3
Inhaltsverzeichnis
S.
1.0 Einleitung
S.
2.0 Definitionsproblem der Kategorie „Text“
S.
3.0 Kriterien der Textualität
S.
3.1 Kohäsion
S.
3.2 Kohärenz
S.
3.3 Intentionalität
S.
3.4 Akzeptabilität
3.5 Informativität 1
3.6 Situationalität 1
3.7 Intertextualität 1
4.0 Fazit 1
5.0 Résumé 1
6.0 Bibliographie 1
4
1.0 Einleitung
Seit Beginn der 70er Jahre, der pragmatischen Wende 1 , sehen sich Sprachwissenschaftler, aus dem Bereich der Textlinguistik, erneut mit der Aufgabe konfrontiert, eine adäquate Definition für den Begriff „Text“ zu formulieren. Diese Definition soll vor allem aufzeigen, welche Merkmale die Textualität eines Textes kennzeichnen und die einen Text von einem 'Nicht-Text' unterscheiden. 2 Jedoch ist es der Textlinguistik, bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt, noch nicht gelungen, sich auf eine einheitliche Definition der Kategorie „Text“ zu verständigen. 3
De Beaugrande und Dressler, nennen sieben Kriterien 4 der Textualität, die eine Unterscheidung zwischen Text und 'Nicht-Text' ermöglichen sollen. 5 Diese, bereits in die wissenschaftliche Diskussion integrierten 6 Merkmale bilden die Grundlage der vorliegenden Ausarbeitung. So werden zum einen die Kriterien selbst thematisiert und anhand von Beispielen veranschaulicht, zum anderen wird ihre Relevanz als Merkmal der Textualität überprüft. Auch das Definitionsproblem des Begriffs „Text“ wird Bestandteil dieser Arbeit sein.
2.0 Definitionsproblem der Kategorie „Text“
Der Begriff „Text“, aus dem Lateinischen entlehnt von textus, hat die ursprüngliche Bedeutung 'Gewebe', 'Geflecht'. Im metaphorischen Sinne lässt sich daraus 'eine Zusammenfügung sprachlicher Zeichen in einem Text' ableiten. 7
Der Terminus „Text“ wurde ab dem 14. Jahrhundert vornehmlich zum Verweis auf die Bibel oder eine Bibelstelle verwendet. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist der Begriff „Text“ sowohl für den 'sprachlichen Teil eines
1 Die pragmatische Wende bezeichnet den grundlegenden Paradigmenwechsel, von der systemorientierten zur kommunikations- und funktionsbezogenen Sprachbetrachtung, der sich in den Sechzigerjahren und zu Begin der der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts in der Linguistik ereignet hat. Vgl. Ulla Fix: „Text und Textlinguistik“, in: Nina Janich (Hg.): Textlinguistik. 15 Einführungen. Tübingen 2008, S. 15-34, hier S. 15.
2 Vgl. Margot Heinemann/Wolfgang Heinemann: Grundlagen der Textlinguistik. Interaktion -Text - Diskurs. Tübingen 2002, S. 95.
3 Vgl. Kirsten Adamzik: Textlinguistik. Eine einführende Darstellung. Tübingen 2004, S. 31.
4 Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität, Intertextualität. Vgl. Janich (2008), S. 18.
5 Vgl. Robert-Alain de Beaugrande/Wolfgang Ulrich Dressler: Einführung in die Textlinguistik. Tübingen 1981, S. 3.
6 Vgl. Janich (2008), S. 18.
7 Demzufolge steht „Text“ für die 'Webart' bzw. für den Stil, der in einen Text eingebunden ist. Vgl. Christina Gansel/Frank Jürgens: Textlinguistik und Textgrammatik. Eine Einführung. Wiesbaden 2002, S. 11.
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Musikstücks' belegt als auch für den einer 'Bild- Text- Einheit'. Allerdings tritt „Text“ erst ab dem 20. Jahrhundert, in Zusammenhang mit z.B. Bildunterschriften zu Illustrationen oder Pressefotos, auf. Das heutige allgemeine Verständnis des Terms „Text“ ist die „[[] schriftlich festgehaltene, inhaltlich-thematisch zusammenhängende Folge von Wörtern [oder] Sätzen [[].“ 8
In der Sprachwissenschaft existieren verschiedene Definitionen für die Kategorie „Text“. 9 Jedoch hat die Textlinguistik bisher keinen einheitlichen Textbegriff entwickelt. 10 Kirsten Adamziks zufolge benennen die bestehenden Definitionen nur einen kleinen Teil der relevanten isolierten Merkmale des Phänomens „Text“. Sie folgert, dass eine geeignete Begriffsbestimmung für diese Kategorie, nur Teilaspekte aufgreifen und fokussieren kann. 11 Heinz Vater ordnet die Probleme der Textdefinition sowohl subjektiver als auch objektiver Natur zu. Seiner Ansicht nach liegen die Schwierigkeiten sowohl im Phänomen „Text“ selbst, als auch in der Unterschiedlichkeit der ungleichen Ansätze. Er unterstützt die Aussage Scherners, dass eine klare Trennung von Texten und 'Nicht-Texten' unmöglich sei. 12
Der Versuch eine Definition für den Begriff „Text“ zu verfassen, ist nach Auffassung der zitierten Autoren, vergebens. „Text“ gilt ihnen als überaus komplex, vielgestaltig und vielschichtig 13 , sodass er zu viele Aspekte beinhaltet, um ihn zu definieren. Ulla Fix sowie Adamzik und Vater vertreten die Ansicht, dass die Prototypentheorie, die aussichtsreichste Methode der Textbestimmung sei. 14 Die von de Beaugrande und Dressler postulierten Kriterien der Textualität beschreibt Fix als „Beschreibungsdimensionen für
8 Vgl. Adamzik (2004), S. 33f.
9 So definiert Harweg 1968 „Text“ folgendermaßen: „Ein Text ist ein durch ununterbrochene pronominale Verkettung konstituiertes Nacheinander sprachlicher Einheiten.“ Vgl. Adamzik (2004), S. 38. De Beaugrande und Dressler präsentieren 1981 ihre Definition des Terms „Text“: „Wir definieren einen Text als kommunikative Okkurrenz [[], die sieben Kriterien der Textualität erfüllt. Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt der Text nicht als kommunikativ. Daher werden nicht-kommunikative Texte als Nicht-Texte behandelt.“ Vgl. De Beaugrande/Dressler (1981), S. 3.
10 Vgl. Janich (2008), S. 17.
11 Vgl. Adamzik (2004), S. 39. Auch Fix ist der Annahme, dass ein einheitlicher Textbegriff, „[[] wichtige Aspekte ausschließen und [[] mögliche Zugänge zum Phänomen „Text“ verbauen [würde].“ Janich (2008), S. 17.
12 Vgl. Heinz Vater: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. München 2001, S. 21f.
13 Vgl. Adamzik (2004), S. 31.
14 Vgl. Janich (2004), S. 19.
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wesentliche Eigenschaften von (prototypischen) Texten.“ 15 Demnach sind die Kriterien (s. o.) vermeintliche Elemente zur Bestimmung eines typischen Vertreters der Kategorie „Text“ und bieten Anlass zu Unterscheidung zwischen Text und 'Nicht-Text'.
3.0 Kriterien der Textualität
Wie bereits die Definition von de Beaugrande und Dressler zeigt (s. 2.0), verstehen sie „Text“ als eine kommunikative Okkurenz, die sieben Kriterien erfüllen muss. 16 Diese Kriterien sind ihrer Ansicht nach ausschließliche Bestimmungsmerkmale, demzufolge bedeutet ein unerfülltes Kriterium, die Einordnung in die Kategorie 'Nicht-Text'. 17 Fix merkt an, dass diese Forderung kritisch betrachtet werden sollte, da Rezipienten durchaus im Sinne der Kriterien fehlerhafte Texte als solche anerkennen. 18 Sie favorisiert die Prototypentheorie (s. 2.0) zur Textbestimmung. 19 Im Folgenden werden die sieben Kriterien der Textualität von de Beaugrande und Dressler einzeln dargestellt und auf ihre Ausschließlichkeit als Merkmal der Textualität geprüft.
3.1 Kohäsion
Das erste von de Beaugrande und Dressler formulierte Kriterium ist die Kohäsion, „[[] die Art wie die Komponenten des Oberflächentextes [[] miteinander verbunden sind.“ 20 Die Autoren bedienen sich zur Veranschaulichung des folgenden Beispiels (Warnschild für Autofahrer): LANGSAM
21 SPIELENDE KINDER
Die grammatische Anordnung der Worte bestimmt die Art und Weise, wie diese Aussage zu verstehen ist.
15 Janich (2004), S. 19.
16 Die folgenden sieben Kriterien, die sich auf die Gliederungspunkten 3.1 - 3.7 beziehen, wurden von de Beaugrande und Dressler in „Einführung in die Textlinguistik“ formuliert.
17 Vgl. De Beaugrande/Dressler (1981), S. 3.
18 Vgl. Janich (2004), S. 20.
19 Sie räumt allerdings ein, dass diese die Kriterien von de Beaugrande und Dressler nicht ablöst, sondern zu einer differenzierteren Verwendung der Merkmale ermuntern soll. Vgl. Janich (2004), S. 19.
20 De Beaugrande/Dressler (1981), S. 3f. Als Merkmale der Erzeugung von Kohäsion fungieren u. a. Tempus, Aspekt, Junktion, Satzperspektive Pronominalisierung, Rekurrenz und Parallelismen. Vgl. Janich (2004), S. 21.
21 Vgl. De Beaugrande/Dressler, S. 4.
Arbeit zitieren:
2009, Das Definitionsproblem der Kategorie „Text“ am Beispiel der sieben Textualitätskriterien von R.-A. de Beaugrande und W. U. Dressler, München, GRIN Verlag GmbH
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