Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die ersten sieben Jahre eines Kindes 4
3. Schulische Vorbereitung in den Kindertageseinrichtungen 6
4. Schwierigkeiten im Übergang zur Schule 7
5. Ausbildung von Lehrer und Erzieher im Vergleich. 9
6. „gute Lehrer“- was macht sie so wertvoll? 10
7. Zukünftige Ausbildung im Elementarbereich 10
8. Fazit 11
9. Literatur- und Quellenverzeichnis 12
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1. Einleitung
Die heutige Wissensgesellschaft stellt andere Anforderungen an jedes Individuum als die Industrie- oder Informationsgesellschaft und setzt vor allem auf eins: ein lebenslanges Lernen. Hierzu wurden am 18. Dezember 2006 vom Europäischen Parlament und des Rates acht Schlüsselkompetenzen definiert, die als Grundlage für eine Partizipation und Selbstentfaltung jedes Einzelnen an der heutigen Gesellschaftsform dienen sollen. Ferner wird auf der zweiten Seite des Amtsblattes der Europäischen Union allen Mitgliedstaaten empfohlen, dafür zu sorgen, „dass die „Bildungs- und Berufsbildungssysteme allen jungen Menschen die Möglichkeit bieten, angemessene Schlüsselkompetenzen zu entwickeln (…)“(Amtsblatt der EU, 2006). Da die Kindertageseinrichtung eine frühkindliche Bildungseinrichtung darstellt, trifft dieser Bildungsauftrag auch auf sie zu. Laut einer 2008 veröffentlichten UNICEF-Studie, befindet sich Deutschland im Bereich der frühkindlichen Förderung jedoch nur im Mittelfeld von insgesamt 25 Industrieländern (Adamson, 2008). Ein wichtiges Kriterium und ein aufgezeigter Mangel der Studie ist der Ausbildungsstand und Status der Mitarbeiter von Kindertageseinrichtungen. Deutschland hat noch immer keinen einheitlichen Qualitäts-standard für den Beruf des Erziehers definieren können. Dieser Mangel zeigt sich unter anderem in der Praxis durch den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern, die oft motiviert, aber über meist nur mangelnde oder gar keine Fachkenntnisse verfügen oder einer häufig fehlenden Motivation der Erzieher. Dies spiegelt auch die Kindheitsforscherin Donata Elschenbroisch in einem Interview der Zeitschrift „Spiegel“ wider, als sie junge Erzieherinnen in Untersuchungen nach den Hintergründen ihrer Berufswahl befragte. Sie erhielt Antworten wie: „Mit Realschulabschluss konnte ich nur Sekretärin oder Krankenschwester werden. Blut kann ich nicht sehen, und lange sitzen mag ich nicht. Da habe ich mich für Erzieherin entschieden“ (Mohr/Stegelmann, 2002). In ihrem Buch „Weltwissen der Siebenjährigen“ bemerkt sie darüber hinaus:“ In den Beruf der Kindergärtnerin lenkt man junge Frauen, die keine guten Erfahrungen mit dem Lernen gemacht haben“ (Elschenbroich 2002, 17). Doch warum ist eine qualifizierte Erzieherin in Kindertageseinrichtungen gerade für die Entwicklung von Kindern so wichtig? Werfen wir hier zunächst einen kurzen Blick in die Neurobiologie und auf die kindliche Entwicklung der ersten sieben Jahre, also den Jahren bis zum Grundschulalter. Hierbei lege ich meinen Schwerpunkt auf die Entwicklung der Sprache.
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2. Die ersten sieben Jahre eines Kindes
In jedem unter normalen Bedingungen aufgewachsenen Kind spiegelt sich ein Stück Menschheitsgeschichte wider. Dies zeigt sich in der Art und Weise wie Kinder Abbildungen perspektivisch zu Papier bringen, auch in dem Erlernen der Sprache. Bevor der Mensch seine Gedanken schriftlich niederlegte, verständigte er sich zunächst über Laute, Gebärden und dem gesprochenen Wort. Ein Säugling beginnt mit seinen ersten Sprechversuchen mit Gurren, bevor er im Alter von etwa einem Jahr erste Wörter und sechs Monate später ca. 20 Begriffe beherrscht und einfache Zweiwortsätze bildet (Paetsch 2008, 75). Auch verwendet er seine Finger, um auf Dinge zu zeigen und fordert damit Erwachsene zu einem Dialog auf (Elschenbroich 2002, 9). Gleichzeitig nutzt er seine Hände auch, um seiner Bezugsperson bestimmte Dinge zu signalisieren. So können zwei übereinandergelegte Fäustchen „Flasche“ bedeuten, was gleichzusetzen mit „Hunger“ ist. Als Bezugsperson kann die Mutter, die große Schwester, Tante oder die Erzieherin angesehen werden, zu welchen der „Zögling“ ein besonderes emotionales Verhältnis hat.
„Das menschliche Gehirn lernt von anderen Menschen. (…) Jeder andere Mensch mit einem Vorsprung an Weltwissen kann mitspielen“ (Elschenbroich 2002, 11).
Wie wichtig die Wechselwirkung von Kind und Bezugsperson für den Verlauf der Gehirnausbildung ist, wurde anhand von Tierversuchen am „Institut für Biologie“ der „Ottovon-Guericke Universität Magdeburg“ unter der Leitung von Prof. Dr. Anna Katharina Braun dargestellt.
„Wie bereits eingangs skizziert gehen wir davon aus, dass die frühkindlichen Lernprozesse, die Prägungsprozesse, dazu „benutzt“ werden, um die Hirnfunktionen zu optimieren. Vergleicht man das Gehirn etwas vereinfacht mit einem Computer, dann könnte man die hirnstrukturellen Folgen von Prägungslernen mit der Formatierung der „Festplatte“ vergleichen, mit der dann die Leistungsfähigkeit der Hardware determiniert wird. Die Leistungsfähigkeit des „Computers“ Gehirn wird in jungen Jahren also optimal an die individuellen Bedürfnisse und jeweiligen Umweltbedingungen angepasst. (…) Da die Nervenzellen und ihre Informationskanäle, die Synapsen, bei Tier und Mensch dieselben elektrischen und chemischen Funktionsprinzipien während ihres Wachstums und bei der Informationsverarbeitung einsetzen, lassen sich die auf dieser Betrachtungsebene gewonnenen Erkenntnisse aus solchen tierexperimentellen Ansätzen durchaus auf das menschliche Gehirn übertragen“ (Braun 2004, 4-5).
Sie kommt nach Abschluss der Untersuchungen zu folgendem Ergebnis:
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„Die Anpassungsfähigkeit des neugeborenen bzw. frühkindlichen Gehirns ermöglicht es Eltern und Erziehern in den ersten Lebensjahren, d. h. vor allem im Vorschulalter, die Hirnentwicklung der Kinder über eine intellektuelle und emotionale Förderung zu optimieren. Gerade diese frühen entwicklungsbiologischen und entwicklungs-psychologischen Phasen müssen genutzt werden, um eine optimale hirnbiologische Basis für spätere Lernleistungen und sozio-emotionale Kompetenz zu formen“ (Braun 2004, 11).
Diese Untersuchungen belegen vor allem eins- der Mensch ist ein „Beziehungsmensch“. Für ein Kind bedeutet dies, je optimaler die Lernumgebung für seine geistige und kindliche Entwicklung- entsprechend seines Entwicklungsstandes- geschaffen wird, umso besser kann es sich entfalten. Während in den ersten zwei Lebensjahren sich das Denken und die Sprache noch voneinander getrennt entwickeln, der russische Psychologe Vygotsky spricht hierbei von der Phase des „prä-linguistischen Denkens“ und der „prä-intellektuellen Sprache"(Baynard 1995, 226), entdeckt das Kind im 2. Lebensjahr das eigene „Ich“. Dies ist auch der Zeitpunkt, in dem nach Vygotsky beide Entwicklungsstränge, die Sprache und das Denken, zusammenfallen. Ab diesem Zeitpunkt bis zum 7. Lebensjahr beginnt ein Kind innerlich („inner speech“) das eigene Handeln und Tun abzuwägen und die Sprache immer mehr als Instrument zur sozialen Interaktion zu entdecken. Gehen wir nun davon aus, dass die Sprache das Denken beeinflusst, wie es der Sprachwissenschaftler Edward Sapir formuliert- er spricht hierbei von einem Linguistischem Determinismus- ist schnell erkennbar, wie wichtig das Erlernen der Sprache ist, da auch durch sie eine bestimmte Sichtweise der Welt geprägt wird (ebd., 227-229). Sprache hilft dem Kind somit, sich der Umwelt anzupassen. Diesen Punkt berücksichtigt Piaget in seiner Theorie zur kognitiven Entwicklung eines Kindes nicht. Für ihn spiegelt Sprache nur den jeweiligen individuellen Entwicklungsstand wider (Baynard u.a. 1995, 227). Baynard formuliert abschließend daher folgende Zusammenfassung:
„Kinder lernen Begriffe anhand bestimmter konzeptueller Regeln. Die Neigung zur Übergeneralisierung sowie aktives Einwirken auf die Umwelt unterstützen diese frühen Lernprozesse, wobei eine komplexere Objektkategorisierung erst mit Erwerb der Sprache erlernt werden kann. Gedächtnis und Wahrnehmung sind als kognitive Prozesse beide am Vorgang des Denkens beteiligt. Wir nehmen Objekte, Personen und Ereignisse wahr, um Informationen über die Welt, die wir im Gedächtnis speichern, zu organisieren. Das, was wir über die Welt erfahren und lernen, verwenden wir dann, um neue Probleme zu lösen. Wir müssen daher in der Lage sein, die Lernerfahrungen unserer Vergangenheit in der Gegenwart zu erinnern“ (Banyard u.a. 1995, 243-244).
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Arbeit zitieren:
Dipl. Designer (FH) Ines Michler, 2010, Der Vorschullehrer in der Kindertagesstätte, München, GRIN Verlag GmbH
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