Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Berlusconi die Frauen - Wird ihn seine grösste Schwäche zu Fall bringen? 1
3. Naht das Ende der Ära Berlusconi? 3
4. Rückblick in Berlusconis Vergangenheit - die Geschichte eines politischen Phänomens 4
4.1. Berlusconi und seine Konflikte mit der Justiz 4
4.2. Berlusconi und der Mafiaverdacht 5
4.3. Die Verteidigungsstrategie des Ministerpräsidenten 5
5. Berlusconi im internationalen Moralvergleich mit Spitzenpolitikern 7
6. Das Geheimnis seines Erfolges - Wieso sich Berlusconi nach 20 Jahren immer noch an der
politischen Landesspitze behauptet 8
6.1. Berlusconi bedeutet Stabilität 8
6.2. Der Mann mit dem goldenen Händchen 9
6.3. Berlusconi der Medienmogul 10
6.4. Berlusconi der Frauenliebhaber 10
6.5. Fehlende Opposition 11
7. Fazit 12
8. Literaturverzeichnis 13
I
Kommunikationsstrategien II Abschlussdiskussion W. Obert
1. Einleitung
Berlusconi ist das enfant terrible der internationalen Politszene - kein Tag vergeht ohne Schlagzeilen über seine politischen Fehltritte, seine verbalen Entgleisungen, Bestechungs- oder Korruptionsvorwürfe oder Sexskandale. Er steht in ständigem Interessenskonflikt zwischen seiner Stellung als Medienmogul und als Politiker und hat zahlreiche Gesetze zu seinen Gunsten erlassen, die ihm Immunität vor strafrechtlicher Verfolgung sichern. Der mächtigste Mann Italiens polarisiert wie kein anderer europäischer Politiker die Meinungen der Öffentlichkeit und zieht immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Auch in seinem eigenen Land ist er umstrittener denn je und spaltet das Volk in zwei Lager - man hasst oder man liebt ihn, man ist für ihn oder gegen ihn, eine Mitte gibt es nicht und auf jeden Fall ist er niemandem gleichgültig. Er erhitzt die Gemüter sowohl seiner Anhänger als auch seiner Gegner. Und doch ist er nach allen Vorkommnissen immer noch Italiens Spitzenpolitiker Nummer eins. Was ist das Geheimnis seines Erfolgens und wieso wird er von den Italienern immer noch geliebt?
Berlusconi stellt das perfekte Beispiel dar, um sich ausgehend von seiner Person einige grundlegende Fragen zur moralischen Verpflichtung von öffentlichen Personen und deren Verantwortung gegenüber ihrem Land und ihrer Repräsentationspflicht als angemessene Volksvertreter der Nation zu stellen. Im der folgenden Analyse sollen daher folgende Aspekte und Fragen beleuchtet werden: Wie weit darf ein Politiker gehen? Was darf und kann er sich alles erlauben in seiner Rolle als öffentliche Person? Wie mächtig darf ein Politiker sein? An welchem Punkt wird eine Grenze überschritten? Gelten für öffentliche Amtspersonen andere Massstäbe, auch für Vorkommnisse in ihrem Privatleben? Inwieweit beeinflussen private Ereignisse die politische Kompetenz eines Politikers, respektive seine politischen Entscheidungen?
2. Berlusconi & die Frauen - Wird ihn seine grösste Schwäche zu Fall bringen?
Am 31. Mai wird das schon im Vorfeld skandalumwitterte, momentan aufsehenerregendste und schon als Prozess des Jahres gehandelte Verfahren gegen Berlusconi wiederaufgenommen: Er muss sich wegen Amtsmissbrauch und Sex mit einer minderjährigen Prostituierten vor Gericht verantworten. Medienvertreter aus aller Welt werden - wie schon beim Prozessauftakt - vor Ort vertreten sein. Der 74-jährige Berlusconi soll 2010 während seiner inzwischen weltbekannten, ausschweifenden „Bunga- Bunga-Partys“ in seiner Villa rund 13 Mal Geschlechtsverkehr mit der damals 17 Jahre alten, als „Ruby Rubacuori“ bekannt gewordenen Marokkanerin Karima El Mahroug gehabt und ihr pro Abend rund 5000 Euro gezahlt haben. Zahlreiche andere Frauen, die ebenfalls an den Abendgesellschaften des Premiers teilgenommen hatten, bestätigten die Anwesenheit von jungen Frauen auf den Feiern wie auch den Erhalt von bis zu 10‘000 Euro für sexuelle Dienste durch die Gefolgsleute des Premiers. Zudem soll er Ruby dank seinem politischen Einfluss vor dem Gefängnis bewahrt haben, indem er nach ihrer Verhaftung wegen Diebstahls im Mai 2010 persönlich im Polizeirevier angerufen habe und mit der Behauptung, sie sei die Nichte des mittlerweile zurückgetretenen ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak, ihre Freilassung aus der Haft erwirkt haben. Der Regierungschef bestreitet diese Anschuldigung nicht, behauptet jedoch, dass er nur ein Mann mit grossem Herzen sei und Ruby lediglich in einer schwierigen Situation geholfen und damit gegen kein Gesetz verstossen habe. Was die Vorwürfe wegen sexuellen Handlungen betrifft, behaupten jedoch beide Beteiligten, dass diese nicht wahr seien. Berlusconi
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beteuert, dass er noch nie für Sex bezahlen musste und auch Ruby sagt aus, dass es nie zu Intimitäten zwischen 1 Ihnen gekommen sei und der Ministerpräsident sich ihr gegenüber immer korrekt verhalten habe. Ob nun wahr oder nicht, in jedem anderen demokratischen Land hätte ein Politiker nach solchen Anschuldigungen mit sofortiger Wirkung zurücktreten müssen. Aber Berlusconi wird weiterhin von seiner Partei unterstützt und besitzt nicht den Anstand, von sich aus seinen Posten zu räumen! Doch mittlerweile scheint es, als ob Berlusconis grösste Schwäche - seine Vorliebe für hübsche, junge Frauen - ihm durch diesen neuerlichen Skandal um Ruby zum Verhängnis werden könnte. Zumal dieses Verfahren zum ersten Mal juristische Verfehlungen in seinem Privatleben betrifft und er durch sein Image als Playboy-Präsident bereits in der Vergangenheit mehrmals negativ in die Schlagzeilen geraten ist. Seine Leidenschaft für junge Frauen beeinflussen immer wieder seine politischen Handlungen und Entscheidungen. Schon zahlreiche Male hat er völlig unerfahrene und ungeeignete, aber äusserst attraktive junge Damen in politische Ämter gehievt - oder dies zumindest versucht. Seine Auswahlkriterien für die Frauen in seinem Kabinett beinhalten offensichtlich nicht ihre fachlichen Kompetenzen, sondern die Attribute jung (unter 35jährig), gut aussehend, ehrgeizig und ihm gegenüber loyal. Seit er 2008 zum vierten Mal als Ministerpräsident gewählt wurde, ernannte Berlusconi unter anderem Mara Carfagna - ehemalige Miss Italia-Bewerberin und Nacktmo- 2 Diese dell - als Ministerin für Gleichstellung und die ihm treu ergebene Mariastella Gelmini als Bildungsministerin. zwei Frauen sind nur ein Beispiel unter vielen, die belegen, dass es Berlusconi völlig egal ist, ob die von ihm ausgewählten weiblichen Abgeordneten die nötigen Qualifikationen und Erfahrungen mitbringen, Hauptsache, er kann seinen Ruf als Charmeur kultivieren! Auch mit seiner Liste der Kandidatinnen für seine Partei bei den Europawahlen 2009 hat Berlusconi einen Ehestreit mit seiner damaligen Frau Veronica Lario wie auch einen öffentlichen Eklat ausgelöst: Er wollte allen Ernstes eine Miss-Italia-Finalistin, ein Model und ein Showgirl als politische Vertretung nominieren! Erst unter starkem Druck seiner Partei und dem öffentlichen Angriff seiner Frau, die ihm Macho-Allüren und Sexismus vorwarf, verzichtete er auf diese Kandidatinnen.
Obwohl er bereits damals heftig von der eigenen Partei kritisiert wurde und die Opposition lautstark seinen Rücktritt verlangte, hat es der politische Überlebenskünstler wieder einmal geschafft, Konsequenzen zu umgehen. Die Ministerinnen sind immer noch im Amt, er ist auch zwei Jahr später noch Regierungsvorsitzender und hat ebenfalls den Skandal zu seiner angeblichen Affäre mit der 18-jährigen Noemi Letizia, zu deren Geburtstag er ihr teuren 3 Schmuck geschenkt haben soll und sich von ihr „Papi“ nennen liess, vordergründig unbeschadet überstanden .
Wird er auch diesen neuerlichen Skandal um die Affäre Ruby und Amtsmissbrauch umgehen können? Oder wird ihm diese Sexaffäre das Genick brechen und ihn zu Fall bringen? Wird ihm Ruby Rubacuori wenn auch nicht sein Herz, dann doch seine Freiheit nehmen und der Ära Berlusconi ein Ende setzen?
Wenn es nach Berlusconi geht, sicherlich nicht. Statt Einsicht zu zeigen, verteidigt er seinen Lebensstil mit überschwänglicher Energie. Jüngst verteidigte er sich gegen jegliche Kritik zu den aktuellen Ereignissen mit den Worten: "Ich bin ein fröhlicher Mensch, ich liebe das Leben und die Frauen." Und ergänzte trotzig: "Niemand wird mich dazu
1 Spiegel Online (Hrsg.) (2011): Berlusconi verwahrt sich gegen Ermittlungen in Prostitutionsaffäre. In: Spiegel Online, 17.01.2011. URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739820,00.html.
2 Schäder, Katharina (2008): Das Kabinett der schönen Frauen. In: RP Online, 10.05.2008. URL: http://www.rp-online.de/politik/ausland/Das-Kabinett-der-schoenen-Frauen_aid_566197.html.
3 Die Berlusconi-Show - Einem Phänomen auf der Spur. SF 1, 04.04.2011. Mark Franchetti. URL:
http://www.videoportal.sf.tv/video?id=dcde72ed-2613-499e-83d9-11a52fec847b.
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4 Was für eine typische, überhebliche Äusserung seiner- bringen,meinen Lebensstil zu ändern, ich bin stolz darauf“.
seits, die deutlich zeigt, wie ungeeignet Berlusconi für den hohen Posten ist, den er bekleidet und die eindrucksvoll sein fehlendes Urteilsvermögen und taktisches Unvermögen demonstriert! Denn möglicherweise war dieser eine Skandal einer zu viel, allem Anschein nach haben die Italiener langsam aber sicher die Nase voll von ihm und sind nicht mehr bereit, über seine Schwächen hinwegzusehen und sie zu akzeptieren. Viele Beobachter spekulieren, dass dieser neuerliche Fehltritt nun endgültig das Ende seiner Karriere bedeuten könnte.
3. Naht das Ende der Ära Berlusconi?
Hat die italienische Bevölkerung nach 20 Jahren endlich genug von den Eskapaden ihres ausfälligen Regierungsvorsitzenden? Vieles spricht mittlerweile dafür: Die Berlusconi-Kritiker werden immer lauter, seine Umfragewerte sinken stark und mit ihnen die Solidarität vieler Italiener mit ihrem Regierungschef, viele seiner einstigen Parteifreunde wie auch grosse Zeitungen wenden sich von ihm ab, die Proteste mit der Forderung nach seinem Rücktritt häufen sich zunehmend. Allein am No Berlusconi-Day im Dezember 2009 haben sich über 200‘000 Menschen in Rom zu- sammengefunden,um gegen seinen intransparenten Politstil und seinem Interessenkonflikt zwischen seinen Handlungen als Unternehmer und seinem politischen Amt zu protestieren. Besonders die Frauen haben genug von seinen Eskapaden und organisieren sich - oftmals über Internet - in zahlreichen Protest- und Widerstandskundgebungen. Eindrücklich und unübersehbar haben die Frauen im Februar dieses Jahres ihrem Ärger über Berlusconi Luft verschafft, als in über 260 Städten im In- und Ausland mehrere 100‘000 Demonstrantinnen, häufig unterstützt von ihren Männern, auf die Strassen gingen. Mit Slogans wie „Italien ist kein Bordell“ zeigten sie ihre Verachtung für den skan- dalumwittertenPremierminister und wehrten sich gegen das negative Bild, dass Berlusconi von ihnen im politischen und medialen Bereich vermittelt. Sie fühlen sich in Zusammenhang mit der über Berlusconi einhergehenden Berichterstattung zu reinen Sexobjekten reduziert und ganz zu Recht in ihrer Würde angegriffen. Endlich wird von einer breiten Bevölkerungsgruppe ein Wandel in Italien gefordert und damit auch politischer Druck auf den Ministerpräsi- 5 Hinzukommt, dass auch die Unterstützung für seine Regierungskoalition anfängt zu bröckeln. Bei denten ausgeübt!
den kommunalen Bürgermeisterwahlen in Mailand, der traditionellen Hochburg seiner Macht, musste er diesen Monat eine herbe Schlappe einstecken. Seine aufgestellte Kandidatin muss Ende Mai in die Stichwahl und sich einem zweiten Wahlgang stellen. Es scheint, als ob ihn die Wähler nach langer Zeit endlich für seine Fehler bestrafen wür- 6 Auchdie politische Opposition schliesst den. Sie haben genug von leeren Worten und fordern nun endlich Taten.
sich den Rücktrittsforderungen der Massen an. "Berlusconi kann keine weitere Minute länger in einem öffentlichen 7 Wird das Amt bleiben, das er auf unanständige Weise verraten hat" liess der Linke Politiker Luigi Bersani verlauten. grösste Laster des italienischen Regierungschefs seine Karriere nach 20 Jahren abrupt beenden?
4 Langer, Annette (2010): Skandal um Escort-Girl. Berlusconi und das Bunga-bunga. In: Spiegel Online, 31.10.2010. URL: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,725945,00.html.
5 Tages Anzeiger (Hrsg.) (2011): Die Frauen haben genug von Berlusconi. In: Tages Anzeiger, 13.02.2011. URL: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Die-Frauen-haben-genug-von-Berlusconi/story/16143737.
6 Ohrfeige für Berlusconi. SF 1, 17.05.2011. SF Tagesschau. URL: http://www.videoportal.sf.tv/video?id=0f58afef-6ec6-4bf2-ba98-82acb3e4f010.
7 Langer, Annette (2010): Skandal um Escort-Girl. Berlusconi und das Bunga-bunga. In: Spiegel Online, 31.10.2010. URL: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,725945,00.html.
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Arbeit zitieren:
Carole Gobat, 2011, Berlusconi und die Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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