmäßig über Schmerzen und Erschöpfung. Einer Evaluierung zufolge ist die sich dafür ursächlich verantwortlich zeichnende Wochenbelastung für die Heranwachsenden äußerst hoch. Die Intensitätsprofile gestalten sich dabei im Einzelfall recht unterschiedlich (zur Info - Schülerin B (10. Kl.): 10
Einheiten 8 pro Woche mit insgesamt ca. 14 Stunden; Schülerin D (9. Kl.): 8 Einheiten à ca. 12 h; Schülerin C (9. Kl.): 7 Einheiten à ca. 10 h; Schülerin E (10. Kl.): 7 Einheiten à ca. 11 h; Schülerin A (10. Kl.): 6 Einheiten à 9 h). Da mir die Lerner bestens bekannt sind, lässt sich hinsichtlich ihrer Lernkompetenz ein verbindlich-realistisches Bild skizzieren. Trotz gleicher spezialsportlicher Ausrichtung sind die Lernvoraussetzungen (i.e. das fußballspezifische Fähigkeits- und Fertigkeitsprofil) durchaus heterogen:
Schülerin B präsentiert sich als äußerst selbstbewusst auftretende, mental starke Persönlichkeit, deren fußballerisches Fähigkeitsniveau als gut bis sehr gut zu bewerten ist. In ihrer Sonderrolle als Torwart beherrscht sie die Techniken eines Feldspielers nahezu gleichwertig, was ihr in ihrer jungen Karriere bis dato trotz Positionsspezialisierung bereits regelmäßige Einsätze auch außerhalb des Tores bescherte. Schülerin B ist zudem ein Linksfuß (was eher die Ausnahme als die Regel darstellt) und vermag sich selbst recht realistisch und mit dem
8 Diese Angaben inkludieren Mannschaftstraining, Individualtraining, Schulsport- und Spezialsportunterricht.
Planung der Unterrichtsreihe 12
Außenbild aus Lehrersicht weitestgehend deckungsgleich einzuschätzen. Trotz suboptimaler Konstitution (i.e. minimales Übergewicht und dadurch bedingte konditionelle Defizite), tritt sie mental gefestigt und positiv grundeingestimmt in Erscheinung; ihr Ehrgeiz und ihr starker Wille zur stetigen Verbesserung im Training ist beispielgebend. Dass sie trotz des größten Trainingsumfangs im Unterschied zu den rein numerisch betrachtet in geringerem Umfang trainierenden SSS keinerlei Überlastungstendenzen aufweist, liegt darin begründet, dass sie in einigen TW-spezifischen Einheiten zumeist in niedrigeren Intensitätsbereichen (zu Gunsten der Schulung TW-spezifischer Techniken) trainiert.
Schülerin C wiederum ist eine technisch äußerst versierte und hervorragende Spielerin, die überdurchschnittliches technisch-taktisches Talent mitbringt und sich um stetige Entwicklung in diesem Bereich befleißigt. Sie zeigt in ihrer Persönlichkeitsausprägung ebenso solide Tendenzen auf, ist jedoch in mancherlei Selbsteinschätzungen etwas zu kritisch und bewertet in diesem Zusammenhang ihre eigene Leistungsfähigkeit im Vergleich zur Lehrersicht manchmal zu streng. Sie wirkt ehrgeizig und selbstdiszipliniert. Mental betrachtet trat sie in den letzten Wochen jedoch häufig unausgeglichen und „ausgelaugt“ in Erscheinung - es schien ihr fast ein wenig die Freude am „semiprofessionellen Hobby“ abhanden gekommen zu sein (diesen Eindruck vermittelte sie als intelligenter, fleißiger, eloquenter und aufgeschlossener Lerner im Übrigen auch in meinem Deutschunterricht). Schülerin C machte gar einen solch „ausgebrannten“ Eindruck, dass sie in Absprache mit den entsprechend verantwortlichen Sportkoordinatoren der Schule vor nicht allzu langer Zeit für zwei Wochen „zwangsweise“ von sämtlichen TEs freigestellt wurde, um dem objektiv festgestellten Erschöpfungszustand entgegenzusteuern. Nach dieser Zeit wirkte sie wieder regenerierter, motivierter, mental ausgeglichener und fröhlicher. Ferner verfügt sie neben ihren optimal ausgeprägten Spielfähigkeiten über einen recht athletischen Körperbau und ist zudem ebenfalls ein Linksfuß; sie ist insgesamt mit einer hohen Grundschnelligkeit ohne und mit Ball ausgestattet. Defizite weist sie lediglich in puncto Beweglichkeit auf (dies jedoch in hohem Maße) - ein Umstand, dem aus dem Gespräch heraus in anderen Einheiten nicht konsequent genug begegnet wird. Auch die koordinativen Fähigkeiten zeigen Entwicklungspotenzial auf.
Schülerin D ist ein sehr intelligentes Mädchen, die mit ihrer offenen, kommunikativen und konstruktiven Persönlichkeit für jede Trainingsgruppe eine große Bereicherung darstellt. Sie präsentiert sich als ausgesprochen mannschaftsdienlich agierend und zeichnet u.a. wesentlich für das gute Klima in der Lerngruppe verantwortlich. Sie lernt schnell und ist zudem auch sehr willig. Darüber hinaus verfügt Schülerin D über eine gute Schusstechnik mit präzisen Torabschlusshandlungen; jedoch erscheint sie im sportlichen Vergleich innerhalb der Spezial-
Planung der Unterrichtsreihe 13
sportklasse weniger talentiert und technisch versiert als beispielsweise Schülerin C oder A. Im Spiel ist sie eher ein „Arbeitertyp“, der mehr durch hohen Einsatz und einen unbändigen Willlen als durch spielerische Finesse glänzt. Schülerin D weist häufig ebenso einige Erschöpfungstendenzen auf und artikuliert dies auch offen und ehrlich. Ihre Beweglichkeit ist darüber hinaus ebenso suboptimal ausgeprägt wie die der Schülerin C. Auch ihre koordinativen Fähigkeiten weisen Reserven auf.
Schülerin A ist von ihrer Spielfähigkeit und Veranlagung ebenso hochtalentiert einzustufen wie Schülerin C: Die technisch begabte und kreative SSS weist Spielmacherqualitäten sowie große situationsspezifische Handlungskompetenzen auf (dies zeigt sich u.a. darin, dass sie häufig den gefährlichen und richtig getimten Pass in die Tiefe zu spielen vermag). Wenngleich sie in den übrigen schulischen Belangen eher durchschnittlich in Erscheinung tritt, präsentiert sie sich auf dem Fußballplatz technisch-taktisch versiert und größtenteils recht spielintelligent. Darüber hinaus verfügt sie über einen großen Siegeswillen und ist von ihrer Einsatzbereitschaft und dem Laufpensum im Spiel beispielgebend. In puncto Persönlichkeit verlässt Schülerin A bei misslungenen Aktionen manchmal zu schnell der Mut und die Einsatzbereitschaft - sie lässt dahingehend sprichwörtlich zeitweilig „den Kopf hängen“, was ihre Körpersprache deckungsgleich artikuliert. Die hervorragende Spielerin mit überdurchschnittlichem technisch-taktischen Talent zeigt sich insofern - ähnlich wie Schülerin C - in diversen Selbsteinschätzungen daher eher etwas zu selbstkritisch. Im objektiven Abgleich mit der Lehrersicht wertet sie ihre eigene Leistungsfähigkeit gleichermaßen zu streng. Von einem positiv-realistischen SK kann in ihrem Fall nicht die Rede sein.
Schülerin E ist eine ebenso technisch versierte und konditionell gute Spielerin, die insbesondere durch ihre gute Ballgeschicklichkeit, Schnelligkeit und Schusstechnik hervorragt. Zudem weist sie einen athletischen Körperbau auf, der sie in der fußballspezifischen Konditionsschulung (allgemeine und spezielle Ausdauer, Antrittsschnelligkeit, etc.) anderen gegenüber begünstigt. Auffällig ist in ihrem Fall, dass sie von ihrer Einstellung, ihrem Ehrgeiz und der Trainingsmotivation her deutliche Defizite aufweist - ihrer Körperhaltung sieht man insofern häufig an, dass sie phasenweise keine Lust hat und sich mit der Erreichung des Minimums eines Trainingsziels auch begnügt. Ebenso ausbaufähig sind ihre taktischen Fähigkeiten in den Spielformen. Als ihr größtes Manko kristallisiert sich jedoch regelmäßig die mangelhafte Bereitschaft heraus, an persönliche Grenzen zu gehen und diese zu überschreiten. Mit einer entsprechenden Rückkopplung zu dieser unbefriedigenden Einsatzbereitschaft kann sie äußerlich betrachtet gut leben. Obwohl sie über ihre Außenwirkung bescheid weiß, lässt sie das verbale Feedback jedoch scheinbar an sich abprallen. Zumindest sind kaum Besserungs-
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versuche in diesem Zusammenhang in jüngster Zeit erkennbar. Aufgrund dieser Tatsache erhält sie in der Konsequenz auch weniger als z.B. Schülerin A - die von den Voraussetzungen her ähnlich gut bis sehr gut veranlagt ist - die Möglichkeit, sich im Wettspieleinsatz in der 2. Frauenmannschaft des Vereins zu profilieren. Da hinsichtlich des didaktisch-methodischen Schwerpunkts jedoch insbesondere die Eigensicht zu den jeweiligen Stärken und Schwächen der SSS in den Fokus rücken, stellt die freie Selbsteinschätzung im Vorfeld eine obligatorische Notwendigkeit dar. Aus diesem Grund wurden die Mädchen dazu veranlasst, unter der Maßgabe allgemeiner (es steht schließlich die gesamte Persönlichkeit im Mittelpunkt) sowie spezieller (i.e. fußballspezifischer) Stärken und Schwächen eine Selbsteinschätzung vor Beginn der Unterrichtsreihe durchzuführen. Das Ergebnis dieser Erhebung des
subjektiv empfundenen Stärken-Schwächen-Profils 9 dient wiederum als wichtiger Ausgangspunkt für die Unterrichtsplanung und ist nachfolgend aufgeführt:
Tab. 1. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin A (Position: Mittelfeld/ Sturm)
Tab. 2. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin B (Position: Tor)
Tab. 3. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin C (Position: Mittelfeld/ Sturm)
9 Aufgrund des kurzfristig absehbaren Ausscheidens von Schülerin H aus der Lerngruppe ist auf eine Charak- terisierung aus Lerner- (i.e. eigene Wahrnehmung/ Selbsteinschätzung) und Lehrersicht verzichtet worden.
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Tab. 4. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin D (Position: Mittelfeld/ Abwehr)
Tab. 5. Stärken-Schwächen-Profil Schülerin E (Position: Mittelfeld/ Sturm)
Beim Vergleich von Fremd- und Eigensicht lassen sich zahlreiche Deckungsgleichheiten bzw. Ähnlichkeiten erkennen - ein Umstand, der sich für die Konzeption der Reihe und die methodisch-didaktischen sowie inhaltlichen Auswahlentscheidungen, die es zu treffen gilt, als positiv herausstellt. Die objektive Ausgangslage suggeriert insofern günstige Voraussetzungen hinsichtlich einer notwendigen Empathie für die intendierte Schulung der Persönlichkeit. Die anfänglichen Voraussetzungen sind demgemäß bereits als günstig zu bezeichnen, da die SSS z.T. schon zu Beginn einen nahezu realistischen Selbstreflexionsstatus aufweisen. Ferner haben die Mädchen untereinander keinerlei Berührungsängste und sind dazu in der Lage, kooperative Aufgabenstellungen ergebnisorientiert zu lösen. Auffällig und positiv ist ebenso die Beliebigkeit in der Formierung von Kleingruppen hervorzuheben: So sind zunächst keinerlei Diskrepanzen oder ausgrenzende Haltungen untereinander erkennbar. Der Umgang miteinander gestaltet sich kameradschaftlich, kommunikative Voraussetzungen erweisen sich auf der Beziehungs- und Sachebene als günstig. Darüber hinaus zeichnen sich die SSS durch ein hohes Maß an Effektivität und Selbstständigkeit bei der Erledigung von Arbeitsaufträgen aus. Jeder Einzelne ist dazu in der Lage, Stundenteile eigenverantwortlich in guter bis sehr guter Qualität zu übernehmen. In Anbetracht der erläuterten Hauptlernziele ist zunächst von einem teils nahezu realistischen SK und einer in gleichem Maße vorhandenen, aber durchaus ausbaufähigen SW-Überzeugung auszugehen. Rückmeldungen gegenüber den Mitschülern und dem Lehrer erfolgen überwiegend ehrlich, sachlich, zeitnah, kritisch-konstruktiv sowie in
Arbeit zitieren:
Annabelle Senff, 2010, Persönlichkeitsentwicklung im Frauenfußball - Erprobung einer Unterrichtsreihe zur Optimierung ausgewählter psychosozialer Ressourcen in einer Spezialsportklasse, München, GRIN Verlag GmbH
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