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1. Einleitung
Bildungspolitik ist in Deutschland von jeher ein bedeutsames Thema. Nicht zuletzt durch die PISA-Studien, die seit dem Jahr 2000 in dreijährigem Turnus in den meisten Mitgliedstaaten der OECD durchgeführt werden, hat sich die Relevanz des Themas Bildung in Deutschland nochmals gesteigert. Durch die großen Diskussionen in Politik und Medien zählt es mittlerweile zum Alltagswissen, dass trotz Bildungsreform und Bildungsexpansion weiterhin soziale Ungleichheiten von Bildungschancen sowohl nach sozialer, aber vor allem auch nach nationaler Herkunft bestehen. 1 Heike Diefenbach bemerkt dazu:
"Während im öffentlichen Diskurs ebenso wie in der sozialwissenschaftlichen Literatur Einig-keit darüber besteht, dass die Beschulung ausländischer Kinder und Jugendlicher in
Deutschland längst kein randständiges Phänomen mehr ist, sondern in vielen deutschen
Schulen zur alltäglichen Praxis gehört, ist man uneins darüber, ob ausländische Kinder oder
Kinder aus Migrantenfamilien „Sorgenkinder“ sind, die nicht über die notwendigen Voraus-
setzungen oder den Willen verfügen, das deutsche System schulischer Bildung mit Erfolg zu
durchlaufen, oder ob es sich bei ihnen um eine Bildungsreserve handelt, die zu nutzen die 2 Institutionen des deutschen Schulsystems bislang nicht zu nutzen verstanden haben."
Ziel dieser Arbeit ist es, in einem ersten Teil die Bildungsbeteiligung der Migranten in Deutschland anhand von Arbeit Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus dem Jahr 2008 darzustellen. Der Fokus liegt hier auf der Illustration der immer noch bestehenden Disparitäten mit Hilfe aktueller Zahlen und Grafiken, die Aufschlüsse über die Nachteile von Migranten im deutschen Bildungssystem verdeutlichen. Des Weiteren werden in einem zweiten Teil mögliche Erklärungsmodelle skizziert, wobei dieser Aspekt aufgrund des Umfangs der vorliegenden Arbeit nur kurz behandelt werden kann. Im abschließenden dritten Teil werden in aller Kürze mögliche Präventionsmodelle skizziert, wobei das Hauptaugenmerk hierbei auf dem Aspekt der Bildungsaspiration durch Sprache liegen wird.
1 Becker/Lauterbach (2007), S. 1. 2 Diefenbach (2007), S. 219.
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2. Daten der Bildungsbeteiligung
Um möglichst aktuelle Daten der Bildungsbeteiligung in Deutschland reflektieren zu können, wurden für diese Arbeit Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus dem Jahr 2008 verwendet, die sich im Bildungsbericht 2010 3 der ständigen Kultusministerkonferenz (KMK) finden. Im Folgenden werden verschiedene Zahlen und Grafiken erläutert, um die momentane Situation der Bildungsbeteiligung der Migranten in Deutschland zu skizzieren.
2.1 Statistische Daten aus dem Bildungsbericht 2010
Grafik 1 4 zeigt die Bildungsbeteiligung im Jahr 2008 nach ausgewählten Altersgruppen mit Migrationshintergrund.
Mit Blick auf die Integration von Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland kommt einer qualifizierten Ausbildung eine wichtige Rolle zu. Es zeigt sich, dass Personen mit Migrationshintergrund in den Altersjahren ge-
3 Mit"Bildung in Deutschland 2010" wurde der dritte Bericht einer unabhängigen Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vorgelegt. Mit diesem indi-katorengestützten Bericht wurde eine alle Bereiche des Bildungswesens umfassende aktuelle Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens vorgenommen.
4 KMK (2010), S. 35.
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gen und nach Ende der Schulpflicht fast genauso häufig an Bildungsmaßnahmen teilnehmen wie Personen ohne Migrationshintergrund. Allerdings sind Unterschiede zwischen den Herkunftsregionen festzustellen: So weisen türkischstämmige Personen eine geringere Bildungsbeteiligung auf, vor allem in der Gruppe der 25- bis unter 30-Jährigen. Diese Zahlen belegen, dass Migranten, insbesondere türkischstämmige, eine besonders geringe Bildungsbeteiligung gegen und nach Ende der Schulpflicht erfahren. Einen weiteren Beleg hierfür liefert Grafik 2 5 .
In Grafik 2 sehen wir den Anteil der 20- bis unter 30-Jährigen im Jahr 2008, die über keinen beruflichen Bildungsabschluss verfügen und nicht an Bildung teilnehmen, eingeteilt nach Geschlecht und Migrationshintergrund.
Bei Betrachtung der Werte zeigt sich, dass Personen ohne Migrationshin-tergrund im Durchschnitt einen höheren Bildungsstand aufweisen als Personen mit Migrationshintergrund. Diese Diskrepanz wird noch deutlicher bei Personen ohne allgemeinen oder beruflichen Bildungsabschluss. Der Anteil der Personen ohne Migrationshintergrund, die über keinen allgemeinen Abschluss verfügen, liegt bei 1,5 %. Bei Personen mit Migrationshintergrund hingegen sind es 13 %. Ähnlich verhält es sich beim beruflichen Bildungsabschluss. Hier ist der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund, die kei-
5 KMK (2010), S. 38.
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nen beruflichen Abschluss haben, mit 39 % sogar rund 27 Prozentpunkte höher als bei Personen ohne Migrationshintergrund. Die Gruppe der 20- bis unter 30-Jährigen besaß 2008 zu 17 % weder einen beruflichen Bildungsabschluss noch nahmen diese Personen an Bildungsmaßnahmen teil. Unter den Personen mit Migrationshintergrund sind es sogar 31 %. Dieser hohe Anteil ist laut Bildungsbericht der KMK "vor allem auf die Herkunftsregionen Türkei und sonstige ehemalige Anwerbestaaten zurückzuführen" 6 . Weiter heißt es, dass die Nachteile "insbesondere auf Frauen" 7 zutreffen. Es dürfte bis hierher bereits ein Eindruck von der Benachteiligung der Migranten im deutschen Bildungssystem vermittelt worden sein. Im Folgenden soll der Fokus auf die Daten des Schulartbesuchs und der Schulabschlüsse in Deutschland gerichtet werden, da insbesondere das dreigliederige Schulsystem einen ständigen Kritikpunkt in der deutschen Bildungspolitik darstellt. Grafik 3 8 zeigt die Schulartverteilung und Lesekompetenz 15jähriger Schülerinnen und Schüler im Jahr 2006 nach Migrationshintergrund und sozioökonomischem Status 9 in Prozent.
6 KMK (2010), S. 38.
7 Ebd.
8 Ebd., S. 65.
9 Der sozioökonomische Status stellt ein Maß für die Stellung des Einzelnen innerhalb der Gesellschaft dar, beruhend auf verschiedenen Faktoren wie Bildungsstand, Einkommen, Beruf, Familienstand und Kinderzahl.
Arbeit zitieren:
Jan Feldmann, 2011, Bildungsbeteiligung von Migranten in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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am Tuesday, July 19, 2011-