1. Räumliche Mobilität
1.1 Definition
Unter räumlicher Mobilität versteht man die Beweglichkeit und Bewegung von Personen und Personengruppen in der Gesellschaft.
1.2 Arten und Anlässe
Um die übermäßig große Zahl dieser Vorgänge strukturiert einteilen und bewerten zu können, werden diese nach folgenden Punkten untergliedert:
- Einzel-, Gruppen- und Massenmobilität
- Freiwillige und unfreiwillige (erzwungene) Mobilität - Gemeindliche, zwischengemeindliche, regionale Mobilität, nationale und internationale Mobilität - Berufs-Mobilität oder Arbeitswanderung
Diese Auflistung ließe sich problemlos durch weitere Formen der Mobilität beliebig weit ergänzen.
1.3 Zirkuläre Mobilität und Residentielle Mobilität (Wanderung)
Die oben aufgeführten Varianten der räumlichen Bewegung werden in Zusammenhang mit einem möglicherweise damit verknüpften Wohnsitzwechsel unterteilt in Zirkuläre Mobilität und Residentielle Mobilität.
Bleibt der Wohnsitz während der Bewegung sichtlich erhalten, so spricht man von der Zirkulären Mobilität. Unter diesen Begriff fallen zum Beispiel Urlaubsreisen oder das Pendeln zwischen Arbeitsplatz und der Wohnung. Der (Haupt-) Wohnsitz bleibt als Ausgangs- und Endpunkt dieser Bewegung erhalten.
Wird im Gegensatz dazu allerdings der Wohnsitz verändert, so spricht man von der so genannten Residentiellen Mobilität. Um hierbei für Klarheit zu sorgen, hat das Statistische Bundesamt festgelegt, dass man von Residentieller Mobilität spreche, wenn der Wohnsitzwechsel über die Gemeindegrenzen hinweg ausgeführt wird. Bei Erfüllung dieser Kriterien spricht man auch von einer Wanderung; hier werden die Bewegungen definiert, die einen Wohnsitzwechsel bedingen.
Wanderungen sind ein bestimmender Faktor der Bevölkerungsentwicklung. Sie beeinflussen maßgeblich wichtige Aspekte der Sozialstruktur und die Einwohnerzahl. Bei einem Wechsel des Wohnsitzes über die Staatsgrenze hinweg wird dies allerdings als Außenwanderung oder Migration bezeichnet.
1.4 Sozialbedeutung der Wanderungen
Zu einem des am gründlichst erforschten Gebietes des menschlichen Entscheidungsverhaltens kann man die Untersuchung der räumlichen Mobilität, der dazu gehörigen Ursachen und Erscheinungsformen zählen. Hierfür können nachfolgende Kriterien genannt werden:
- Wanderungen können als Lösung eines Problems bezüglich des Sozialverhaltens gelten, z.B.: Arbeits- und Wohnbedingungen, Bildung und Freizeit - Wanderungen betreffen nicht nur die Wandernden an sich, sondern auch ein dazu gehöriges Umfeld: Arbeitskollegen, Bekannte, Nachbarschaft und Familie - Wanderungen gelten auch als Veränderung des sozialen Status`: eine Wanderung kann Folge eines Arbeitsplatzwechsels und dem damit verbundenen Umzug in einen anderen Wohnort sein.
Dahingehend kann zusammengefasst werden, dass die Wanderungen eine große Rolle für die Sozialstruktur der Gesellschaft und deren sozialen Wandel spielen.
(Im Jahr 1994 gab es 3,39 Millionen Umzüge, ungefähr jeder 19. Einwohner führte einen Umzug über die Gemeinde- bzw. Landesgrenzen durch.)
2.Verkehr
2.1 Pendler-Mobilität
Die Hauptfigur der mobilen Lebensgestaltung spielt der Pendler, für den es zu einer alltäglichen Handlung wurde, das Privatleben von den anderen Bereichen, in denen er tätig ist, abzugrenzen. So ist es für ihn primär wichtig, seinen Wohnort so zu wählen, dass er von dort aus seine anderen so genannten „Funktionszonen“, wie zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitbeschäftigungen, gut erreichen kann. Durch die Motorisierung wurde den Pendlern die Möglichkeit eröffnet, den Arbeitsplatz und den Wohnort von einander weiträumig entfernt zu legen.
Ob man seinen Wohnort in Richtung des Arbeitsplatzes oder der Freizeitbeschäftigung gelegt hat, entscheidet nicht über das Pendlerverhalten. Beide Entscheidungen erfordern Mobilität, die automatisch durch die Motorisierung bestimmt ist. Mit der zunehmenden Mobilität entwickelt sich zwangsläufig eine Änderung des Wohnverhaltens der Bevölkerung, was sich in der Stadt-Umland-Wanderung wiederspiegelt.
Moped, Mofa: 1,9 Fahrrad: 2,2 Fußgänger: 0,6 Sonst: 4,7 Das Schaubild zeigt, dass das Auto im Alltag eine große Rolle spielt und dadurch zu dem wichtigsten Verkehrsmittel zählt.
2.2 Das Auto als wichtigstes Verkehrsmittel
Den Begriff „motorisierte Individualmobilität“ kann man als stärkstes Argument für die Wichtigkeit des Autos nennen. Die Bewegung und Beschleunigung der Moderne führen Mobilität und Mobilisierung mit sich.
Nicht nur für den Pendlerverkehr ist das Auto unabdingbar geworden (¾ der Wege werden mit dem PKW zurückgelegt), auch im alltäglichen Leben spielt das Auto eine große Rolle. Allein 61 % der Urlaubsreisen werden mit dem Auto angetreten. Gründe hierfür liegen darin, dass sich durch den Rhythmus des Lebens die Gesellschaft dahingehend verändert hat, dass sie zu einer „punktuellen Gesellschaft“ geworden ist, die durch die Beschleunigung, Vernetzung und Verdichtung der sozialen und zeitlichen Räume nur noch von Punkt zu Punkt springt und die dazwischenliegenden zwischenmenschlichen Beziehungen und Sozialkontakte außer Acht lässt.
Bertold Brecht sprach in Zusammenhang mit der individuellen Mobilität von einem „Wirklichkeitsverlust der industriellen Moderne“.
Auch bei der Verteilung des Güterverkehrs zeigt sich, dass das Auto das dominierende Verkehrsmittel der heutigen Gesellschaft ist:
Arbeit zitieren:
Stefanie Gerhardt, 2003, Räumliche Mobilität unter besonderer Berücksichtigung der Stadt-Land und der Land-Stadt Wanderung, München, GRIN Verlag GmbH
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