1. Einleitung
„Sie kann säuseln und donnern, flöten und schmettern, sie kann schneiden wie Metall,
klirren wie Glas und streicheln wie eine warme Hand. Die menschliche Stimme ist das
stärkste, vielfältigste und wundersamste Instrument, das die Natur hervorgebracht hat.“ 1 Dieses Zitat vermittelt eindrucksvoll, welch enorme Bedeutung die menschliche Stimme als Kunstwerk unserer Natur im Laufe der Evolution gewonnen hat. Doch auch unser Alltag wäre ohne Stimme schlicht undenkbar: keine tollen Gespräche mit Freundinnen oder Freunden, keine Stimmen aus dem Radio oder dem Fernseher, keine Telefonate - es würde einfach überall absolute Stille herrschen.
Doch die menschliche Stimme ist nicht nur hinsichtlich ihrer Anatomie und ihres Ursprungs interessant und bedeutsam.
Auch der Klang der Stimme, der sofort unbewusst einen ersten Eindruck auf andere erzeugt, wird zwar oft diskutiert und analysiert, doch genau definierbar ist er nicht. Die Stimme kann brüllen, schreien, flüstern, krächzen, brummen. Sie kann monoton und flach klingen oder mit Resonanz und Volumen schwingen. Ihr Klang ist also weit mehr als ein Zusammenwirken von Lippen, Zunge und Kehlkopf.
In der folgenden Hausarbeit möchte ich zu versuchen, einen Überblick über den Ursprung der Stimme zu geben und welchen Eindruck eine bestimmte Stimmlage auf den Gesprächspartner in einer Interaktion machen kann. Außerdem möchte ich auf die Wichtigkeit einer guten Stimme in wichtigen Redesituationen eingehen. Doch leider schätzen viele Menschen ihre Stimme und deren Wert zu wenig und zerstören sie unbewusst oder gar bewusst. Aus diesem Grund möchte ich außerdem auf Faktoren eingehen, die einen negativen Einfluss auf die stimmgebenden Organe und die Stimme selbst haben.
1 Romberg, Johanna „Die Stimme, Instrument unserer Seele“, in: GEO, Nr. 12 (1998), S. 49.
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2. Die Anatomie der Stimme
Bevor ich auf die Bedeutung der menschlichen Stimme eingehen möchte, ist ein kurzer Exkurs in die Anatomie und Entstehung der Stimme nötig. Die Stimme entsteht durch das Zusammenwirken der beiden Stimmlippen im Kehlkopf. Der Kehlkopf befindet sich am oberen Ende der Luftröhre und hat zum Ersten die Funktion, dass er die unteren Luftwege vor Fremdkörpern schützt und ist außerdem maßgeblich an der Stimmgebung beteiligt. 2 Die im Kehlkopf befindlichen Stimmlippen können die Luftröhre bis auf einen kleinen Spalt schließen, der als Stimmritze bezeichnet wird. Bei der Atmung werden die Stimmlippen weit geöffnet, damit die Luft ein- und ausströmen kann. Bevor eine Stimmerzeugung möglich ist, „muss zunächst eingeatmet werden“ 3 . Für die Stimmerzeugung selbst wird dann schließlich die Stimmritze geschlossen. Dabei versetzt die ausströmende Ausatemluft die Stimmlippen in Schwingung, sodass der sogenannte Kehlkopfklang entsteht, der in den Ansatzräumen oberhalb der Stimmlippen verändert und geformt wird. 4 Die Stimmlippen schwingen dabei etwa 100-1000 mal pro Sekunde gegeneinander. 5
Die eigentliche Lautbildung geschieht durch die Bewegungen der Zunge und des Mundes. Hierbei sind vor allem die Ansatzräume, die umliegende Muskulatur und die Knochen als sogenannte Resonatoren maßgeblich am individuellen Klang der Stimme beteiligt. 6 Unser Körper dient dabei als Verstärker der entstehenden Schwingungen und je „besser ein Ton verstärkt wird, desto lauter und fülliger hört er sich an“ 7 . Die gesamte Klangerzeugung wird dabei durch die Nasenhöhle, den Nasenrachen, den Mundrachen, den Kehlkopf, die Luftröhre und mehr als 100 Muskeln, wie Zwerchfell und Zwischenrippenmuskulatur, erzeugt. Dies verdeutlicht, dass ein enorm komplexer organischer Aufbau hinter dem Kunstwerk Stimme steht, der in der Natur wohl einmalig ist.
2 Vgl. Vocalis Projekt, Die Stimme. Anatomie und Physiologie, in: http://www.vocalis-
projekt.de/html/stimme/anatomie.htm (letzter Zugriff: 29.04.2010).
3 Ebd.
4 Vgl. Ebd.
5 Vgl. Romberg 1998, S. 54.
6 Vgl. Vocalis Projekt.
7 Vocalis Projekt.
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3. Die Bedeutung der Stimme in der Interaktion
Bei Betrachtung der menschlichen Stimme ist es fast schon unheimlich, was ein einzelner Mensch mit ein paar Tönen auszulösen vermag. Die Stimme ist viel aussagekräftiger, als das, was durch Worte ausgesprochen wird. Manchmal gar „läßt der Klang einer Stimme den Inhalt des Gesagten völlig vergessen“ 8 .
Doch kann man sogar soweit gehen, dass die Stimme eines jeden Menschen als Ausdruck der individuellen Persönlichkeit gesehen werden kann? Wenn nur der Begriff „Person“ definiert wird, ist diese Möglichkeit durchaus denkbar, denn der lateinische Begriff „personare“ bedeutet „durchklingen“. 9 Kann man also durch den Klang der Stimme auf die Persönlichkeit schließen? Der Gesamtklang ist dabei nicht nur Produkt der Stimmlippenvibration, sondern es ist ein „Gesamtkunstwerk, an dem fast der gesamte Körper beteiligt ist“ 10 . Somit ist das Zusammenspiel von Rachen- und Mundhöhle, der Muskeln des Brust- und Bauchraumes, des Kehlkopfes und des Artikulationsapparates 11 entscheidend für Tonhöhe, Lautstärke und Klangfarbe verantwortlich. Aus diesem Grund kann man nicht sagen, dass die Stimme die Persönlichkeit widerspiegelt, denn bei der Stimmgebung gibt es viele beeinflussende Faktoren. So wirken auch Grundtemperament, Gefühle und Stimmungen oder die Biographie maßgeblich auf die Stimme ein. 12
Eine noch größere Bedeutung bei der Analyse der Stimme kommt dem menschlichem Ohr zu, dem „phantastischste[m] Schallanalyse-Computer überhaupt“ 13 . Das Ohr ermöglicht es uns, sofort Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter, Herkunft oder andere spezifische Merkmale zu ziehen und diese auch wiederzuerkennen. 14 Trotzdem gibt es in der menschlichen Interaktion charakteristische Merkmale, die bei verschiedenen Zuhörern eine eindeutige Wirkung hervorrufen. So vermittelt zum Beispiel eine tiefe Stimme Autorität und Kompetenz, während eine behauchte Stimme eher sinnlich, erotisch oder sogar sexy wirkt. 15
Doch wer jetzt versucht, seine Stimme so zu beeinflussen, dass sie entweder besonders verführerisch oder autoritär klingt, wird kläglich scheitern, denn eine künstlich verän-
8 Romberg1998, S. 50.
9 Vgl. Ebd., S. 51.
10 Ebd., S. 55.
11 Vgl. Ebd.
12 Vgl. Ebd., S. 56.
13 Ebd., S. 58.
14 Vgl. Ebd.
15 Vgl. Ebd., S. 61.
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Arbeit zitieren:
Nadja Kemter, 2010, Die menschliche Stimme als Gesamtkunstwerk, München, GRIN Verlag GmbH
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