Mittelbronzezeitliche Pfostenringe
I. Einleitung .......................................................................................................................2 II. Forschungsgeschichte....................................................................................................3 III. Typologie der Pfostenringe nach Glasbergen................................................................4 V. Grabhügelanlagen mit Pfostenring und pfostengesäumtem Zugang .............................10 IV. Funktion von Pfostenringanlagen...............................................................................11 VI. Astronomische Gesichtspunkte?.................................................................................12 VII. Fazit .........................................................................................................................12 VIII. Literatur ..................................................................................................................13
I. Einleitung
Der Brauch, einen Hügel über einer Bestattung zu errichten, ist in Mittel- und Nordwesteuropa über einen Zeitraum von über 1000 Jahren praktiziert worden. In den Niederlanden waren es Angehörige der endneolithischen Glockenbecherkultur, die als Erste Grabhügel aufschütteten. Dort finden sich auch die ältesten Belege für Pfostenringe um Grabhügel. 1 In der Folgezeit wurden Pfostenringe von Steinringen und anderen Arten der Hügelumhegung abgelöst. In der beginnenden Mittelbronzezeit wandte man sich auch wieder den Pfostenringen zu. Die ältesten Befunde dafür stammen aus England und den Niederlanden, von wo aus sich diese Grabsitte über große Teile Nordwestdeutschlands bis nach Dänemark und südlich bis nach Hessen und Baden ausbreitete. 2 Pfostenringe sind in der Bronzezeit zwar kein neues Phänomen, erreichten dort aber ein weit größeres Formenspektrum als je zuvor und sind im Gegensatz zu ihren neolithischen Vorläufern nicht in einen Kreisgraben eingetieft.
Es soll im Folgenden zunächst ein Überblick über die Forschungsgeschichte der mittelbronzezeitlichen Pfostenringe gegeben werden. Im Anschluß daran wollen wir anhand einiger Beispiele die Typen der Pfostenringe nach Glasbergen sowie deren Verbreitung und Datierung behandeln, ebenso wie die Sonderform Polygonalhügel und pfostengesäumte Zugänge zu Grabhügeln mit Pfostenringen. Auf die Verbreitung und Datierung wird beim jeweiligen Typ eingegangen werden. Zuletzt soll versucht werden,
1 Glasbergen, Palaeohistoria 3, S. 178-180.
2 Herrmann/Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 126; Wilhelmi, Archäologisches Korrespondenzblatt 15, S. 154f.
2
astronomische Gesichtspunkte bei der Ausrichtung von mittelbronzezeitlichen Grabhügelanlagen zu ermitteln.
II. Forschungsgeschichte
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Grabhügeln begann im 17. Jahrhundert. Erstmals 1660 wurde in den Niederlanden von Johan Picardt die Frage diskutiert, ob es Riesen, Kelten, Germanen oder Römer gewesen sind, die diese Grabstätten bauten. Er freilich kam noch zu dem Schluß, die Baumeister seien Riesen gewesen. Im 18. und besonders ab dem frühen 19. Jahrhundert setzte man auch archäologische Methoden zur Untersuchung von Grabhügeln ein, die jedoch meist noch recht ungenau waren. 3 Mit der zunehmenden Verbreitung verbesserter Grabungs- und Dokumentationsmethoden um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, besonders durch die Entdeckung des „Pfostenloches“, wurden auch die ersten Belege für Pfostenringe um einen Grabhügel entdeckt. Man hatte zwar schon Mitte des 19. Jahrhunderts in England Pfostenringe ergraben und beschrieben 4 , die erste Publikation eines solchen Befundes aber wurde 1904 von Kofler vorgenommen, der im Jahr davor die Hügelnekropole Bayerseich im hessischen Darmstadt-Arheiligen untersucht hatte. Er nahm an, es mit kurzfristig errichteten „Wohnstätten“ zu tun zu haben, räumte aber auch die Möglichkeit einer Opferstätte im Zusammenhang mit dem Bestattungsritual ein. 5 Den ersten niederländischen Pfostenring entdeckte 1909 der spätere Direktor des Leidener Museums Holwerda. Ebenfalls wichtig für die niederländische Grabhügelforschung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Remouchamps, Bursch und Van Giffen, wobei besonders Letzterer die Ausgrabungsmethodik bis heute geprägt hat. Er nämlich setzte seit 1916 regelmäßig die bereits 1889 von Mulder entwickelte Quadranten-Methode ein 6 , bei der man einen Hügel oder auch jeden anderen Bodenbefund in vier Zonen unterteilt, von denen bei zwei sich gegenüber liegenden die Füllung ausgenommen wird. Man erhält auf diese Weise ein komplettes Profil des Inneren eines Befundes. 7 Eine erste Zusammenfassung der bis dato vorliegenden Ergebnisse legte ebenfalls Van Giffen 1930 unter dem Titel „Die Bauart der Einzelgräber“ 8 vor. Die bereits in den Niederlanden so erfolgreich erprobten Methoden wurden nun auch in
3 Glasbergen, Palaeohistoria 3, S. 1f.
4 Ashbee, Round Barrow, S. 60; Herrmann/Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 110, Anm. 51; Lohof; Grafritueel, S. 160.
5 Herrmann, Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 110.
6 Glasbergen, Palaeohistoria 2, S. 23-25; ders. Palaeohistoria 3, S. 2-4 u. Anm. 54, S. 16; Herrmann/Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 111.
7 Glasbergen, Palaeohistoria 2, S. 23-25; Lohof, Garfritueel, S. 4, Abb. 1.
8 Giffen, Bauart, S. ??.
3
Westdeutschland eingesetzt, so daß sich auch hier die Belege für Pfostenringe kontinuierlich vermehrten. 9 Einen Überblick über das bis 1954 bekannte Material, sowohl aus den Niederlanden als auch aus Nordwestdeutschland, stellte im Rahmen seiner Dissertation Glasbergen zusammen. 10 Er teilte die ihm bekannten Pfostenringe in 9 Typen ein, von denen die Typen 1 und 2 dem Endneolithikum zugehörig sind, die Typen 3 bis 9 mit weiteren 179 Pfostenringen datieren in die mittlere Bronzezeit. 11 Auf Glasbergens Typologie wird unten ausführlich eingegangen werden. Einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Konstruktionsweise von Pfostenringen leistete der Amsterdamer Prähistoriker Gerritsen, der jedoch seine Ergebnisse nicht publizierte. 12 Weitere Pfostenringe, die nach 1954 entdeckt worden waren, wurden 1960 von Ashbee (England) 13 , 1975 von Herrmann und Jockenhövel (Nordwestdeutschland) 14 , 1985 von Wilhelmi (ebenfalls Nordwestdeutschland) 15 und 1991 von Lohof (Nordostniederlande) 16 publiziert. Hinzu kommen noch verschiedene Grabungsberichte aus jüngerer Zeit. 17
III. Typologie der Pfostenringe nach Glasbergen
Wie bereits erwähnt, wurde von Glasbergen eine Typologie der mittelbronzezeitlichen Pfostenringe erstellt, die wir nun betrachten wollen. Die Typen 1 und 2 beinhalten Pfostenringe bei Grabhügeln des Endneolithikums, die sich von den Folgenden in einem wichtigen Punkt unterscheiden: anders als die bronzezeitlichen Vertreter sind bei ihnen die Pfosten innerhalb eines Kreisgrabens eingetieft. Auf sie wird im Weiteren nicht eingegangen werden. Auf einer Vielzahl von Gräberfeldern kommen mehrere Typen von Pfostenringen vor. Teilweise ist dies schon bei einem einzelnen Hügel der Fall, wo durch die Pfostenringe verschiedene Bauphasen markiert werden.
a) Typ 3: Pfostenringe des Typs 3 zeichnen sich durch einen einfachen Ring einzeln stehender Pfosten aus, wobei der Durchmesser mit Maßen zwischen ca. 5 m und ca. 20 m variieren kann. 18 Anzahl und Abstand der Pfostensetzungen voneinander sind abhängig
9 Herrmann/Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 111f.
10 Glasbergen, Palaeohistoria 2; ders. Palaeohistoria 3.
11 Glasbergen, Palaeohistoria 3, S. 16-73; Herrmann/Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 111-123; Lohof, Grafritueel, S. 159f.
12 Hamöller, AiD 1/2001, 48; Lohof, Grafritueel, S. 161, Anm. 57.
13 Ashbee, Barrow, S. ??.
14 Herrmann/Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 110-127.
15 Wilhelmi, Archäologisches Korrespondenzblatt 15, S. 151-156 u. Abb. 4.
16 Lohof, Grafritueel, S. 159-174.
17 Best, AFWL 9B, S. 19-34; Hamöller, AiD 1/2001, S. 48; Herring, AFWL 9A, S. 73-82.
18 Glasbergen, Palaeohistoria 3, S. 21-25; Herrmann/Jockenhövel, Fundberichte Hessen 15, S. 112-116; 120.
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Christian E. Schulz, 2003, Pfostenringe der Mittelbronzezeit, München, GRIN Verlag GmbH
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