1
Technische Universität Dresden WiSe 2002/03 Philosophische Fakultät
Vorlesung: Methoden der Empirischen Sozialforschung I
„Die Total-Design Methode”
Christian Gust
2
Inhalt
Einleitung 3
1. Befragungen 4
1.1 Probleme der mündlichen Befragung 5
1.2 Die schriftliche Befragung 6
1.3 Ausschöpfungsquoten 7
2. Die Total Design Methode nach Dillman 8
2.1 Die Anwendung in Deutschland 10
2.2 Die Wirkung der Thematik und materieller Incentives 11
3. Schlussbetrachtung 12
Bibliographie 13
3
Einleitung
„It would be most unfortunate if surveying of Businesses and other Establishments stays the same as it has in the last Decades of the 20 th Century. It would be equally unfortunate if we were to declare a new Era for use of only the new Web and IVR Methods, and forget the Knowledge we already have for obtaining Responses using traditional mail and telephone Methods. The obvious Implication is that designing and implementing establishment Surveys is going to become more complex, requiring a wider Range of methodological Skills and Knowledge than at any Time in our Past.” 1 Unlautere Verkaufsmethoden, Angst vor Kriminalität, zunehmender Egoismus und höhere Mobilität, Freizeitverhalten, Datenschutz - Aspekte die veranschaulichen, wie durch gesellschaftliche Einflüsse Feldsituationen auf drastische Weise verändert werden können. Die Folge sind allgemein sinkende Ausschöpfungsraten nicht nur bei mündlichen Interviews, ebenso bei von Interviewern nicht beeinflussten schriftlichen Interviews (vgl. Anders 1985, S. 75ff). Forschungs- und Methodenprobleme, wie auch Institutsprobleme stehen diesen Feldsituationen gegenüber. Beide wirken zusammen ursächlich, mittel- oder unmittelbar als Komplex auf durchzuführende Umfragen. Das Resultat ist die Begünstigung von nonresponse oder geringe Teilnahmebereitschaft bei postalischen Befragungen. „Wer einen Fragebogen samt freundlichem Anschreiben ohne weitere Maßnahme verschickt, wird selten Rücklaufquoten über 20% erzielen:“ (vgl. Diekmann 2000, S. 441) Als empirischer Beleg dafür dienen zwei postalische Befragungen (1996 und 1998), die bei der ZUMA 2 durchgeführt wurden. Die Rücksendequote betrug bei vergleichbaren Populationen 13,6% und 13,1%. Wissenschaftlichen Ansprüchen genügen diese Quoten heute nicht mehr. Unzulänglichkeiten im Design oder der Befragungsinstrumente sind einige der Ursachen dafür, dass Personen an schriftlichen Befragungen nicht teilnehmen. Don Dillman untersuchte dies in Experimenten und erbrachte dafür Nachweise. Die Gestaltung von Fragebögen und die Ausführung stellt er in seinem Buch „Mail and Telephone Surveys. The Total Design Method“ (1978) dar. Rücklaufquoten von durchschnittlich 74% sprachen bei seinen Untersuchungen für die Methode. Dieses
1 Aus dem Abstract Comparisons of the Total Design Method (TDM), A Traditional Cost-Compensation Model, and Tailored Design von Don A. Dillman, Washington State University
2 Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen e.V.
4
Wissen durch alleinigen Gebrauch anderer Methoden zu verdrängen, wäre wohl bedauerlich.
1. Befragungen
Befragungen sind ein Standardinstrument der empirischen Sozialforschung. „Allenfalls in der Psychologie werden in experimentellen Untersuchungen noch häufiger Beobachtungstechniken eingesetzt, wobei aber auch hier die Befragung als Methode der Datenerhebung dominiert.“ (Diekmann 2000, S. 371) Anhand der Befragungssituation und der Strukturierung wird differenziert. Telefoninterviews, Face to Face Interviews oder postalische Befragungen veranschaulichen situative Unterscheidungsformen der Befragung. Für standardisierte Befragungen stehen festgelegte Fragereihenfolgen, vorgegebene Antwortmöglichkeiten und eine neutrale Interviewerposition, unstandardisierte Befragungstypen dagegen gestalten Fragen offen, geben keine Antworten vor und überlassen dem Interviewer Reihenfolge und Wortlaut der Fragen selbst. Objektivität, Validität und Reliabilität sind Kriterien, denen die Standardisierung als Vorraussetzung dient. Bei geschlossenen Fragen erhält man jedoch keinerlei Informationen außerhalb des Spektrums der vorgelegten Antwortkategorien (vgl. Diekmann 2000, S. 374).
Vorteile standardisierter Befragungen liegen in geringen Kosten der Datenerfassung und -auswertung, sowie einer besseren Vergleichbarkeit und Objektivität und einer höheren Antwortbereitschaft der Teilnehmer bei heiklen Themen. Dem gegenüber steht die Notwendigkeit eines erheblichen Vorwissens was die Thematik betrifft, eine aufwendige Fragebogenentwicklung, das Risiko, dass Antwortvorgaben unzureichend sind und das Einzelaspekte und komplexe Einstellungsmuster schwierig bzw. nicht erfasst werden. In ihrer Häufigkeit ist die Methode der Befragung trotz Kritik und vorhandener Nachteile eine unerlässliche Erhebungsmethode. 235 Methodenanwendungen wurden im Zeitraum von 1989 bis 1993 in den drei allgemeinen, deutschen soziologischen Fachzeitschriften gezählt 3 . Davon waren 164 Methoden der Kategorie Befragung zugeordnet. Sozialstrukturelle Erfahrungswerte und Kenntnisse von Zusammenhängen sind überwiegend das Ergebnis quantitativer Befragungsformen, wie sie in Bevölkerungsumfragen, z.B. dem ALLBUS, angewandt werden.
3 Auf Anregung von A. Diekmann 1995 durchgeführte Untersuchung (vgl. Diekmann 2000, S. 373)
Arbeit zitieren:
Christian Gust, 2003, Die Total-Design Methode, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die postalische Befragung - Methodische Probleme und Lösungsansätze
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 19 Seiten
Lebenslauf, Übergänge und Erwachsenenentwicklung
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hauptseminararbeit, 16 Seiten
Alternative Wohnformen im Alter
Stand und Perspektiven
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Bachelorarbeit, 61 Seiten
Zeitgenössische Ungleichheitsforschung - Soziale Schichtung und Mobili...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hauptseminararbeit, 32 Seiten
Erziehungsmittel und Erziehungsziele in der schwarzen Pädagogik
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hauptseminararbeit, 14 Seiten
Historisch-kritische Anthropologie - Sind wir zivilisiert?
Die Disziplinargesellschaft
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Seminararbeit, 11 Seiten
Lektürewertung in Bezug auf die Lesesozialisation in der Hauptschule
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Seminararbeit, 41 Seiten
Die Reproduktion sozialer Ungleichheit im und durch das deutsche Bildu...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hauptseminararbeit, 23 Seiten
Die Beziehung von Macht und Wissen bei Michel Foucault und deren Bezug...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 19 Seiten
Die Grenzen der Chancengleichheit nach Bourdieu
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 10 Seiten
Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen: Konfuzianismus und Taoismus I...
BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik
Hauptseminararbeit, 20 Seiten
Leitfaden- und Tiefeninterviews
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 15 Seiten
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Referat (Ausarbeitung), 20 Seiten
Erziehung und Sozialisation in der Familie
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 9 Seiten
Schwarze Pädagogik - Eine Betrachtung moderner und historischer Erzieh...
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Christian Gust hat den Text Die Total-Design Methode veröffentlicht
Christian Gust hat einen neuen Text hochgeladen
Die Integration qualitativer und quantitativer Methoden in der empiris...
Theoretische Grundlagen und me...
Udo Kelle
Empirische Sozialforschung. Buch und CD-ROM Version 4.0
Modelle und Methoden der stand...
Helmut Kromrey, Eckart Struck
Praxisbuch Empirische Sozialforschung
in den Erziehungs- und Bildung...
Hannelore Reicher, Hubert Stigler
Theorie der Gesellschaft und empirische Sozialforschung
Zur Logik der Aufklärung des U...
Gerhard Stapelfeldt
0 Kommentare