1. Einleitung 4
2. Die Aufklärung 8
3. Warum werden Philosophen vergessen 12
3.1 Zeitgeist 12
3.2 Fehler bei Verlagen und Zitaten 12
3.3 Diskriminierung 14
3.4 Vernichtung und Verfolgung 15
3.5 Finanzierung 15
4. Wie findet man vergessene Philosophen 17
4.1 Bibliographien 17
4.2 Preisschriften 20
4.3 Universitätsabschlüsse 21
5. Gefundene Denker 22
5.1 Olympe de Gouges 32
5.2 Anton Joseph Dorsch 36
5.3 Johann Melchior Gottlieb Besecke 43
5.4 Lazarus Bendavid 50
5.5 Georg Wilhelm Block 61
5.6 Mary Astell 65
6. Kritische Betrachtung der vorgestellten Texte 68
6.1 Olympe de Gouges 68
6.2 Anton Joseph Dorsch 69
6.3 Johann Melchior Gottlieb Besecke 71
6.4 Lazarus Bendavid 72
6.5 Georg Wilhelm Block 74
6.6 Mary Astell 75
7. Bedeutung der vergessenen Denker 76
7.1 Bedeutung für andere philosophische Richtungen 76
7.2 Bedeutung der Aufklärung für die Emanzipation im 20. Jh. 78
7.3 Bedeutung der Aufklärung für die aktuelle Philosophie 79
Quellen 84
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1. Einleitung
Die Philosophie basiert auf der Diskussion zwischen verschiedenen Philosophen. Die Diskussion gibt es sowohl in Form eines Streitgesprächs zwischen zeitgenössischen Denkern, als auch über Stellvertreter zwischen Philosophen verschiedener Epochen. Die Stellvertreter stützen sich dabei auf veröffentlichte Texte der verstorbenen Philosophen. Kein Philosoph kann es weit in seiner Wissenschaft bringen, wenn er den Austausch von Gedanken mit anderen Denkern, lebendig oder tot scheut. Man muss die Texte der Alten kennen und diskutieren um sich von den richtigen Erkenntnissen weiterführen zu lassen oder um aus Fehlern lernen zu können 1 . Ein guter Philosoph sollte also nach Möglichkeit viele andere Philosophen kennen, und deren Meinung klar diskutieren können.
Wenn es um die Erörterung einer bestimmten Epoche geht, ist es besonders wichtig die Philosophen dieser Zeit zu kennen, und ihre Texte gelesen zu haben. Und es gibt wohl keinen Philosophen der sich nicht mindestens Oberflächlich mit den bekanntesten der jeweiligen Epoche auskennt.
Spricht man von der Aufklärungszeit werden wohl sogar Laien Namen wie Kant, Voltaire oder Fichte nennen können, für Philosophen werden noch mehr Namen kein Problem sein. Aber kein Mensch auf der Welt kennt alle Philosophen der Aufklärungszeit die von Bedeutung waren. Zuviel ist seitdem verloren gegangen, zu viele Denker haben nicht einmal zu Lebzeiten die ihnen gebührende Anerkennung erhalten. Für ein vollständiges Bild der Aufklärungszeit ist es aber notwendig alle Philosophen dieser Epoche zu kennen.
Denn es wäre ein großer Fehler, sich bei einem Bild einer Epoche nur auf die sogenannten Großen zu beziehen. Wenn in einem Philosophenlexikon ein Philosoph als der bedeutendste, oder der größte seiner Zeit bezeichnet wird, sollten sofort sämtliche Alarmsirenen losgehen.
Egal wie gut ein Philosoph ist, keiner ist perfekt. Es gibt kein philosophisches Werk ohne Fehler und Irrtümer. Wenn dem so wäre, das einer ein umfassendes und zugleich fehlerloses Buch verfasst, könnten alle anderen Philosophen einpacken, denn dann wäre die Wahrheit gefunden, und fortan die Philosophie nutzlos. Selbstverständlich gibt es gute und weniger gute Philosophen, natürlich hat der eine mehr Einfluss auf die Philosophiegeschichte als der andere. Aber kein Philosoph denkt für sich. Jeder wird beeinflusst und beeinflusst wieder andere. Die Geschichte der Philosophie ist voller Diskurse, Lehrgespräche, Briefwechsel und Freundschaften. Ein Philosoph wird durch seine Epoche geformt und trägt selbst zu der Formung der Epoche bei. Es ist gefährlich aus einem solchen Geflecht einen Namen herauszuheben, und diesen als den wichtigsten seiner Epoche zu feiern. Dabei vergisst man leicht, dass auch dieser von seinen Zeitgenossen, und von den Werken früherer, die er las geformt wurde. In den meisten Fällen wird nur die Beeinflussung durch frühere Denker erwähnt, weil Philosophiegeschichtsschreiber gerne den Wandel der Zeiten aufzeigen. Und so machen sie deutlich, dass zwischen den Epochen nur selten echte Brüche entstehen, um eine evolutionäre Entwicklung in der Philosophiegeschichte zu beweisen. Viele tun so, als ob ein Philosoph nur durch seine Lehrer beeinflusst würde, doch dies geschieht auch durch seine Mitschüler, Freunde mit denen er philosophische Themen erörtert und jeden Philosophen der zur gleichen Zeit veröffentlicht, und von ihm gelesen wird. Doch die Zeitgenossen, die nicht Lehrer eines bedeutenden Philosophen waren, werden oft vergessen.
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Um wenigstens einen Teil der vergessenen Denker aus der Versenkung zu holen, muss man sich die Arbeit machen, die Namen der Philosophen herauszufinden. Anschließend kann man die Texte der Denker ausfindig machen, um endgültig entscheiden zu können, welche Bedeutung die Denker für die Philosophie haben.
Im folgenden werde ich den Suchansatz, die damit verbundenen Schwierigkeiten sowie die Ergebnisse der Suche beschreiben. Ich werde nicht zu allen gefundenen Philosophen etwas sagen können, da es schwierig ist an die Texte aus dem 18. Jahrhundert heranzukommen. Für viele Bibliothekare scheint zur Zeit das Papier aus dem die Bücher bestehen wertvoller zu sein, als die Texte darin. Eine Ausleihe ist nicht möglich das Kopieren verboten, und niemand ist zuständig den Text auf eine andere Weise zu reproduzieren. Trotz aller Hindernisse ist es mir aber gelungen einen Teil der untergegangenen Werke lesen zu können, diese Autoren werde ich am Ende der Arbeit genauer beschreiben. Doch auch bei den verfügbaren Texten gab es einige Hindernisse. Sie durften nur im Lesesaal benutzt werden. Während der ersten drei Monate standen mir in München in der Bayrischen Staatsbibliothek einige Bücher zur Verfügung, die ich auf Grund der ungünstigen Öffnungszeiten nur überfliegen konnte. Eine zufriedenstellende Textanalyse ist mir bei diesen Werken leider nicht möglich, jedoch werde ich versuchen die Bedeutung auch dieser Denker festzuhalten.
Ich habe mir das 18. Jahrhundert ausgesucht, weil in dieser Zeit bereits die meisten Menschen die Möglichkeit hatten, ihre Gedanken als Buch zu veröffentlichen. Auch ist es in dieser Zeit zum ersten Mal möglich jeden Titel der veröffentlicht wurde zu finden. Aber die Verlage waren noch nicht so weit die Welt mit Veröffentlichungen zu überschwemmen, wie es heutzutage oft der Fall ist. Die Menge der Bücher aus dem 18. Jahrhundert ist noch übersichtlich genug um damit arbeiten zu können, denn die
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Wahrscheinlichkeit hinter einem philosophischen Titel Unsinn zu finden ist nicht so groß wie zum Beispiel in unserer Zeit. Bereits im 19. Jahrhundert steigt die Zahl der Veröffentlichungen so rapide an, dass es nahezu unmöglich ist in den Bibliografien eine Übersicht zu behalten. Auch ist es im 18. Jahrhundert noch ein Zeichen von Qualität, wenn ein Text gedruckt wurde. Würde man auf diese Weise nach vergessenen Denkern des 20. Jahrhunderts suchen, wären die Mühen nahezu nutzlos, denn seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann jedes Buch gedruckt werden. Die ständig fallenden Produktionskosten lassen die Verlage unkritischer werden. Viele Autoren haben auch die Möglichkeit die Kosten selbst zu tragen, und so kommen Texte in die Veröffentlichungslisten, die der Autor ganz allein für gut hält. In einer Zeit, als Papier noch teuer war und der Buchdruck ein aufwendiges Geschäft, gingen die Verlage nicht so leichtfertig an die Arbeit. Wissenschaftliche Bücher wurden oft von Universitäten veröffentlicht, und wer nicht an einer Universität veröffentlichen konnte, brauchte einen anderen Sponsor. Sponsoren gewinnt man allerdings nur durch Qualität. Daher kann man im 18. Jahrhundert bis zu einem gewissen Grade davon ausgehen, dass gedruckte Bücher auch einen qualitativ hochwertigen Inhalt vorzuweisen haben. Selbstverständlich können auch Sponsoren irren, oder reiche Menschen ihre eigenen Werke veröffentlichen lassen, jedoch je höher die Kosten sind um so genauer wird sich jemand überlegen, ob die Investition gerechtfertigt ist. Diese Garantie wäre im 17. Jahrhundert vielleicht noch sicherer, jedoch hat diese Zeit andere Nachteile. Wissenschaftliche Werke wurden zum großen Teil in Latein verfasst, wodurch die Arbeit mit den Texten erheblich erschwert wird. Während sich dieses Hindernis noch überwinden lässt, sind aber die Bücher aus dieser Zeit noch schwerer zu erhalten. Die Auflagen waren wesentlich kleiner, und die erhaltenen Exemplare sind zu wertvoll, als dass die Bibliotheken sie per Fernleihe durch die Gegend schicken. Vor allem aber gibt es aus dem 17. Jahrhundert keine so umfassenden
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Bibliografien, wie sie nach dem Jahrhundert der Aufklärung entstanden sind. Des weiteren ist die Aufklärung ein interessanter Zeitraum in der Philosophiegeschichte, die die heutige Zeit sehr stark beeinflusst hat. Einige Ansichten der heutigen Zeit haben ihren Ursprung im 18. Jahrhundert, und um die derzeitige Epoche zu verstehen, sollte man deren Wurzeln kennen.
2. Die Aufklärung
Unter dem Namen Aufklärungszeit versteht man die Zeit von 1704 bis 1804 in der sich die Aufklärung als Hauptrichtung der Philosophie etablierte. Der Begriff Aufklärung wurde etwa seit der Mitte des 18. Jahrhundert benutzt, um die Bemühungen zu beschreiben die Vernunft als wichtigstes Mittel der Erkenntnis anzuerkennen. Im Gegensatz zum Mittelalter in dem Religion und Staat, Leib und Seele, Geburt und Beruf unauflöslich miteinander verknüpft waren, propagierten die Aufklärer die Gleichheit der Menschen und die angeborenen Rechte jedes einzelnen. In diesem Jahrhundert erlangte die Philosophie eine Popularität wie in kaum einer anderen Zeit. Philosophische Romane brachten die Gedanken in fast jede Bevölkerungsschicht. In Ansätzen hielten Philosophie und Wissenschaften sogar schon unter den Bauern Einzug. Die Revolutionen in Amerika und Frankreich, die zum ersten Mal seit der Antike die demokratische Staatsform forderten, sind direkte Folgen der Aufklärung. Viele Philosophen dieser Epoche waren auch politisch engagiert, ebenso haben sich die Politiker der Zeit auch philosophisch einen Namen gemacht. Philosophen waren in der Zeit der Aufklärung anerkannt wie in kaum einer anderen Zeit. Allein durch ihre geistigen Fähigkeiten konnten Philosophen im 18. Jahrhundert zu Auszeichnungen und Ämtern gelangen, selbst große Reichtümer waren für Philosophen keine bloßen Wunschträume.
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Dem Jahrhundert der Aufklärung ging ein Aufschwung der Wissenschaften voran, der durch die Aufklärung weiter getrieben wurde. Im Gegensatz zu der von Religion geprägten Zeit des Mittelalters wurden nun wissenschaftliche Beweise gefordert, anstatt einer Offenbarung oder einem Aberglauben zu folgen. Eine solche Umstellung im Denken konnte natürlich erst erfolgen, nachdem die Wissenschaften im 17. Jahrhundert anfingen Fehler im christlichen Weltbild zu entdecken, und die Wahrheit zu beweisen. Bereits im 17. Jahrhundert entwickelte sich in England dadurch der Deismus, der aus Sicht des Mittelalters wie eine neue Religion aussehen musste. Zwar wurde Gott immer noch, als der Schöpfer der Welt angesehen, die Welt jedoch war wie eine Maschine, die allein funktionierte. Ein Eingreifen durch Gott, war nicht nur unnötig, sondern auch unmöglich. In dieser Vernunftreligion galt nur das Natürliche. Berichte von Übernatürlichem, wovon das Christentum berichtete, wurden fortan als Symbol verstanden. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Aufklärung wurde bereits von Locke etabliert: der Liberalismus. Der Gedanke von Freiheit und unveräußerlichen Rechten jedes einzelnen Menschen eroberte die ganze westliche Welt, und beeinflusste Aufklärer wie Montesquieu und Voltaire. Hier in Frankreich lief die Aufklärung radikaler ab als in England. Die Vernunft führt hier nicht zu einer deistischen Religion, sondern zum Atheismus, und in der Politik läuft die Forderung nach Gleichheit und Freiheit auf eine Revolution hinaus. Die französische Aufklärung spiegelt sich in der großen Enzyklopädie von d’Alembert und Diderot wieder. Dieses typische Werk sollte die geistigen Errungenschaften auf der Höhe der Wissenschaft festhalten, auf der man sich zu dieser Zeit glaubte. Besonders der atheistische Diderot hatte einen starken Einfluss auf die französische Aufklärung. Als Führer der materialistischen Schule ist er Vorbild für Philosophen wie de La Mettrie, Holbach, Helvetius und Condillac. In der Medizin erreicht die Aufklärung mit dem Materialisten Cabanis ihren Höhepunkt. Er erklärte die Einheit von
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Körper und Geist. Für Cabanis ist die Seele kein Wesen, sondern nur eine besondere Fähigkeit des Körpers. Der wohl bekannteste französische Aufklärer ist jedoch Voltaire. Voltaire war ein wichtiger Vorkämpfer für Vernunft Toleranz und Menschenrechte. Seine Art Philosophie zu betreiben unterschied sich grundlegend von anderen Denkern seiner Zeit. Mit Geist und Witz verstand er es Menschen zu fesseln, gleichzeitig brachte er die Strenge der Wissenschaften ins Wanken. Obwohl Anhänger des englischen Deismus, wurde er oft als Atheist bezeichnet. Wenn er auch die katholische Kirch oft kritisierte, besonders da er hier die Wurzeln von Aberglauben und Verfolgungssucht suchte, er bezweifelte nie die Existenz Gottes, was er mit Sätzen wie „Die ganze Natur ruft uns zu dass er existiert“ beweist. Wen man ebenfalls bei der Aufklärung nicht vergessen darf ist Jean-Jacques Rousseau. Aber auch er vertritt einen anderen Weg als die meisten Aufklärer. Rousseau glaubt an einen Naturzustand des Menschen, der im Gegensatz zu dem Raubtiermenschen von Hobbes, der anstrebenswerte Idealzustand ist. Krieg und Gewalt sind laut Rousseau folgen der Kultur und der Unterdrückung durch den Staat. Diese Ansicht spiegelt Rousseaus romantische Weltsicht wieder. Seine Auffassung von Religion gleicht dem Deismus insofern, das er sich sowohl gegen die kirchliche Theologie als auch gegen den Atheismus ausspricht. Aber sein Gott ist kein Gott der Vernunft, sondern ein Gott des Herzens. Diese Gefühlsmäßigkeit trennt ihn deutlich von seinen Zeitgenossen, genaugenommen hat Rousseau die Aufklärung überwunden, und das genau während ihrer Hauptphase.
In Deutschland wurde die Aufklärung Ende des 17. Jahrhunderts von Thomasius eingeläutet. Er brachte beeinflusst durch Hobbes und Locke den Utilitarismus hier her. Für ihn sind Gesetze eine Einrichtung die menschlichen Grundtriebe wie Ehrgeiz, Habsucht und Genusssucht zum Nutzen aller Individuen umlenkt. Die Aufklärung fällt bei dem durch Luther ausgelösten Pietismus auf
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fruchtbaren Boden. Die Metaphysik und die Dogmatik der Kirche waren bereits ins Wanken geraten, und die Aufklärung trieb in dieselbe Richtung. Die zweite Generation deutscher Aufklärer wurde von Christian Wolff angeführt. Aber im Gegensatz zur englischen und französischen Aufklärung schenkt er der Metaphysik größere Beachtung. Wissen und Glauben fallen bei ihm nicht mehr auseinander. Für Wolff ist es sogar möglich Beweise für Gott und die Seele mit „Demonstrativischer Gewissheit“ zu führen. Für diese Aussage wurde Wolff bei Strafe des Stranges aus dem Land gewiesen, was deutlich macht wie mächtig vor 1750 die Kirche noch war. Wolff nahm einen großen Einfluss auf die deutsche Philosophie, der sich vor allem bei Kant wiedererkennen lässt.
Mit Friedrich II., der von Helvetius und Voltaires Philosophie sehr angetan war, erreichte auch der Deismus die deutsche Aufklärung. Wichtigster Vertreter in Deutschland ist Samuel Reimarus. Er entwickelt eine mechanistische Weltansicht, die die Überzeugung vertritt, dass wirklich alles was im Himmel und auf Erden geschieht, von der Wissenschaft erklärt werden kann. Wunder und Übernatürliches kann es in dieser Welt einfach nicht geben. Diesen mechanistischen Standpunkt teilten auch Mendelsohn und Lessing. Von Lessing stammt eine neue Ansicht über die Wahrheit. Nach ihm gibt es keine ewige, unveränderliche Wahrheit, sondern nur das Streben danach. Die Suche nach der Wahrheit, zusammen mit dem ständigen Irrtum, ist das was das Menschsein ausmacht. Zu den Folgen der Aufklärung zählt vor allem die philosophische Anthropozentrik, die davon ausgeht, das alle „Weisheit darin bestehe, die Wohlfahrt des Menschen zu fördern“. Nicht zu vergessen bei der Übersicht zur Aufklärungszeit ist natürlich Immanuel Kant. Er reiht sich ein bei den wichtigsten Philosophen der Geschichte, und ist selbst Meilenstein einer Epoche. Mit seinem Tod endet das philosophische Jahrhundert, doch seine Arbeit lässt sich nicht in eine Schublade stecken. In
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seinen Anfängen ist Kant noch deutlich ein Aufklärer, doch bereits in der Mitte seines Lebens hat der, der die Epoche der Aufklärung beenden sollte, diese fast schon hinter sich gelassen. Seine wichtigsten Werke werden als Wegbereiter zu einer neuen Epoche, dem Idealismus angesehen. Allerdings bricht Kant nicht mit der Aufklärung, sondern er schafft es eine Brücke in die nächste Zeit zu schlagen. Er übernimmt die wichtigsten Gedanken und formt mit ihnen eine neue Art und Weise Philosophie zu betreiben. Er verbindet in seiner Arbeit einen sehr abstrakten und schwierigen Stil, der auf die exakte Wissenschaftlichkeit der Philosophie aufmerksam machen soll, mit der Gefühlsphilosophie Rousseaus. Kant gehört mit seinem Werk zu vielen philosophischen Richtungen, aber eindeutig ist, dass ohne ihn der Aufklärung ein Schlussstrich fehlen würde.
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3. Warum werden Philosophen vergessen
3.1 Zeitgeist
Wie in jeder Zeit bleiben von einer Epoche am ehesten die Philosophen in Erinnerung, die sich mit dem Zeitgeist beschäftigen. Im 18. Jahrhundert war es für Aufklärer und Antiaufklärer am leichtesten ins Licht der Öffentlichkeit zu gelangen. Wer in seiner eigenen Zeit viel Beachtung erlangt, wird auch über die Epochengrenzen hinaus eine gewisse Prominenz behalten, da die prominenten Philosophen Erwähnung in vielen anderen Werken finden, und ihre eigenen öfter verkaufen. Das Werk eines Philosophen wie Kant, der seine Texte schon zu Lebzeiten in hoher Auflage veröffentlichen kann, wird eher und länger erhalten, als ein Werk, dass nur einmalig in kleiner Auflage erschienen ist.
3.2 Fehler bei Verlagen und Zitaten
Gleichzeitig gibt es gerade bei den Büchern aus dieser Zeit ein Problem, das mit den Verlagen der Zeit zu tun hat. Viele Bücher aus dem 18. Jahrhundert wurden ohne Angabe des Verfassers gedruckt. Die Erscheinungsdaten der Bücher wurden oft nicht angegeben, oder sogar bei weiteren Auflagen durch das aktuelle Jahr ausgetauscht. Die Namen der Autoren wurden bei manchen Werken ins Lateinische übersetzt, oder schlicht falsch geschrieben. Ähnliche Unachtsamkeit findet sich auch bei den Zitaten. Manche Philosophen hielten es nicht für notwendig die Namen der Zitierten festzuhalten. Sicherlich griffen einige auch Gedanken auf, ohne den Ursprung der Gedanken zu erwähnen. Ich gehe nicht davon aus, dass dies in böser Absicht geschah. Diese Genauigkeit die beim Zitieren heutzutage erwartet wird, war im 18. Jahrhundert
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einfach nicht üblich. Viele Philosophen kannten sich untereinander und standen in Briefkontakt. Gerade hier sind kleine Unachtsamkeiten zu verzeihen, da die Herkunft des Gedanken dem Autoren vielleicht so deutlich vorkam, das er das Zitat für selbsterklärend hielt.
Aber mit Sicherheit gab es auch solche Fälle. Es ist denkbar, dass einige Philosophen mit Absicht keinen Denker erwähnten, mit denen sie sich auseinander gesetzt hatten, um die Gedanken ihrer Texte unrechtmäßig als ihre eigenen auszugeben. Nachweisen lässt sich ein solcher geistiger Diebstahl, wenn man einen Text findet, der den Gedanken eines anderen Philosophen enthält, und der schon einige Jahre früher veröffentlicht wurde. Diese Jahre nachzuweisen ist aber wegen der erwähnten Nachlässigkeit bei den Verlagen was die Jahreszahl angeht, eine schwierige, wenn nicht sogar unmögliche Aufgabe.
3.3 Diskriminierung
Eine solche Absicht kommt aber nicht von ungefähr. In den meisten Fällen handelte es sich hier um Diskriminierung, so zum Beispiel ist auch der Name von Emilie Marquise du Chatelet aus der Philosophiegeschichte verschwunden. Sie erhielt als Kind eine recht ungewöhnliche Erziehung für eine Frau ihrer Zeit. Ihr Vater erlaubte ihr sich in der Bibliothek frei zu bewegen, und schon früh lernte sie Philosophen wie Voltaire und Fontenelle kennen. Später war sie Voltaires Geliebte, ihre Beziehung bezog sich allerdings zum größten Teil auf ihre gemeinsamen Studien. Auch einige Veröffentlichungen machten sie gemeinsam. Von der Öffentlichkeit wurde die Gemeinsamkeit der Arbeit jedoch nicht anerkannt. Wenn von der Arbeit „Elemente der Philosophie Newtons“ die Rede war, wurde stets nur Voltaire als Autor genannt, und das obwohl
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Voltaire mehr als einmal klarzustellen versuchte, dass er nicht allein dieses Werk verfasst hat. Ähnlich ist es wahrscheinlich vielen Frauen dieser Zeit ergangen, obwohl die Aufklärung das Forum für die erste Frauenrechtsbewegung bot. Nach jahrhundertelanger Unterdrückung erkannten die Aufklärer durch vernünftiges Denken, zum ersten Mal seit der Antike, dass Frauen vom Geist und der Vernunft her, den Männern in nichts nachstehen. Allerdings war der Gedanke von der Vormachtstellung der Männer so in den Köpfen der Menschen eingebrannt, dass sich das Umdenken so schnell nur in kleinen Kreisen vollziehen konnte. Die Rollenunterschiede waren zu klar abgegrenzt, auch die Frauen selbst konnten sich teilweise nicht vorstellen die Situation zu ändern. Da sehr vielen Frauen die Bildung verweigert wurde, waren es auch nur wenige, die die Fähigkeit hatten, in der Öffentlichkeit für ihre Belange zu kämpfen. Mit dem Ende der Aufklärung gelangte dann auch die Gleichberechtigung der Frauen in Vergessenheit, mit ihr fast alle Philosophinnen dieser Zeit. Bis heute findet man Philosophinnen der Aufklärungszeit nur in speziellen Büchern, die sich ausschließlich mit weiblichen Denkern beschäftigen. Von der allgemeinen Philosophiegeschichte getrennt, werden Philosophinnen teilweise noch immer wie Philosophen zweiter Klasse behandelt 2 .
3.4 Vernichtung und Verfolgung
Ein weiterer Grund für das Verschwinden der Namen sind politische Unruhen. Viele Philosophen der Aufklärung erhitzten mit ihren Texten die Gemüter ihrer Mitmenschen. Im 18. Jahrhundert ging die Erregung sogar so weit, das Bücher verbrannt wurden, und Philosophen des Verrats angeklagt und hingerichtet wurden. Durch solche Vernichtungsaktionen sind viele Werke verloren gegangen, und die weniger bekannten, sind dadurch vollkommen aus der Philosophiegeschichte getilgt worden.
3.5 Finanzen
Den Bekanntheitsgrad in der eigenen Zeit heben verschiedene Ursachen. Zum einen benötigt man Geld, seine Werke zu veröffentlichen. Wirklich arm war im 18. Jahrhundert keiner der Philosophen, da schon für das Studium ein gewisses Kapital benötigt wurde. Jedoch ist die Veröffentlichung eines Textes zur Zeit der Aufklärung eine kostspielige Angelegenheit, und das Risiko das Geld nicht durch den Verkauf zurückzubekommen für die meisten Philosophen zu hoch. In der Aufklärungszeit war es aber für einen guten Philosophen kein Problem sich die Unterstützung einflussreicher Persönlichkeiten zu sichern. Viele Philosophen wurden aufgrund ihrer Leistungen mit wichtigen Ämtern belohnt, Philosophen genossen eine sehr hohe Achtung, und wer einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte konnte sogar große Reichtümer erhalten. Doch der Weg dahin ist zu jeder Zeit lang und steinig. Die Unterstützung durch andere Gelehrte erhält man nur, wenn man sie durch Leistung überzeugt, und sucht man die Unterstützung durch Persönlichkeiten der Politik, im 18. Jahr-hundert sind dies Adlige, braucht man gute Beziehungen,
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überhaupt an diese Personen heranzukommen. Aber im Gegensatz zu den anderen Gelehrten ist bei Adligen nicht allein die geistige Fähigkeit ausschlaggebend 3 . Wer sich die Unterstützung eines Fürsten sichern will, muss auch dessen Meinung treffen. Kaum ein Fürst wird einen Philosophen unterstützen, von dem er sich in seiner Lebensart bedroht fühlt. Auch wird kaum ein Mensch, der nicht selbst gelehrt und weise ist, bereit sein eine Philosophie zu unterstützen, die seinem festen Glauben widerspricht. Die Karriere eines Philosophen beginnt also auf einem schmalen Grat zwischen guter Philosophie und dem Respekt vor der Meinung einflussreicher Personen. Junge Denker müssen sowohl überzeugende Fähigkeiten beweisen, als auch der Meinung anderer entsprechen. Wer schon kurz nach seiner Studienzeit beginnt mit seinen philosophischen Arbeiten andere Menschen vor den Kopf zu stoßen, wird selten genug Ruhm erreichen, als Philosoph anerkannt zu werden. Es mag ungerecht erscheinen, aber nicht einmal im philosophischen Jahrhundert war es ausreichend einen überragenden Verstand zu besitzen. Um in der Philosophie Erfolg zu haben, benötigt man einiges, was mit der Wissenschaft selbst nichts zu tun hat.
Arbeit zitieren:
M.A. Claudia Thur, 2002, Vergessene Denker der Aufklärung, München, GRIN Verlag GmbH
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