Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 1
II Erzähltextanalyse 3
1. Die Figuren 3
2. Raum und Zeit 4
3. Erzählsituation und Handlungsanalyse 5
III Gesellschaft und Psychoanalyse 5
IV Schlusswort 11
V Bibliographie 13
I Einleitung
Die Zwischenkriegszeit war zweifelsfrei eine Zeit, die von einer Literatur der Moderne geprägt wurde. Vor allem im durch drei Teilungen politisch gebeutelten Polen war die Literatur vor- und während dem ersten Weltkrieg ein unverzichtbares Medium. Sie war nicht nur Kulturgut, sondern vielmehr das Sprachrohr der Menschen und die Hoffnung der gesamten Gesellschaft. Während sich die Schriftsteller unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg vor allem mit der Aufarbeitung der furchtbaren Geschehnisse befassten, Veränderungen reflektierten und sich kritisch mit der Gesellschaft, der Kultur und sozialen Fragen beschäftigten, entwickelte sich in der Zeit bis 1939 eine Literatur der Fülle. Typisch für die Zeit der “Avantgarde” waren die vielen neuen literarischen Strömungen, die wie Pilze aus dem Boden schossen. Futurismus, Expressionismus, Konstruktivismus, Formalismus - nicht zu unrecht bezeichnen Literaturwissenschaftler die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen als Zeit der “Ismen”. Im Gegensatz zur Politliteratur der Jahrhundertwende, sollte in der Zwischenkriegszeit die Literatur als Kunstobjekt gesehen werden, mit einer völlig eigenständigen Ästhetik - Kunst und Leben sollten zusammengehören. Richtungweisend war dabei der Neo-Realismus mit seiner Zuwendung an reale Zustände. Politische, soziale und kulturelle Zusammenhänge standen im Mittelpunkt. Die unterschiedlichen Ansätze wie beispielsweise der fantastische, der psychologische oder auch der soziale Neo-Realismus, ermöglichten sowohl den Autoren als auch den Lesern unterschiedliche Zugänge und Verwirklichungen eines literarischen Werkes. Zentrale Themen waren Verunsicherung, Selbstfindung, die Frage nach der eigenen Identität, nach dem Sein und dem Platz in der Gesellschaft. Unter anderem lösten Freuds Theorien der Psychoanalyse ein unerschöpfliches Interesse an der menschlichen Psyche aus. Von den Schriftstellern als neues, faszinierendes Faktum entdeckt, wurde das Stilmittel der Psychoanalyse in einigen Werken detailliert angewandt. Mit genau diesen tiefgründigen und fundierten Psychoanalysen arbeitete auch Zofia Nałkowska in ihrem psychologisch-realistischen Roman Granica.
Diese Arbeit konzentriert sich bewusst auf eine einzige, dafür sehr aussagekräftige Textstelle, um das Thema der Gedankenöffnung und des Spannungsverhältnisses zwischen Psychoanalyse und Gesellschaft fundiert darstellen zu können. Es handelt sich hierbei um die
1
Textstelle Seite 25 bis Seite 28 1 . In diesem Textauszug werden sowohl Elżbieta Bieckas Gedanken im Bezug auf ihre Umwelt geschildert, als auch die gesellschaftlich-sozialen Umstände, die unter den Altbaubewohnern herrschen. Da die Arbeit auch auf literaturwissenschaftlichen Fakten basieren soll, wird zunächst der oben genannte Textauszug unter den verschiedenen Gesichtspunkten der Erzähltextanalyse untersuchet. Hierbei werden vor allem die Figuren, der Raum, die Handlung und die Zeit analysiert. Des Weiteren wird das Spannungsverhältnis zwischen Gesellschaft und Psychoanalyse diskutiert. Eine entscheidende Rolle spielt an dieser Stelle natürlich der reflektierende Charakter Elżbieta, der als “Fenster für den Leser” fungiert. Besonders beachtet werden die sozialen Verhältnisse und der Lebensraum des Hundes Fitek. Entsprechend werden ebenfalls die Altbaubewohner miteinbezogen.
Die Fülle an Sekundärliteratur zur Erzähltextanalyse macht es einem nicht leicht, sich auf wesentliche Werke zu konzentrieren. Vor allem die Fachliteratur von WENZEL, EICHER/WIEMANN und FLUDERNIK erwiesen sich für die Recherche zur dieser Arbeit als besonders hilfreich. 2 Bei der Verwendung mehrerer Werke war besonders auffällig, dass die Terminologie zum Teil variierte. Das kann unter Umständen für einige Verwirrung sorgen. Fachliteratur gibt es zum Thema “Psychoanalyse” selbstverständlich zur Genüge. Leider gestaltete sich die Suche nach Sekundärliteratur, die für das Thema dieser Arbeit hilfreich sein könnte recht schwer, da keine themenspezifische Fachliteratur vorhanden war. Aus diesem Grund basiert die Ausarbeitung des Kapitels 4 (Gesellschaft und Psychoanalyse) vorwiegend auf eigenen Überlegungen.
Zum Schluss der Arbeit wird noch ein kurzes Fazit folgen, in welchem die wichtigsten Ergebnisse noch einmal zusammengefasst werden.
1 Zofia Nałkowska: Granica. In: Mach, Wilhelm. Pisma Wybrane. Warschau: Czytelnik, 1956.
2 WENZEL, 2004.
EICHER/WIEMANN, 2001.
FLUDERNIK, 2006.
2
II Erzähltextanalyse
Für die Literaturwissenschaft ist die Erzähltextanalyse ein wesentlicher Bestandteil zur Untersuchung von Prosa. Im Grunde genommen ist das Analysieren eines Textes für uns eine Selbstverständlichkeit, wir tun dies zu einem gewissen Grad bei jedem Buch das wir lesen, wenn auch unbewusst. Der Charakter der Figuren, das Umfeld in dem die Handlung stattfindet, die Handlung selbst und auch die zeitlich Einordnung der Geschehnisse werden vom Leser zu einer Einheit zusammengesetzt. Um einen Text, bzw. die Intention eines literarischen Werks zu erfassen, muss man die einzelnen Bestandteile des Erzähltextes näher betrachten. Im Folgenden werden die Protagonisten des oben genannten Textabschnitts von Zofia Nałkowskas Werk Granica charakterisiert.
1. Die Figuren
Die Figurenkonstellationen in dem ausgewählten Textabschnitt lassen sich in zwei Bereiche unterteilen: die animalische und die menschliche. Die Hauptfiguren sind Elżbieta Biecka, der Hofhund Fitek und der Spitz Lulu. Die Bewohner von Cecylia Kolichowskas Altbau spielen in der eigentlichen Aktion nur eine nebensächliche Rolle.
Elżbieta ist ein junges, äußerlich gepflegtes und gebildetes Mädchen der gehobenen Schicht und wohnt gemeinsam mit ihrer Tante Cecylia Kolichowska in deren Altbau. Obwohl Ela der gehobenen Schicht angehört, denkt sie doch über das Schicksal und das Leben ihrer Mitmenschen nach. Genau diese Gedanken sind es, die Elżbieta am besten beschreiben, denn „eine Figur kann nur so denken, wie es ihrem Wesen entspricht“ (GUNTLI, 22). Elżbietas Wesen ist somit frei von Vorurteilen, da sie über ihre bürgerlichen Verhältnisse hinaus sieht und sich mit dem Umfeld beschäftigt. Das zeigt, dass sie reif und intelligent ist. Sie und Ihre Tante Cecylia Kolichowska stellen somit ein Kontrastpaar dar. Cecylia ist sehr voreingenommen und distanziert gegenüber ihren Mietern. Zudem vermeidet sie jeglichen Kontakt, lebt in ihrer kleinen, aristokratischen Welt.
Der Hund Fitek steht zu Beginn des vierten Kapitels im Mittelpunkt. Man könnte ihn als herrenlos bezeichnen, da niemand sich für sein Wohlergehen verantwortlich fühlt. Das Aussehen des Hundes wird sehr genau beschrieben. Sein Fell ist schwarz, kurz und gelockt. Er ist wild und nicht berechenbar. Fitek weist ein monotones Verhalten auf. Der Grund dafür ist seine durch eine Kette eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Er ist unglücklich über sein
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Arbeit zitieren:
Marta Kruzynski, 2008, Wenn Romanfiguren ihre Gedanken öffnen, München, GRIN Verlag GmbH
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