Inhalt
1. Einleitung 3
2. Das Lebewesen Pferd 4
2.1 Das Wesen des Pferdes 4
2.2 Die pädagogische Nutzbarkeit der artspezifischen Verhaltensweisen des Pferdes 5
3. Gründe für den Einsatz von Pferden 6
3.1 Die Förderung im sozialen und emotionalen Bereich 7
3.2 Die Förderung im psychischen Bereich 8
3.3 Die Förderung im sportlichen Bereich 9
3.4 Gründe gegen den Einsatz von Pferden 10
4. Einbindung des Pferdes in den schulischen Alltag 11
4.1 Kooperation mit einem geeigneten Reitbetrieb/ Reitverein 11
4.2 Genehmigungen 12
4.3 Kosten und Finanzierung 13
5. Ästhetik 13
5.1 Ästhetische Bildung 14
5.2 Ästhetische Bildung durch Reiten 14
6. Schlussbemerkung 16
Literatur 18
2
1. Einleitung
Wenn über die Einbindung des Pferdes in den schulischen Kontext nachgedacht wird, kommt häufig der Einwand: „Das ist doch viel zu exklusiv, zu teuer, versicherungstechnisch zu problematisch und schließlich: wo ist der Bildungswert?“ Diese Arbeit soll versuchen, die oben angeführten Einwände zu widerlegen und die Nutzbarkeit des Pferdes im schulischen Kontext zu erläutern. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beschränkt sich daher auf wenige Teilaspekte. Zu erst einmal möchte ich einen kurzen Abriss über die Geschichte des Lebewesens Pferd geben, denn das ist wichtig, um zu verstehen, warum das Pferd einen sehr hohen Bildungswert für die Schule hat. Der nächste Punkt beschäftigt sich mit der pädagogischen Nutzbarkeit des Pferdes. Hierbei geht es um das artspezifische Verhalten eines Tieres, das alle Sinne des Menschen anspricht.
Im Hauptteil gehe ich dann auf die Gründe, die für den Einsatz des Pferdes sprechen, ein. Wo genau und in welchen Bereichen kommt es zu einer Förderung von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit dem Pferd?
Ich beschreibe 5 Bereiche, in denen es zu einer Förderung kommt, wobei der Bereich „soziale und emotionale Förderung“ zusammengefasst wurde. Die Förderung im sportlichen Bereich ist so vielfältig, daß ich mich auf einige Beispiele beschränken muss. Trotz der unbestritten positiven Eigenschaften des Pferdes im Bezug auf den Menschen möchte ich auch auf Gründe eingehen, die gegen den Einsatz von Pferden sprechen. Dabei interessiert mich vorrangig die Einbindung des Pferdes in den schulischen Kontext. Da eine Arbeitsgemeinschaft die am meisten geeignete Form darstellt, gehe ich speziell auf die Rahmenbedingungen, die zur Realisierung einer Reit-AG notwendig sind, ein. Mit Rahmenbedingungen meine ich die Kooperation zwischen einem geeigneten Reitbetrieb/ Verein, Genehmigungen die eingeholt werden müssen und die Kosten sowie die Finanzierung einer Reit-AG. Zum Schluss komme ich noch auf das Thema Ästhetik zu sprechen. Hier kläre ich zunächst einmal den Begriff „Ästhetik“ bzw. „Ästhetische Bildung“ in diesem Zusammenhang. Dann gehe ich der Frage nach, in wie weit Reiten und der Umgang mit Pferden etwas mit Ästhetischer Bildung zu tun hat. Bei der Frage welche Funktionen der Umgang mit Pferden hat, stütze ich mich auf die außerschulische Studie Hans Günther Bastians. Aufgrund der besseren Lesbarkeit verwende ich in der Regel den Begriff des Pferdes, wobei diese Bezeichnung auch das Pony mit einschließt.
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2. Das Lebewesen Pferd 2.1 Wesen des Pferdes
Selbst in der heutigen Zeit ist in der Wissenschaft ein Geheimnis um das Pferd ungelöst, nämlich sein Gehorsam gegenüber dem Menschen. Die Frage, warum sich ein Lebewesen mit einem Gewicht von nahezu einer Tonne, das eine Geschwindigkeit von 80km/h erreichen kann und das zehnfache seines Eigengewichtes zieht, dem eher schwächlichen Menschen unterwirft, ist noch immer ebenso rätselhaft wie vor 10.000 Jahren, als der Mensch sich das Pferd untertan machte.“ 1 Auch wenn dieses Rätsel bis heute nicht gelöst ist, so wissen wir doch einiges über das Wesen des Pferdes, was es uns wiederum erleichtert, es zu verstehen und vor allem das Pferd zu unserem „Partner“ macht.
Das Pferd ist ein soziales Herdentier. Der Herdenverband, in dem es lebt, bietet ihm Schutz und Sicherheit. Außerdem lernen jüngere Pferde durch Nachahmen von älteren Pferden. 2 Eine weitere Eigenschaft des Pferdes ist es, daß es bei Gefahr flüchtet und nicht kämpft. Im ursprünglichen Lebensraum, der Steppe, war es für Pferde wichtig, schnell flüchten zu können, um sich in Sicherheit zu bringen. 3 Eine Ausnahme bildet die Situation eines Muttertieres, das ein Fohlen hat und dieses noch nicht so schnell fliehen kann. Dann verteidigt die Stute ihr Fohlen gegen Raubtiere mit ihren Hinterhufen. 4 Pferde brauchten aber, um zu überleben, nicht nur einen guten Fluchtreflex, sondern auch sehr ausgereifte Sinne, damit sie Feinde früh genug wahrnehmen konnten. „Die Augen sind anders als beim Menschen, seitlich am Kopf angesetzt und ermöglichen dem Pferd damit einen Rundumblick von fast 360 Grad.“ 5 Aber nicht nur die Augen sind wichtig für die „Feinderkennung“ - auch ein sensibles Gehör spielt eine große Rolle. „Pferde haben ein sensibles Gehör und können sogar im Ultraschallbereich hören.“ 6 Hinzu kommt der Geruchssinn des Pferdes, der sehr gut ausgebildet ist. „Pferde nehmen in der Ferne Witterung auf, um einen Feind auszumachen. Artgenossen erkennen sich durch den Geruch und auch Futter und Wasser wird mit der Nase geprüft.“ 7 Weil Pferde nicht sprechen können, sind sie in ihrer Kommunikation auf Körpersprache angewiesen. „Die Körpersprache ist komplex und jede Bewegung ist für das Pferd eine Information. Die einzelnen Merkmale stehen immer im
1 Reitsport 2000, S. 30.
2 Vgl. Rehder 2007, S. 28.
3 Vgl. Ebenda.
4 Vgl. Ebenda.
5 Rehder 2007, S. 29.
6 Ebenda.
7 Ebenda.
4
Gesamtzusammenhang mit dem Ausdruck des ganzen Pferdes sowie dessen Körperhaltung.“ 8 Das Pferd bewegt sich in drei Gangarten vorwärts Schritt, Trab und Galopp. „Der Schritt ist eine schreitende Bewegung im Viertakt ohne Schwebephase. (…) Der Trab ist ein Zweitakt mit einem Moment der freien Schwebe. (…) Im Galopp bewegt sich das Pferd im Dreitakt in einer Folge von Sprüngen mit einem Moment der freien Schwebe. (…). 9 Beim Umgang mit dem Lebewesen Pferd sind die oben aufgeführten Wesens-Charakteristika wichtige Anhaltspunkte. „Es ist die Aufgabe des Menschen, sich in das Pferd hineinzufühlen und die Umstände so zu gestalten, dass ein vertrauensvoller Umgang mit dem Pferd möglich wird.“ 10
2.2 Die pädagogische Nutzbarkeit der artspezifischen Verhaltensweisen des Pferdes Das Lebewesen Pferd handelt ausschließlich nach Instinkten und Erfahrungen. Es kann sein Verhalten demnach nicht durch Worte verfälschen oder zum Beispiel lügen. Der große Vorteil der sich daraus ergibt, ist, dass „ (…) es keinen Unterschied zwischen hübschen oder hässlichen, kranken oder gesunden Menschen“ 11 macht. Pferde begegnen demnach Menschen ohne jegliches Vorurteil im Gegensatz zu uns Menschen. „Wird ein Fehler begangen oder ist dem Pferd eine Situation unangenehm, macht das Pferd es dem Menschen wertfrei und ohne erhobenen Zeigefinger deutlich.“ 12 Es reagiert auf Fehler mit seiner Körpersprache. Zum Beispiel macht es deutlich, dass ihm etwas nicht gefällt, indem es die Ohren anlegt. „Das Pferd reagiert im Hier und Jetzt, ehrlich und aggressionsfrei auf seine Umgebung.“ 13 Kommt es zu einem Fehler im Umgang mit dem Pferd, so folgt unmittelbar eine Reaktion des Pferdes und der Mensch hat die Möglichkeit, sein eigenes Verhalten zu ändern. „Da das Pferd nicht nachtragend ist und auf darauf folgendes, angemessenes Verhalten auch direkt positiv
reagiert, kann eine positive Beziehung aufrechterhalten werden.“ 14 Das Pferd ist somit wie ein Spiegelbild der Person, die mit ihm umgeht. Es spiegelt sofort durch seine Körpersprache und sein Verhalten Fehler des Menschen und gibt ihm die Möglichkeit diese wieder gut zu machen. „Es muß zu einem Wechselspiel werden, das zum einen viel Sensibilität als Grundbedingung benötigt. Zum anderen wird durch das gemeinsame Umgehen Sensibilität
8 Ebenda.
9 Rehder 2007, S. 30.
10 Rehder 2007, S. 31.
11 Rehder 2007, S. 35.
12 Ebenda.
13 Ebenda.
14 Rheder 2001, S. 35.
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Arbeit zitieren:
Veronika Dombaj, 2008, Die Nutzbarkeit des Pferdes im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
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