Kurzfassung
Kurzfassung
Brasilien überzeugt als weltweit größter Zuckerexporteur und erster Initiator eines Programms zur Herstellung von Bioethanol aus Zuckerrohr. Wie lassen sich aber die immensen sozialen und räumlichen Disparitäten des Landes erklären? Hat sich Brasilien einer mit der Globalisierung einhergehenden Strukturanpassung widersetzt? Finden sich allgemein diskutierte Kontroversen im nationalen Pró-Álcool-Programm wieder? Kordula Pfeiffer analysiert die Effekte der Globalisierung auf Brasiliens wirtschaftliche Entwicklung und Armut. Grundlage ihrer fundierten Untersuchung bildet nicht nur die Theorie des wirtschaftlichen Armutskonzepts, sondern sie greift auch das entwicklungspolitische Konzept eines breitenwirksamen Wachstums sowie eine neue Erschei-nungsform von Armut auf. Unter dem Grundsatz des komparativen Kostenvorteils und einer fortwährenden Produktionsausweitung von Bioethanol stellt sie die ökonomischen und sozioökonomischen Chancen und Risiken des Programms für die arme Bevölkerung heraus. Das Buch richtet sich an Studierende, Wissenschaftler, Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit und Politik.
Schlagwörter: Armut, Bioenergie, Bioethanol, Brasilien, Ernährungssicherung, Globalisierung, Pró-Álcool, Proalcool, Pro-Poor Growth, Wirtschaftliche Entwicklung, Zuckerrohr
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Danksagung
Danksagung
Mein herzlichster Dank gilt meinen Eltern und Geschwistern für die überaus hilfreiche Unterstützung, die Anteilnahme an meiner Arbeit und dafür, dass sie mir immer Mut machten.
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Vorwort
Vorwort
Die Substitution fossiler durch regenerative Energien wird gewöhnlich als eine strategische Komponente nachhaltigen Wirtschaftens angesehen. Insbesondere die Produktion von Bioethanol wird derzeit als Substitut für Benzin propagiert und in einer Reihe von Ländern erheblich gefördert. Nachhaltigkeit beinhaltet selbstverständlich nicht nur ökologische und soziale Aspekte, sondern auch ökonomische, vor allem den Wohlfahrtszuwachs armer Menschen.
Kaum ein Land hat eine so lange Erfahrung mit der Förderung und Produktion von Bioethanol wie Brasilien. Kordula Pfeiffer zeichnet die Entwicklung der Bioethanol-Politik in Brasilien im Kontext der Wirtschaftspolitik des Landes nach und beurteilt den Beitrag dieser Politik zur Steigerung des Wohlstands armer, in der Landwirtschaft tätiger Menschen. Das Ergebnis der Studie, die auch interessierten Laien sehr gut zugänglich ist, ist recht ernüchternd. Obgleich die Nachfrage nach Arbeitskräften durch die Bioethanol-Politik stimuliert wurde, werden regionale und personale Einkommensunterschiede nicht abgeschwächt und sozioökonomische Anforderungen an eine nachhaltige Politik nur unzureichend erfüllt. Mit ihrer Studie ist der Autorin ein lesenswerter Beitrag zur differenzierten Bewertung einer wichtigen Nachhaltigkeits-Strategie gelungen. Prof. Dr. Rolf A.E. Müller Institut für Agrarökonomie, CAU Kiel
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung 2
Danksagung 3
Vorwort 4
Inhaltsverzeichnis 5
Abbildungsverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 8
Abk ürzungsverzeichnis 9
1 Das Grüne Gold 12
2 Die Integration Brasiliens in die globale Wirtschaft 15
2.1 Definitorische Abgrenzung von Globalisierung. 15
2.2 Aspekte der Globalisierung in Brasilien 16
2.2.1 Nationale Wirtschaftspolitik und Tendenzen des Außenhandels 16
2.2.1.1 Die 80er Jahre - Das verlorene Jahrzehnt 17
2.2.1.2 Die 90er Jahre - Die wirtschaftspolitische Wende 19
2.2.1.3 Das 21. Jahrhundert - Die Regierung unter Präsident Lula 21
2.2.2 Wirtschaftsbeziehungen und Frei-Handelsbündnisse 22
2.2.2.1 Die World Trade Organisation (WTO) 24
2.2.2.2 Der gemeinsame Markt Südamerikas (Mercosur) 26
2.2.2.3 Die Gesamtamerikanische Freihandelszone (ALCA) 27
2.2.2.4 Das EU-Mercosur-Assoziierungsabkommen 28
3 Wirtschaftliche Entwicklung und Armut in Brasilien 30
3.1. Das wirtschaftliche Entwicklungsniveau Brasiliens 30
3.2 Definitorische Abgrenzung von Armut 32
3.3 Ein wirtschaftliches Armutskonzept - Einkommensarmut 33
3.3.1 Absolute und relative Armut 33
3.3.2 Armutskennzahlen 34
3.4 Brasiliens Armutsprofil 34
3.4.1 Pro-poor growth 37
3.4.2 Einkommensungleichheit 39
3.4.3 Globalisierung und neue Armut 40
4 Brasiliens Zucker- und Bioethanolmarkt 42
4.1 Der Zuckermarkt 42
5
Inhaltsverzeichnis
4.2 Das Pró-Álcool Programm 44
4.2.1 Auslöser und Ziele des Pró-Álcool Programms 44
4.2.2 Entwicklungsphasen des Pró-Álcool Programms 45
4.2.2.1 Die Anfänge des Pró-Álcool Programms, 1975-1979 45
4.2.2.2 Ausbau und Konsolidierung des Pró-Álcool Programms, 1979-1996 46
4.2.2.3. Liberalisierung und Pró-Álcool II, 1996 bis heute 48
4.3. Bioethanol im globalen Zusammenhang und Trends 50
5 Chancen und Risiken des Pró-Álcool Programms 54
5.1 Ökonomische Faktoren 54
5.1.2 Technologie und komparativer Kostenvorteil von Bioethanol 54
5.1.3 Komparativer Kostenvorteil von Zucker 55
5.2 Sozioökonomische Faktoren 56
5.2.1 Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen 56
5.2.2 Einkommen 58
5.2.3 Ernährungssicherung 61
5.2.3.1 Flächenkonkurrenz und Nahrungsmittelproduktion 61
5.2.3.2 Nahrungsmittelpreise 62
6 Fazit 64
Literatur - und Quellenverzeichnis 67
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Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Armutsverteilung in Brasilien, 2000
Abbildung 2: Wirtschaftliche Entwicklung in Brasilien
Abbildung 3: Regionen der Zuckerrohrproduktion in Brasilien, 2001
Abbildung 4: Die fünf größten Bioethanolproduzenten weltweit, 2006
Abbildung 5: Die größten Exporteure von Bioethanol weltweit, Handel in Millionen
Tonnen (US-Dollar)
Abbildung 6: Die größten Importeure von Bioethanol weltweit, Handel in Millionen
Tonnen US-Dollar (1985-2004)
7
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Länderklassifizierung anhand des BNE pro Kopf, 2008 31
Tabelle 2: Entwicklung des durchschnittlichen BNE pro Kopf in Brasilien,
2005-2007 32
Tabelle 3: Ländliche und städtische Armut im Süd-Osten und Nord-Osten
Brasiliens , 1999 36
Tabelle 4: Entwicklung des Headcount- und Income Gap Index in Brasilien,
2000-2004 38
Tabelle 5: Hauptcharakteristika der Beschäftigten im Zucker- und
Bioethanolsektor , 2003 60
8
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
ALCA Área de Libre Comercio de las Américas
AoA Agreement on Agriculture
B Belgien
BBA Bolsa Brasileira do Álcool Ltda
BIP Bruttoinlandsprodukt
BNE Bruttonationaleinkommen
BR Brasilien
BRIC-Staaten Staatengruppe: Brasilien, Russland, Indien und China
CAN Comunidad Andina de Naciones
Cardoso Fernando Henrique Cardoso, Präsident Brasiliens (1995-2002)
CIA Central Intelligence Agency
CIMA Conselho Interministerial do Açúcar e do Álcool
Collor Fernando Collor de Mello, Präsident Brasiliens (1990-1992)
CTA Centro Técnico Aerospecial
D Deutschland
Doha-Runde Doha Development Agenda
EMBRAPA Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária
F Frankreich
FAO Food and Agriculture Organization
FAOSTAT Food and Agriculture Organization Statistical Database
G-8 Gruppe der Acht, fasst die größten Industrienationen der Welt zusammen
G-20 Gruppe der Zwanzig, Zusammenschluss von Entwicklungs-und Schwellenländern
GTAI Germany Trade and Invest - Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH
HDI Human Development Index
IAA Instituto do Açúcar e Álcool
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Abkürzungsverzeichnis
IFPRI International Food Policy Research Institute
ILO International Labour Organization
IMF International Monetary Fund
IPEA Instituto de Pesquisa Econômica Aplicada
J Japan
Kar. Karibik
KP Korea DVR (Nordkorea)
LAC Lateinamerika
Lula Luiz Inácio Lula da Silva, Präsident Brasiliens (seit 2003)
Mercosur Mercado Común del Sur
NAFTA North American Free Trade Agreement
NAMA Non Agricultural Market Access
NGO Non-Governmental Organization
OECD Organization for Economic Cooperation and Development
OPEC Organization of the Petroleum Exporting Countries
Petrobras Petróleo Brasileiro S.A.
PNAD Pesquisa Nacional por Amostra de Domicílios
PNUD Programa de las Naciones Unidas para el Desarollo
Pró-Álcool Programm Programa Nacional do Álcool
PT Partido dos Trabalhadores
RFA Renewable Fuels Association
ROK Korea Rep. (Südkorea)
SPGI Squared Poverty Gap Index
UK United Kingdom
UN United Nations
UN-Comtrade UN-Comtrade database
UNASUR Unión de Naciones Suramericanas
UNFCCC United Nations Framework Convention on Climate Change
USA United States of America
USDA United States Department of Agriculture
WCO World Customs Organization
10
Abkürzungsverzeichnis
WHO World Health Organization
WTO World Trade Organization
ZA Südafrika
11
Das Grüne Gold
1 Das Grüne Gold
Brasilien ist der Initiator des weltweit ältesten Programms zur Herstellung von alternativem Kraftstoff. Seit 1975 wird unter dem nationalen Programa Nacional do Álcool (PróÁlcool Programm) Bioethanol aus Zuckerrohr hergestellt, wobei die Produktionsprozesse fortwährend modifiziert und ausgeweitet wurden. Seither gerät das Land zunehmend in den Fokus weltweiter Klimadiskussionen. Eine befürchtete Verknappung der Erdölvorkommen, ein international steigender Ölpreis sowie die Verabschiedung des Kyoto-Protokolls 1 (1997) gaben einen zusätzlichen Anstoß auf der Suche nach einem geeigneten Substitut für fossilen Kraftstoff. Neben großen Anbaukapazitäten verfügt Brasilien hinsichtlich des Pró-Álcool Programms über eine technologische Kompetenz und Infrastruktur, die derzeit auf dem Weltmarkt konkurrenzlos ist. Somit hat das brasilianische Programm einen Modellcharakter, welchen andere Länder nachzuahmen versuchen.
Der Begriff das Grüne Gold reflektiert die Bedeutsamkeit des Pró-Álcool Programms für den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (Lula, seit 2003). Grün steht im weitesten Sinne für eine Umweltpolitik zur signifikanten Reduktion der Schadstoffemissionen durch Bioethanol. Gold hingegen beschreibt die Möglichkeit des Schwellenlands durch Exportzuwachs zu einer der führenden Industrienationen zu avancieren und impliziert gleichzeitig eine Überwindung der ländlichen Armut durch positive Beschäftigungs- und Einkommenseffekte. Dies sind auch die wesentlichen Legitimationsargumente für das Programm, mit denen Lula als globaler Förderer der Agrarenergie in der Öffentlichkeit wirbt und eine intensivierte Produktion von Bioethanol in Aussicht stellt.
Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel darin, die ökonomischen und sozioökonomischen Chancen und Risiken des Pró-Álcool Programms aufzudecken und zu untersuchen, ob eine steigende Produktionsausweitung die Armut im Land reduzieren kann. Hierfür wird zunächst grundlegend geklärt, inwieweit Globalisierungsprozesse auf die wirtschaftliche Entwicklung und schlussendlich auf die Armut in Brasilien wirken. Auf
1 Das Kyoto Protokoll trat 2005 als internationales Abkommen, angekoppelt an das Rahmen-
abkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderung, in Kraft. In diesem sind verbindli-che Vorgaben für 37 Industriestaaten und die EU zur Reduktion von Treibhausgasemissio-
nen verabschiedet. Emissionen sollen zwischen 2008 und 20012 um durchschnittlich 5%
gegenüber 1990 reduziert werden (UNFCCC 2011).
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Das Grüne Gold
diesen Resultaten beruhend wird überprüft, ob sich die allgemeinen Kontroversen der Globalisierung auch im Pró-Álcool Programm wiederfinden. Wissenschaftliche Untersuchungen und Berichte zum Thema Biokraftstoff im umweltpolitischen Kontext sind zahlreich. Die Tortilla-Krise in Mexiko (Anfang 2007) und die Hungerkrise in Haiti (2008) haben in diesem Zusammenhang das Thema Ernährungssicherung verschärft hervorgebracht. Veröffentlichungen staatlicher Institutionen wie die der Food and Agriculture Organization (FAO), der World Bank, des International Food Policy Research Institute (IFPRI) oder der United Nations (UN) sind oftmals in einen breiten, themenübergreifenden Kontext eingebunden. Seltener findet eine konkrete Projektion auf Brasilien statt, ganz besonders hinsichtlich möglicher Auswirkungen des nationalen Programms auf die Armen. Zudem basieren wissenschaftliche Studien ebenso wenig wie zahlreiche Berichte der Non-Governmental Organizations (NGOs) auf einer soliden Datenbasis und vertiefen nicht die Thematik sozioökonomischer Chancen und Risiken. Literatur, die sich eingehender mit dem brasilianischen Modell befasst, wurde bisher auf Portugiesisch veröffentlicht, jedoch in keiner anderen Sprache.
Kapitel 2 behandelt die Frage, inwieweit Brasilien weltwirtschaftlich integriert ist. In diesem Kontext wird der Globalisierungsbegriff definitorisch abgegrenzt, bevor die Aspekte der Globalisierung in Brasilien herausgestellt werden. Hierfür werden die verschiedenen Strategien nationaler Wirtschaftspolitik chronologisch dargelegt. Verhandlungen zu multinationalen, bilateralen und interregionalen Freihandelsabkommen belegen zudem die Ausrichtung der brasilianischen Außenhandelsstrategie. Kapitel 3 umschreibt die wirtschaftliche Entwicklung und Armut in Brasilien. In diesem Zusammenhang wird das brasilianische Entwicklungsniveau zunächst anhand wirtschaftlicher Indikatoren verortet. An eine allgemeine Definition von Armut schließt dann eine Erläuterung des wirtschaftlichen Armutskonzepts, der Einkommensarmut. Darauf aufbauend wird das aktuelle Armutsprofil des Landes beschrieben. Basierend auf angeführten Statistiken zum wirtschaftlichen Wachstum sowie zur Armuts- und Einkommensmessung wird untersucht, ob das Wachstum in Brasilien pro-poor 2 ist. Nachdem auf die Problematik der Einkommensungleichheit eingegangen wird, folgt eine Beschreibung der neuen Armut. Kapitel 4 gibt einen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung des Zucker- und Bioethanolmarkts in Brasilien. Neben der Verflechtung dieser bedeutsamen Märkte, die sich aus dem Pró-Álcool Programm ergibt, wird auf die Förderpolitik der Regierung eingegangen. Darüber hinaus werden die wesentlichen Akteure des internationalen Bioethanolmarktes genannt. Unter Berücksichtigung der tarifären Einordnung von Bio-
2 Nach Ravallion und Chen kann pro-poor growth als mittlere Wachstumsrate des Einkom-
mens der Armen gedeutet werden und gibt das Ausmaß an, inwieweit die Armen von dem
Wirtschaftswachstum eines Landes profitieren (RAVALLION, CHEN 2003, S. 93-95).
13
Das Grüne Gold
ethanol werden globale Trends in der Produktion aufgezeigt. Welche nationalen Chancen und Risiken das Pró-Álcool Programm für die Armen birgt, wird unter ökonomischen und sozioökonomischen Gesichtspunkten in Kapitel 5 herausgestellt. Kapitel 6 schließt mit einem Fazit zur Fragestellung.
14
Die Integration Brasiliens in die globale Wirtschaft
2 Die Integration Brasiliens in die globale Wirtschaft
Kapitel 2 gibt zunächst eine Definition von Globalisierung. Darauf aufbauend wird in Kapitel 2.3.1 untersucht, welche Weichen Brasilien zur Teilnahme an dem Globalisierungsprozess stellte. Dies geschieht im Hinblick auf die nationale Wirtschafts-und Handelspolitik der 80er Jahre bis heute. In Kapitel 2.3.2 werden Brasiliens Bemühungen zur weltwirtschaftlichen Einbindung erläutert. Um Brasiliens Außenhandelsstrategie und -ausrichtung zu verdeutlichen, wird auf Verhandlungen zu multinationalen, bilateralen und interregionalen Freihandelsabkommen eingegangen.
2.1 Definitorische Abgrenzung von Globalisierung
Der Globalisierungsbegriff hat sich erstmalig im Verlauf des 20. Jahrhunderts etabliert. Er ist bis heute in seiner Verwendung oft vage und auf verschiedenste Weise interpretiert (vgl. EBENTHAL 2007, S. 4).
„Globalization is the increased international mobility of goods, people, contracts (including financial claims) and thoughts (facts, ideas, and believes)” (LEAMER 2007, S. 104). “Economic globalization constitutes integration of national economies into the interna- tionaleconomy through trade, direct foreign investment (by corporations and multinationals), short-term capital flows, international flows of workers and humanity generally, and flows of technology: [...]. It is distinct from other aspects of globalization, such as cultural globalization (which is affected, [...] by economic globalization) and communications (which is among the factors that cause the deepening of economic globalization)” (BHAGWATI 2004, S.3-4).
„Ökonomische Globalisierung sei daher hier grundlegend definiert als der zunehmende Anteil grenzüberscheitender privatwirtschaftlicher Aktivitäten an der gesamten Wirtschaftsleistung von Ländern" (SCHIRM 2007a, S. 13).
J. A. Scholte kritisiert eine oftmals unzureichende begriffliche Abgrenzung zu verwandten Prozessen wie Internationalisierung, Uniformisierung, Liberalisierung oder Westernisation (vgl. SCHOLTE 2002, S. 8-13).
Auf einem in den 90er Jahren entstandenen Liberalisierungskonzept beruhend, verstehen Ökonomen unter Globalisierung den grenzüberschreitenden freien Austausch von
15
Die Integration Brasiliens in die globale Wirtschaft
Gütern, Dienstleistungen, Arbeitskräften und Kapital, begünstigt durch den Abbau von Restriktionen (vgl. HESHMATI 2007, S. 59). Internationale Transaktionen steigen mit zunehmender staatlicher Departizipation, sinkenden Transport- und Kommunikationskosten, dem Abbau von Handelshemmnissen, steigender Kommunikation, steigendem Kapitalfluss und Wettbewerb sowie Standardisierung und Migration (vgl. SCHOLTE, ROBERTSON 2007, S. 526 ff.).
Allerdings vollzieht sich die Globalisierung räumlich und zeitlich nicht einheitlich (vgl. HESHMATI 2007, S. 59). Diese Heterogenität löst ungleiche Entwicklungen aus. Dabei stehen unter Anderem positive Effekte wie ein höheres wirtschaftliches Wachstum und verbesserte Lebensstandards dem Risiko steigender Ungleichheit und Exklusion gegenüber (WORLD BANK 2000, S. 3).
2.2 Aspekte der Globalisierung in Brasilien
2.2.1 Nationale Wirtschaftspolitik und Tendenzen des Außenhandels
Die Frage, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Ausmaß ein Land von der Globalisierung profitieren kann, erfordert nicht nur die Berücksichtigung solcher Faktoren, die außerhalb des nationalen Einflussbereichs liegen. Vielmehr ist eine eingehende Analyse der nationalen Wirtschaftspolitik notwendig. Nationale Regierungen können einen erheblichen Beitrag leisten, die Tendenzen des Globalisierungsprozesses zu bestimmen. Globalisierungswirkungen ergeben sich dabei aus der Fähigkeit der nationalen Wirtschaftspolitik stabile makroökonomische Rahmenbedingungen zu schaffen, Investitionen in Sach- und Humankapital zu erhöhen und dem internationalen Handel und ausländischen Direktinvestitionen ausreichend offen gegenüber zu stehen. Eine wirtschaftliche Stabilität ist bei niedrigen, konstanten Inflationsraten gegeben. Hohe Inflationsraten und langfristige Inflationsschwankungen sind meist die Folge staatlicher Budgetdefizite, wodurch die Standortattraktivität für national operierende Unternehmen erheblich geschmälert wird. Damit ist gleichzeitig der Zustrom ausländischer Direktinvestitionen gering, welcher ein Indikator für die Intensität der globalen Einbindung eines Landes ist. Investitionen in Sachkapital steigern die Arbeitsproduktivität und gleichzeitig die Aussicht auf ein vorteilhaftes wirtschaftliches Wachstum. Hohe Investitionsquoten sind hingegen kein Garant für wirtschaftlichen Fortschritt. Regierungen sind in diesem Zusammenhang gefordert, nicht nur Investitionen zu steigern, sondern
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Arbeit zitieren:
Kordula Pfeiffer, 2011, Globalisierung und wirtschaftliche Entwicklung in Brasilien, München, GRIN Verlag GmbH
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