Macht der Sprache - Literarische Aspekte des Weblogs in
China
1. Einleitung
China ist zur Nation der Blogger aufgestiegen. In kurzer Zeit hat sich in China die weltweit lebendigste und größte Weblog-Szene entwickelt. (vgl. Fokus 2006) Kaum absehbar sind die Folgen des Wachstums für die Entwicklung der Meinungs- und Informationsfreiheit. Die Internetzensur ist ein besonderes und politisch heikles Thema in China. Diese Arbeit untersucht, welche Rechtslage und Rechtsauffassung der Internetzensur in China zugrunde liegen; andererseits, welche Methoden zur Kontrolle oder zur Umgehung der Kontrollen vorhanden sind. Die zunehmende Popularität des Weblogs in China wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und erklärt.
Im Netz der Volksrepublik China entwickelt sich neben den offiziellen Diskursen von Staatsmedien und konservativen volkstümlicher Schriften eine Vielfalt von mehr oder weniger nonkonformistischen Meinungen. Han Han, rückt immer wieder in den Brennpunkt der öffentlichen Diskussion in der VR China. Er gehört zu der so genannten „Nach-80er-Generation“ Autoren, die rund um 30 Jahre alt und dennoch berühmt sind. Der Blog von Han Han aus Chinas einflussreichem Onlineportal Sina.com zählt seit seiner Eröffnung im Jahr 2006 mehr als 480 Millionen Seitenaufrufe. Als Untersuchungsgegenstand nehme ich deswegen von 2008 bis 2011 chronologisch ausgewählte Einträge von seinem Weblog, weil solche Einträge eine Entwicklung der Ausdrucksform präsentieren und diese den tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel widerspiegeln. Obwohl er keine direkten Appelle an den sozialen Reformwillen ihrer Leser richtet, nimmt er gegenüber der Autorität eine rebellische Haltung ein. Er verspottet die Missstände der Regierung-und Parteimitglieder und kommentiert die neusten Ereignisse im gesellschaftlichen und politischen Leben Chinas. Zuweilen umging er die Zensur, indem er die betroffenen Themen nicht immer konkret anspricht, sondern literarische Ausdrucksmittel und Textformen zur Anwendung bringt, die seinen kritischen Zweck auf den ersten Blick nicht nahe legen. Die Popularität seines Weblogs lässt sich nicht nur auf seinen Mut gegenüber dem Staat, sondern auch auf seine spöttische Schreibweise zurückführen, die einen zum Lachen und zum Nachdenken bringt. Er gewinnt durch diese Schreibweise zunehmend einheimische Leser und zieht die Aufmerksamkeit der ausländischen Medien auf sich. Daraufhin setzt er sich offener für die kleinen Leute ein, die sich oftmals der Willkür der lokalen Behörden unterwerfen müssen. Des Weiteren ruft er Partei und Regierung auf, mehr Meinungsfreiheit zuzulassen, die Grundrechte der Bürger zu sichern und verantwortungsvoll zu regieren.
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2. Erörterung des Problems aus medienwissenschaftlicher und
rechtlicher Sicht
2.1. Massenmedien und Soziale Medien
Medien sind im Allgemeinen die Vermittler von Informationen zwischen Menschen. Massenkommunikation wird durch die Massenmedien ermöglicht, zu denen die traditionellen Medien wie z.B Presse, Rundfunk und Film gehören. Nach Fechner ist der Begriff „Massenmedien“ (Fechner 2007: 4) mit drei Merkmalen zu bezeichnen:
1.Verbreitet werden geistige, optische und akustische Gehalte.
2.Die Verbreitung erfolgt durch distanzüberwindende technische Mittel. 3.Die Verbreitung richtet sich an eine Vielzahl von Personen.
Die Individualkommunikation unterscheidet sich von der Massenkommunikation insofern, als dass die Individualkommunikation sich an bestimmte und bekannte Rezipienten richtet. Bei den Massenmedien sind die Rezipienten hingegen unbestimmt und tendenziell unbegrenzt. (Fechner 2007: 5) Von den drei Kriterien Fechners ausgehend lassen sich die neuen bzw. sozialen Medien wie z.B. Weblog und Microblogging (z.B. Twitter) von den Massenmedien unterscheiden. Unter sozialen Medien kann man alle Medien (Plattformen) im Web 2.0 verstehen, die die gegenseitigen Kommunikation und den interaktiven Informationsaustausch zwischen Nutzern unterstützen. (Geißler 2010: 31) Eine Vielfalt digitaler Medien und die Entwicklungen der Datenübertragungsraten untermauern interaktive vernetzte statt einseitig lineare
Kommunikationsformen. (vgl. Alby 2007: 2-5) Die sozialen Medien gewinnen zunehmend an Bedeutung, indem sie den Rollenwechsel zwischen Konsumenten und Produzenten, Sendern und Rezipienten, Autoren und Leseren ermöglichen. (vgl. Alby 2007: 15-16 u. Stapelkamp 2010: 399) Als Beispiel sozialer Medien können Blogs und Miroblogs ebenso Millionen Menschen erreichen und beeinflussen, wie es bei einer Fernsehsendung oder einem Bestseller der Fall ist. Somit weisen sozialen Medien einen massenmedialen Charakter auf. Blog-schreiben lässt sich dann in die Kategorie der Individualkommunikation einordnen, wenn der Blogger oder Microblogger zu wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann oder wenn er sich absichtlich auf gewissen Freundeskreis beschränkt.
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Der wesentliche Unterschied zwischen Massen- und sozialen Medien liegt nicht an den Wirkungsbereichen (beide Medien können global präsent sein), aber vielmehr an der Zugänglichkeit, Benutzerfreundlichkeit, Neuheit und Beständigkeit der Informationen. Soziale Medien bieten mit geringen Kosten oder umsonst Werkzeuge oder Plattformen an, womit man die Information unkompliziert verarbeiten, produzieren, schnell übermitteln und ggf. nach eigenen Wünschen ändern kann. (vgl. Stapelkamp 2010: 407-412) Diese Merkmale der neuen Medien begünstigen eine dezentralisierte und daher demokratisierte Verbreitungsweise der Information und resultieren in eine Generierung von Aufmerksamkeit und breite Beteiligung der Menschen an gesellschaftlichen und politischen Aktivitäten. (vgl. Meißelbach 2009: 17-18; 117-118)
2.2. Entwicklungen der neuen Medien in China
Zu den wichtigen Anbietern des Weblogs im heutigen China zählen die drei Internet-Unternehmen QQ.com, Sina.com und Baidu.com. Der Erfolg der Weblog-Anbieter ist in erster Linie auf den rasanten Zuwachs der Internetnutzer in China zurückzuführen.(vgl. top.chinalabs 2006) Die Untersuchungen von China Internet Network Information Center (CNNIC) im Januar 2011 ergaben eine Anzahl von mehr als 457 Millionen Internet-Nutzern. (vgl. CNNIC 2011) Seit Dezember 2010 ist die Nutzung des Blogs von Internetnutzer n von 57.7 % auf 64,4% gestiegen. Die Benutzer des Weblogs belaufen sich auf 295 Millionen, die bereits 60% aller chinesischen Internetnutzer sind. Die jährlichen Wachstumsraten der Blogger beträgt 33%. Erstens bindet der Instant Messenger wie ICQ die wichtigsten Blog-Dienste ein. Dies führt zum Wachstum der Verwendung von Blogs. Inzwischen wird der Informationsaustausch zwischen Bloggern mittels Instant Messaging erweitert. Zweitens motiviert Mikroblogging das Blog-Schreiben, indem die Blogger durch ihre Mikroblogs die potenziellen Leser von der Erneuerung der Einträge benachrichtigen dürfen. Mikroblogging bereichert die Kanäle der Informationsverbreitung des Bloggers. Dadurch werden Anerkennungsbedürfnisse der Blogger durch zunehmende Aufmerksamkeit erfüllt. (vgl. CNNIC 2011)
Im Jahr 2010 betrug die Anzahl der chinesische Mikroblogger über 63,11 Millionen. Dies sind 13,8% der gesamten Internetnutzer. 15,5% der Mikroblogger schreiben ihre Einträge bevorzugt per Handy. Infolge der rasanten Entwicklung des mobilen Mikroblogging entsteht ein schnell wachsendes neues Produktions- und Konsumverhalten im Internet. Mobiles Mikroblogging per SMS (Short Message Service) erzeugt also einen nicht unerheblichen Umsatz bei den Netzbetreibern und Internetunternehmen. (vgl. CNNIC 2011)
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Generell werden fünf wesentliche Funktionen den Medien zugeschrieben: Außer der politischen Funktion werden den Medien die wirtschaftliche, kulturelle, Bildungs- und Unterhaltungsfunktion beigemessen. Wirtschaft und Unterhaltung haben beim Siegeszug der neuen Medien in China eine entschiedene Rolle gespielt. Einerseits wird die Unterhaltungsfunktion der neuen Medien als Mittel der Propaganda zur Ablenkung und Beruhigung der Bevölkerung eingesetzt. (Fechner 2007: 12) Andererseits stellen die ökonomisch agierenden Akteure hinsichtlich der Einführung der neuen Medien immer die wirtschaftlichen Gewinne in den Vordergrund. (vgl. Kockartz 2007: 76) Wie bereits erwähnt wurde, tragen die neuen Medienprodukte im Internet zu einem ökonomischen Wachstum in China bei, indem sie ein neues Konsummodel entwickelt.
2.3. Meinungs- und Informationsfreiheit
Das Grundrecht der freien Meinungsäußerung in der Bundesrepublik Deutschland ist in Art. 2 des Grundgesetz verankert: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten(1) und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten(2). Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film(3) werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Hier sind drei verschiedene Grundrechte zusammenzufassen. Es handelt sich dabei um die Meinungsfreiheit(1), Informationsfreiheit(2) und Freiheit der Massenmedien(3). Die Meinungsäußerungs- und Informationsfreiheit des Individualismus sind im freiheitlichdemokratischen Staat Abwehrrechte gegenüber dem Staat.(Fechner 2007: 22-25) Die Informationsfreiheit ist das Grundrecht des einzelnen, sein Wissen zu erweitern. (Fechner 2007: 43) Unter der aktiven Informationsfreiheit wird das Recht der Informationsmitteilung und -verbreitung verstanden. Demgegenüber ist als passives Informationsrecht das Recht zu bezeichnen, Informationen zu suchen, zu beschaffen und zu empfangen. (Gornig 1988: 153) Um den Untersuchungsgegenstand einzugrenzen werden im Rahmen der Arbeit nur die Meinungsäußerungs-und Informationsfreiheit in den sozialen Medien behandelt.
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Meinungsfreiheit in der chinesischen Verfassung 2.4.
Durch den 13. Verfassungszusatz vom 15. März 1999 wurde dem Art. 5 vor dem Abs. 1 folgender neuer Absatz 1 eingefügt: „Die Volksrepublik China praktiziert eine auf Gesetze gestützte Regierung und errichtet einen sozialistischen Rechtsstaat.“ Dies zeigt deutlich den Wunsch, China zu einem vollwertigen Rechtsstaat werden zu lassen.
China hat die Meinungsfreiheit in Art. 35 in seiner Verfassung verankert: „Die Bürger der Volksrepublik China genießen die Freiheit der Rede, der Publikation, der Versammlung, der Vereinigung, der Durchführung von Straßenumzügen und Demonstrationen.“ Akt. 51 weist auf die Schranken hin: „Die Bürger der Volksrepublik China dürfen bei der Ausübung ihrer Freiheiten und Rechte die Interessen des Staates, der Gesellschaft und des Kollektivs oder die rechtmäßigen Freiheiten und Rechte anderer Bürger nicht verletzen.“ Als eine weitere Erläuterung zu Akt 51 wird das Ziel der Grundrechtsbestimmungen im Beschuss des Ständigen Ausschusses des Nationalvolkskongresses vom Januar 1987 „Über die Verstärkung der Rechtserziehung und über die Aufrechterhaltung von Stabilität und Einheit“ festgelegt: „die gemeinsame Interessen der Volksmassen aller Nationalitäten des ganzen Landes zu gewährleisten, zu gewährleisten, dass jeder Bürger wirklich die in der Verfassung bestimmten Freiheiten und Rechte genießt.“ Dieses „gemeinsame Interesse“ wird nach Heuser jedoch nicht „durch gerichtliche Entscheidungen konkreter Konfliktfälle zunehmend verdeutlicht, sondern von den Behörden schlicht behauptet.“ (Heuser 2002: 280)
Im Art. 62. der Chinesischen Verfassung wird festgelegt, dass allein der Nationale Volkskongress
die Abänderung und Ausarbeitung der Verfassung und Gesetze ausübt. In China ist eine Trennung
der Judikative und Legislative, eine Grundlage für ein Rechtsstaat, noch nicht gegeben. Die
Auslegungsgewalt über die Verfassung liegt laut Verfassung derzeit beim Nationalen Volkskongress
und dessen Ständigen Ausschuss, also bei dem Organ, das die Gesetze und die Verfassung erlässt.
Da es in China kein Verfassungsgericht gibt, sind die Bürger noch nicht imstande, ihre Grundrechte
gegenüber dem Staat einzuklagen.(vgl. Heuser 2006: 38 f.)
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2.5. Zensur in Internet
Die absolute Meinungsfreiheit wird auch in einem freiheitlich-demokratischen Staat nicht garantiert. (Gets 2002: 47) Nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts verbietet Art. 5 Absatz 1 ausschließlich die Vorzensur. Die behördliche Vorprüfung oder die inhaltliche Genehmigung wird als Vorzensur betrachtet und gilt damit in Bundesrepublik Deutschland als unzulässig (Fechner 2007: 51-52). Eine vorausgehende Kontrolle ist nur dann zulässig, Vertriebsbeschränkungen zum Schutz der Jugend dienen. Die Nachzensur ist bei bereits veröffentlichten Medien zulässig. Absatz 2 des Art. 5 des Grundgesetzes lautet: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“ Die Rechte und Freiheiten des einen könnten durch freie Meinungsäußerung anderer (z.B. Verleumdungen oder Täuschungen) verletzt werden. Die individuelle Meinungs- und Informationsfreiheit könnte auch die Sicherheitsinteressen des Staats gefährden. Ein bekanntes Beispiel dazu sind die Wikileak-Enthüllungen, die in den USA als „unverantwortlich“ bezeichnet wurden, da sie „Leben sowie die Interessen des Landes“ gefährdeten.(vgl. DerWesten 2010)
Abels weist darauf hin, dass die westlichen Medien die Funktion einer „vierten Macht“ einnehmen,
um die staatliche Machtausübung zu kontrollieren. Sie dienen gesetzlich der freien pluralistischen
Willens- und Meinungsbildung. Die Hauptaufgabe der chinesischen Massenmedien bestehen aber
hauptsächlich in der sozialistischen Bildung, Erziehung und dem Anruf zur Solidarität und
Harmonie des Staats. Die traditionellen Massenmedien wie Hörfunk, Fernsehen und Printmedien
werden als Organe der Öffentlichkeitsarbeit der Zentral-Komitees der Kommunistischen Partei
sowie der Volksregierung auf allen Ebenen angesehen.(Abel 2004: 829)
Seit 1994 wurden in der VR China gesetzliche Vorschriften für Telekommunikationseinrichtungen und für das Internet erlassen. Viele neue Bestimmungen verstärken vorherige Vorschriften, die das Unruhepotenzial des Internets unter Kontrolle zu bringen versuchen. Vorschriften und Gesetze in Bezug auf die Meinungsfreiheit im Internet werden oftmals schwammig formuliert, weshalb diese auf fast alle Vergehen übertragen werden können. Verschiedene Ministerien sind für Reglementierungen im Internet verantwortlich: Die wichtigsten sind das Ministerium für Informationsindustrie und das Ministerium für öffentliche Sicherheit.(vgl. Schneider 2006: 26) Zur systematischen Untersuchung der Internetzensur in China eignet sich eine feinere Einteilung der Eingriffsintensität in drei Stufen.
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1) Inhaltskontrolle
Nach Gets wird die Meinungsäußerungs- und Informationsfreiheit am stärksten durch eine staatliche Inhaltskontrolle (Vorzensur) beschränkt. (Gets 2002: 48) Seit 2000 sind sämtliche Journalisten zur Registrierung verpflichtet, die sie nur von amtlich zugelassenen Agenturen stammende Nachrichten in Internetseite verbreiten dürfen. Die Webseiten erhalten eine Lizenz der Veröffentlichung der Nachrichten, wenn die Betreiber beweisen können, über berufserfahrenes Personal und genügend Kapitel zu verfügen. Das „berufserfahrene“ Personal bezieht sich sehr oft auf die Akteure, die mit den politischen Richtlinien vertraut sind. Verstöße gegen staatliche Vorschriften werden mit Strafe bedroht, falls die System-Administratoren ihre Aufsichtspflichten nicht erfüllen. Die weitere mögliche Strafe ist die Aberkennung der Betriebslizenz. (vgl. CNNIC 2005)
Eine vorherige Inhaltskontrolle gegen einzelne Einträge ist bei sozialen Medien wie Weblogs wegen der großen Zahl der Internetnutzer kaum realisierbar. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, die Einträge der gewöhnlichen Blogger, Mikroblogger und Forenteilnehmer nachträglich zu zensieren. Die Entfernung anstößiger Einträge und Kommentare nach der Veröffentlichung ist das übliche Vorgehen bei kleinen Verstößen. Verweigert ein Blogger wiederholt die Anweisungen der Administratoren, so kann sein Benutzer-Konto für eine gewisse Zeit oder für immer gesperrt werden. Je nach Schwere des Vergehens werden die zuständigen Administratoren der Internetbetreiber entsprechend bestraft.
2) Unmittelbare Behinderung des Informationsflusses
Zur unmittelbaren Behinderung des Informationsflusses gehören Störung der Informationsübermittlung, Informationsunterdrückung, Informationsverknappung sowie
Verweigerung des Zugangs zu Informationsquelle (Gets 2005: 50) Durch ein Filter- und Blockiersystem sind die Zensurbehörde in der Lage, Webseite ganz oder teilweise zu sperren. Außer Sperrlisten soll mittlerweile auch ein synchroner Wortfilter im Dienst sein, der alle eingegebenen Inhalte nach Schlüsselwörtern durchsucht, bei Bedarf filtern oder blockieren und daher die Übermittlung verhindern.(Schneider 2006: 17-19)
Zum Aufrufen einer Website benötigt man die entsprechenden URL Adresse. Sehr häufig wird eine Informationsquelle mittels einer Suchmaschine bekannt, weshalb es effizienter ist, bereits hier mit der Kontrolle zu beginnen. Manche Suchmaschinenbetreiber verhindern die Suche nach politisch sensiblen Begriffen. Den westlichen Suchmaschinenbetreibern Google, Yahoo! und MSN ist dies zum Vorwurf gemacht worden, weil sie sich als Markteilnehmer den Gesetzen Chinas unterwerfen
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mussten und daher westliche Grundwerte missachteten.(Wilkens 2006) Aus politischen und wirtschaftlichen Bedenken haben die Behörden den Zugang zu einer Reihe von populären Sozialen Medien wie Twitter, Youtube und Facebook gesperrt und ähnliche chinesische Webseiten als Ersatz zur Verfügung gestellt werden. (z.B. Der Mikroblogging auf der Webseite Sina.com)
3) Beeinträchtigung durch Lenkung des Informationsflusses
Die Meinungs- und Informationsfreiheit der Bürger kann auch indirekte durch staatliche Abhörmaßnahmen, Versagen staatlichen Schutzes, Versagen staatlicher Leistung und Organisatorische Vorgaben beeinträchtigt werden. (Gets 2002:50-52) Der Versuche des Ministeriums für Informationsindustrie, eine Filtersoftware „Grüner Damm“ 2009 auf allen neuen Computern zu installieren, ist fehlgeschlagen. Wegen der überwiegenden Ablehnung der Internetnutzer wurde die Einführung auf „unbestimmte Zeit verschoben“.(Müller 2009)
Die Blogger und Mikroblogger müssen sich zwar an die staatlichen Richtlinien halten, verpflichten sich nicht, neben der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften offizielle Propaganda zu verbreiten. Dies kommt dazu, dass im Internet freiere und oppositionelle Meinungen, die oft anonym und unter Pseudonymen veröffentlicht werden, in inoffiziellen Foren Oberhand gewinnen. Der Aufbau eines Klarnamen-Registierung-Systems rückt daher immer wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Die Internet-Café-Betreiber stellen z.B. für den neuen Benutzer oft im Voraus einige Personalausweise für vorübergehende Registrierung zur Verfügung. Normalerweise sind E-Mail-Adresse, Personalausweis-Nummer und Telefonnummer die drei auszuwählenden Eingänge für Registrierung auf einer Webseite. Da die Verwendung von anonymen Mailkonten und Handynummer üblich ist, ist die Einführung eines Klarname-Registierung-System schwer durchsetzbar.
Um die IP-Addresse des Bloggers zu verdecken, gibt es Anbieter und Lösungen online, die die hinterlassenen Spuren im Internet verschwinden lassen.(vgl. Schneider 2006: 20-21) Darüber hinaus können die enorme Informationsmenge des Internets, die Vielzahl an Kommunikationskanälen und die rasante Verbreitung der Informationen durch eine verhältnismäßig kleine Zahl von Zensurmitarbeiter nur schwierig bewältigt werden. (vgl. Kockartz 2007: 78)
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3. Analyse von Han Hans Weblogs
Bei der Analyse der Einträge in Han Hans Weblog eröffnen sich folgende Fragen: Um welchen Text/Kontext handelt es sich? Welche rhetorische Mittel und Ausdrucksform sind zur Anwendung gekommen? Welche Intentionen hat der Autor damit verbunden? Welche Wirkung hat sie offenbar auf den chinesischen Leser in Bezug auf die Kommentare des Weblogs? Die Hauptinteressen der Analyse sind zu untersuchen, ob die literarische Schreibweise bzw. die rhetorischen Mittel eine bestimmte Wirkung in verschiedenen Leserkreisen hervorrufen und daher die schnelle Verbreitung des Weblogs unter den Internet-Nutzern und die Verschonung von der Kontrolle des Portals verursachen.
3.1. Offenlegung durch die Fakten
Han Han versucht den Lesergruppen kritische Aussagen zu übermitteln durch eine scheinbar neutrale Wiedergabe der Zeitungsberichte, zu denen chinesische Leser Zugang haben. Das Ziel der Behandlung der Informationen liegt darin, die verdeckten Widersprüche und Absurditäten des offiziellen Diskurses in scheinbar korrekten und neutralen Texten zu exponieren.
Hongkong Künstler kümmert euch bitte um euch selbst; die Polizei im Festland hat für euch
keine Zeit(香港艺人自己保重,内地警方现在没空): 02.02 2008 14.54.44 1
(Ming-Zeitung)
Tun können aber nicht tun wollen
[…]
Die Informationsverbreitung im Internet wird auf dem Festland reglementiert. Dabei kontrolliert die
sogenannte „Internet-Polizei“ das Netz, indem sie Informationen zensiert einschließlich politischer
sensibler Informationen wie XX und XXX. Daher werden auch die Zugänge zu ausländischen
Webseiten eingeschränkt. Wir lehnen Einschränkungen in der Presse- und Meinungsfreiheit auf dem
Festland zwar ab, aber sofern solche Fotos die Reputation der Betroffenen schädigen, darf das
Verbot solcher Art von Informationsverbreitung nicht als Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit
angesehen werden. Die Strafverfolgungsbehörden auf dem Festland verfügen über enorme
personelle und materielle Ressourcen. Somit wären sie in der Lage die Verbreitung dieser Nacktfotos
im Festland zu verbieten, wenn sie es wollten. Die weitere Verbreitung der Fotos auf dem Festland
zeigt aber, dass die Strafverfolgungsbehörden es zwar nicht verbieten, aber sie könnten es jedoch.
Wir hoffen, dass sich die Behörden auf dem Festland an die Gesetze gegen Online-Pornografie
halten, beim Verbot der Verbreitung solcher Nacktfotos helfen.
================================================== ========
Der Schneefall wird schlimmer, Menschen leiden darunter, kümmert euch um euch selbst, das
1 Die in dieser Arbeit zitierten Beispiele(1-12) und Eintrag A sind die originalen Texte in Han Hans Blog im
Sina.com. Der Eintrag B wurde nach der Veröffentlichung entfernt. Der Text, der hier behandelt wird, ist eine Kopie
in bullogger.com.
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Festland ist nämlich beschäftigt.
(Beispiel 1.)
In diesem Eintrag von 02.02.2008 handelt sich es um eine wörtliche Übernahme eines Berichts aus der Ming-Zeitung 2 in Hongkong, wobei die politisch heiklen Wörter, die zur Entfernung des Eintrags führen können, weggelassen und durch die Zeichen „XX“ und „XXX“ ersetzt werden. Das viersätzige spöttische Kommentar „Der Schneefall wird schlimmer, Menschen leiden darunter, kümmert euch um euch selbst, die Behörden sind nämlich beschäftigt“, enthält zwar keine direkt oppositionelle Mitteilung auf den ersten Blick, bringt aber die Gleichgültigkeit der Behörden gegenüber der Berufung der Hongkonger Polizei auf Maßnahmen gegen illegale Pornographie zum Ausdruck. Das ins Karikatur-reduzierte Porträt der chinesischen Polizei bildet einen witzigen Kontrast zu gesetzestreuen und pflichtbewussten Amtskollegen in Hongkong. Laut dieses Berichts der freien Zeitung in Hongkong werden keine effizienten Maßnahmen gegen die illegale Verbreitung der Nacktfotos 3 ergriffen. Die Verstöße gegen die Online-Pornografie auf dem Festland werden nachweislich nicht von zuständigen Behörden gestoppt und bestraft. Im Gegensatz dazu verweist die bewusste Ersatz der „heiklen Wörter“ durch „XX und XXX“ anschaulich, dass es Tabuthemen im chinesischen Internet gibt. Dieser Bericht stellt chinesische Vorschriften und Gesetze gegen Pornographie in Frage und stellt insbesondere die gezielte Kontrolle der politischen Inhalte bloß. Die chinesischen Internetnutzer, die Vorwissen über die Internetzensur haben, lassen sich nicht von der Weglassung der Wörter beim Verstehen dieser Botschaft stören. Auf Grund der dargestellten Widersprüche kann der Leser die verborgene kritische Intention des Autors erkennen.
Im sich an „Liebe Patrioten“ gerichteten kurzen Eintrag lässt sich die kritische Intention vom Autor ablesen, durch einen Verweis auf die gegensätzlichen Ereignisse. Sie haben Angst davor! Sie haben Angst davor!(他们害怕了!他们害怕了!):2008-04-16 04:30:43
Eine Menge Leute haben in meinem Weblog Kommentare hinterlassen und mich daran erinnert über
die neuesten Ereignisse zu sprechen. Ich habe aber gar nichts zu sagen.
Viele Leute haben hier gesagt, dass die westlichen Medien sich so verhalten, weil sie Angst haben, dass
wir Chinesen immer stärker werden; sie haben Angst ein starkes China zu sehen; sie können den
Aufstieg Chinas nicht dulden. Ihr gesamtes Verhalten spiegelt bloß ihre Angst wider.
Denke bitte unter gar keinen Fall so.
Oder du kannst so denken aber du solltest es nicht so glauben.
Manchmal ist es wirklich verheddert. In diesem Land hat man kein Recht CNN zu sehen, aber man hat
doch das Recht gegen CNN zu protestieren. Liebe Patrioten, ihr sollt gehen. Ich werde sehen.
2 Ming Pao (明报) ist eine chinesische Tageszeitung, verlegt von der Ming Pao Group in Hong Kong. Das Publizistik-und Kommunikationswissenschaftsinstitut an der Chinesischen Universität, Hongkong kündigte im Jahr 2006 eine
öffentliche Rating Umfrage über die Glaubwürdigkeit der Zeitungen in Hongkong an: „Ming Pao“ ist auf Platz zwei
gestanden. (vgl. cuhk.edu.hk 2006)
3 Es verweist hier auf die „Edison Chen Foto Skandal“, dabei handelt sich es um die illegale Verbreitung von intimen
und privaten Fotos von Schauspieler Edison Chen mit verschiedenen Frauen über das Internet. Die Hongkonger
Polizei haben die Unterstützung von Interpol und chinesischer Polizei angefordert, um die Verbreitung der Fotos
aufzuhalten.
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Arbeit zitieren:
Diana Xue, 2011, Die Macht der Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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