Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Herleitung der Taylor-Reihe mit der Entwicklungs-
stelle x 0 und der Maclaurin-Reihe mit x 0 0 f
ur die
Potenzreihenentwicklung einer Funktion f (x) 4
3 Herleitung der Restgliedformel nach Lagrange
mithilfe des erweiterten Mittelwertsatzes der
Di fferentialrechnung 8
4 Herleitung spezieller Funktionen und Beispiele
der Potenzreihenentwicklung mit Konvergenz-
betrachtungen 12
4.1 Konvergenzradius r einer Potenzreihe 13
4.2 Die nat urliche Exponentialfunktion exp(x) 14
4.3 Der Logarithmus naturalis 17
4.4 Die Kosinusfunktion cos(x) 21
5 Anwendungen der Potenzreihenentwicklung 25
6 Literaturverzeichnis 27
1 Einleitung
Die Welt der Mathematik und ihre dazugeh¨ origen zahlreichen Anwendungen weisen h¨ aufig komplizierte und abstrakte Funktionen auf, deren Auswertung lange und aufwendige Rechenwege mit sich zieht. Darum ist es sinnvoll, solche Funktionen durch umg¨ anglichere Funktionen m¨ oglichst gut zu approximieren, d.h. an zu n¨ ahern (lat. appropinquare: sich n¨ ahern). Dazu bieten sich der Einfachheit halber Funktionen an, welche sich durch Polynome oder durch eine unendliche Polynomfunktionen, also Potenzreihen, darstellen lassen. Potenzreihen besitzen die Form einer unendlichen Reihe 1 ∞ i=0 a i (x − x 0 ) i wobei gilt:
∞
a i (x − x 0 ) i = a 0 + a 1 (x − x 0 ) + a 2 (x − x 0 ) 2 + a 3 (x − x 0 ) 3 + ... (1) i=0
mit den Koeffizienten a i und der Entwicklungsstelle x 0 .
Diese Idee der Approximation sowie und ihr dazugeh¨ origer Sachverhalt mit einigen Schlussfolgerungen waren bereits Gregory, Newton, Leibniz und Johann Bernoulli bekannt, doch erst der britische Mathematiker Brook Taylor 2 - ein Sch¨ uler Newtons und Mitglied des Komitees zur Kl¨ arung des Streits ¨ uber die ” Erfindung“ der Differential- und Integralrechnung zwischen Newton und Leibniz - f¨ uhrte die Gedanken zu Ende und publizierte sie als Erster im Jahr 1715 in seinem Werk Methodus incrementorum directa et inversa : heute als ” Satz von Taylor“ und ” Taylor-Reihe“ be-
kannt. Im Werk Treatise of Fluxions vom schottischen Mathematiker Colin Maclaurin 3 gewinnt die Reihe Brook Taylors noch weiter an Bedeutung, da Maclaurin daraus die vom Vorzeichen h¨ oherer Ableitungen abh¨ angigen Folgerungen ¨ uber Maxima und Minima ableitete. Der Sonderfall der Taylor-Reihe mit der festen Entwicklungsstelle x 0 = 0, den der Schotte
haupts¨ achlich betrachtete, ist heute in der Fachwelt der Mathematik noch Maclaurin-Reihe“ wohlbekannt. (vgl.[7]) als ”
1 Zum vollst¨ andigen ¨ Uberblick Anlage 1 betrachten.
2 1685-1731, einer der bedeutendsten Mathematiker sowie zu jener Zeit anerkannter Maler und Musiker
3 1698-1746, 1717 bereits Mathematikprofessor in Aberdeen und sp¨ ater in Edinburgh
3
2 Herleitung der Taylor-Reihe mit der Entwicklungsstelle x 0 und der Maclaurin-Reihe mit x 0 = 0 f ¨ ur die Potenz-reihenentwicklung einer Funktion f (x)
Nun zur¨ uck zur ¨ Uberlegung durch Approximation komplizierte Funktionen durch einfache Polynome auszudr¨ ucken. Man kann mithilfe einer linearen Funktion (N¨ aherungsfunktion P(x) genannt), die an die Stelle x 0 an den Graphen G f angelegt wird, was geometrisch betrachtet der Tangente der Funktion f (x) im Punkt S (x 0 | f (x 0 )) entspricht und zur Tangentengleichung
y T f¨ uhrt, eine relativ gute N¨ aherung f¨ ur f (x) erhalten, wie am folgenden Beispiel mit f (x) = sin(x) und x 0 = 0 ersichtlich wird: (vgl.[4], S.216)
P(x) = y T = f (x 0 ) + f (x 0 )(x − x 0 )
(2)
f (x) = sin(x) und f (x) = cos(x) mit f (0) = 0 und f (0) = 1 (3)
da x 0 = 0 und wegen (2) und (3) :
P(x) = y T = f (x 0 ) + f (x 0 )(x − x 0 ) = f (0) + f (0) · x = x und P (x) = 1
Die N¨ aherungsfunktion P(x) = x ist ein Polynom 1. Ordnung und wurde
hier mit Hilfe der Tangentengleichung so bestimmt, dass an der betrachteten Stelle x 0 = 0 die N¨ aherungsfunktion im Funktionswert und im Wert der 1.
Ableitung mit der gegebenen Funktion ¨ ubereinstimmt:
Wie deutlich in Abbildung 1 zu erkennen ist n¨ ahert sich der Graph von P(x) der Sinuskurve bei x 0 gut an, solange man sich nicht zu weit von x 0 = 0 in
x-Richtung entfernt.
4
Nach diesem Ansatz der linearen Ann¨ aherung soll nun aber eine noch genauere Approximation durch Polynome h¨ oherer Ordnung gelingen. Die gegebene Funktion und ihre N¨ aherungsfunktion sollen an der Stelle x 0 nicht nur in ihren Funktionswerten und den Werten ihrer ersten Ableitung ubereinstimmen, sondern desweiteren in ihren n ersten Ableitungswerten. ¨
F¨ ur die N¨ aherungsfunktion P(x) eignet sich wie oben genannt eine Polynomfunktion.
Es wird also gefordert (vgl.[10]) , dass
P(x 0 ) = f (x 0 ); P (x 0 ) = f (x 0 ); P (x 0 ) = f (x 0 ); P (x 0 ) = f (x 0 ); ... (4)
Da sich hier auf die Maclaurin-Methode beschr¨ ankt und konzentriert wird, ist per Definition x 0 = 0 und es ergibt sich mit (1) nun f¨ ur die N¨ aherungs-
funktion die (endliche) Polynomfunktion P n (x) der Form
Allerdings ist nicht zu erwarten, dass die Funktion und die Polynomfunktion an allen Punkten immer exakt die selben Werte besitzen - es existiert sozusagen geometrisch gesehen eine Diskrepanz zwischen dem Graphen des Polynoms und dem eigentlichen Funktionsverlauf, sprich ein ” Fehler“
R n (x) = f (x) − P n (x), welcher Restglied R n genannt wird (dazu aber mehr
im Kapitel 3).
5
Zur n¨ aheren Bestimmung der Koeffizienten a i wird P n (x) gliedweise differenziert - man bildet also der Forderung (4) nachkommend die n ersten Ableitungen, n ∈ N:
n
P n (x) = a 0 + a 1 x + a 2 x 2 + a 3 x 3 + ... + a n x n = i=0 a i x i n P n (x) = 1 · a 1 + 2 · a 2 x + 3 · a 3 x 2 + 4 · a 4 x 3 + ... + n · a n x (n−1) = i=1 (i a i x i−1 ) n (x) = 1 · 2 · a 2 + 2 · 3 · a 3 x + 3 · 4 · a 4 x 2 + ... + (n − 1) · n · a n x (n−2) P n (x) = 2 · 3 · a 3 + 2 · 3 · 4 · a 4 x + 3 · 4 · 5 · a 5 x 2 + ... + (n − 2)(n − 1) · n · a n x (n−3) P
n (x) = 2 · 3 · 4 · a 4 + 2 · 3 · 4 · 5 · a 5 x + ... + (n − 3)(n − 2)(n − 1) · n · a n x (n−4) P (IV)
· · ·
n (x) = 1 · 2 · 3 · 4 · · · (n − 2)(n − 1) · n · a n = n!a n P (n)
Nun ergibt sich aus der Forderung, dass die Funktions- und Ableitungswerte von f (x) und P n (x) an der Stelle x 0 = 0 ¨ ubereinstimmen sollen, folgendes:
⇒ a 3 = f (0) n (0) = 2 · 3 · a 3
2·3
⇒ a 4 = f (IV) (0) f (IV) (0) = P (IV) n (0) = 2 · 3 · 4 · a 4
2·3·4
· · ·
Somit erh¨ alt man f¨ ur a i also f (i) (0)
und die Polynomfunktion lautet folglich: i!
Diese Polynomfunktion (5) heißt Maclaurin-Funktion 4 von f (x) mit Entwicklungsstelle x 0 = 0.
4 Bemerkung zur Notation: Im Folgenden wird die Maclaurin-Funktion mit T n (x; 0) bezeichnet. (F¨ ur weitere Bezeichnungen wird auf Anlage 1 verwiesen.)
6
Wenn man von einer beliebigen Entwicklungsstelle ausgeht - also Null durch x 0 und x durch (x−x 0 ) ersetzt wird - und die Summierung bis ins Unendliche fortgesetzt werden soll erh¨ alt man die Taylor-Reihe:
Man darf f¨ ur eine Funktion f (x) eine Potenzreihenentwicklung nach Taylor bzw. Maclaurin nur dann anwenden, wenn gilt: Die Funktion f mit f : I → R ist ¨ uber einem Intervall I = [x 0 ; x] definiert
und darin stetig differenzierbar und auf dem offenen Intervall I wenigstens (n + 1) -mal differenzierbar. Differenzierbar nat¨ urlich deswegen, weil man
an der zu entwickelnden Stelle die Ableitungen bilden muss und stetig, was aus der Differenzierbarkeit folgert, damit die Funktion ohne Unterbrechung ist.
Um jeweils zur Taylor- bzw. Maclaurin-Reihe zu gelangen, ben¨ otigt man also die Potenzreihenentwicklung 5 nach Taylor bzw. Maclaurin der Funktion f (x).
Eine Funktion f (x) wird genau dann durch ihre Taylor- bzw. Maclaurin-Reihe dargestellt, wenn der Limes des dazugeh¨ origen Restgliedes f¨ ur alle x ∈]x 0 ; x 0 + h[ f¨ ur n → ∞ Null ist: lim n→∞ R n (x; x 0 ) = 0 . (vgl.[3])
Unter den obigen Voraussetzungen f¨ ur die Approximation einer Funktion gilt der Satz von Taylor
Speziell f¨ ur die Entwicklung nach Maclaurin (x 0 = 0) und ihr Restglied gilt
dann:
7
Arbeit zitieren:
Hannes Rosenow, 2011, Potenzreihenentwicklung mit der Entwicklungsstelle x0 = 0 nach Maclaurin, München, GRIN Verlag GmbH
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