1. Einleitung
Wenn man sich mit der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik auseinandersetzt, wird deutlich, dass überwältigend viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auf die eine oder andere Art staatlicher Kontrolle unterlagen, wie auch der Bereich der Kunst, der so genannten Unterhaltungskunst und damit der populären Musik. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich auf einen Teil der Entwicklung der Rockgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik konzentrieren. Die Rockmusik der DDR in den 70´er Jahren inmitten ihrer Gratwanderung zwischen Förderung und Reglement soll aufgezeigt werden.
Dabei wird auf zwei Schwerpunkte Wert gelegt. Zunächst einmal wird es um die Musik an sich - seit den siebziger Jahren in erster Linie Rock- und Popmusik - und ihre Bedeutung im Leben Jugendlicher und die Möglichkeit jugendlicher Identifikation bzw. Integration gehen. Zum anderen verweise ich darauf, wie unter der Einflussnahme der Politik und des Staates Musik gelenkt und überwacht werden sollte. 2. Kultur - und Jugendpolitik
Die Kulturpolitik der DDR, mit dem „neuen Menschen“ als Mittelpunkt des sozialistisch geprägten Gesellschaftssystems, nahm einen wichtigen Stellenwert ein. Kunst sollte so gestaltet sein, dass sie „zur allseitigen Ausgestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft“ beiträgt, „die Triebkräfte des Sozialismus“ freisetzt, sowie „die Rolle der sozialistischen Kultur in den internationalen Klassenauseinandersetzungen erhöht und neue Bündnispartner im Kampf für Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt gewinnt.“ 1
Die Unterstützung von Kunst und Kultur seitens des Staat wurde in der DDR als wichtige Aufgabe angesehen. Anschließend wurde die DDR dann in den fünfziger bzw. sechziger Jahren- wie auch der Rest der Welt - von einer „Beatwelle“ überschwemmt, die ein paar Jahre später von der so genannten „Beatlemania“ abgelöst wurde. Die Staats- und Parteiführung wurde mit diesem Problem kontrastiert, das einen zugleich Großteil der DDR- Jugend beeinflusste. Anfangs wurde versucht, diese Entwicklung abzuschwächen, später sah man dann aber in der Wirkung dieser Musik die Möglichkeit, der Jugend sozialistische Werte und Normen zu vermitteln. 2
1 Dolz, Renate (1982) , hier S. 193
2 vgl. Meyer, Thomas, S. 53
2
Musik stand in der DDR daher eigentlic offiziell nur ideologischen Maßstäben nach. Neben der Auseinandersetzung mit Musik aus der DDR war auch die Sicht auf westliches Musikgut von Bedeutung. Diese wurden zum großen Teil mit Besorgnis und Ablehnung beobachtet. So formulierte Walter Ulbricht schon 1959: „Es genügt nicht, die kapitalistische Dekadenz in Worten zu verurteilen, gegen Schundliteratur und spießbürgerliche Gewohnheiten zu Felde zu ziehen, gegen die `Hotmusik´ und die ekstatischen `Gesänge´ eines Presley zu sprechen. Wir müssen Besseres bieten.“ 3
Aus diesem Grund wurden bestimmte Anforderungen an die als `Tanz- und Unterhaltungsmusik´ bezeichnete Musik ausgearbeitet und Institutionen geschaffen, die deren Umsetzung sicherstellen sollten.
Im Folgenden soll zunächst kurz erläutert werden, welchen Stellenwert insbesondere Rockmusik theoretisch in der Gesellschaft hatte und welche Bands und Musiker sowie deren Standpunkte in der Gesellschaft der DDR dabei besonders zu erwähnen sind.
3. Musikszene der siebziger Jahre
3.1. Bekannteste/ einflussreichste Bands
In 40 Jahren DDR Musikgeschichte zwischen 1949 und 1990 entwickelten sich, ebenso wie in der Bundesrepublik, zahlreiche Musikströmungen: Rock, Beat, Schnulzen und Volksmusik, Militärmärsche, Orchester- und Vokalmusik und Punk. Musikalisch gesehen war die DDR ein Land wie jedes andere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Auf den zweiten Blick ist zu erkennen, was die DDR von anderen Ländern dieser Zeit unterschied und warum sie gewissermaßen immer ihren eigenen Weg ging. Der Hörfunk der DDR spielte im Verhältnis von 60:40, politisches Liedgut und war - anders als im Westenschon von der Kinderkrippe an präsent. Außerdem mussten die Musiker einer Band eine musikalische Ausbildung durchlaufen haben, ehe sie "losrocken" oder professionell musizieren konnten. Wie schon kurz erwähnt, war Ende der Sechziger einiges in Bewegung geraten, sei es gesellschaftlich und kulturell. Eine Jugend - Revolution hatte in
3 Walter Ulbricht 1959 auf der 1. Bitterfelder Konferenz. Zitiert nach: Rauhut, Michael (1999).
3
der westlichen Welt die kulturellen Grundwerte ins Wanken gebracht. Es war also die 68er Generation, die tatsächlich an den Grundpfeilern der Gesellschaft rüttelte. 4 Im Juni 1967 wurde in Westberlin der Student Benno Ohnesorg erschossen, Rudi Dutschke, ein Studentenführer wurde ebenfalls Opfer eines Attentats. Ein Großteil der antiautoritären Revolutionäre fing an, sich zu radikalisieren, was ebenfalls an der sich stärkenden RAF zu sehen war. In Ostberlin wurden die Musiker der Band „Wurzel aus minus Vier“ und Toni Krahl, der später als Sänger von „City“ bekannt wurde, wegen staatsgefährdender Hetze zu Gefängnisstrafen verurteilt. Diese Ereignisse fanden zwar zeitgleich, aber vor komplett verschiedenen gesellschaftlichen Hintergründen statt. Beide Entwicklungen müssen aber berücksichtigt werden, beschäftigt man sich mit der Musik der DDR in den 70 er Jahren. In einem waren beide Staaten gleich: am Anfang der 70er wurde Musik, und besonders Rockmusik, sowie deren Konsum und das offene Bekenntnis dazu, als ein Generationskonflikt ausgetragen.
„Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je, Je, Je und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen.“ (Walter Ulbricht, 1965, auf einem ZK-Plenum) Ein Großteil, der „erwachsenen“ DDR- Bürger teilte die Meinung ihres Staatschefs. Der normale Bürger stand Dieter Birr von den Puhdys mit demselben Unverständnis gegenüber, wie Ian Gillan von Deep Purple, einer populären „Westband“.
Das Bild des Langhaarigen, der Rockmusik hört und allein deshalb schon Protest zeigte, schwächte sich erst Ende der 70er ab. Im Westen hatte sich aus dem „Beat“ der 60er Jahre der Rock entwickelt und auch in der DDR blieb eine Entwicklung nicht aus, wobei es anfangs vielmehr noch darum ging, die Bands aus dem Westen zu kopieren. Es wird davon gesprochen, dass der Ostrock zunächst nur eine „Stellvertreterfunktion“ hatte. Die Musiker waren sich dieser Tatsache bewusst, doch die Fans, die Jugend, stürmte die Konzerte. Die wichtigsten Bands, die man im Zuge dieser Entwicklung nennen muss, sind die Mitglieder Band „Electra“ aus Dresden, die besonders dadurch bekannt wurden, dass sie samt Querflöte das gesamt Album der Band Jethro Tull „Thick as a brick“ coverten. Nicht wegzudenken aus der Ostrockszene ist "Karussell". Die Gruppe entstand 1976 aus Mitgliedern von "Fusion" und "Renft". Bis 1983 waren die Lieder von "Karussell" durch
4 vgl. http://www.ostbeat.de/Geschichte.htm
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Arbeit zitieren:
Elli H., 2008, Musik in der DDR der 70er Jahre, München, GRIN Verlag GmbH
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