Inhalt
1. Einleitung 2
2. Aufbau der Bibelstelle. 2
3. Gottesreden. 3
3.1. Die erste Rede Gottes. 3
3.2. Die zweite Rede Gottes. 7
4. Ijobs Antworten. 10
4.1. Ijobs erste Antwort 10
4.2. Ijobs Umkehr und Unterwerfung. 10
5. Ijobs Rechtfertigung 11
6. Die Theodizeefrage und das Buch Ijob heute 12
7. Fazit. 15
8. Anhang. 16
9. Literaturverzeichnis. 18
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1. Einleitung
„Warum lässt Gott Leid zu?“ - das ist die Frage, die viele beschäftigt. Doch diese sogenannte Theodizeefrage, die den Tun-Ergehen-Zusammenhang aufgreift, soll nicht vollständig unbeantwortet bleiben. Denn ein Buch der Bibel greift dieses Thema sehr explizit auf: Das Buch des Ijob, welches in der Bibel unter den Büchern der Lehrweisheit zu finden ist. 1 Im Folgenden soll die Bibelstelle Ijob 38,1-42,9 exegetisch ausgelegt werden. In diesem Zusammenhang soll herausgefunden werden, worin die Antwort auf die Leidfrage zu sehen ist. Es soll aufgezeigt werden, welche Antwort Gott Ijob auf dessen Klagen gibt, worin Ijob selbst die Antwort sieht und wie der Abschnitt Die Antwort Gottes (Ijob 38,1-41,26) auf Ijob wirkt. Dabei wird explizit auf die Reden Gottes, die Antworten Ijobs und auf dessen Rechtfertigung eingegangen, indem sie unter anderem hinsichtlich ihrer stilistischen Besonderheiten untersucht und exegetisch ausgelegt werden. Gibt es rhetorische Stilfiguren, welche die Aussagen Gottes besonders bekräftigen wollen? Des Weiteren fragt sich: Ist das Buch Ijob als biblische Klärung der Theodizeefrage zu verstehen? Welche Bedeutung kann das Buch mit seinem Inhalt für uns einnehmen? Wie kann ein Mensch sein Leiden verstehen? Es soll versucht werden, diese Fragen mit Hilfe einer musikalischen Interpretation in Ansätzen zu beantworten. Im Folgenden soll nun zuerst dargestellt werden, wie sich der zu behandelnde Bibelausschnitt aufgliedert.
2. Aufbau der Bibelstelle
Der zu untersuchende Bibelausschnitt Ijob 38,1-42,9 unterteilt sich in drei große, durch die Bibel bereits festgelegte Abschnitte: Die Antwort Gottes (Ijob 38,1-41,26), Ijobs Umkehr und Unterwerfung (Ijob 42,1-6) und Ijobs Rechtfertigung (Ijob 42,7-9), welche ein Teil der Rahmenerzählung darstellt. 2 Gottes Antwort beinhaltet dabei zwei Reden. Die erste erhält in der Bibel den Titel „Fragen zum Geheimnis der Schöpfung“ (Ijob 38,1-40,2) und die zweite wird „Gottes Weisheit und Macht“ (Ijob 40,6-41,26) genannt. 3 An die erste schließt Ijob mit den Versen 40,3-5 eine Antwort an. Auch auf die zweite Rede antwortet Ijob direkt folgend in den Versen 42,1-6. Auf den kommenden Seiten sollen nun die jeweiligen Abschnitte vorgestellt, analysiert und exegetisch ausgelegt werden.
1 Vgl. Die Bibel, Einheitsübersetzung, 5
2 Vgl. Ijob 38,1-42,9
3 Ebd.
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3. Gottesreden
Die Gottesreden (38-40,2; 40,6-41,26) gehen auf die Antworten der Freunde, welche sie Ijob auf seine Frage, warum gerade er Leid erfahre, nicht ein. 4 Vielmehr wird in den beiden Reden der von den Freunden ausgesprochene Verdacht übergangen, dass Ijobs Sündhaftigkeit „der Grund für sein Leiden“ 5 sei. Schwienhorst-Schönberger sieht dies als „eine stilistisch höchst eindrucksvolle Zurückweisung der Theologie der Freunde“. 6 Wenn die Reden Gottes nicht auf die Leiderklärung der Freunde eingehen, worauf gehen sie stattdessen ein? Geben sie eine Antwort auf die Theodizeefrage?
3.1. Die erste Rede Gottes
Gott antwortet mit dieser Rede erstmals Ijob auf seine Klagen. Vor allem geht die Rede „auf den besonders in Ijob 3 erhobenen Vorwurf ein, die Erde sei ein Chaos, indem sie unter Hinweis auf den Schöpfergott (38,4-38) und mit Hilfe des Bildes vom »Herrn der Tiere« (38,39-39,30) die trotz des Vorhandenseins chaotischer Mächte bestehende Ordnung der Welt aufzeigt.“ 7 Gott spricht dabei zu „Ijob aus dem Wettersturm“. 8 Diese Erscheinung Gottes aus dem Unwetter heraus wurde durch die Reden des Elihu in Ijob 32,1-37,24 bereits vorbereitet. Das Unwetter bildet den äußeren Rahmen der Gotteserscheinung und hat sich schon während der letzten Rede Elihus entladen. 9 Gott spricht mit Ijob ganz allein, da die Rede nur an Ijob gerichtet ist. Dies ist mitunter daran zu erkennen, dass er Ijob direkt mit „du“ anspricht: „Ich will dich fragen, du belehre mich!“ 10 und ihn damit auffordert, sich „Gott zu stellen und sich mit ihm zu messen“. 11 Jahwe wirft Ijob dabei vor, er sei derjenige, der Gottes Rat mit seinem Gerede ohne Einsicht verdunkle. 12 Die Hinweise auf den Schöpfergott werden nun durch „Fragen zum Geheimnis der Schöpfung“ 13 aufgezeigt, daher trägt die Rede eben diesen Titel. Die Fragen sind alle rhetorisch formuliert, das heißt, sie benötigen keine Antwort, da man diese bereits weiß. Sie erwarten daher auch von Ijob keine Antwort - „sie sollen sich vielmehr wie ein Stachel in ihn hineinbohren und ihn je neu zur Begegnung mit dem wirklichen und in
4 Vgl. Schwienhorst-Schönberger, L., Das Buch Ijob, 347
5 Ebd. 6 Ebd.
7 Schwienhorst-Schönberger, L., Das Buch Ijob, 343 8 Ijob 38,1
9 Vgl. Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 179 10 Ijob 38, 3 11 Groß, H., Ijob, 131 12 Vgl. ebd.
13 Ijob 38,1-40,2
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seinem Leben vielfältig erfahrbaren Gott anstoßen.“ 14 Mit der Stilfigur der rhetorischen Fragen und der Anhäufung dieser veranschaulicht Gott Ijob seine ganze und vor allem überlegene Macht und thematisiert dabei die Herrlichkeit und Schönheit der Schöpfung, indem das Schöpfungsgeschehen systematisch abgegangen wird. 15 Brandenburg hat nun aufgrund der Vielfältigkeit und Menge der rhetorischen Fragen die erste Rede Gottes thematisch in 13 Sinnabschnitte eingeteilt, welche im Folgenden vorgestellt werden sollen. Der erste Abschnitt (Ijob 38,4-7) handelt von der Schöpfung der Erde und ist damit nicht allein. Denn es fragen noch drei weitere nach der Schöpfung - des Meeres, des Lichtes und nach den Maßen der Welt. Die rhetorische Frage „Wo warst du, als ich die Erde gegründet?“ 16 lässt schlussfolgern, dass Ijob kein Zeuge der Erschaffung der Erde war und somit selbst nichts darüber sagen kann. 17 In Vers 7 sind verschiedene rhetorische Stilfiguren zu finden: „als alle Morgensterne jauchzten, / als jubelten alle Gottessöhne“. 18 Da Morgensterne eigentlich nicht jauchzen können, kann hier von einer Personifizierung derer gesprochen werden. Des Weiteren sind sie Metapher für „Gottes himmlische Geister“. 19 Unter der Bezeichnung „Gottessöhne“ in Vers 7 sind laut Brandenburg die Engel Gottes zu verstehen. 20 Der nächste Abschnitt greift in Ijob 38,8-11 „die Erschaffung des Meeres“ 21 auf. Das Meer als die Urflut wird mit den Worten „als schäumend es dem Mutterschoß entquoll“ 22 ebenso personifiziert - es gleicht einem „neugeborenen Kinde, das den Mutterschoß verlässt und vom Schöpfer des Alls in die Windeln der Wolken und Nebel gehüllt wird.“ 23 Wie schäumend es auch floss und quoll, Gott hat ihm in den Versen 8 und 10 die Grenzen mit Toren, Schlössern und Worten gewiesen: „Bis hierher darfst du und nicht weiter, / hier muss sich legen deiner Wogen Stolz“. 24 In Ijob 38,12-15 wird nun die Schaffung des Lichtes thematisiert. Hierbei geht es um das Licht jedes neuen Tages und um die Ordnung der Welt, die Jahwe erzeugt. Es wird betont, dass der Mensch dagegen keinen einzigen Tag hervorrufen kann. 25 „Die Maße der Welt“ 26 bilden mit Ijob 38,16-21 den nächsten Sinnabschnitt. Hier wird Ijob bspw. gefragt, ob er „zu den Quellen des Meeres gekommen ist.“ 27 Mit dieser und
14 Groß, H., Ijob, 131 15 Vgl. ebd. 16 Ijob 38,4
17 Vgl. Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 180 18 Ijob 38,7
19 Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 180 20 Vgl. ebd.
21 Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 180 22 Ijob 38,8
23 Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 180 24 Ijob 38,11
25 Vgl. Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 181 26 Ebd. 27 Ijob 38,16
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weiteren rhetorischen Fragen wird gezeigt, wie klein der Mensch im Vergleich zu der Weite der Erde in Wirklichkeit doch ist. Auch wenn er viel über die Erde weiß, weiß er nicht alles und es liegt nicht alles im menschlichen Vorstellungsvermögen. 28 Denn „auf das Warum und Woher kann auch er nicht antworten (V.19)“. 29 Der nächste Abschnitt handelt vom Wetter (Ijob 38, 22-30). Gott zeigt Ijob hier, dass er Wasser, Schnee, Hagel, Reif und Eis in Kammern aufbewahrt und diese zum Wohl oder als Bestrafung der Menschheit einsetzen kann: „Wer grub der Regenflut eine Rinne, […], um Regen zu senden auf unbewohntes Land, […] um zu sättigen die Wildnis und Öde / und frisches Gras sprossen zu lassen?“ 30 Auch hier verdeutlichen die rhetorischen Fragen, dass nur der Schöpfer selbst die Fähigkeit besitzt, über diese zu bestimmen. 31 In Ijob 38,31-38 werden die Gestirne aufgegriffen. Auch diesen Bereich hat nicht ein Mensch, sondern Gott geschaffen und nur dieser kann ihn verändern und über ihn herrschen. 32 Brandenburg hat in Vers 32 eine Besonderheit ausgemacht. Dort befindet sich mit dem Wort „Tierkreis“ ein Ausdruck, den es nur an dieser einen Stelle in der Bibel zu finden gibt - ein sogenannter „hapax legomenon“. 33
Nachdem im ersten Teil der ersten Gottesrede nur Unbelebtes thematisiert wurde, befasst sich der zweite Teil mit der belebten Tierwelt und bspw. mit deren Ernährung durch ihren Schöpfer. Dies wird Ijob in den Versen 39 bis 41 gezeigt, in denen es um die Ernährung des Löwen und Raben durch Jahwe allein geht. In Ijob 39,1-4 wird das selbstständige Leben und die Fortpflanzung bezüglich der Wurfzeit des Steinbocks und des Hirschs aufgegriffen. 34 Die daraufhin folgenden Verse 5 bis 8 thematisieren den Wildesel, der ebenso wie die vorher genannten Tiere ohne den Menschen auskommt. Gott allein zeigt dem Wildesel, in dieser Bibelstelle auch als Maultier bezeichnet, wo das Tier wohnen kann und wo es Futter findet. 35 Im nächsten Abschnitt geht es um den Wildstier (Ijob 39,9-12), welcher „sich auch dem Dienst des Menschen“ 36 entzieht: „Wird dir der Wildstier dienen wollen […]?“ 37 Im Vers 13, welcher bis zum 18. Vers von der Straußenhenne handelt, ist neben den vielen rhetorischen Fragen ein weiteres stilistisches Mittel zu erkennen - der Vergleich: „Ist ihre Schwinge darum so / wie die des Storches und Falken?“ 38 Dieser Frage schließt sich eine Antwort an: „Nein,
28 Vgl. Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 181
29 Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 182 30 Ijob 38,25-27
31 Vgl. Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 182 32 Vgl. ebd.
33 Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 182f. 34 Vgl. Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 183 f., vgl. Ijob 39,1 35 Vgl. Brandenburg, H., Das Buch Hiob, 184 36 Ebd. 37 Ijob 39,9 38 Ijob 39,13
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Arbeit zitieren:
Antonia Zentgraf, 2011, Gottes Antwort und Ijobs Unterwerfung (Ijob 38,1-42,9), München, GRIN Verlag GmbH
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