Inhaltsverzeichnis
Was versteht Schelling unter einer „produktiven Anschauung“? 3
Der Terminus „produktive Anschauung“ 3
Was ist die „produktive Anschauung“? 4
Einordnung in System und Genese des Ichs 8
Schlu ßbetrachtung der „produktiven Anschauung“ 10
Literatur : 12
Literatur 12
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Was versteht Schelling unter einer „produktiven Anschauung“?
Diese Frage soll im Folgenden anhand des Systems des transzendentalen Idealismus beant-‐ wortet werden. Zunächst werden über die Begrifflichkeit im Allgemeinen und im Speziellen (der Philosophie), Überlegungen angestellt. Worauf eine Definition des Begriffs im Sinne Schellings durch genaue Textbetrachtung seines Werkes, insbesondere der ersten und zwei-‐ ten Epoche seines Systems, versucht wird. Im Weiteren wird die „produktive Anschauung“ in das System und das Vorhaben Schellings, also in die Geschichte des Selbstbewußtseins ein-‐ geordnet. Abschließend soll versucht werden die Rolle der „produktiven Anschauung“ im System hervorzuheben und zu gewichten, wobei auch Differenzen zwischen den Annahmen des Philosophen und denen des gemeinen Verstandes Betrachtung finden werden.
Der Terminus „produktive Anschauung“
Der Begriff der produktiven Anschauung setzt sich aus produzieren und anschauen zusam-‐ men. Im Allgemeinen bedeutet produzieren ein Hervorbringen, ein Erschaffen, ein Generie-‐
ren von etwas Neuem. Es stammt vom lat. producere ab, was als „hervorbringen“ aber auch als „vorwärtsführen“ übersetzt werden kann. Die Anschauung ist eine Betrachtungsweise, eine Vorstellung oder auch eine „innere Versenkung“.
In der Philosophie wird der Begriff des Produzierens ähnlich wie der Allgemeine mit „herstel-‐ len“ und „schaffen“ aber auch mit „herleiten“ und „darstellen“ übersetzt. Allerdings kommt dem Begriff in der Philosophie beachtlich weniger praktische Bedeutung zu. Produzieren wird nicht als manuelle Handlung des Menschen, sondern als intellektuelle oder übersinnli-‐ che angesehen. Von der Antike (Proklos) bis zu Spinoza wird die Produktion als von Gott ausgehende Handlung, zur Hervorbringung der Natur und auch des Menschen, vorgestellt. Der Materialismus zur Zeit der Aufklärung erkannte in der Natur alle Produktion und schrieb auch den Menschen den Produkten der Natur zu. Im Gegensatz dazu geht das Produzieren des Deutschen Idealismus vom Verstand, also vom Subjektiven aus. Für Kant ist produzieren eine Syntheseleistung des Subjekts zur Veranschaulichung von Gegenständen. Ähnlich auch bei Schelling, wobei sich bei ihm durch Produktionen des Selbstbewußtseins alle Gegen-‐ ständlichkeit erst konstituiert. Er sieht Objekte nicht als Ergebnis einer Produktion, sondern
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denkt das Produkt (Objekt) als in beständiger Produktivität wirkend. 1 Das Objekt ist für Schelling bloße Täuschung oder aufgehobene, gehemmte Tätigkeit.
Die Anschauung im philosophischen Sinne erhebt den Anspruch nicht nur auf ein Bestimm-‐ tes an einer Sache gerichtet zu sein, sondern dieselbe im Ganzen zu sehen. Die Anschauung ist das aller Erkenntnis zugrunde liegende Vermögen. Bei Schelling ist die Anschauung nicht auf ein Objekt gerichtet, sondern ist eine auf sich selbst gerichtete Tätigkeit des Ichs, welche nur auf Objekte blickt um sich etwas entgegensetzten zu können. Eine reine Selbstanschau-‐ ung.
Betrachtet man den Begriff der „produktiven Anschauung“ als ganzen, so kommt man zu der Frage, was denn diese Anschauung produziere. Oder angenommen es handelt sich hierbei um eine einzige Tätigkeit, so ergibt sich die Frage wie denn ein Produzieren und ein An-‐ schauen gleichzeitig vorstellbar sei. Die Antwort wird bei Schelling zu finden sein, er ist der Urheber des Begriffs der „produktiven Anschauung“.
Was ist die „produktive Anschauung“?
In seinem System des transzendentalen Idealismus folgt Schelling seinen Vorstellungen einer Methode der Transzendental-‐Philosophie. Er begleitet das Ich von einer Stufe der Selbstan-‐ schauung zur nächsten, bis es alle Bestimmungen eines freien und bewußten Aktes des Selbstbewußtseins aufweist. Auf jeder Stufe in der Genese des Selbstbewußtseins sieht der Philosoph das Ich in einer höheren Potenz. Die Transzendental-‐Philosophie ist nach Schelling „ein beständiges potenzieren des Ichs“ 2 . Die Potenzierung schafft nicht etwas Neues, son-‐ dern ist eine Ausdifferenzierung des schon Bestehenden, welches sich in einer höheren Po-‐ tenz wiederholt. Die logische Konsequenz einer Untersuchung, die zu dem Punkt gelangen möchte, von welchem sie ausgeht. Demnach steht auch am Anfang der Untersuchung das Selbstbewußtsein.
1 Vgl. Sandkühler, Hans Jörg (Hrsg.): F.W.J. Schelling. Stuttgart-Weimar 1998, S.72.
2 F.W.J. Schelling: System des transzendentalen Idealismus, Tübingen 1800, S.119 Im Folgenden zitiert als:
Schelling, System.
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Arbeit zitieren:
Wenzel Seibold, 2005, Die „produktive Anschauung“ in F.W.J. Schellings "System des transzendentalen Idealismus", München, GRIN Verlag GmbH
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