- 2 -
Inhalt
Einleitung Seite 3
Kinderverhaltenstherapie Seite 4
Anwendungsgebiete Seite 5
Behandlungsmethoden Seite 6
Verhaltenstherapie bei Tic-Störungen
Tic - was ist das? Seite 8
Spezielle verhaltenstherapeutische Seite 11
Methoden
Abschluss Seite 16
Literatur Seite 17
- 3 - Einleitung
Immer mehr Eltern beobachten schon sehr früh an ihren Kindern bestimmte Auffälligkeiten im Verhalten und Erleben. Sie müssen feststellen, daß ihr Kind sich anders entwickelt als andere gleichaltrige Kinder. Ihr Kind scheint ein Problem zu haben, das es traurig macht, aufgewühlt, rebellisch, unaufmerksam oder auch unfähig Aufgaben des Lebens zu bewältigen.
Manche Kinder zeigen zu Hause starke Ängste, Hemmungen und Aggressionen. Dabei sind Ängste die Symptome, die Eltern häufig bei ihren Kindern bemerken. Sie sind ratlos und vermuten dann, daß diese Auffälligkeiten psychische Ursachen haben. Sie stellen sich die Frage, ob ihr Kind „funktioniert“ oder eine kinderpsychotherapeutische Behandlung braucht.
Doch viele schrecken erst einmal vor einer psychotherapeutischen Behandlung zurück und versuchen ihren Kindern selbst zu helfen. Ihre Sorgen besprechen sie zunächst mit dem Hausarzt. Häufig werden die Familien dann an einen Kinder- und Jugendpsychiater verwiesen.
Der Kinder- und Jugendpsychiater ist dafür qualifiziert, das ganze Ausmaß emotionaler Schwierigkeiten und seelischer Störungen zu analysieren und zu verstehen. Die Diagnose ist dann für die Eltern einerseits eine große Enttäuschung (es steht eindeutig fest, daß ihr Kind „anders“ ist), andererseits aber ein großer Schritt, um fachliche Hilfe zu erhalten. Erst wenn Eltern wissen, welche Probleme ihr Kind hat, können sie es gezielt fördern und erfolgreich in seiner Entwicklung unterstützen.
Die vorliegende Hausarbeit befaßt sich mit dem Bereich der Kinderpsychotherapie. Zentrales Thema ist hier die Verhaltenstherapie bei Kindern, insbesondere bei Kindern mit Tic-Störungen.
- 4 - Kinderverhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie entwickelte sich auf der Grundlage der Lernpsychologie. Durch erlernte falsche Verhaltensweisen oder durch nicht erworbene Fähigkeiten, können auffälliges Verhalten oder seelische Probleme entstehen. Neben den Belohnungen und Konsequenzen, beeinflußt auch das Lernen von Vorbildern menschliche Lernprozesse.
Häufig angewendet in der Therapie wird das Modell - Lernen, z.B. beim Training sozialer Fertigkeiten, bei Aufmerksamkeitsstörungen oder bei Angst. Verhalten und Lernen unterliegen darüber hinaus auch kognitiven Faktoren, wie Erwartungshaltungen, Vorstellungen über die eigene Person und über die Umwelt oder der Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalte.
Im Rahmen der Therapie wird gelernt, eigene Gedanken, Vorstellungen und Wünsche zu erkennen, wahrzunehmen und gegebenenfalls zu korrigieren. So muß beispielsweise ein unsicheres Kind erlernen, eigene Stärken wahrzunehmen. Ein eßgestörtes Kind muß dabei lernen, Selbstkontrollmechanismen einzusetzen.
Die Verhaltenstherapie hat den Anspruch, wissenschaftlich erwiesenes und geprüftes Wissen im Rahmen des therapeutischen Prozesses zu verwenden. Der Therapieerfolg der einzelnen Schritte sollte dabei überprüfbar sein. Ziel der Therapie ist es, realistische Hilfe in Form von Problembewältigung und Verhaltensänderung zu bieten.
Der Entstehungsgeschichte der Problematik bei den Kindern wird große Aufmerksamkeit geschenkt, insbesondere den bedingenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren.
Nach der Problemanalyse wird dann ein individuell zugeschnittenes Therapiekonzept mit verschiedenen verhaltenstherapeutischen Interventionsmethoden erarbeitet.
Durch den Einsatz von Verstärkerplänen kann das Kind zu dem erwünschten Verhalten ermuntert werden und verstärkt werden, bis es fähig ist, durch Selbstkontrolle sich selbst zu steuern. Ängste können erfolgreich durch schrittweise Annäherung an das angstbesetzte Objekt (systematische Desensibilisierung) und durch Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen erfolgreich behandelt werden.
Kontaktgehemmte, ängstliche Kinder gewinnen Selbstvertrauen und soziale Fähigkeiten durch Selbstsicherheitstraining, Rollenspiele und dem Erkennen eigener Fähigkeiten und Stärken (kognitive Umstrukturierung).
Da die Familie und die soziale Umwelt wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Kindes hat, werden Eltern und Bezugspersonen im Rahmen von Elterngesprächen, Elterntraining und Familiensitzungen intensiv in die Therapie mit einbezogen.
- 5 - Anwendungsgebiete
Die Kinderverhaltenstherapie bewährt sich aufgrund ihrer stark systembezogenen Ansätze in vielen verschiedenen Bereichen.
Zentraler Bereich der Kinderverhaltenstherapie bildet das Gebiet der Verhaltensstörungen.
Unter allen Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen ist ein aggressives Verhalten, die am häufigsten feststellende Beeinträchtigung. 6-16% der Jungen und 2-9% der Mädchen unter 18 Jahren weisen diese behandlungsbedürftige Verhaltensstörung auf.
Weiterhin zählen hierzu Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen und Soziale Isolation und Unsicherheit.
Einen weiteren Bereich bilden die Depressionen und Ängste. Depressionen im Kindesalter, Trennung- und Kontaktangst umfassen diesen Bereich. Auch Entwicklungsstörungen wie Autismus, Sprachstörungen u.a. werden in der Kinderverhaltenstherapie behandelt.
Weitere Bereiche sind Zwänge und Phobien (Zwangsgedanken und -handlungen, spezifische Ängste) sowie psychosomatische Störungen (Enuresis*, Enkropesis*, Magersucht, ruminatives Erbrechen, Übergewicht). Auch psychosoziale Folgen chronischer Krankheiten sind Themen der Kinderverhaltenstherapie. Hierunter versteht man die Anwendung verhaltenstherapeutischer Maßnahmen im Rahmen der Krankheitsbewältigung, insbesondere die Bewältigung von Behandlungsschmerzen. Anwendungsgebiete sind hierbei Epilepsie, Asthma bronchiale, Hautallergien, Diabestes mellitus, Krebs- und Tumorerkrankungen.
* Enuresis: Einnässen
* Enkropesis: Einkoten
Arbeit zitieren:
Katrin Malina M.A., 2003, Verhaltenstherapie bei Kindern mit Tic-Störungen, München, GRIN Verlag GmbH
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