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V
Gliederung
I. Einführung und Problemverengung 1
II. Rechtliche Grundlagen der Prüferunabhängigkeit 2
1. Europäische Normsetzung als Ausgangspunkt nationaler Gesetzesänderung 2
2. Prüferunabhängigkeit im nationalen Recht 2
a) §§ 319, 319a HGB 3
b) Wirtschaftsprüferordnung und Berufssatzung der Wirtschaftsprüferkammer 4
c) Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) 5
III. Die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers aus rechtsökonomischer
Perspektive 5
1. Agencybedingte Interessenkonflikte 5
a) Prinzipal-Agenten-Theorie (Agency-Theorie) als theoretisches Fundament 5
b) Agencykonflikt der eigenen Art im Bereich der Abschlussprüfung 6
2. Die Rolle des Abschlussprüfers als Informationsintermediär 7
3. Anforderungen an die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers im System der
Corporate Governance 9
a) Die Glaubwürdigkeit der Abschlussprüfer im Spannungsfeld zwischen Markt
und Unternehmung 9
b) Begriffliche Annäherung an die Prüferunabhängigkeit 10
c) Prüferunabhängigkeit in Vertrag und Markt 10
IV. Europäische / Staatliche Regulierung vs. marktbasierter Lösung 12
V. Die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers als Europäische Herausforderung
an ausgewählten Beispielen des Grünbuchs der Kommission zum weiteren
Vorgehen im Bereich der Abschlussprüfung 13
1. Verbot von Nichtprüfungsleistungen 13
2. Konzentration und Marktstruktur 15
a) Joint-Audits 16
b) Europäisches Qualitätszertifikat und Notfallplan 17
c) Einrichtung einer Regulierungsbehörde 17
d) Bewertung der Konzentration auf dem Abschlussprüfermarkt 18
3. Externe Rotation. 20
VI. Thesenförmige Zusammenfassung 22
VI
I. Einführung und Problemverengung
„Wir sind kein Business - wir sind Abschlussprüfer. Wir üben eine Tätigkeit im öffentlichen Interesse aus, und daran hat sich alles auszurichten.“ 1 Mit dieser Aussage bringt der Vorstandsvorsitzende der mittelständigen BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Holger Otte, die aktuelle Diskussion um die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer auf den Punkt. Den Anstoß dazu gab das Grünbuch der Europäischen Kommission zum weiteren Vorgehen im Bereich der Abschlussprüfung vom 13.10.2010. 2 Regelmäßige Kritik am Abschlussprüfer und der Institution Abschlussprüfung folgte nicht nur aus spektakulären Zusammenbrüchen und Schieflagen von Unternehmen, die als Ergebnis ihrer letzten Jahresabschlussprüfung einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erhalten hatten, sondern auch aus der Tatsache, dass im Rahmen der Finanzkrise die Bilanzen der Großbanken trotz immenser Verluste in den Jahren 2007 bis 2009 von den jeweiligen Abschlussprüfern uneingeschränkt testiert wurden. Hierdurch schien das Fundament auf dem die Abschlussprüfung gründet - nämlich das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Unabhängigkeit, die Integrität und den Sachverstand des Abschlussprüfers - erschüttert. Können Eigen- und Fremdkapitalgeber nicht mehr in die von den Unternehmen veröffentlichten und vom Abschlussprüfer testierten Informationen vertrauen, kann das zu empfindlichen Beeinträchtigungen auf dem Kapitalmarkt führen (dazu Kapitel III). 3 Da der nationale Gesetzgeber um die Bedeutung der Unabhängigkeit der Abschlussprüfer seit langem weiß, wurde er unter Berücksichtigung europäischer Vorgaben und internationaler Erfordernisse bereits mehrfach tätig, um die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer und das Vertrauen in die Abschlussprüfung zu stärken. Die rechtliche Einordnung dieser Arbeit beschränkt sich mithin allein auf die Darstellung der derzeit geltenden Regelungen zur Prüferunabhängigkeit (dazu Kapitel II). Nach Darstellung der rechtlichen und ökonomischen Grundlagen zur Prüferunabhängigkeit soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf einer rechtsökonomischen Analyse ausgewählter Vorschläge der Kommission aus ihrem Grünbuch vom 13.10.2010 liegen. Dazu werden zunächst die Voraussetzungen, wann eine (wie von der Kommission vorgesehene) regulatorische Regelungsoption einer marktbasierten Lösung vorzuziehen ist, dargestellt (Kapitel IV). Vor diesem Hintergrund soll anschließend insbesondere die Zweckdienlichkeit der diskutierten Maßnahmen für die Stärkung der Prüferunabhängigkeit untersucht werden (Kapitel V). Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse thesenförmig zusammengefasst.
1 Holger Otte, zitiert in Giersberg, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.02.2011, S. 18.
2 KOM(2010) 561 endg.
3 MPI-Arbeitsgruppe zur Unabhängigkeit der Abschlussprüfer, in: ZIP 2010, S. 460.
1
II. Rechtliche Grundlagen der Prüferunabhängigkeit
1. Europäische Normsetzung als Ausgangspunkt nationaler Gesetzesänderung
Als Grundlage eines europäischen Rechts der Abschlussprüfung gilt die auch als Abschlussprüferrichtlinie bekannte 8. EG-Richtlinie vom 10.4.1984. 4 Insbesondere mit der im Mai 2002 veröffentlichten Kommissions-Empfehlung 5 zur Sicherung der Unabhängigkeit bei der Abschlussprüfung sollten Lücken hinsichtlich der Prüferunabhängigkeit geschlossen werden. Diese und weitere Verlautbarungen 6 der Kommission mündeten 2006 schließlich in der sog. modernisierten Abschlussprüferrichtlinie 7 , die den derzeitigen Stand europäischer Rechtssetzung im Bereich der Abschlussprüfung darstellt. 8 Ziel dieser Richtlinie ist die Harmonisierung des europäischen Gesellschaftsrechts im Bereich der Abschlussprüfung und die Stärkung des Vertrauens in die Abschlussprüfung. Schwerpunktmäßig regelt die modernisierte Abschlussprüferrichtlinie Fragen zur Berufszulassung als Wirtschaftsprüfer bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und zur Prüferunabhängigkeit. Darüber hinaus schafft sie eine Grundlage zur Festlegung der International Standards on Auditing (ISA) als für die Durchführung von gesetzlichen Abschlussprüfungen maßgeblichen Prüfungsstandard und verpflichtet die Mitgliedsstaaten zur Errichtung eines vom Berufsstand unabhängigen Aufsichtssystems. Im Hinblick auf die im Grünbuch vom 13.10.2010 diskutierten Maßnahmen ist herauszustellen, dass die Richtlinie bereits 2006 eine Aufgliederung von Prüfungs- und Nichtprüfungsleistungen des Abschlussprüfers im Anhang bzw. Konzernanhang vorgesehen hat. 9
2. Prüferunabhängigkeit im nationalen Recht
Der nationale Gesetzgeber wurde in Erwartung der sich abzeichnenden Veränderungen bereits vor Inkrafttreten der RL/2006/43 in Form des Abschlussprüferaufsichtsgesetzes (APAG), des Bilanzrechtsreformgesetzes (BilReG) und des Bilanzkontrollgesetzes (BilKoG) tätig. Die bis 2006 noch nicht geregelten Inhalte der Richtlinie wurden schließlich durch das Berufsauf-sichtsreformgesetz (BARefG) in nationales Recht transformiert. Im Folgenden sollen die derzeit geltenden Unabhängigkeitsregelungen, die teilweise Ergebnis eines europäischen Diskurses sind, erläutert werden.
4 RL 84/254/EWG, ABl. Nr. L 126 vom 12.5.1984, S. 20 - 26.
5 KOM(2002) 1873, ABl. 2002 L 191/22.
6 so z.B. der Aktionsplan über die Modernisierung des Gesellschaftsrechts und Verbesserung der Corporate Governance [KOM(2003) 284 endg.], die Mitteilung der Kommission zur Stärkung der Abschlussprüfung in der EU [KOM(2003) 286 endg.] oder der Vorschlag zur Modernisierung der Prüferrichtlinie [KOM(2004) 177 endg.].
7 RL 2006/43/EG, Abl. L 157/87.
8 Leyens, in: Basedow/Hopt/Zimmermann, S. 2.
9 ausführlich zur modernisierten Abschlussprüferrichtlinie Tiedje, in: WPg 2006, S. 593-605.
2
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Sebastian Naujoks, 2011, Informationsintermediäre: Unabhängigkeit der Abschlussprüfung als Europäische Herausforderung, München, GRIN Verlag GmbH
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