Inhalt
1 Einleitung 3
2 Postadoleszens 4
2.1 Charakteristika und Ursachen der Postadoleszens 4
2.2 Heterogenität in der Postadoleszens 5
2.3 Entwicklungsaufgaben 7
3 Der Auszug aus dem Elternhaus 9
3.1 Allgemeines 9
3.2 Der Einfluss des Familienklimas auf das Auszugsverhalten 12
3.3 Die Auswirkungen des Auszugs auf die Eltern- Kind- Beziehung 16
4 Fazit 17
5 Literatur 19
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1 Einleitung
Sowohl das Jugendalter als auch das Erwachsenenalter sind in unserer Gesellschaft allseits bekannte Bezeichnungen für bestimmte Lebensabschnitte, mit denen gewisse Altersstufen und für diese typische Charakteristika verknüpft werden. Klare Altersgrenzen lassen sich hierbei zwar nicht verallgemeinern, jedoch sind beide Altersstufen deutlich voneinander abzugrenzen und können einem groben Altersbereich zugeordnet werden - die sich nun stellende Frage ist demnach vielmehr, wie sich der Übergang vom Jugend-‐ zum Erwachsenenalter gestaltet und über welchen Zeitraum dieser anzusiedeln ist.
Forscher stimmen mittlerweile überein, dass diese Übergangsphase bereits als neue Altersstufe angesehen werden kann, der sogenannten „Postadoleszens“. Diese tritt zwischen das Jugend-‐ und Erwachsenenalter und verkürzt somit beide Lebensabschnitte: Die Jugendphase endet früher, das Erwachsenenalter beginnt später.
In der US-‐amerikanischen Entwicklungspsychologie hat sich aufgrund dieses relativ langsamen und komplexen Übergangsprozesses vom Jugendlichen zum Erwachsenen der Begriff des „heraufziehenden Erwachsenenalters“ (emerging adulthood) etabliert, wobei in (post-‐)modernen Gesellschaften zwei wichtige Trends zu beobachten sind: Einerseits ist eine Akzeleration der körperlichen Entwicklung in der Pubertät festzustellen, welche gleichzeitig die psychosoziale und psychosexuelle Entwicklung beschleunigt, andererseits kommt es zu einer Retardation der finanziellen Selbstständigkeit durch einen Anstieg höherer Bildungsabschlüsse (Oerter & Montada, 2008). Zwar hat sich der Postadoleszente in soziokultureller Hinsicht bereits verselbstständigt, jedoch genießt er noch keine wirtschaftliche bzw. finanzielle Unabhängigkeit - ein Phänomen, das Chisholm und Hurrelmann (1995) als „strukturelles Paradoxon“ bezeichnen.
In der folgenden Arbeit gilt es nun die wesentlichen Charakteristika der Postadoleszens vorzustellen sowie ihre Ursachen zu ergründen. Besonders im Fokus liegen hierbei die Autonomieentwicklung und der Auszug aus dem Elternhaus, was anhand einer Studie von Jörg von Irmer und Inge Seiffge-‐Krenke („Der Einfluss des Familienklimas und der Bindungsrepräsentation auf den Auszug aus dem Elternhaus“, 2008) genauer vorgestellt wird.
Die zentrale Fragestellung hierbei ist, in wie weit familiäre Konflikte sowie Bindungsrepräsentationen und das Zugeständnis von Autonomie seitens der Eltern während der Adoleszens das spätere Auszugsverhalten der jungen Erwachsenen beeinflussen. 2 Postadoleszens
Der Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen hat in den letzten Jahrzehnten einen deutlichen Wandel erfahren: Während Jugendliche nach ihrer Schulpflicht früher meist in den elterlichen Betrieben auszuhelfen hatten und somit in der Regel die beruflichen Nachfolger ihrer Eltern wurden, stehen den Jugendlichen von heute deutlich mehr Freiheiten zur Verfügung. Nicht nur die Berufs-‐ und Ausbildungswahl gestalten sich freier, sondern auch der Abschluss der schulischen Laufbahn mit dem Abitur hat deutlich an Popularität gewonnen, was ein neues Spektrum an Zukunftsperspektiven eröffnet. Gleichzeitig wird durch diese Tendenz die Schul-‐ und Ausbildungszeit verlängert, was eine längerfristige finanzielle Abhängigkeit von den Eltern mit sich bringt und somit zum Entstehen einer Nachjugendphase, der Postadoleszens, einen gravierenden Beitrag leistet. Der Eintritt in das Berufsleben und die vollkommene Selbstständigkeit verlagert sich somit nach hinten, während dem Postadoleszenten gleichzeitig die Handlungsmöglichkeiten des Erwachsenen bereits zugänglich sind.
2. 1 Charakteristika und Ursachen der Postadoleszens
Die Phase der Postadoleszens umfasst den Altersbereich von 18 bis 29 Jahren (Oerter & Montada, 2008), wobei sich die Übergänge zu den angrenzenden Altersabschnitten Jugendbzw. Erwachsenenalter individuell stark unterscheiden können. Je nach Ausbildungssituation erfolgt der Übergang in das Erwachsenenalter beispielsweise bei Studenten langsamer als bei Lehrlingen: Laut der 12. Studie des Jugendwerks der Deutschen Shell „Jugend 97“ geben Studenten ein langsameres Tempo an, wenn ihnen die Frage gestellt wird, wie schnell sie erwachsen werden wollen. Lehrlinge hingegen möchten trotz geringeren Durchschnittsalters möglichst schnell in das Erwachsenenalter wechseln, was unter anderem darin zu begründen ist, dass sie bereits in einem Erwachsenenumfeld arbeiten und den geringen Status des
Lehrlings durch Aufstieg in eine höhere Position möglichst schnell zu verlassen wünschen (Schmidt-‐Denter, 2005). Der Studentenstatus stellt somit eine neue Lebensform, eine „Zwischenwelt“ dar (Schmidt-‐Denter, 2005), die eine Verlängerung des Jungseins ermöglicht, sich jedoch in ihrem Ausmaß an Autonomie deutlich von der vorangehenden Jugendzeit abgrenzen lässt.
Somit ist festzustellen, dass insbesondere der Trend zu längeren Ausbildungszeiten (wie beispielsweise das Studium) einen starken Beitrag zum Entstehen der Postadoleszens leistet: Während im Jahre 1962 nur 19,8 Prozent der 16-‐ bis 18-‐Jährigen Schüler waren, bestand 1983 der größte Anteil dieser Altersgruppe aus Schülern. Ebenso bemerkenswert ist der Anstieg Studierender, welcher von 291.000 im Jahre 1960 auf 1.044.200 im Jahre 1980 zunahm (Schmidt-‐Denter, 2005). Der Ausbildungsstatus - insbesondere der Studentenstatus - ermöglicht es den Postadoleszenten eine Nachphase der Jugend zu erleben, indem er den Eintritt in das Berufsleben nach hinten verlagert und somit aufgrund fehlender finanzieller Mittel die vollständige Unabhängigkeit des Erwachsenseins sowie daraus resultierende Verantwortungen in spätere Lebensjahre verschiebt.
Als weitere Ursachen für das Vorhandensein der Postadoleszens sind die generell schwierigen Bedingungen des biographischen Übergangs anzuführen: eine unsichere Lebenssituation, bedingt durch die Risiken des Arbeits-‐ und Ausbildungsmarktes sowie Perspektivlosigkeit tragen stark dazu bei, den Übergang in das Erwachsenenalter verzögern zu wollen. Hierbei ist anzumerken, dass Jugendliche aus Ostdeutschland stärker unter den Risiken des Erwerbsmarktes leiden als westdeutsche Jugendliche; zudem gestaltet sich der Übergang für Mädchen generell schwieriger (Schmidt-‐Denter, 2005). 2. 2 Heterogenität in der Postadoleszens
Lebensläufe von der Adoleszens bishin zur Pensionierung verlaufen heute im Gegensatz zur traditionellen Gesellschaft der Vergangenheit wesentlich uneinheitlicher. Mayer (2001, zit. nach Oerter & Montada, 2008) spricht daher von einer Phase der De-‐Standardisierung, welche sich seit Mitte der 70er Jahre beobachten lässt. Ursachen für diese angestiegene Heterogenität der Lebensläufe sind unter anderem in der zunehmenden vertikalen, horizontalen sowie
geografischen Mobilität zu sehen, zudem zeigt sich seitens des Arbeitsmarktes eine immer stärkere Tendenz flexible Arbeitskräfte zu bevorzugen, die zu lebenslangem Lernen durch Fortbildungen oder sogar Umschulungen bereit sind (Oerter & Montada, 2008). Interindividuelle Unterschiede in der Postadoleszens ergeben sich sowohl im Hinblick auf das Privatleben als auch in der Berufstätigkeit bzw. dem Berufseinstieg: Einige junge Erwachsene steigen nach kurzer Ausbildungszeit relativ früh in den Beruf ein, während andere erst im dritten Lebensjahrzehnt in eine feste berufliche Anstellung eintreten. Teils ist dies mit einer Vielzahl an Ausbildungen verbunden, die entweder aufeinander aufbauen oder auf einer beruflichen Umorientierung während der Ausbildungszeit beruhen. Neben den Berufseinsteigern sind zudem Arbeitslose, Studenten bzw. Auszubildende und Jobber zu nennen, welche ebenfalls einen nicht zu vernachlässigenden Anteil der Postadoleszenten ausmachen (Oerter & Montada, 2008).
Hinsichtlich des Privatlebens lassen sich insbesondere Unterschiede in den Formen partnerschaftlicher Beziehungen benennen: einige Postadoleszenten haben bereits eine Familie gegründet und sind verheiratet, während andere weiterhin als Singles oder in eheähnlichen Lebensgemeinschaften leben (Oerter & Montada, 2008). Die Trends de letzten Jahre zeigen jedoch, dass die Familiengründung eher in den Entwicklungsbereich des Erwachsenenalters fällt und somit in den Jahren der Postadoleszens relativ untypisch ist. Laut Schmidt-‐Denter (2005) lag das durchschnittliche Heiratsalter im Jahre 2002 bei Frauen zwischen 28 und 29 Jahren, bei Männern sogar zwischen 31 und 32 Jahren und somit außerhalb des für die Postadoleszens festgelegten Altersbereichs. Auch bezüglich des Auszugsalters lassen sich starke interindividuelle Unterschiede zwischen der Postadoleszenten beobachten (Papastefanou, 1997, zit. nach von Irmer & Seiffge-‐Krenke, 2008): Während für einige der Beginn eines Studiums mit dem Auszug aus dem Elternhaus einhergeht - beispielsweise begründet durch die Studienortswahl -‐, kann dies für andere hingegen bedeuten, aus finanziellen Gründen weiterhin im Hause der Eltern zu wohnen. Hierbei lässt sich ein kulturübergreifender Geschlechtsunterschied von zwei bis drei Jahren feststellen, nach welchem Frauen tendenziell früher ausziehen als Männer (Fernandes-‐
Arbeit zitieren:
Christine Glatz, 2010, Postadoleszens - Autonomieentwicklung und Auszug aus dem Elternhaus, München, GRIN Verlag GmbH
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