Inhalt:
Einleitung 3
1. ADHS Entwicklungsauffälligkeit im Vorschul und Schulalter 4
2. Die Forschungen des Neurobiologen Gerald Hüther im Bereich ADHS 5
2.1 Die Frage nach der Funktion des dopminergen Systems bei ADHS Patienten 5
2.2 Neue Erkenntnisse der Hirnplastizität 6
2.3 Wirkung von Amphetaminen im dopaminergen System 7
2.4 Dopaminüberschuss im Gehirn von ADHS Patienten 9
3. Die Sinn Stiftung und das via nova Pilotprojekt 2009 10
3.1 Die Sinn Stiftung 10
3.2 Das Almprojekt 10
3.3 Die Zeit auf der Alm 11
3.4 Die Zeit nach der Alm 12
4. Fazit. 13
5. Literatur 14
Internetliteratur 14
Filmmaterial 14
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Einleitung
Das Seminar „Entwicklungsauffälligkeiten im Schulalter“ beschäftigt sich unter anderem mit der Thematik ADHS. Diese Entwicklungsauffälligkeit in ihren verschiedenen Ausprägungen ist über die Häufigkeit ihres Auftretens im Schulalltag Thema für jeden Lehrer. Der Umgang mit der Verhaltensauffälligkeit aus Sicht des Lehrers und die Möglichkeiten der Diagnose und Therapie für die betroffenen Kinder und ihre Eltern sind Auslöser für meine Überlegungen. Besonders der sprunghafte Anstieg seit 1990 auf das dreißigfache der Methylphenidatverordnungen in Deutschland (BfArM) ist erschreckend und die Möglichkeit alltagstauglicher Alternativen scheint hilfreich. Der richtige Umgang mit der so weit verbreiteten Entwicklungsstörung hat direkte Auswirkungen auf den Unterricht und beeinflusst somit das Handeln der Lehrenden und in Folge auch der Schüler und Schülerinnen.
Im März diesen Jahres verfolgte ich mit großem Interesse die Sendung „Wo die starken Kerle wohnen“ im Rahmen der ZDF-Reihe 37°, die das von dem Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther und der Sinn Stiftung initiierte und begleitete „via nova“ Almprojekt vom Sommer 2009 aufzeigt. Hüther vertritt eine ADHS Therapie, die sich auf seine neurobiologischen Forschungen stützt und den Einsatz von Methylphenidat (Ritalin®) zur Verbesserung der Situation der ADHS Kinder für den falschen Ansatz hält. In der folgenden Semesterarbeit werde ich die neurobiologischen Forschungen von Prof. Dr. Hüther bezüglich der These des Dopaminüberschusses im Gehirn der ADS- und ADHS-Patienten, die Sinn Stiftung und das von ihm initiierte via nova Almprojekt vorstellen. Dieses Projekt soll den betroffenen Kindern die Möglichkeit eröffnen, über den Aufenthalt auf einer Bergalm in Südtirol Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen, neue Verknüpfungen im Frontalkortex herzustellen und somit Vernetzungen für eine gesteuerte, ungestörte Informationsverarbeitung zu schaffen. Die Begriffe ADS und ADHS werden im Folgenden synonym verwendet.
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1. ADHS - Entwicklungsauffälligkeit im Vorschul- und Schulalter Die Verhaltensauffälligkeit ADHS bei Kindern in Vorschul- und Schulalter wird in der Handreichung von Imhof/Skrodzki/Urzinger in drei Untergruppen eingeteilt. AD(H)S zeigt sich in dem vorwiegend unaufmerksamen Typ, der vor allem die Aufmerksamkeitsstörung zeigt und nur geringe Impulsivität und/oder Hyperaktivität aufweist; dem vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ, der die Merkmale der Hyperaktivität stark zeigt und geringere Aufmerksamkeitsstörungen aufweist, und dem kombinierten Typ, der sowohl die Kriterien von Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität/Impulsivität gleichermaßen ausprägt. (vgl. Imhof/Skrodzki/Urzinger S. 15)
Bei Imhof/Skrodzki/Urzinger 2010 wird ADS und ADHS nach derzeitigem Wissensstand als nicht heilbar eingestuft. Die Störungen verändern sich in Erscheinungsbild und Ausprägung im Laufe der kindlichen Entwicklung. Schule und Umfeld können die Entwicklungen positiv beeinflussen indem sie Hilfen zur Lebensorganisation bieten und die veranlagten Fähigkeiten und Begabungen fördern. (vgl. Imhof/Skrodzki/Urzinger S. 19)
Imhof/Skrodzki/Urzinger empfehlen die Therapie der Aufmerksamkeit, bei der den ADHS -Patienten zeitgleich oder zeitversetzt individuelle Hilfe durch ein multimodales Therapiekonzept auf pädagogischer, psychologischer und medizinischer Ebene gegeben werden soll. An erster Stelle der therapeutischen Ansätze sollen Aufklärung und Beratung über das Krankheitsbild, seine Ursachen und Auswirkungen stehen. (vgl. Imhof/Skrodzki/Urzinger S. 86)
In der Medizinischen Therapie ist bereits seit 1937 durch Charles Bradley die hilfreiche Wirkung des Amphetaminpräparates Benzedrin® bei aufmerksamkeitsgestörten und hyperkinetischen Kindern bekannt. Seit 1957 werden Kinder mit dem Amphetaminpräparat Methylphenidat (Ritalin®) behandelt. Methylphenidat wirkt als Wiederaufnahme-Hemmer von Dopamin. Es bedingt eine verlangsamte Aufnahme des Dopamins aus dem synaptischen Spalt zurück in die Nervenzelle. Dadurch entsteht im synaptischen Spalt eine höhere Dopaminkonzentration die wiederum die nachgeordneten Nervenbahnen stärker und schneller reizt. (vgl. Imhof/Skrodzki/Urzinger S. 88) Die Informationsverarbeitungsprozesse sind nach Aust-Claus bei Kindern mit ADS durch Probleme in der Selektion eingehender Sinnesreize und der erforderlichen Neuromodulation gestört, was letztlich zu einer Überlastung des Arbeitsspeichers führen kann und die Mustererkennung und den Erinnerungsabgleich im Langzeitspeicher des Gedächtnisses der Kinder verhindert. Die Folge davon sind impulsive statt zielgerichteter Handlungen. (vgl. Aust-Claus, S. 104, 110)
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2. Die Forschungen des Neurobiologen Gerald Hüther im Bereich ADHS
2.1 Die Frage nach der Funktion des dopminergen Systems bei ADHS Patienten
Neue Erkenntnisse verlangen laut Gerald Hüther ein kritisches Hinterfragen alter Theoriekonstrukte der ADHS Ursachenforschung.
Derzeit wird die Ursache von ADHS wird auf einen Dopaminmangel als Auslöser für die Entwicklungsstörung bei Kindern und Jugendlichen zurückgeführt. Diese Annahme beruht auf einer Beobachtung, bei der die Gabe von dopaminfreisetzenden Substanzen an hyperkinetische und aufmerksamkeitsgestörte Kinder eine Verringerung der Symptomatik herbeiführte. Aus dieser pharmakologisch stimulierten Dopaminfreisetzung ist der Rückschluss auf eine unzureichende Aktivität des dopaminergen Systems gezogen worden. Die Nebenwirkungen wie die antriebssteigernden Eigenschaften und die Herabsetzung der Impulskontrolle bei der Amphetamingabe wurde damals wie heute nicht berücksichtigt. Die Hypothese des Dopamindefizits stützt sich alleinig auf die damalige Beobachtung und die Behebung der Symptomatik bei ADHS. Neue ADHS-Forschungen mit Einsatz der neuen bildgebenden Diagnoseverfahren wie f-NMR, PET, SPECT, MRT, CT u.v.m. können diese These nicht bestätigen. Einzelne Veränderungen in den untersuchten Parametern zeigen nur sehr indirekte Hinweise auf eine veränderte Aktivität des dopaminergen Systems von ADHS-Patienten auf. (Hüther/Bonney S. 54, 55, 57) In vielen weltweit erschienenen wissenschaftlichen Publikationen über ADHS wurde eine Vielzahl von Gehirnveränderungen bei erkrankten Schulkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen niedergelegt. Sowohl Veränderungen in Gehirnfunktion (Tests) als auch Veränderungen der Arbeitsweise des Gehirns und die chemische Zusammensetzung des Rückenmarks wurden untersucht. Die Untersuchungen wurden vorwiegend an Personen in der Altersgruppe vom Schulalter bis ins Erwachsenenalter durchgeführt. Die Ausgangslage zu Beginn der ADHS wurde bisher kaum untersucht. Diese spät festgestellten Veränderungen der Gehirnaktivität der ADHS Erkrankten müssen nicht schon zu Beginn der Störung im Kleinkind- oder Kindergartenalter vorhanden sein, sondern können Produkt der jahrelangen Beeinflussung durch die Verhaltensstörung sein. Die von den ADHS-Patienten für die Informationsweiterleitung beanspruchten Verbindungen im Gehirn können eine sekundäre Folge der primären Störung sein. Durch die unklare Ausgangsposition zu Beginn von ADHS kann die Bewertung von Folgen und Ursachen nicht klar abgegrenzt werden.
Die neuen bildgebenden diagnostischen Verfahren können eine verminderte oder erhöhte Dopaminfreisetzung im Gehirn dieser Kinder nicht nachweisen. Auch neue molekularbiologische Techniken lassen keine ausschließlich bei ADHS-Patienten vorkommende Störungen oder spezifische Defekte in den genetischen Anlagen erkennen.
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Arbeit zitieren:
Kerstin Beiler-Raabe, 2010, ADHS aus neurobiologischer Sicht am Beispiel des „Almprojekts“ von Prof. Gerald Hüther , München, GRIN Verlag GmbH
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