Danksagung
Danksagung
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Personen bedanken, die mich bei der Erstellung der Diplomarbeit unterstützt und mich während meines Studiums begleitet haben.
Ein besonderer Dank gilt Frau Prof. Dr. Christine Schwarzer und Frau PD Dr. Petra Buchwald für das entgegengebrachte Vertrauen und für die Ermöglichung dieser Magisterarbeit.
Mein größter Dank gilt meiner Familie, Necdet Özcivelek, Birgül Özcivelek und Orkide Özcivelek, die mich während meines gesamten Studiums in vielerlei Hinsicht tatkräftig unterstützt hat und denen ich auch diese Diplomarbeit widmen möchte.
4
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 7
2 Begriffsbestimmung 10
2.1 Erstsprache 10
2.2 Muttersprache 10
2.3 Zweitsprache/Fremdsprache. 11
3 Definition des Bilingualismus 13
3.1 Linguistische Definitionen. 13
3.2 Funktionale Definitionen. 14
3.3 Formen des Bilingualismus 16
3.4 Typen des bilingualen Spracherwerbs 25
3.4.1 Eine Person - eine Sprache 25
3.4.2 Nicht-Umgebungssprache zu Hause/Eine Sprache - eine Umgebung. 26
3.4.3 Eine Sprache zu Hause - die andere Sprache aus der Umgebung. 26
3.4.4 Zwei Sprachen zu Hause - Eine andere Sprache aus der Umgebung. 27
3.4.5 Nichtmuttersprachliche Eltern 27
3.4.6 Gemischte Sprachen. 27
3.5 Sprachdominanz - Schwache Sprache - Starke Sprache 28
4 Theorien zur Zweisprachigkeit. 31
4.1 Die Schwellenhypothese nach Cummins 31
4.2 Die Hypothese des doppelten Eisbergs nach Cummins 35
4.3 Krashens Input-Hypothese 36
4.4 Die Identitätshypothese. 39
4.5 Die Kontrastivhypothese 40
4.6 Die Interlanguage-Hypothese. 42
4.7 Die Pidginisierungstheorie. 43
5 Der Zweitspracherwerb - Grundlagen und Voraussetzungen des
Zweitspracherwerbs. 45
5.1 Entwicklungsstadien des Zweitspracherwerbs 46
5.2 Biologische Voraussetzungen 48
5.2.1 Relevanz des Lebensalters beim Zweitspracherwerb 49
5.3 Soziopsychologische Voraussetzungen 51
5
Inhaltsverzeichnis
5.3.1 Intern und extern beeinflussende Faktoren 54
5.3.2 Relevanz der Muttersprache beim Zweitspracherwerb 55
5.4 Kognitive Voraussetzungen. 59
5.4.1 Sprachlernstrategien 59
5.4.2 Verarbeitungsprozesse 62
5.5 Codeswitching 62
5.6 Vor- und Nachteile des frühen Zweitspracherwerbs. 67
5.6.1 Vorteile des frühen Zweitspracherwerbs 67
5.6.2 Nachteile des frühen Zweitspracherwerbs 67
6 Fazit/Ausblick 69
Literaturverzeichnis 71
6
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Koordinierter Bilingualismus
Abbildung 2: Zusammengesetzter Bilingualismus
Abbildung 3: Untergeordneter Bilingualismus
Abbildung 4: Kognitive Wirkungen verschiedener Typen von Bilingualismus
Abbildung 5: Oberflächen- und Tiefendimension der Sprachfähigkeit
(doppeltes Eisberg-Diagramm)
Abbildung 6: Spracherwerbsmodell nach Krashen.
Abbildung 7: Aus einer reduzierten kognitiv-akademischen
Sprachkompetenz in der Muttersprache resultierender circulus
vitiosus
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Erstspracherwerb und Zweitspracherwerb
1 Einleitung
1 Einleitung
In Anbetracht der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung, stellt Bilingualismus längst kein Phänomen mehr dar. Einsprachigkeit stellt in der Weltbevölkerung eher eine Ausnahme dar als Zweisprachigkeit. Gerade in Deutschland gibt es eine große Zahl von Menschen, die eine andere Muttersprache sprechen als Deutsch.
Als in den 60er Jahren die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen, ging man davon aus, dass der Zeitraum ihres Aufenthalts nur begrenzt sein würde. Daher wurde für eine gesellschaftliche und sprachliche Integration keine Notwendigkeit gesehen. Im Laufe der letzten 50 Jahre jedoch stellte sich heraus, dass die Rückkehrabsichten vieler Gastarbeiter nicht umgesetzt wurden. Die Gründe dafür liegen unter anderem im Familiennachzug, in der Ausbildung der Kinder in Deutschland sowie im Eingehen von Mischehen.
Deutschland ist ein Einwanderungsland. Laut statistischem Bundesamt, sind in den letzten 50 Jahren rund 54 Millionen Zu- bzw. Fortzüge verzeichnet worden. Da ein Teil der Zuwanderer die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat und in der amtlichen Statistik nicht mehr als Ausländer berücksichtigt wird, lag die Zahl der Personen mit Migrationshintergrund im Jahre 2006 deutlich höher, als die in der Statistik angegebene Zahl der Ausländer in Höhe von 7,3 Millionen. 1 Heute wächst in Deutschland die 3. Generation dieser Personen mit Migrations-hintergrund heran. Sie sind längst zu einem Teil dieser Gesellschaft geworden und gerade deshalb ist es von Bedeutung, ein besonderes Augenmerk auf ihre schulische sowie ihre sprachliche Ausbildung zu legen.
Oft lässt sich beobachten, dass Kinder dieser Familien, die im Folgenden als Kinder mit Migrationshintergrund bezeichnet werden, große Schwierigkeiten im schulischen
1 Statistisches Bundesamt, Bundeszentrale für politische Bildung (2006). Datenreport 2006
Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. [on-line]. Verfügbar unter :
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/
Querschnittsveroeffentlichungen/Datenreport/Downloads/CZuwandererAusl,property=file.pdf
[20.08.2007].
1 Einleitung
Bereich aufweisen. Sie besitzen erstaunlicherweise unzureichende sprachliche Kenntnisse, obwohl sie deutschsprachige Kindergärten besuchen und dort Umgang mit deutschsprachigen Kindern und Erziehern haben. Das Beherrschen der Sprache ist jedoch eine unabdingbare Voraussetzung um qualifizierte Schul- und Ausbildungsabschlüsse zu erreichen und sich in dieser Gesellschaft eine gute Stellung zu erarbeiten.
Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung zufolge, hat nach eigener Einschätzung nur knapp die Hälfte der Zuwanderer gute deutsche Sprachkenntnisse. Demnach verfügen 21 % der Zuwanderer über keinen Schulabschluss, 10 % haben Abitur, während nur 9 % der Zuwanderer in Deutschland einen akademischen Abschluss erlangen konnten. 2
„Die menschliche Sprache ist ein typisch psychosoziales Phänomen. Sie existiert und entwickelt sich in einem biologischen und sozialen Kontext. Sie dient als Zeichensystem den Denk-, Erkenntnis- und sozialen Handlungsprozessen der Menschen. Sie ist somit für die Mitglieder einer Gesellschaft das wichtigste Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Sie spiegelt ihre Lebensäußerungen wider; mit der Sprache erwirbt ein Mensch auch soziale Normen und Verhaltensweisen sowie kulturelle Tradierungen.“ (Oksaar, 2003, 16)
Die Definition von Oksaar (2003) über Sprache macht den Bedarf an Sprachstandserhebungen und die Notwendigkeit von Sprachförderungen deutlich.
Das Ministerium für Schul- und Weiterbildung des Landes Nordrhein Westfalen handelte, indem es im März 2007 die Sprachstandserhebung für alle Kinder zwei Jahre vor ihrer Einschulung einführte. Diese soll einer frühzeitigen Aufdeckung des Bedarfs an Sprachförderung dienen. Auf diese Art und Weise soll eine rechtzeitige Förderung gewährleistet werden. Darüber hinaus soll der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg mit dieser Sprachstandsförderung verringert werden. Gleichzeitig stellt die Einführung dieser allgemeinen Sprachstandserhebung die Aktualität des Themas heraus.
„Sprache ist ein zentrales Medium für die Aufnahme, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen. Sie ist eine wesentliche Grundlage für soziale Interaktion und für die Gestaltung der individuellen Umwelt. Eine gut entwickelte Sprachkompetenz ist damit
2 Vgl. www.destatis.de.
1 Einleitung
der Schlüssel für erfolgreiche Lern- und Bildungsprozesse. Dabei kommt der Beherrschung der deutschen Sprache eine zentrale Bedeutung zu […]. Eine gering ausgeprägte Sprachkompetenz kann die gesamte Bildungsbiographie eines Kindes beeinträchtigen - bis hin zu fehlenden oder geringeren Bildungsabschlüssen, Problemen in der Ausbildung, mangelnden Chancen auf dem Arbeitsmarkt und fehlenden Grundlagen für eine gelungene soziale Integration.“
(www.bildungsministerium.nrw.de) 3
Angesichts der vielfältigen Folgen von mangelnder Sprachkompetenz fiel die Entscheidung, sich umfassend mit diesem Thema zu befassen.
Der vorliegenden Arbeit liegt keine eindeutige Fragestellung zugrunde. Sie hat vielmehr Überblickscharakter und verfolgt das Ziel, Grundlagen der pädagogischen Diskussion rund um das Thema Bilingualismus bei Kindern mit Migrationshintergrund zu liefern. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf dem frühen kindlichen Spracherwerb und den Theorien, die sich mit dem Zweitspracherwerb befassen. Nachdem im ersten Kapitel einige mit diesem Thema in Zusammenhang stehende wichtige Begriffe definiert werden, soll im zweiten Kapitel näher auf den Begriff Bilingualismus und seine Bedeutung eingegangen werden, indem von einer Definition des Begriffes über die verschiedenen psychologischen Ansätze zu diesem Thema bis hin zu den Erscheinungsformen des Bilingualismus der Begriff näher beleuchtet werden soll. Im nächsten Kapitel sollen die verschiedenen Theorien zur Zweisprachigkeit vorgestellt werden, bevor im vierten Kapitel auf die Grundlagen und Voraussetzungen wie biologische, kognitive und soziopsychologische Voraussetzungen des Zweitspracherwerbs eingegangen wird. Kapitel fünf soll eine Zusammenfassung der Grundlagen und Voraussetzungen des Zweitspracherwerbs liefern. Im letzten Kapitel sollen Lösungsansätze für die zweisprachige Erziehung von Kindern mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen vorgeschlagen werden.
3 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2006): Feststellung des Sprachstandes zwei Jahre vor der Einschulung. Fachinformation zum Verfahren. [ online ]. Verfügbar unter:
http://www.bildungsministerium.nrw.de/BP/Schulsystem/Schulformen/Grundschule/Sprachst and/Sprachstand2/Infoschrift_2_11_Layoutfassung.pdf [20.08.2007].
2 Begriffsbestimmung
2 Begriffsbestimmung
Im Folgenden sollen einige zentrale Begriffe, die in der vorliegenden Arbeit häufiger vorkommen, näher erläutert werden.
2.1 Erstsprache
Im Allgemeinen wird unter Erstsprache, auch L1 genannt, die Sprache verstanden, die der Mensch als erste erworben hat. Sie impliziert den Anfang einer Erwerbsfolge, dem unter Umständen der Erwerb weiterer Sprachen folgen kann. Die Begriffe Erstsprache, Primärsprache und Muttersprache werden als Synonyme verwendet
2.2 Muttersprache
Das Wort Muttersprache geht laut Oksaar (2003) auf den lateinischen Begriff „materna lingua“ zurück und wird synonym mit der Erst- oder Primärsprache verwendet, die das Kind als erste von dem es umgebenden Erwachsenen beigebracht bekommt. Der Begriff der Muttersprache bezeichnet die Erstsprache des Kindes, ohne aber den zeitlichen Aspekt mit ins Auge zu fassen. Hier geht es um die Identifizierung des Menschen mit der Sprache und der Sprachgemeinschaft. Der Begriff der Muttersprache hat also im Gegensatz zu dem Begriff der Erstsprache einen emotionalen Anteil.
Herder (1960) beschrieb diesen emotionalen Aspekt wie folgt: „Unsere Muttersprache war die erste Welt, die wir sahen, die ersten Empfindungen, die wir fühlten, die erste Wirksamkeit und Freude, die wir genossen! Die Nebenidee von Ort und Zeit, von Liebe und Hass, von Freude und Tätigkeit, und was die feurige,
2 Begriffsbestimmung
aufwallende Jugendseele sich dabei dachte, wird alles mit verewigt - nun wird die Sprache schon Stamm.“(Herder, 1960, zitiert nach Oksaar, 2003, 13) Aufgrund dieser Betonung des emotionalen Aspekts und des Implizierens, die Muttersprache sei die Sprache, die von der Mutter gelernt wird, wurde oftmals versucht, den Begriff der Muttersprache durch andere zu ersetzen. „Wir verwenden Erstsprache, Muttersprache, Primärsprache und die anderen erwähnten Bezeichnungen [Grundsprache, natürliche Sprache, Herkunftssprache] 4 als Synonyme, wohl wissend, dass die Bedeutung des Kompositums durch seine Motiviertheit konnotativ gesteuert werden kann.“ (Oksaar, 2003, 14)
2.3 Zweitsprache/Fremdsprache
Laut Oksaar (2003) ist der Begriff der Zweitsprache mehrdeutig. Dies verdeutlicht er, indem er auf Lewandowskis (1990) Definition der Zweitsprache eingeht, in der er die Zweitsprache mit der Fremdsprache gleichsetzt, oder aber Larsen/Freeman/Longs (1991) Definition der Zweitsprache wiedergibt, die besagt, dass der Begriff der Zweitsprache für alle der Erstsprache übergeordneten Sprachen genutzt wird.
Oksaar (2003) ist zwar der Auffassung, dass die Begriffe Zweitsprache und Fremdsprache vermischt werden können, dieser Arbeit jedoch soll die Definition von Klein (1992) zugrundegelegt werden.
„Mit Fremdsprache ist demnach eine Sprache gemeint, die außerhalb ihres normalen Verwendungsbereiches - gewöhnlich im Unterricht - erlernt und dann nicht neben der
Erstsprache zur alltäglichen Kommunikation verwendet wird. […] Eine Zweitsprache hingegen ist eine Sprache, die nach oder neben der Erstsprache als zweites Mittel für Kommunikation dient und gewöhnlich in einer sozialen Umgebung erworben wird, in der man sie tatsächlich spricht.“ (Klein, 1992, 31)
2 Begriffsbestimmung
Es sollte also eine klare Trennung zwischen Zweitsprache und Fremdsprache getroffen werden. Eine Fremdsprache wird ausschließlich in einer formalen Situation, d. h. im Unterricht, gelernt, während das Erlernen einer Zweitsprache in natürlicher Umgebung erfolgt. Die Fremdsprache wird also nur in gesteuerten Lernsituationen erworben, sie wird dem Lerner systematisch beigebracht, ohne dass diese Sprache eine entscheidende Funktion im Alltag übernimmt. Auf diese Terminologie wird in Kapitel 4 näher eingegangen.
4 zum besseren Verständnis durch den Verfasser ergänzt.
3 Definition des Bilingualismus
3 Definition des Bilingualismus
Für den Begriff des Bilingualismus herrscht keine allgemeingültige Definition vor. Zweisprachigkeit wird oft mit unterschiedlicher Semantik versehen, sie existiert nicht als einheitliches Phänomen, worin das Problem einer allgemeingültigen Definition liegt. Bilingualismus ist ein komplexer, interdisziplinärer Forschungsbereich. Die Gemeinsamkeit aller Definitionen, die sich in der Literatur finden lassen, ist, dass sie einen Zustand beschreiben, in dem mehr als eine Sprache gesprochen wird. Nach Horn (1990) ist „Bilingualismus oder die Zweisprachigkeit die Verwendung von mehr als einer Sprache durch eine Person“. (Horn, 1990,1)
Doch was versteht man in diesem Zusammenhang unter „Verwendung“? Gilt jemand, der in sehr geringem Maße die Zweitsprache verstehen, sprechen und lesen kann, bereits als bilingual? Reicht der Gebrauch der Zweitsprache in alltäglichen Situationen, um einen Menschen als bilingual bezeichnen zu können? Sollte eine Person, die eine zweite Sprache auf muttersprachlich hohem Niveau spricht, dabei jedoch einen starken Akzent hat, als bilingual oder monolingual bezeichnet werden? Oder sollte ein Mensch erst als bilingual bezeichnet werden, wenn er die Zweitsprache wie seine Muttersprache beherrscht, ohne aus seiner Muttersprache übersetzen zu müssen?
3.1 Linguistische Definitionen
Aus dem Bereich der allgemeinen Sprachwissenschaften sind diverse Definitionen zu entnehmen. So bezeichnet Mac Namara (1969) schon Individuen, die in einem nur minimalen Ausmaß eine Zweitsprache sprechen, schreiben oder verstehen können, als bilingual.
Nach Diebold (1964) und Pohl (1965) reicht das bloße Verstehen einer Zweitsprache aus, um einen Menschen als bilingual zu bezeichnen.
Weiss (1959) hingegen fordert den unmittelbaren Gebrauch der Zweitsprache, ohne aus der Muttersprache übersetzen zu müssen.
3 Definition des Bilingualismus
Für Braun ist erst eine gleichberechtigte Beherrschung von zwei oder mehreren Sprachen Voraussetzung, um ein Individuum als bilingual bezeichnen zu können.
Auch Bloomfield fordert eine Beherrschung wie bei der Muttersprache. 5
3.2 Funktionale Definitionen
Blochner (1982) 6 definiert Bilingualität als die Fähigkeit, beide Sprachen so gut zu beherrschen, dass eine Unterscheidung zwischen Muttersprache und Zweitsprache schwer fällt.
Blochner verlangt für die Bezeichnung bilingual
„…die Zugehörigkeit eines Menschen zu zwei Sprachgemeinschaften in dem Grade, dass Zweifel darüber entstehen könnten, welcher der beiden Sprachen das Verhältnis enger ist oder welche als Muttersprache zu bezeichnen ist oder welche mit größerer Leichtigkeit gehandhabt wird oder in welcher man denkt…“. (Fthenakis, 1985,15) Die große Anzahl der Definitionen macht die unterschiedliche Vorstellung über Zweisprachigkeit sehr deutlich. Fthenakis sowie Mackey schlagen daher vor, danach zu schauen, „wie“ zweisprachig jemand ist.
Der kanadische Bilingualismusforscher Mackey (1968) spricht bei der Schwierigkeit der Definition die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Zweisprachigkeit an und das Problem, ab wann ein Individuum als bilingual bezeichnet werden kann. Mackey definiert Bilingualismus als die Fähigkeit, wahlweise zwischen zwei oder mehreren Sprachen wechseln zu können. Nach ihm sollte Bilingualismus als ein relativer Begriff betrachtet werden. Seine Forderung ist, danach zu schauen, „wie“ bilingual jemand ist. Im Mittelpunkt sollte nach ihm nicht der Grad der Beherrschung stehen. Das Augenmerk sollte auf den situationsspezifischen Gebrauch gerichtet werden.
5 Vgl. Fthenakis, 1985.
6 Vgl. Horn, 1990.
3 Definition des Bilingualismus
„Bilingualismus ist keine Erscheinung des Sprachsystems, sondern ein Charakteristikum seines Gebrauchs. Er ist keine Eigenschaft des Kodes, sondern eine der Mitteilung. Er gehört nicht dem Bereich der ‘langue’, sondern dem der ‘parole’ an.“
(Mackey, 1977a, zitiert nach Horn, 1990,2)
Eine solide theoretische Grundlage schuf Mackey, indem er eine Klassifikation schuf, die die Messung der Bilingualität erleichtern sollte.
Mackey (1956) gibt die Kriterien dafür vor, auf die besonderes Augenmerk gerichtet werden sollte. Er unterteilt die Analyse der Mehrsprachigkeit nach vier Gesichtspunkten. Diese sind neben der Anzahl der Grad der Zweisprachigkeit, die Funktion der betroffenen Sprachen, der alternierende Gebrauch der Sprachen sowie die vorherrschende Interferenz.
Der Grad der Zweisprachigkeit bestimmt, wie zweisprachig jemand ist, was sich aus den Fertigkeitsbereichen Hörverstehen, Lesen, Sprechen und Schreiben ableiten lässt. Die Funktion der Sprachen unterteilt Mackey in externe und interne Funktion der Sprache. Mackey versteht unter externe Funktion die verschiedenen Kontaktbereiche, in der die Sprache gebraucht wird. Diese Kontaktbereiche werden in der Soziolinguistik auch als Sprachdomänen bezeichnet, welche durch Dauer, Häufigkeit und Kontaktzwang bestimmt werden. Zu den internen Faktoren gehören nach seiner Definition die innere Rede bzw. das Selbstgespräch. Hierzu gehören das Zählen, Fluchen, Beten, Träumen und das Tagebuchschreiben.
Bei dem alternierenden Gebrauch der Sprachen, also dem abwechselnden Gebrauch der Sprachen, interessiert sich Mackey für die Bedingungen des Wechsels und nennt als verursachende Faktoren das Thema, die Gesprächspartner und den Gemüts-zustand des Sprechers. Unter Interferenz versteht Mackey den Sachverhalt der Sprachmischung, geht jedoch nicht näher auf diesen Sachverhalt ein.
Eine differenzierte Analyse dieser Faktoren findet sich in Kapitel 5.4.
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Ferda Özcivelek, 2007, Zweitsprache Deutsch bei Kindern mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag GmbH
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