Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
„Der hoffnungslose Eckensteher“ 4
„Freier Verkehr mit der unfreien Weiblichkeit“ 8
Zusammenfassung 13
Bibliographie 14
2
Einleitung
Als Heinrich Heine um 1820 in die Gesellschaft eintrat, galt ein Liebeskonzept, in dem die Erotik nur die Rolle der Initialzündung für die gegenseitige Sympathie spielen durfte, ansonsten aber abgewertet wurde. Formen erotischer Kontaktaufnahme waren der bürgerlichen Gesellschaft des 18. Und 19. Jahrhunderts in Deutschland nicht möglich. Das bedeutete für Heine, wie für viele andere junge Männer auch, daß ihm ein Äußerstes an Entsagungsbereitschaft abverlangt wurde.
Die schmachtende Frustration die der junge Heine empfand und die Darstellung der verschiedenen weiblichen Typen und damit Heines Bild von Frauen in seiner frühen Lyrik, spiegeln sich in seinem Buch der Lieder wieder. Den großen Anklang seines ersten Lyrikbandes erreichte er einerseits dadurch, daß er sich keusch gab, wie die Gesellschaft es erwartete. Jedoch viele junge Männer fanden sich in dem nach sinnlicher Erfüllung suchenden Heine wieder.
In seiner späteren Lyrik, in Neue Gedichte, hat sich Heines Bezug zur Erotik stark verändert. Heine lebt nun in Paris und wird sich der Diskrepanz zwischen dem spröden, spiritualistischen Deutschland und dem erotischen, sensualistischen Paris bewußt. Der Zyklus Verschiedene und im besonderen das Gedicht Der Tannhäuser zeigen Heines Einstellung zu diesem Antagonismus.
Ein Vergleich von Heines Frauenbildern, auf dem Hintergrund seiner sich verändernden Lebensumstände und Einstellungen, wird das Thema dieser Hausarbeit sein.
3
„Der hoffnungslose Eckensteher“
In den 1820ern in Deutschland war der junge Heinrich Heine ein wenig ansprechender Heiratskandidat. Nicht nur das er aus einer recht unvermögenden Familie stammte, er war auch jüdischer Herkunft und hatte nicht die besten Berufsaussichten. Eigentlich wäre er mit diesen Voraussetzungen gar nicht in die Nähe der jungen Frauen des Bürgertums gelangt, doch durch sein poetisches Talent und den Einfluß seines Onkels Salomon, erlangte er dennoch Zugang zu einigen der besseren Salons. Doch dort mußte er als „hoffnungslose(r) Eckensteher“ 1 zusehen, wie ihm die jungen Frauen vor seiner Nase von vermögenden jungen Männern oder solchen mit einer vielversprechenden Karriere weggeheiratet wurden. Seine Gedichte in den Zyklen Die Heimkehr und Lyrisches Intermezzo variieren fast ausnahmslos das Thema der unglücklichen, unerwiderten oder aussichtslosen Liebe. Die Gedichte weisen sowohl die metrische Form, als auch das Bild- und Ausdrucksrepertoire eines Volksliedes auf, jedoch wird die schlichte Mentalität des Volksliedes mit der modernen, zersplitterten Psyche konfrontiert. Durch den zu der Zeit so modernen Aufbau seiner Gedichte in Form von Volkslied und Bildern und Klängen romantischer Poesie, konnte Heine verdeckt die Klischees der Liebes- und Naturlyrik ironisieren und auf die Entzweiung des lyrischen Ich in Dichtung und Erfahrungswirklichkeit aufmerksam machen. Kontrastkomik und ironische Verstellungen schaffen eine Distanz, mit der Funktion, für Selbstschutz und Entlastung des Dichters zu sorgen. Das Liebessystem müßte scheitern, Sentimentales könnte nicht Gestalt annehmen, wenn Ironie und Komik nicht relativierend wirken würden: „ironische Neutralisierungen >echter Erlebnisse<“ 2 .
Außer der Nähe zum Volkslied, ist der Bezug zum Petrarkismus auffällig: das Liebeskonzept, das Liebesglück in der Liebesqual zu finden und die zyklische Organisation der Gedichte. Dieses Liebeskonzept, die Doppelnatur der verführerischen Frau, die aber kalt und herzlos, völlig unzugängig ist, zeigt Heines Frustration. Das Gedicht LVI, in dem Zyklus Die Heimkehr macht dies sehr deutlich:
Saphire sind die Augen die,
Die lieblichen, die süßen. O, dreimal glücklich ist der Mann,
1 Hermand, Jost: Vom Buch der Lieder zu den Verschiedenen. Heines zweimalige Partnerverfehlung. In: Höhn,
Gerhard (Hrg.): Heinrich Heine. Ästhetische politische Profile. Frankfurt a. M. 1991. S.215
2 Höhn, Gerhard: Heine-Handbuch: Zeit, Person, Werk. Zweite, aktualisierte und erweiterte Auflage, Stuttgart /
Weimar 1997. S. 71
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Arbeit zitieren:
Johanna Niemann, 2000, Heinrich Heine: Neue Gedichte - zwischen Spiritualismus und Sensualismus -, München, GRIN Verlag GmbH
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