Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Die Basileia-Verkündigung Jesu 1
Wann kam es zu Jesu „ureigenem“ Basileia-Verständnis? 2
Was bewirkte das Scheitern des Täufers bezüglich Jesu Basileia-Verständnisses? 4
Wie ging Jesus mit der „Erfolglosigkeit“ seiner Basileia-Verkündigung um? 6
Jesu Tod 7
Konnte Jesu mit der Möglichkeit eines gewaltsamen Todes rechnen? 7
Konnte Jesus seinen Tod Heilsbedeutsamkeit zuschreiben? 8
Konnte Jesus seinen erwarteten Tod als sinnvoll verständlich machen und ihn zur Spra-
che bringen? 9
Fazit 10
1 Einleitung
Die Beantwortung der Frage „ Wie hat Jesus seinen eigenen Tod verstanden?“ scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich relevant zu sein. Doch welche Brisanz sich dahinter verbirgt, offenbart sich bei einer näheren Beschäftigung mit dieser Frage. Würden wir in folgender Arbeit herausfinden, dass Jesus nur ein Träumer war, der nicht mit der Möglichkeit eines gewaltsamen Todes gerechnet hat, der nicht versucht hat in seiner erfolglosen Basileia-Verkündigung einen tieferen Sinn zu sehen, würden unserer Glaubensvorstellungen wohl auseinander brechen.
Deshalb möchte ich in dem folgenden Text dieser Frage nachgehen und versuchen sie zu klären.
Dies erfordert zunächst eine Auseinandersetzung mit dem Basileia-Verständnis Jesu. Denn sein Todes-Verständnis muss mit den Aussagen über seine Verkündigung vom Reich Gottes kohärent sein. Erst auf dieser Grundlage kann man sich den Gesichtspunkten über Jesu Todesverständnis widmen und erfahren ob und wenn ab wann Jesus mit dem möglichen Tod rechnen konnten. Des Weiteren wird versucht die Frage zu klären, ob er seinem Tod in irgendeiner Art und Weise eine Heilsbedeutung zusprechen konnte und zugesprochen hat.
2 Die Basileia-Verkündigung Jesu
Der Kern der Lehre Jesu war die Verkündigung der Königsherrschaft Gottes (βασιλεὶα τοῦ θεοῦ/ basileia tou theou), so sind sich die meisten Theologen einig. Schon das erste Auftreten Jesu im Markusevangelium stellt ihn mit seiner Botschaft vom nahenden Reich Gottes dar. „Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ 1 Um eine Kohärenz zwischen der Basileia-Verkündigung Jesu und seinem Todesverständnis nachweisen zu können ist es wichtig den Ursprung des „ureigenen“ Basileia-Verständnisses Jesu, sowie dessen Inhalte zu finden. So lassen sich anschließend Aussagen über eine eventuelle Todesgewissheit oder sogar eine Todesdeutung Jesu machen. 2
1 Mk 1,14f EU
2 Vgl. Heinz Schürmann, Wort Gottes und Schriftauslegung: Gesammelte Beiträge zur theologischen Mit-
te der Exegese. Hrsg. von Knut Backhaus. Paderborn1998, S. 236
1
2.1 Wann kam es zu Jesu „ureigenem“ Basileia-Verständnis?
Heinz Schürmann sieht den Ursprung des Basileia-Verständnisses Jesu bereits vor seinem ersten öffentlichen Auftreten. Er ist der Ansicht, „dass sich hier [in Nazareth] sein [Jesu] charakteristisches ‘ureigenes‘ Basileia-Verständnis bereits ausformte.“ 3 Sicher ist, dass Jesus in einer Zeit lebte, in der ein, durch die Fremdherrschaft geprägtes, apokalyptisches Weltbild herrschte. Dieser Denkweise wird sich auch Jesus nicht entzogen haben und somit dürfte auch sein Basileia-Verständnis von dieser apokalyptischen Weltansicht beeinflusst worden sein. Doch war es auch für die damalige Zeit gänzlich ungewöhnlich das nahe Ende zum Mittelpunkt einer Verkündigung zu machen. „Insofern war diese akzentuierte und zentrierte Sprechweise schon Jesu ureigen Tat.“ 4 Wenn sich Jesu ureigenes Basileia-Verständnis bereits in Nazareth geformt haben soll, so muss man die nähere Umgebung Jesu zu dieser Zeit untersuchen, um festzustellen, welche Einflüsse dazu beigetragen haben und welche nicht. Solche Einflüsse könnten religiöse Gruppierungen wie die Zeloten im galliläischen Bergland, die Synagoge in Nazareth, sowie Jesu „Abba“-Erfahrung selbst sein. Die Zeloten lebten wie Jesus mit einer apokalyptischen Weltanschauung. Sie forderten radikal die alleinige Herrschaft Gottes in Israel und versuchten diese sogar mit Gewalt zu erzwingen. So verübten sie ‘Nadelstichangriffe‘ auf die römische Besatzung um diese aus Israel zu vertreiben. 5 Nach ihrem Verständnis duldete Gottes Königtum in Israel keine andere Herrschaft neben sich.
Auch Jesus tritt bei Markus mit der Parole „Gott, was Gott gehört“ 6 auf, die eine gewisse Analogie zum Leitspruch der Zeloten aufweist. Die unterschiedliche Auslegung dieser Aussage lässt sich erst durch den Zusatz „dem Kaiser, was dem Kaiser gehört“ 7 erkenne. Jesus sah die Gottesherrschaft nicht wie die Zeloten in einem „irdisch-theokratischen“ 8 Kontext, sonder viel mehr als eine „eschatologisch-transzendente“ 9 Wirklichkeit. Schürmann sieht in der Basileia-Verkündigung Jesu durch diesen Zusatz sogar eine
3 Heinz Schürmann, Jesus - Gestalt und Geheimnis: gesammelte Beiträge. Hrsg. von Klaus Scholtissek.
Paderborn 1994, S. 21
4 H. Schürmann, Jesus, S. 19
5 Vgl. Martin Hengel, Die Zeloten. Untersuchungen zur jüdischen Freiheitsbewegung in der Zeit von He-
rodes I. bis 70 n.Chr., Köln 1976
6 Mk 12,17 EU
7 Mk 12,17 EU
8 H. Schürmann, Jesus, S. 22
9 H. Schürmann, Jesus, S. 22
2
Antiparole. 10 Ein politisch- gesellschaftlich erzwungenes Reich Gottes war für Jesus undenkbar. Somit ist klar, dass Jesu Denken ein vollkommen anderes als das der Zeloten war. Sie hatten keinen Einfluss auf sein ureigenes Basileia-Verständnis. Ein weiterer Einfluss auf Jesu Verständnis vom kommenden Gottesreich könnte die Synagoge sein. Im Synagogengottesdienst hörte Jesus von der Königsherrschaft Gottes in Gebeten und Predigten, die hauptsächlich pharisäisch geprägt waren. 11 Schürmann geht davon aus, dass Gebetsformeln, die Jesus im Gottesdienst hörte, von ihm für Teile des Vaterunsers übernommen wurden. So wird die Entstehung des ersten Teils, „mit der Bitte um Heiligung des Namens […] [und] der Bitte um die Verwirklichung der Königsherrschaft Gottes“ 12 , bereits auf Zeit in Nazareth zurückgeführt. Begründet wird dies mit dem Stilbruch zwischen dem ersten Teil mit „seinem bereits alles beinhaltenden zentralen und totalen Basileia-Wunsch“ 13 und dem zweiten Teil, der durch seine „Unser“-Bitten um Lebensnotwendiges das Gebet erweitert. Die Gebetselemente aus dem Synagogengottesdienst wurden von Jesus nicht einfach nur übernommen, sondern hinsichtlich seiner „Abba“-Erfahrung geformt und abgeändert. Durch die vorstehende „Abba“-Anrede gab Jesus dem Gebet seine persönliche Note. Somit hatte auch die Synagoge keinen großen Einfluss auf Jesu ureigenes Basileia-Verständnis.
Wie sieht es jedoch mit der Basileia als Jesu Geschick aus? Schürmann verknüpft Jesu ureigenes Basileia-Verständnis mit seine „Abba“-Erfahrung und sagt:“ So war Jesu Basileia-Verständnis wohl von Anfang an von seiner ureigenen Abba-Erfahrung her geformt, wie umgekehrt seine Abba-Erfahrung von Anfang an eine Ausprägung der sich ihm zu-schickenden Basileia gewesen sein wird.“ 14 Dies meint, dass die Basileia das Schicksal Jesu ist, auf Grund dessen er aus Nazareth fort und an den Jordan ging. Aus diesem Basileia-Verständnis resultierte seine Abba-Erfahrung. Das Geschick der Basileia ließ Jesus im Vertrauen zu seinem Vater aufschauen und befähigte ihn zur Abba-Anrede. Jesu Bewusstsein lässt sich anhand dieses Geschickes verdeutlichen. Schürmann beschreibt es so.“ Dieses Geschick ist mehr als
10 Vgl. H. Schürmann, Jesus, S. 22
11 Vgl. H. Schürmann, Jesus, S. 23
12 H. Schürmann, Jesus, S. 23
13 H. Schürmann, Jesus, S. 24
14 H. Schürmann, Jesus, S. 29
3
Arbeit zitieren:
Marina Wilms, 2009, Wie hat Jesus seinen eigenen Tod verstanden?, München, GRIN Verlag GmbH
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