Inhaltverzeichnis
Vorwort
1. Definition Familie
1.1. Allgemeine Definition
1.2. Tilmann Allert über die Familie
1.3. Definition von Hill und Kopp
1.4. Definition nach Rosenbaum
1.5. Definition nach Helmut Kohl
1.6. Definition nach Böhnisch und Lenz
1.7. Zusammenfassung
2. Familienformen
2.1. Familienformen in früherer Zeit
2.2. Familienformen in der heutigen Zeit
3. Bedeutung, Struktur und Funktion der Familie
3.1. Bedeutung der Familie
3.2. Struktur der Familie
3.3. Funktionen der Familie
4. Demographischer Strukturwandel
4.1. Eheschließungen und Scheidungen
4.2. Geburtenziffern, Alter der Mütter bei der ersten Geburt
4.3. Haushaltstypen
4.4. Familienformen
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5. Gründe für die Pluralisierung von Lebensformen
5.1. Erklärungsansatz von Rosemarie Nave- Herz 5.2. Erklärungsansatz nach Ulrich Beck 5.3. Erklärungsansatz nach Stefan Hradil 6. Zusammenfassung
7. Ausblick
Quellenverzeichnis
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Vorwort
„Über eine Anzahl von Ritualen bezieht die Polis ihre Töchter, die parthenoi, die die Ehefrauen von morgen und die Mütter zukünftiger Bürger sind, in das gesellschaftliche Leben ein. Was man mit Pierre Brule „die Religion der jungen Mädchen in Athen“ nennen kann, bildet ein zusammenhängendes Ganzes von Praktiken im Rahmen der „Religion der Frauen“. Diese wollen wir in das religiöse Leben Athens mit seinen Riten und Mythen einordnen. Die Mythen spielen oft mit dem Bild, daß junge Mädchen ungezähmte Stuten seien. Während die Heirat die letzte Stufe ihrer Zähmung ist, beginnen die kleinen Mädchen diesen Prozeß, der aus ihnen vollkommene Ehefrauen machen soll, im Alter von sieben Jahren. Aber nur eine begrenzte Zahljunger Mädchen, die aus den angesehensten Familien ausgewählt werden, erhält diese „weibliche Initiation“. Diese Einschränkung schmälert indes nicht die gesellschaftliche Bedeutung der Einbeziehung der parthenoi in den Kult. Die anderen Mädchen dürften in den parthenoi ihre Stellvertreterinnen gesehen haben.“ [Bruit Zaidman, L. , Die jungen Mädchen]
Im vorangegangenen Textauszug, der die antike Lebensweise beschreibt, kann man unschwer erkennen, dass die Ehe schon immer eine große Bedeutung in der Gesellschaft darstellte. Die jungen Mädchen wurden schon früh mit ihrer für sie bestimmten Rolle als Ehefrau vertraut gemacht. In früheren Zeiten gehörte es zum Ansehen verheiratet zu sein und Kinder zu haben. In den bäuerlichen Familien brachten viele Kinder großes Ansehen und in den städtischen und Gelehrtenfamilien brachten wenige Kinder großes Ansehen. Bekam eine Frau, zum Beispiel
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im Mittelalter, ein uneheliches Kind wurde sie geächtet, verfolgt und mancherorts sogar getötet. Es wäre undenkbar gewesen, dass ein unverheiratetes Paar zusammenlebte. Ganz anders sieht es in der heutigen Zeit aus. In unserer heutigen pluralistischen Industriegesellschaft gibt es viele verschiedene Möglichkeiten in der eigenen Lebensplanung. Anscheinend ist das Angebot sehr verlockend, denn man findet immer weniger Kleinfamilien und immer mehr alternative Lebensformen. So ist ein deutlicher Trend zu alternativer Lebensweise zu verzeichnen. Man findet in der heutigen Gesellschaft Lebensformen, die so früher kaum oder gar nicht gab. Man findet unverheiratete Paare mit und ohne Kind, verstärkt auch Singles, also alleinlebende Personen, homosexuelle Paare und weitere Formen. Warum haben sich so viele verschiedene Lebens- und Familienformen entwickelt? Ich möchte in meiner Arbeit auf „die Familie“ eingehen. Wie wird sie definiert, welche Funktionen hat sie und welche Bedeutung. Desweiteren gehe ich auf die heutige Vielzahl der Familien- und Lebensformen ein. Ich verweise auf einen demographischen Wandel, der sich in der Bundesrepublik Deutschland verzeichnen lässt und ich möchte die Gründe für eine Pluralisierung von Lebensformen aufzeigen.
Die Familiensoziologie ist ein weites Feld. Man könnte so viele Aspekte in dieser Arbeit anbringen. Zum Beispiel, wann genau sich eine Trendwende abgezeichnet hat oder inwieweit diese pluralistischen Lebensformen sich auf die Psyche der Kinder oder der Eltern auswirken. Aber da ich nur begrenzt Zeit habe und diese Hausarbeit nur einen gewissen Umfang hat, möchte ich mich mit folgenden Fragestellungen befassen; Inwieweit ist „Familie“ in der Soziologie definiert? Welche verschiedenen Lebens- und Familienformen gibt es?
Und aus welchen Gründen haben sich so viele verschiedene Lebens- und Familienformen entwickelt?
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1. Definition Familie
1.1. Allgemeine Definition
Die Familie ist ein Ort sozialer Interaktion.
In der Familie gibt es verschiedene Beziehungen, welche die Mitglieder untereinander führen. Die Paarbeziehung findet zwischen den Eheleuten bzw. dem Paar statt, die Eltern- Kind-Beziehung zwischen dem jeweiligen Elternteil und dem Kind und die Geschwisterbeziehung findet zwischen den Geschwistern statt.
Eine Familie besteht aus einer Triade, in diesem Gefüge treffen wir auf den Vater, die Mutter und das Kind bzw. die Kinder. Diese Triade besteht aus Ausschlüssen und Einschlüssen. Wenn ein Elternteil sich mit dem Kind beschäftigt, entsteht eine dyadische Beziehung, aus der das andere Elternteil ausgeschlossen wird. Sobald die Eltern ihrerseits untereinander kommunizieren oder ein gemeinsames Ereignis begehen, wird das Kind aus dieser dyadischen Beziehung ausgeschlossen.
Die Aufrechterhaltung eines Systems, hier speziell das der Familie, zieht Interaktionsprozesse mit sich. Um ein Zusammenleben zu ermöglichen, sollte die Familie untereinander kommunizieren.
Der Familie obliegen 2 widersprüchliche Aufgaben, sie sollte Grenzen nach außen hin konstituieren, aber auch ihren Mitgliedern die soziale Integration ermöglichen. Wo und inwieweit eine Familie ihre Grenzen zur Außenwelt zieht obliegt ihrem ermessen. So wird im jeweiligen Gefüge festgelegt, wer als Fremder angesehen wird und wie man sich einem solchen gegenüber verhält. Die Eltern sollten ihren Kindern allerdings einen Kontakt zur Außenwelt ermöglichen, zum Beispiel durch den Besuch im Kindergarten oder der Mitgliedschaft in Vereinen. Jedem Familienmitglied sollte es möglich sein, sich in der Umwelt zu integrieren und mit Personen aus der Außenwelt zu kommunizieren. (nach Hildenbrand, B. , Vorlesung - Familiensoziologie)
1.2. Tilmann Allert über die Familie
“ Im Falle der Familiengründung wird die triadische Dynamik manifest und bestimmt dauerhaft die Selbstentfaltung der Familie. Prozesse der Streitinitiierung, der Streitschlichtung und Versöhnung, Konkurenz und Rivalität, Verführung und Inbesitznahme bestimmen den Handlungsraum der Familie, in dem durch die Dauerkonkurenz ihrer Teilbeziehungen die
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Versöhnung von Unversöhnlichem exemplarisch kommuniziert wird. Die Liebe des Elternpaares liefert den Schlüssel zur Gestaltung des menschlichen Bildungsprozesses, sie bereitet die Erfahrung im Umgang mit affektiven und moralischen Konflikten vor und bildet die Grundlage für das Vertrauen in eine durch Kontingenz und Fremdheit bestimmte Sozialwelt. In der Kommunikation der Familie werden mit dem eigenlogischen intellektuellen und affektiven Reifungsprozess des Kindes einerseits sowie mit der Platzierung der Familie im soziokulturellen Milieu andererseits zwei Einflussebenen wirksam, die die äußere Sozialgestalt und die innere Befindlichkeit ihrer Mitglieder bestimmen. Die moderne Familie ist hinsichtlich der Chancen, den autonomen Gestaltungsraum des Elternpaares auszufüllen, erheblichen Belastungen ausgesetzt, die in epochalen Sozialstrukturtransformationen, im zunehmenden Einfluss der Arbeitswelt auf die naturwüchsige Zeitstruktur der Familienwelt, der Verwissenschaftlichung der Eltern- Kind- Beziehung und der normativen Gleichheit im Geschlechterverhältnis ihre Ursache haben.” [ Allert, T. , Die Geburt des Sozialen, New York 1996, S. 31 ]
Er sagt damit, dass die Familie mit der Familiengründung zur Triade wird, welche der Handlungsraum der Familie wird und in welcher die Selbstentfaltung der Familie stattfindet. In dieser Triade wechseln Ausschlüsse mit Einschlüssen, deshalb besteht immer eine gewisse Konkurenz oder Eifersucht zwischen ihren Mitgliedern. Ein Ausschluss kann auch als Treuebruch oder Geheimnisverrat bezeichnet werden. Die Eltern vermitteln dem Kind moralische und soziale Werte, sie bereiten das Kind, mittels Erziehung, auf den Kontakt zur Sozialwelt vor, versuchen es sozial zu integrieren und ihm zu vermitteln inwieweit die Familie Grenzen zur Außenwelt, und damit zur Fremde, zieht . Der moralische und affektive Reifungs- und Bildungsprozess des Kindes findet durch Erfahrung und Kommunikation in der Familie statt.
Desweiteren meint Allert, dass durch die Geburt eines Kindes innerhalb einer Beziehung ein Versprechen auf Unendlichkeit eingelöst wird, dies geschieht aber mit dem Preis der Befristetheit des eigenen Lebens und der Konfrontation mit dem Tod. Eine Dyade wird immer als eine Familie in spe betrachtet. Ein Paar hat sich gebildet im Vorgriff auf einen Dritten.
1.3. Definition von Hill und Kopp
Die Soziologen Hill und Kopp haben recherchiert und sind zu der folgenden Definition für die Familie gekommen. Eine Familie ist vorhanden, wenn eine auf Dauer angelegte Verbindung von Mann und Frau vorliegt,
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diese einen gemeinsamen Haushalt führen und dieses Paar mindestens ein eigenes, oder adoptiertes, Kind hat. In dieser Definition wird ein enger Rahmen gegeben, so bleiben zum Beispiel Paare ohne Kinder, Alleinerziehende oder homosexuelle Paare ausgeschlossen. Dies führt zu der Diskussion, ob in der heutigen modernen Industriegesellschaft andere bzw. neue Lebensformen aus dem Familienbegriff ausgeschlossen werden sollten. Die oben genannte Definition ist ein Resultat aus der Theoriebildung und der empirischen Forschung, wie nahezu alle in der Soziologie entwickelten Begriffe und Definitionen. Familie wird unter Anderem auch als Intimgruppe, System, Gruppe besonderer Art oder Institution bezeichnet.
Man unterscheidet des weiteren unter Abstammungs- oder Herkunftsfamilie, in die man hineingeboren wird, und Zeugungsfamilie, welche man mit einem anderen Geschlechtspartner selbst gründet.
Liegt eine Familienform per Definition vor, also ein Paar, welches einen gemeinsamen Haushalt führt und mindestens ein gemeinsames Kind hat, so spricht man von der Nuklear-oder Kernfamilie. Es gibt noch die erweiterte Familie, welche aus der Kernfamilie besteht und noch weitere Verwandte im Haushalt aufnimmt. Man unterscheidet bei dieser Familienform unter der Großfamilie und der Dreigenerationenfamilie. Eine Großfamilie liegt dann vor, wenn zum Beispiel die Kernfamilien von Geschwistern einen gemeinsamen Haushalt führen. Von einer Dreigenerationenfamilie sprechen wir, wenn die Kernfamilie mit den Eltern eines der Gatten zusammenlebt. (nach Hill, Kopp, Familiensoziologie, S. 13-17)
1.4. Definition nach Rosenbaum
“Der in der Soziologie üblicherweise verwendete Begriff der Kernfamilie bzw. Familie stellt ausschließlich auf das Zusammenleben der Eltern mit ihren unmündigen und unverheirateten Kindern ab, schweigt sich jedoch sowohl über die Qualität dieses Zusammenlebens, d.h. die Art der Beziehungen, als auch über die Einbettung in den sozialen Zusammenhang, in dem die Gruppe “Familie” existiert aus. [ aus Rosenbaum, H., Frankfurt a. M., 1982, S.27, Zeilen 9-15]
Rosenbaum sucht einen Allgemeinbegriff für die Familie, der überzeitliche Geltung beansprucht. Voraussetzung dafür sollte sein, dass eine Gruppe aus Eltern und Kind(ern)
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vorhanden ist, welche in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen als gesonderte Gruppe existiert und erkennbar ist.
1.5. Definition nach Helmut Kohl
“Familie ist und bleibt das Fundament unserer Gesellschaft. Als Lebens- und Erziehungsgemeinschaft erbringt die Familie unverzichtbare Leistungen für die Gesellschaft, die andere Institutionen entweder gar nicht oder nur unvollkommen bereitstellen können....In der Familie erfahren die Menschen Geborgenheit und Zuwendung. In ihr können am besten die Werte vermittelt und die Verhaltensweisen eingeübt werden, ohne die eine freie und solidarische Gesellschaft nicht existieren kann: Liebe und Vertrauen, Toleranz und Rücksichtnahme, Opferbereitschaft und Mitverantwortung, Selbstständigkeit und Hilfsbereitschaft....”
[Dr. Helmut Kohl anlässlich des 40- jährigen Bestehens des Familienministeriums am 20.10.1993, aus dem Beitrag von Lüscher, K., Was heißt Familie? S.57, Zeilen 34-40, in Gerhardt, U. usw., Opladen 1995]
1.6. Definition nach Böhnisch und Lenz
Für einige Soziologen gibt es den Begriff “die Familie” nicht, da sie, in unserer pluralistischen Gesellschaft, nicht nur von einer einzigen Familienform ausgehen wollen. Sie gehen davon aus, dass es mehrere Familienformen gibt, die sich im Laufe der Zeit verändern und, dass man deshalb keine einheitliche Definition für “die Familie”, erbringen sollte. “Mit “Familien” statt des gebräuchlichen Singulars wollen wir von vornherein zum Ausdruck bringen, dass es “die Familie” nicht gibt (und wohl nie gab) und die wissenschaftliche Thematisierung dieses Gegenstandsbereiches von der vorhandenen Vielfalt der - in sich veränderlichen - Familienformen auszugehen hat.”
[Böhnisch, L., Lenz, K., Familien - Eine interdisziplinäre Einführung, Weinheim und München 1997, S. 7]
1.7. Zusammenfassung
„Die Familie“ ist also die am häufigsten auftretende Form sozialer Gruppen und sie ist die einzige Gruppe, in der zwei Generationen auftreten müssen. Dieser Gruppe gehört der
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Arbeit zitieren:
Olivia Stockhause, 2003, Pluralisierung von Lebensformen – Veränderung familiärer Strukturen und innergesellschaftlicher Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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