Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGS -/ TABELLENVERZEICHNIS II
1 EINLEITUNG 1
1.1 Überblick 1
1.2 Problemstellung 1
1.3 Aufbau der Arbeit 2
2 RAHMENBEDINGUNGEN VON ISLAMIC BANKING 3
2.1 Definition 3
2.2 Entstehungsgeschichte 4
2.3 Ethische und rechtliche Grundlagen 6
2.3.1 Das islamische Wirtschaftssystem 6
2.3.2 Das Zinsverbot rib 7
2.3.3 Das Spekulationsverbot arr
11
2.3.4 Das Glücksspielverbot maysir/qimr, 12
2.3.5 Die Vermögenssteuer zak 12
2.3.6 Zusammenfassung 13
3 ISLAMKONFORME FINANZIERUNGS- UND INVESTITIONSTECHNIKEN 14
3.1 Finanzierungstechniken 14
3.1.1 muraba 14
3.1.2 mušraka 16
3.1.3 murbaa 16
3.1.4 ira 19
3.2 Investitionstechniken 20
3.2.1 Aktienanlagen 20
3.2.2 ukk
21
4 PRAXIS DES ISLAMIC BANKING 24
4.1 Marktanalyse 24
4.2 Angewandte Instrumente 26
4.3 Kritik 27
4.4 Exkurs: Finanzkrise 28
5 AUSBLICK UND FAZIT 33
6 LITERATURVERZEICHNIS 34
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: muraba Finanzierung 15
Abbildung 2: mušraka-Finanzierung 16
Abbildung 3: murbaa Finanzierung 18
Abbildung 4: Ablauf eines ukk al-ira - Geschäfts 22
Abbildung 5: Wachstum der Islamischen Bankenindustrie 24
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Gebote und Verbote im Islamic Banking 13
Tabelle 2: Asset Composition of Selected Islamic Banks 26
Tabelle 3: Islamic Banking vs. Konventionelles Banking 31
II
1 Einleitung
1.1 Überblick
Im Frühsommer 2007 begann die US-Immobilienkrise, die nur kurze Zeit später eine weltweite Finanzkrise nach sich zog und die Welt in eine teilweise bis heute noch andauernde Wirtschaftskrise stürzte. Noch immer streiten Experten über die Ursachen und Hintergründe und wie eine solche Krise hätte verhindert können. Diskutiert werden insbesondere neue und strengere Regulierungsvorhaben, die den Finanzmarkt besser kontrollieren sollen. Dabei rückt auch immer mehr ein anderes Modell in den Vordergrund: das sogenannte Islamic Banking.
Im Gegensatz zu konventionellen Banken, scheinen die nach islamischen Regeln operierenden Banken keinen allzu großen Schaden von der Finanzkrise davongetragen zu haben. So schreibt beispielsweise die Welt dazu: „ Die Finanzkrise hat die Bankenwelt in der ganzen Welt erschüttert. In der ganzen Welt? Nicht ganz. Die islamischen Banken rühmen sich, weitgehend verschont geblieben zu sein. Und tatsächlich: Sie sind natürlich nicht immun, aber deutlich weniger stark betroffen, sagt Davide Barzilai, Experte für Islamic Banking bei der Anwaltskanzlei Norton Rose.“ 1
Könnte das Islamic Finance eine Richtschnur für ein neu zu gestaltendes Finanzsystem sein? Dies empfahl zumindest der Vatikan in der italienischen Tageszeitung Ossovatore Romano. Die ethischen Regeln des islamischen Bankwesens seinen im Stande einem gescheiterten kapitalistischen Finanzsystem Vertrauen und Liquidität zu verschaffen und könnten zur Etablierung neuer Regeln für das westliche Finanzwesen beitragen. 2
1.2 Problemstellung
Im Rahmen dieser Arbeit werden die Grundzüge des Islamic Banking erläutert und diskutiert. Ferner wird der Frage nachgegangen inwiefern Islamic Banking tatsächlich eine Alternative zum westlichen Bankensystem sein kann.
1 Stocker, F. (2009), o.S.
2 Vgl. World Bulletin, (2009), o.S.
1
1.3 Aufbau der Arbeit
Im Anschluss an diese Einleitung werden im zweiten Kapitel zunächst die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Islamic Banking vorgestellt. Kapitel drei widmet sich dann dem Kern des Islamic Banking: den Haupt-Finanzierungs/Investitionstechniken. In einem nächsten Schritt wird das Augenmerk auf die Praxis des Islamic Banking gelegt. Wie hoch ist das Potenzial tatsächlich, welche Instrumente kommen zum Einsatz und gibt es evtl. Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis? Basierend auf den bis dahin gewonnen Erkenntnissen wird ein Vergleich zwischen Islamic Banking und konventionellen Banken gezogen um damit zu beurteilen, inwiefern Islamic Banking eine Vorbildfunktion einnehmen kann. Für diese Beurteilung hilfreich ist insbesondere der Blick auf die Ursachen und Hintergründe der Finanzmarktkrise. Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab, in dem die Ergebnisse zusammengefasst und auf mögliche Chancen und Risiken hingewiesen wird.
2
2 Rahmenbedingungen von Islamic Banking
2.1 Definition
Für den Ausdruck „Islamic Banking“ gibt es bislang keine einheitliche Definition, die, so Warde, vollkommen zufriedenstellend ist. Denn zu jedem Islamic Banking- kennzeichnenden Kriterium, wie z.B., dass es sich um Finanzinstitutionen handelt, die von Muslimen betrieben werden, oder dass deren Aktivitäten sich lediglich auf die muslimische Bevölkerung konzentrieren, dass eine Islamische Bank Mitglied der International Association of Islamic Banks (IAIB) sein muss, bevor sie sich als islamisch-operierend bezeichnen darf, gibt es signifikante Ausnahmen, die es erschweren eine allgemein gültige Definition zu finden. 3
Dennoch gibt es zahlreiche Akteure innerhalb des Islamic Banking, die zumindest eine Idee von dem geben, wofür Islamic Banking im Allgemeinen steht. Eine dieser Erläuterungen findet sich bei der pakistanischen State Bank, die Islamic Banking folgendermaßen definiert:
„Islamic banking is defined as banking system which is in consonance with the spirit, ethos and value system of Islam and governed by the principles laid down by Islamic Shariah. Interest free banking is a narrow concept denoting a number of banking instruments or operations which avoid interest. Islamic banking, the more general term, is based not only to avoid interest-based transactions prohibited in Islamic Shariah but also to avoid unethical and un-social practices. In practical sense, Islamic Banking is the transformation of conventional money lending into transactions based on tangible assets and real services. The model of Islamic banking system leads towards the achievement of a system which helps achieve economic prosperity. “ 4
Entgegen der vorherrschenden Meinung ist Islamic Banking demnach nicht nur auf eine zinslose Bankwirtschaft begrenzt. Es ist ein System, das unter Beachtung islamischer Grundsätze die Aufgabe hat, ökonomischen Wohlstand herbeizuführen. Zu den islamischen Grundsätzen gehören im Allgemeinen die Vermeidung unethischer und unsozialer Praktiken, von denen der Zins lediglich eine von vielen Komponenten darstellt. In der Literatur werden - abgeleitet aus der ara - folgende Prinzipien genannt, die den Rahmen für Islamic Banking darstellen:
a) das Zinsverbot
b) die Vermeidung von Spekulationen
3 Vgl. Warde, I. (2000), S. 5.
4 Vgl. State Bank of Pakistan (o.J.), S. 4.
3
c) die Vermeidung von Aktivitäten, die mit dem Islamischen Werteverständnis im Widerspruch stehen (Waffenproduktion, Drogen, Glücksspiel, Prostitution, etc.) d) die Einführung einer islamischen Steuer (zak) 5
Auf diese Grundprinzipien wird nach einem kurzen historischen Abriss näher eingegangen.
2.2 Entstehungsgeschichte
Ansätze von Islamic Banking gehen bereits auf die Anfänge des Islam zurück. 6 Aufgrund der Tatsache, dass nur begrenzte Informationen über ökonomische und finanzielle Bedingungen im vor- bzw. frühislamischen Arabien vorliegen, gestaltet sich eine zeitliche Einordnung des Islamic Banking relativ schwierig.
Fest steht jedoch, dass vor dem Erscheinen des Islam, sowohl Zinsen also auch Profit & Loss-Arrangements (darauf wird später eingegangen) integraler Bestandteil von Finanztransaktionen waren. 7 Erst mit dem Islam wurden Zinsen abgeschafft, und damit nur noch Profit & Loss-Geschäfte praktiziert.
Die erste finanzielle Institution, bayt al-ml, wurde unter dem Kalifen Umar, zehn Jahre nach
dem Tod des Propheten Muammad geschaffen. Ihre Aufgabe bestand darin, die durch die islamische Expansion erzielten Einnahmen an die Community zu verteilen. 8 Das durch den Islam eingeführte Zinsverbot innerhalb eines sich immer weiter ausbreitenden Territoriums führte dazu, dass neue Anstrengungen hinsichtlich der Entwicklung islamgerechter Finanzierungstechniken unternommen wurden und somit insbesondere das Profit & Loss-Konzept wieder aufgegriffen und immer wieder verfeinert wurde. So lässt sich die Entwicklung von mušraka und muraba Instrumenten auf diesen Umstand zurückführen. 9 Mit Beginn des Zerfalls des Abbasidenreichs, setzte eine Phase des wirtschaftlichen Abschwungs ein. Das Staatsdefizit stieg infolge von gesunkenen Einnahmen aus eroberten Gebieten und der riesige Staatsapparat war aufgrund gestiegener Militärausgaben kaum noch finanzierbar. Zum ersten Mal wurden die bis dahin praktizierten islamischen Vorschriften, so auch das Zinsverbot aufgehoben, um den Staatshaushalt zu finanzieren. 10 Im Zuge der Kolonialisierung wurden dann westliche Wirtschafts- und Finanzsysteme etabliert, die bis heute noch die islamische Welt dominieren. Als die islamischen Länder nach dem zweiten Weltkrieg nach und nach politisch unabhängig wurden und eine Rückbesinnung auf
5 Vgl. Kazarian, E. (1993), S. 48.
6 Vgl. Kazarian, E. (1993), S. 38.
7 Vgl. Kazarian, E. (1993), S. 38.
8 Vgl. Kazarian, E. (1993), S. 40.
9 Vgl. Kazarian, E. (1993), S. 42.
10 Vgl. Kazarian, E. (1993), S. 43.
4
islamische Werte stattfand, wurden auch erste Bestrebungen nach einer ökonomischen Neuordnung unter Berücksichtigung der ara deutlich. Die ersten akademischen Debatten über ein nach islamischen Grundsätzen ausgestaltetes Finanzsystem wurden insbesondere von pakistanischen Autoren in den 1940er Jahren geführt und schrittweise weiterentwickelt. 11 Ende der 1960er Jahre gelang es Ökonomen und Rechtsgelehrten das Hauptprinzip des Islamic Banking, nämlich das Profit & Loss Sharing wieder auferleben zu lassen und an die zeitlich bedingten Gegebenheiten anzupassen.
Den ersten Meilenstein legte in dieser Zeit Amad an-Nar mit der Gründung der ersten zinsfrei operierenden Bank in Ägypten (1963). 12 Weitere folgten in Malaysia, Pakistan und den Philippinen Sie hatten jedoch nur mäßigen Erfolg. Erst Mitte der 1970er Jahre, nachdem konzeptionelle Weiterentwicklungen vollzogen und durch gestiegene Öleinkünfte mehr Kapital zur Verfügung stand, gewann das islamische Bankensystem mit Gründung der Dubai Islamic Bank und der überstaatlichen islamischen Entwicklungsbank (Islamic Development Bank; eine Art islamische Weltbank) in idda, an Bedeutung. Wenig später entstanden die Islamic Faisal Banks in Ägypten und dem Sudan und das Kuwait Finance House. 13
In den Folgejahren beschränkte sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht nur auf islamische Ökonomen und Rechtsgelehrte. Auch in westlichen Ländern wie Großbritannien oder den Vereinigten Staaten wurden ganze Forschungseinrichtungen zum Islamic Finance errichtet.
Zwischen den 1980er und 1990er Jahren gab es auch von staatlicher Seite Bemühungen das Finanzsystem zu islamisieren. So wurden beispielsweise 1983 alle Banken im Iran verstaatlicht und Zinsen abgeschafft. Neben dem Iran ist das islamische Bankwesen auch im Sudan und in Pakistan in der Verfassung verankert. 14
In den meisten islamischen Ländern hat sich jedoch, neben dem islamischen Bankwesen parallel das westliche Bankensystem weiterentwickelt, wobei das Islamic Banking zwar noch als Nische anzusehen ist, dessen Marktanteile aber stetig wachsen. Die meisten internationalen Banken haben inzwischen das Wachstumspotential entdeckt und bieten im Rahmen ara-konforme sogenannter Islamic Windows (meist Tochtergesellschaften) Finanzdienstleistungen an. 15
11 Vgl. Ray, N.D. (1995), S. 5.
12 Vgl. ebenda.
13 Vgl. Al-Fallouji, I.; Urech, D. (1998), o.S.
14 Vgl. Mahlknecht, M. (2009), S. 51.
15 Vgl. ebenda.
5
Arbeit zitieren:
Houria El Baghdadi, 2011, Islamic Banking - Eine Alternative zum konventionellen Bankwesen?, München, GRIN Verlag GmbH
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