Kurzfassung 3
Kurzfassung
Gegenstand der hier vorgestellten Arbeit soll eine Hilfe zur Vermeidung von häufig beschriebenen Bauschäden im sozialen Wohnungsbau sein.
Zuerst werden einige in der Arbeit verwendete Begiffsdefinitionen erläutert. Im Anschluss sind die verschiedenen Ursachen von typischen Baumängeln beschrieben. Schon in der Entwurfsphase von Wohnbauten ist danach zu trachten, baumängelanfällige Detailbereiche in den verschiedenen Planungen besonders genau zu bearbeiten. Diese Arbeit soll auch einen kleinen Leitfaden für die fachgerechte Reparatur von häufig im Wohnhausbau entstandenen Bauschäden darstellen. Der rechtliche Aspekt im Zusammenhang mit bereits vorhandenen Bauschäden wird aus der Sicht des Verursachers und aus der Sicht des Bauherrn genauer beleuchtet. Die ergebnisorientierten Lösungsansätze für den sachgerechten Umgang mit Planenden und Ausführenden sowie mit Bauherren, Mietern und Eigentümern werden in dieser Arbeit genauer herausgearbeitet. Auch wenn bereits ein Baumangel entstanden ist, soll in zwischenmenschlich korrekter Art und Weise der entstandene Baumangel, ohne Gerichtsverfahren bestmöglich in gütlicher Form behoben werden. Zum Schluss der Arbeit sind vom Verfasser einige Hinweise und Schlussfolgerungen angeführt, die dazu dienen sollen, Baumängel erst gar nicht entstehen zu lassen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde im Text auf die geschlechtergerechte sprachliche Gleichstellung verzichtet. In den Fällen, wo diese angebracht wäre, bittet der Au- tor zu berücksichtigen, dass jeweils beide Geschlechter gemeint sind.
Inhaltsverzeichnis 4
Inhaltsverzeichnis
Diplomaufgabenstellung 2
Kurzfassung 3
Inhaltsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis. 7
Abk ürzungsverzeichnis. 8
1 Ziele. 9
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel. 10
2.1 Begriffsdefinitionen bei Baumängeln 11
2.1.1 Was ist ein Baumangel 2 ? 13
2.1.2 Was ist ein Bauschaden 2 ? 13
2.1.3 Was ist ein unwesentlicher (hinnehmbarer) Baumangel 3 ? 13
2.1.4 Was ist ein wesentlicher Baumangel 3 ? 14
2.1.5 Was ist ein behebbarer Baumangel? 15
2.1.6 Was ist ein unbehebbarer Baumangel? 15
2.1.7 Was ist ein versteckter Baumangel 2 ? 16
2.1.8 Was ist ein Folgeschaden 6 ? 16
2.1.9 Was ist ein Werkvertrag 6 ? 16
2.1.10 Was ist Gefahr im Verzug? 16
2.2 Baumängel durch planliche Fehler 17
2.2.1 Mangelhafte Detailplanung. 17
2.2.1.1 Fehlerhafter Brüstungswandanschluss an eine Wohnraumaußenwand 17
2.2.1.2 Nicht ausreichender Hochzug bei einem Pultdach. 18
2.2.1.3 Architekturlichte bei Eingangstür zu gering bemessen. 21
2.2.2 Mangelhafte Planweiterleitung von Fachplanern und Projektanten 24
2.2.3 Mangelhafte Abschätzung von Fußbodenaufbauhöhen bei der Planung. 25
2.3 Baumängel durch fehlerhafte Ausführung 27
2.3.1 Estrichaufschüsselung. 27
2.3.1.1 Ursachen 28
2.3.1.2 Sanierung 30
2.3.1.3 Vermeidung 30
2.3.2 Putzrisse. 30
2.3.2.1 Ursachen 31
2.3.2.2 Sanierung 31
2.3.2.3 Vermeidung 32
2.3.3 Setzungen von Traufenplatten 32
2.3.3.1 Ursachen 32
2.3.3.2 Sanierung 33
Inhaltsverzeichnis 5
2.3.3.3 Vermeidung 34
2.4 Baumängel durch schlechte Bauüberwachung 34
2.4.1 Schlechte Ausbildung des Führungspersonals 34
2.4.2 Unregelmäßiger Baustellenbesuch 35
2.4.3 Ungenaue Besichtigung der bereits fertiggestellten Bauleistungen 35
2.4.4 Fehlerhafte Koordination der einzelnen ausführenden Firmen 36
2.5 Baumängel infolge zu schneller Bauleistung. 37
2.5.1 Schimmelbildung durch feuchtes Mauerwerk oder zu feuchten Putz. 37
2.5.2 Schlechte Materialhaftung durch zu schnellen Einbau. 39
2.5.3 Bodenbelagsmangel durch zu wenig Estrichaustrocknungszeit. 39
2.5.4 Beschädigungen von Innentüren durch zu frühes Versetzen. 41
2.6 Baumängel, hervorgerufen durch Kostendruck 41
2.6.1 Einbau von qualitativ schlechteren Baumaterialien 41
2.6.2 Leistungserbringung durch fachlich schlecht qualifizierte Arbeitskräfte 42
2.7 Baumängel, hervorgerufen durch schlechte Lagerung der
Baumaterialien. 44
2.7.1 Auswirkungen von schlechter Lagerung von Dämmstoffen 44
2.7.2 Auswirkungen von schlechter Lagerung von Fertigparkettböden. 46
2.7.3 Auswirkungen von schlechter Lagerung von Sanitärgegenständen und
Armaturen. 46
3 Rechtliche Handhabung von Baumängeln. 48
3.1 Vergleich zwischen in Deutschland und in Österreich geltendem
Baurecht 48
3.1.1 Baurecht in Deutschland 48
3.1.2 Baurecht in Österreich. 52
3.1.2.1 Bestimmungen zu Baumängeln in der ÖNORM B 2110 55
3.1.2.2 Bestimmungen in der ÖNORM A 2050, welche Auswirkungen bei
Baum ängeln haben 62
3.2 Rechtliche Auswirkung von Baumängeln für die Mieter, Mietkäufer oder
Eigent ümer 64
3.2.1 Rechtliche Auswirkung von Baumängeln für Mieter und Mietkäufer 64
3.2.2 Rechtliche Auswirkung von Baumängeln für Eigentümer. 66
3.3 Rechtliche Auswirkung von Baumängeln für den Errichter des
Wohnungsbaues. 67
3.3.1 Rechtliche Auswirkung von Baumängeln für den Planer. 69
3.3.2 Rechtliche Auswirkung von Baumängeln für den Ausführenden. 70
4 Ergebnisorientierte Lösungsansätze für den sachgerechten
Umgang mit Planenden und Ausführenden 71
4.1 Fallbeispiele für den Planenden 72
4.1.1 Planungsmangel bei einem Französischem Fenster. 72
4.1.2 Planungsmangel bei einem Stiegenhausgeländer 74
4.2 Fallbeispiele für den Ausführenden 77
4.2.1 Baumangel auf einer Terrasse, verursacht von einem Ausführenden 77
4.2.2 Versorgungszuleitung von Ausführendem nicht ausgeführt 80
Inhaltsverzeichnis 6
5 Ergebnisorientierte Lösungsansätze für den sachgerechten
Umgang mit Bauherren und Mietern/Eigentümern. 83
5.1 Fallbeispiele für Bauherren. 84
5.1.1 Wasserbelastung auf dem Baugrund eines Bauherrn. 84
5.1.2 Vom Bauherrn zu nahe zusammengebaute Garagenblöcke. 85
5.2 Fallbeispiele für Mieter/Eigentümer 88
5.2.1 Beschädigung eines Sonderwunsches eines Mieters 88
5.2.2 Unsachgemäßer Einbau einer Innenfensterbank bei einem Eigentümer 90
6 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 93
6.1 Exakte Beschreibung der Leistung schon beim Werkvertrag. 93
6.2 Lösungsorientiertes Verhalten aller Beteiligten bei entstandenen
Baum ängeln 93
6.3 Höherer Qualitätsstandard durch Motivation der Mitarbeiter. 94
6.4 Mehrere und genauere Zwischenkontrollen der beauftragten
Bauleistungen. 95
6.5 Zusammenarbeit untereinander mehr fördern. 96
6.6 Eigeninitiative der Baubeteiligten mehr fördern. 96
6.7 Mängelbesichtigungen sollten nur von sehr erfahrenen Technikern
durchgef ührt werden. 97
6.8 Auskömmliche Zeiträume für Bauleistungen einplanen 98
6.9 Mehr Ehrlichkeit bei selbst verursachten Schäden. 99
Literaturverzeichnis 100
Anlagenverzeichnis 101
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Anteile der Bauteilgruppen mit Schäden (Quelle: Deutsches
Ingenieurblatt 11/2001)
Abbildung 2: Schadensursachen (Quelle: Deutsches Ingenieurblatt 11/2001)
Abbildung 3: Mindestbetondeckung nach DIN 1045-1:2001-07
Abbildung 4: unwesentlicher Baumangel.
Abbildung 5: wesentlicher Baumangel.
Abbildung 6: Grundriss Brüstungswandanschluss an einer Wohnraumaußenwand
Abbildung 7: Ausschnitt aus der Einreichplanung des Reihenhauses.
Abbildung 8: nicht ausreichender bzw. fehlender Hochzug bei einem bekiesten
Kautschukfoliendach.
Abbildung 9: Detailplanung mit korrekt ausgeführtem Hochzug (Schnitt B-B)
Abbildung 10: Detailausführung Schnitt B-B nach der Sanierung des
Planungsmangels
Abbildung 11: Detailskizze einer Stahltür mit Vollwärmeschutzanschluss
Abbildung 12: Vollwärmeschutzmangel im oberen Leibungsbereich.
Abbildung 13: Vollwärmeschutzmangel im Leibungssockelbereich.
Abbildung 14: Baumangel bei zu geringer Estrichüberdeckung bei schwimmendem
Estrich
Abbildung 15: Formen von Estrichaufschüsselungen
Abbildung 16: Schwimmender Estrich mit und ohne Fußbodenheizung.
Abbildung 17: Fugenbildung zwischen Fußbodenbelag und Sockelleiste
Abbildung 18: Baumangel Putzrisse im Anschlussbereich an Wand und Decke.
Abbildung 19: Baumangel Setzungen von Traufenplatten.
Abbildung 20: Hinterfüllungsbereich mit Unrat verunreinigt
Abbildung 21: Schimmelbildung im Wandinnenbereich
Abbildung 22: Tabelle mit Feuchtigkeitskennwerten bei Bodenbelägen 10
Abbildung 23: Abbildungen Rohrdurchführungssystem Polo-RDS evolution.
Abbildung 24: Mangelhafte Ausführung einer Elektrorohrdurchführung
Abbildung 25: Mangelhafte Lagerung von Dämmmaterialien
Abbildung 26: VOB Teil B, DIN 1961: 10/2006
Abbildung 27: Balkonstirnwandkonstruktion
Abbildung 28: Rissbreitenmesser
Abbildung 29: Französisches Fenster mit guter Reinigungsmöglichkeit.
Abbildung 30: Vom Planer geplante Variante des Stiegengeländers
Abbildung 31: Lösungsvariante mit ausreichender Stiegenlaufdurchgangslichte
Abbildung 32: Baumangel in einer darüberliegenden Terrasse
Abbildung 33: Leitungsführung für nachträglich hergestellten elektrischen
Herdanschluss in einer Eigentumswohnung
Abkürzungsverzeichnis 8
Abkürzungsverzeichnis
DIN Deutsche Industrienorm BGB Bürgerliches Gesetzbuch VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen B-VG Bundes-Verfassungsgesetz Oö. oberösterreichisch LGBL. Nr. Landesgesetzblatt Nummer ca. circa Abs. Absatz Art. Artikel B-VG Bundesvergabegesetz z. B. zum Beispiel usw. und so weiter bzw. beziehungsweise u. dgl. und dergleichen EPDM Ethylen-Propylen-Diene-Monomer PAE Polyäthylen CM Calziumcarbid-Methode AN Auftragnehmer AG Auftraggeber
1 Ziele 9
1 Ziele
Ziel dieser Arbeit ist es, die am Fachbereich Bauwesen an der Fachhochschule Leipzig und in der täglichen Praxis gewonnenen baulichen Mängelerkenntnisse in anschaulicher Form dem Leser dieser Diplomarbeit näherzubringen. Dies soll ein Beitrag zur bestmöglichen Vermeidung von typischen Baumängeln im Wohnungsbau für alle am Bau Beteiligten sein. Je mehr Mieter, Mietkäufer und Eigentümer sich an einen lö-sungsorientierten und respektvollen Umgang mit den Bauträgern oder Wohnungsgenossenschaften halten, desto mehr an Ärger, Streit, Enttäuschung und Konflikten bis hin zum Gerichtsverfahren kann eingespart werden. Da eine massive Verringerung von typischen Baumängeln auch volkswirtschaftlich sehr gut wäre, ist es von großer Bedeutung für die Zukunft des Bauens, dass sich möglichst viele Beteiligte am Bau viel lösungsorientierter und kooperativer bei der Baumängelsanierung verhalten. Besonders wichtig ist es für den Verfasser, dem von Mängeln Betroffenen einen kleinen Leitfaden für die erfolgreiche Durchsetzung seiner Sanierungswünsche gegenüber Bauträgern und Wohnungsgenossenschaften zu geben. Das Ziel jedes Bewohners einer Wohnung ist es, einen entdeckten Baumangel so schnell wie möglich und mit so wenig persönlichem Aufwand beseitigen zu können. In dieser Arbeit gibt der Verfasser einige Tipps, wie es Mängelgeschädigte ohne aufwendige Gutachter- und Gerichtsverfahren bewältigen können, mit Bauträgern, Sachverständigen, ausführenden Firmen und Wohnungsgenossenschaften eine gütliche Einigung bei der Sanierung des Bauman- gels zu finden.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 10
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel
Die häufigste Ursache aller Baumängel ist die fehlerhafte Ausführung von Bauteilen. [1] (Seite 15)
Mängel und Schäden am Bau schlagen sich nicht nur privat, sondern auch volkswirtschaftlich zu Buche. Die Deutsche Bundesregierung erarbeitet Bauschadensberichte, aus denen hervorgeht, welche Bauteilgruppen am meisten von Schäden betroffen (Abbildung 1) und wo die Ursachen für Baumängel zu suchen sind (Abbildung 2). Demnach gelten jene Bauteile als besonders schadensanfällig, die das Gebäude vor Witterungseinflüssen schützen, und zu diesen gehören in besonderem Maße Außenwände und Dächer.
Abbildung 1: Anteile der Bauteilgruppen mit Schäden (Quelle: Deutsches Ingenieurblatt 11/2001)
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 11
Abbildung 2: Schadensursachen (Quelle: Deutsches Ingenieurblatt 11/2001)
Diese Bauteile sind auch den größeren Belastungen ausgesetzt und sollten deshalb mängelfrei hergestellt werden.
[1] (Seite 16)
80 % der Bauschäden sind auf bauphysikalische Ursachen zurückzuführen. Deshalb haben bauphysikalische Nachweise zur Einhaltung der Forderungen des Wärme-, Feuchte-, Schall- und Brandschutzes besondere Bedeutung.
2.1 Begriffsdefinitionen bei Baumängeln
Grundsätzlich muss man anmerken, dass nicht jeder Baumangel auch immer zu einem Schaden führt. [1] (Seite 16)
Besonders bei Betonüberdeckungen von konstruktiven Betonteilen kann das der Fall sein. In der DIN 1045 „Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton“ werden für Stahlbetonbauteile in Abhängigkeit ihres Einbaus (im Rauminneren oder im Außenbereich) und der Expositionsklasse (mögliche Bewehrungskorrosion durch Karbonatisierung, Chloride, Meerwasser bzw. Betonangriff durch Frost mit und ohne Taumittel, chemischen Angriff der Umgebung oder durch Verschleißbeanspruchung) unterschiedliche Betondeckungen zwischen 10 und 50 mm vorgeschrieben (Abbildung 3). Wenn die Mindestmaße unterschritten werden, liegt ein Baumangel vor, der aber nicht in jedem Falle zum Bau- schaden führen muss.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 12
Im anderen Fall kann ein Baumangel wie die zu geringe Betondeckung bei einer ungünstigen Expositionsklasse (Bewehrungskorrosion durch Chloride) zum Bauschaden (z. B. Zerstörung der Stahlbetonstütze) führen. Ein solcher Bauschaden kann die eigene Werkleistung des Unternehmers betreffen. Der Folgeschaden kann sowohl die eigene Werkleistung des Unternehmers, aber auch die Werkleistung eines anderen Unternehmers betreffen.
Abbildung 3: Mindestbetondeckung nach DIN 1045-1:2001-07
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 13
2.1.1 Was ist ein Baumangel [2]?
Als Baumangel bezeichnet man das Fehlen von ideellen Vereinbarungen bzw. die Nichterfüllung gemäß den Regeln der Technik vorauszusetzender Eigenschaften. Baumängel sind meist Beanstandungen, die schon während der Bauzeit oder kurz danach auftauchen. Sie sollten im Zuge der Endabnahme oder in der darauffolgenden Gewährleistungsfrist eine Erledigung finden.
2.1.2 Was ist ein Bauschaden [2]?
Ein Bauschaden ist ein Gebrechen, welches eher erst nach der Endabnahme, also in der Nutzungsphase des Bauwerks zutage tritt. Aber auch versteckte Mängel können zu späteren Bauschäden führen.
2.1.3 Was ist ein unwesentlicher (hinnehmbarer) Baumangel [3]? Ein unwesentlicher Baumangel liegt vor, wenn es dem Erwerber zuzumuten ist, die Leistung als vertragsgemäß anzunehmen und sich mit einer Nachbesserung zu begnügen.
Diese Mängel werden auch leichte Mängel genannt. Es ist aber nicht immer davon auszugehen, dass die Nachbesserung von solchen Baumängeln völlig perfekt gelingt. Aus der Praxis des Verfassers lässt sich ableiten, dass oftmals geringe Oberflächenunterschiede nach der Mängelsanierung weiterhin erkennbar bleiben. Das ist hauptsächlich bei Putzausbesserungen bemerkbar. Bei sehr glatten Putzoberflächen, welche im Wohnhausbau bevorzugt verwendet werden, ist eine Sanierung mit speziellen Spachtelmassen etwas leichter als bei Putzoberflächen, die eine rauere Oberfläche aufweisen. Durch geringfügige Unterschiede in der Oberflächenstruktur des bestehenden Putzes im Anschluss an den neu ausgebesserten Putzbereich sieht man im Streiflicht nach der Sanierung des Baumangels häufig gewisse Flecken. Dieser Umstand wird bei Wand- und Deckenflächen, welche direkt von Beleuchtungskörpern mit sehr intensivem Licht angestrahlt werden, als störend empfunden. In der Abbildung 4 ist ein solcher unwesentlicher Baumangel abgebildet.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 14
Abbildung 4: unwesentlicher Baumangel
2.1.4 Was ist ein wesentlicher Baumangel [3]?
Ein wesentlicher Mangel ist dagegen anzunehmen, wenn der Aufwand für die Beseitigung eines Mangels erheblich ist. Diese Mängel werden auch schwere Mängel genannt.
In der Abbildung 5 ist ein solcher wesentlicher Baumangel abgebildet. Im Detailfoto 1 und 2 ist der wesentliche Baumangel vergrößert dargestellt.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 15
Abbildung 5: wesentlicher Baumangel
2.1.5 Was ist ein behebbarer Baumangel?
Das ist jener Baumangel, der vom Verursacher auf seine Kosten behoben werden muss.
2.1.6 Was ist ein unbehebbarer Baumangel?
Das ist jener Baumangel, der vom Verursacher nicht mehr behoben werden kann, ohne dass die gesamte Leistung neu hergestellt wird. Dem Geschädigten steht eine Entschädigung zu. Die Höhe der Entschädigung richtet sich jedoch nach der Schwere des Baumangels. Der Entschädigungsbetrag sollte zwischen Verursacher und Ge- schädigtem einvernehmlich vereinbart werden.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 16
2.1.7 Was ist ein versteckter Baumangel [2]?
Fehler verursachen in der Regel Schäden. Es gibt Konstruktionen, die fehlerhaft sind, aber erst irgendwann, oder die nie als Schaden ausarten (versteckter Mangel). Solche „beinahe Crashs“ gibt es viele, meist haben Konstruktionen mit solchen Eigenschaften eine kürzere Dauerhaftigkeit. Nach der Rechtsprechung haftet der Verursacher samt Rechtsnachfolger für versteckte Mängel 30 Jahre.
2.1.8 Was ist ein Folgeschaden [6]?
Mit Folgeschaden wird ein Schaden bezeichnet, der nicht unmittelbar aus der schädigenden Handlung resultiert, sondern sich erst aus der Rechtsgutsverletzung ergibt.
Sind bei Klageerhebung auf Schadensersatz noch nicht alle Folgeschäden absehbar, kann die Leistungsklage mit der Feststellungsklage ver-bunden werden, sodass der Beklagte auch für zukünftig auftretende Folgeschäden seiner schädigenden Handlung aufzukommen hat. Mit Leistungsklage wird eine Klage auf ein Tun oder Unterlassen bezeichnet. Mit der Leistungsklage können alle Arten materiell-rechtlicher Ansprüche begehrt werden.
Mit Feststellungsklage wird eine Klage bezeichnet, mit der die Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens eines gegenwärtigen Rechtsverhältnisses begehrt wird. In der Praxis wird die Feststellungsklage häufig neben einer Leistungsklage auf Schadensersatz zur Feststellung eines Schadensersatzanspruches auf Folgeschäden verwandt, deren Eintritt bei Klageerhebung nur absehbar ist.
2.1.9 Was ist ein Werkvertrag [6]?
Der Werkvertrag ist durch die Pflicht des Unternehmers zur Herstellung des versprochenen Werkes und die des Bestellers zur Entrichtung der vereinbarten Vergütung gekennzeichnet.
Geschuldet ist beim Werkvertrag damit nicht nur ein Tätigwerden, wie beim Dienstvertrag, sondern ein Erfolg.
2.1.10 Was ist Gefahr im Verzug?
Baumängel, welche zu einer unmittelbaren Gefährdung von Personen oder Sachwerten führen können, also keines weiteren Gefahrenmomentes bedürfen, sind in rechtli- cher Hinsicht als „Gefahr im Verzug“ zu bewerten.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 17
2.2 Baumängel durch planliche Fehler
Sehr oft sind spätere Baumängel ursächlich in einer mangelhaften oder fehlerhaften Planung begründet.
2.2.1 Mangelhafte Detailplanung
2.2.1.1 Fehlerhafter Brüstungswandanschluss an eine Wohnraumaußenwand
Die Stahlbetonbrüstung in einer Wohnanlage ist in der Ausführungsplanung direkt an die Ziegelaußenwand angeschlossen dargestellt. In der Detailplanung wird der geplante Vollwärmeschutz auf der Außenfassade nur bis zur Stahlbetonbrüstung hin dargestellt. Richtig wäre gewesen, wenn der Vollwärmeschutz durchgehend entlang der Zie-gelaußenwand eingezeichnet worden wäre. Damit wäre die gesamte Außenwand, die an einen Wohnraum grenzt, durchgehend wärmegedämmt gewesen. Durch diese mangelhafte Detailplanung kann auf die Breite der Stahlbetonbrüstung nach der baulichen Ausführung eine Wärmebrücke durch die Ziegelaußenwand entstehen. In weiterer Folge kann es wie in der Abbildung 6 dargestellt in der Innenecke des Wohnraumes zu einer Schimmelbildung kommen.
Abbildung 6: Grundriss Brüstungswandanschluss an einer Wohnraumaußenwand
Wenn es aufgrund eines Baumangels zu einem Schimmelschaden gekommen ist, so muss der Bauträger oder die Wohnungsgenossenschaft die Sanierung bezahlen. Das kann bei einigen sehr gesundheitsschädlichen Schimmelpilzarten zu sehr hohen Kosten führen. Bei Schimmelschäden in Ziegelmauern muss zum Beispiel der gesamte Bereich des befallenen Mauerwerkbereiches abgetragen werden. Bei Gipskartonständerwänden muss für einen dauerhaften Sanierungserfolg ebenfalls die gesamte befallene Gipskartonständerwand entfernt und neu hergestellt werden. Nicht erfasster Schimmelbefall kann sich bei weiterer Feuchtigkeitszufuhr sehr schnell wieder ausbrei-
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 18
ten. Bei der Sanierung eines Schimmelschadens können verschiedene Faktoren den Kostenumfang einer Sanierung erheblich beeinflussen.
Faktoren für Kostenumfang bei Schimmelschaden:
x Größe des Schimmelpilzbefalles x Schimmelpilzart x Es liegt „Gefahr im Verzug“ vor x Es müssen die Bewohner während der Sanierung ausziehen x Es sind befallene Bauteile gänzlich zu entfernen x Es müssen bei der Sanierung auch andere Bauteile ergänzt oder erneuert werden x Zeitraum für die Sanierung
2.2.1.2 Nicht ausreichender Hochzug bei einem Pultdach
Bei der Neuerrichtung einer Reihenhausanlage wurde in der Einreichplanung ein Pultdach mit einer Kautschukfolieneindeckung geplant. Zum Schutz der Folie und als Auflast gegen den Windsog wurde das Pultdach, wie in der Abbildung 7 dargestellt, mit einer 5 cm starken Kiesschüttung ausgeführt.
Im Firstbereich des Pultdaches schließt ein aufgehendes Mauerwerk mit einem integrierten Lichtband zur Belichtung des Stiegenhauses direkt an das Foliendach an. Die Reihenhäuser befinden sich in keiner sehr schneereichen Gegend. Aus diesem Grund müssten die Blechhochzüge im Anschlussbereich an das aufgehende Mauerwerk nicht unbedingt höher als mind. 15 cm ausgeführt werden.
Während der Bauzeit der Reihenhäuser wurden vom Bauträger die Detailanschlüsse teilweise nur mündlich bzw. anhand grober Schemaskizzen dem Spengler bzw. Schwarzdecker mitgeteilt. Wie in der Abbildung 8 ersichtlich, wurde aufgrund der fehlenden bzw. fehlerhaften Detailplanung der Wandhochzug aus Blech in einem Bereich nicht ausgeführt.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 19
Abbildung 7: Ausschnitt aus der Einreichplanung des Reihenhauses
Durch das Fehlen des Blechhochzuges im Anschluss an das gedämmte und verputzte aufgehende Mauerwerk des Lichtbandes kann es sehr schnell zu schweren Baumängeln kommen. Durch die dauerhafte Durchfeuchtung des Reibputzes infolge von Schnee und Regen kommt es schnell zu einer Zerstörung des Putzes und des Vollwärmeschutzes. In weiterer Folge zeigt sich Feuchtigkeitseintritt in das Mauerwerk und dieser Feuchtigkeitseintritt kann zu einer Schimmelbildung im Inneren des Gebäudes führen.
Abbildung 8: nicht ausreichender bzw. fehlender Hochzug bei einem bekiesten Kautschukfoliendach
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 20
In diesem Reihenhaus kam es zu einem massiven Feuchtigkeitsschaden mit nachfolgender Schimmelbildung im Inneren des Gebäudes.
Grundsätzlich muss bei jedem Foliendach ein mindestens 15 cm hoher Hochzug ausgeführt werden. Bei diesem Reihenhaus wurde dieser, wie in der Abbildung 9 ersichtlich, nach der Sanierung des Baumangels 25 cm hoch ausgeführt. Damit beugt man zukünftig einer dauerhaften Durchfeuchtung des Reibputzes und des Vollwärmeschutzes im Wandbereich vor. Die 25 cm sind gemessen von der wasserführenden Ebene der Kautschukfolie bis zur Oberkante des Blechhochzuges. In schneereichen Gegenden sollte der Hochzug noch höher ausgeführt werden. Auch auf nordseitig gelegenen Flachdächern ist es sinnvoll, die Wandhochzüge höher auszuführen, da dort der Schnee länger liegen bleibt.
Abbildung 9: Detailplanung mit korrekt ausgeführtem Hochzug (Schnitt B-B)
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 21
Abbildung 10: Detailausführung Schnitt B-B nach der Sanierung des Planungsmangels
In der Abbildung 10 ist der sanierte Hochzugsbereich, wie in der korrigierten Detailplanung in der Abbildung 9 dargestellt, einschließlich eines neuen schmäleren Fenster-bands ersichtlich.
2.2.1.3 Architekturlichte bei Eingangstür zu gering bemessen
In der Detailplanung eines Wohngebäudes wurde bei einem Nebeneingang im Keller eine einfache, beschichtete Stahltür mit einer Drahtglasfüllung eingeplant. In der Detailplanung wurde das in der Abbildung 11 dargestellte Maß „x“ zu gering geplant. Der Vollwärmeschutz in der Türleibung sollte nicht unter 3 cm ausgeführt werden, um einer Wärmebrücke im Leibungsbereich vorzubeugen. Die Öffnungsrichtung der Stahltür ist nach außen. In diesem Fall sollte in der Detailplanung ein Hinweis enthalten sein, dass bei der Stahltür ein Oberkopftürschließer mit Öffnungsbegrenzer oder ein Türstopper vorgesehen werden sollte. In den üblichen Detailplanunterlagen im Wohnhausbau fehlt diese Zusatzinformation bei nach außen öffnenden Türen oft.
2 Zusammenstellung und Ursachenfindung typischer Baumängel 22
Abbildung 11: Detailskizze einer Stahltür mit Vollwärmeschutzanschluss
Wird das Stockprofil der Stahltüre von der Dimensionsbreite größer geplant, so kann zwischen Vollwärmeschutz und Türrahmenprofil im 90 Grad geöffneten Zustand der Stahltür, das Maß „x“ vergrößert werden. Damit kann man die Tür auch etwas mehr als 90 Grad öffnen und es besteht nicht die Gefahr, dass bei einem geringen Defekt des Öffnungsbegrenzers des Oberkopftürschließers sofort der Eckbereich des Vollwärmeschutzes beim Öffnen der Stahltür beschädigt wird. Solche Putz- und Vollwärmeschutzbeschädigungen, wie in der Abbildung 12 und Abbildung 13 dargestellt, können bei Vollwärmeschutzfassaden sehr schwer und kostspielig ausgebessert werden.
Arbeit zitieren:
Ing. DI (FH) Thomas Rendl, 2009, Untersuchungen zum ergebnisorientierten Umgang mit typischen Baumängeln im Wohnungsbau, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen: Untersuchungen zum ergebnisorientierten Umgang mit typischen Baumängeln im Wohnungsbau ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ingenieurwissenschaften - Bauingenieurwesen: neuer Titel erschienen: Untersuchungen zum ergebnisorientierten Umgang mit typischen Baumängeln im Wohnungsbau
Thomas Rendl hat einen neuen Text hochgeladen
A Ambuhl
Logische Untersuchungen: Zweiter Band: Untersuchungen Zur PH Nomenolog...
Edmund Husserl, U. Panzer
Untersuchung vorhandener Heizflächen wie Radiatoren, Konvektoren und P...
Armin D. Rogall, Manuel Pampuch, Daniel Horn
Senecas Tragodien: Sprachliche Und Stilistische Untersuchungen: Mit An...
Margarethe Billerbeck, M. Billerbeck
A Zimmermann
0 Kommentare