Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1
2. Entstehung und Entwicklung der Gemeinwesenarbeit
2.1 Entstehung der Sozialen Frage Seite 1
2.2 Settlement-Bewegung Seite 1-2
2.3 Dritte Methode der Sozialarbeit Seite 2
3. Formen der Gemeinwesenarbeit
3.1 Wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit Seite 2
3.2 Integrative Gemeinwesenarbeit Seite 3
3.3 Aggressive Gemeinwesenarbeit Seite 3-4
3.4 Katalytisch-aktivierende Gemeinwesenarbeit Seite 4-5
3.5 Integrative, lebensweltliche Gemeinwesenarbeit als Netzwerk Seite 5
4. Heutige Gemeinwesenarbeit
4.1 Gemeinwesenarbeit als Gemeinwesennetzwerk Seite 6
4.2 Intermediarität Seite 6
4.2.1 Direkter Kontakt mit Klient (Mikroebene) Seite 7
4.2.2 Bearbeitungsebene in der Verwaltung (Mesoebene) Seite 6
4.2.3 Entscheidungsebene der Politik (Makroebene) Seite 6
4.3 Sozialraumentwicklung Seite 8-10
4.4 Stadtteilmanagement Seite 10
4.4.1 Die gesellschaftspolitische Herausforderung. Seite 11-12
4.4.2 Die politische Annäherung an das Quartier Seite 12-13
4.4.3 Stadtteilmanagement als Qualitätsbegriff Seite 13-14
5. Fazit Seite 14-15
6. Literaturverzeichnis Seite 16
1. Einleitung
Was ist unter gemeinwesenorientierter bzw. sozialraumorientierter Sozialer Arbeit, abgekürzt Gemeinwesenarbeit (GWA), zu verstehen? Mit welchen Begriffen ist diese untrennbar verbunden und welche Formen existierten früher auch und finden heute keine Anwendung mehr? Warum werden die Methoden der damaligen GWA heute teilweise eher kritisch betrachtet? Was beinhaltet die Gemeinwesenarbeit und welche Bedeutung hat sie für die Soziale Arbeit und für die Gesellschaft? Die vorliegende Hausarbeit soll versuchen, eine Antwort auf diese Fragen zu geben unter Zuhilfenahme verschiedener Quellen.
2. Entstehung und Entwicklung der Gemeinwesenarbeit
2.1 Entstehung der Sozialen Frage
Im Zuge der Industrialisierung Ende des 18.Jh./Anfang des 19.Jh. setzte eine ,,Landflucht“ ein, d.h. weite Teile der Bevölkerung strömten in die Städte, um in den Fabriken zu arbeiten. Durch das Überangebot an vielen potentiellen Arbeitskräften und durch die Konkurrenz hielten die Unternehmer die Löhne niedrig, was dazu führte, daß es neben der Arbeitslosigkeit auch der arbeitenden Bevölkerung in den Fabriken zunehmend schlechter ging. Frauen und Kinder mussten dann auch noch arbeiten und trotzdem war das Geld oft knapp, so daß ein Massenelend entstand. Trotz des Elends vergrößerte sich die Bevölkerung rasant, da es große Fortschritte auf den Gebieten der Hygiene sowie der Medizin gab. Es entstand somit die ,,soziale Frage, d.h. die Frage, wie der zunehmend verelendeten Arbeiterklasse zu helfen sei.“ 1 Eine der Antworten darauf ist in der Entstehung der Gemeinwesenarbeit zu finden, die ihren Ursprung in der Settlementbewegung hatte.
2.2 Settlement-Bewegung
Es gab zunächst einzelne Intellektuelle in den USA und England, die zu der Einsicht kamen, daß es besser sei, den Armen zu helfen aus ihrer Not herauszukommen. Sie vertraten die Ansicht, daß ,,Bildung und Kultur gerechter verteilt werden“ 2 sollten, um die Kluft zwischen Arm und Reich zu überwinden. Im Jahre 1884 wurde zunächst die ,,Toynbee-Hall“ errichtet, die als ,,settlement“ den Zweck erfüllte, daß gebildete, wohlhabende Menschen bewusst die Nähe der ungebildeten Armen suchten, um ihnen kulturelle Bildung sowie entsprechende Angebote wie gemeinsame Wanderungen anzubieten. In den folgenden Jahren gab es viele Nachahmer in England, Deutschland und auch in den USA. Eine erfolgreiche Kopie davon
zeigte sich in den USA durch die Gründung des Hull House im Jahre 1889, welches dann aber eher multikulturelle Angebote für die Bevölkerung anbot und damit erste Ansätze einer interkulturellen Arbeit beinhaltete. 3
2.3 Dritte Methode der Sozialarbeit
Die Gemeinwesenarbeit in Deutschland bezeichnet man neben der sozialen Einzelfallhilfe und der sozialen Gruppenarbeit als dritte Methode der Sozialarbeit, die in diesem Methodenkonstrukt bis Anfang der 70er Jahre des 20.Jahrhunderts existierte. Diese drei Methoden waren klar voneinander abgegrenzt. Sie sind als Mittel der Demokratisierung nach 1945 aus den USA eingeführt worden, denn sie beinhalteten Elemente der aktiven Mitbestimmung, die es vorher im zentralistisch geführten 3.Reich nicht gab. 4
3. Formen der Gemeinwesenarbeit
Die nachfolgend aufgeführten Formen der Gemeinwesenarbeit entstanden ab ca.1970, nachdem das ,,Dreiergespann“ der bisherigen Sozialarbeit durch die Studentenbewegung Ende der 60er als normative Handlungsanleitungen in Frage gestellt wurde. 5
3.1 Wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit
Bei der wohlfahrtsstaatlichen Gemeinwesenarbeit entscheiden nur die staatlichen Institutionen über alles Wichtige und sie sind es auch, die die Angebote (wie z.B. Hausaufgabenhilfe, Spielstube...) vor Ort zur Verfügung stellen. Hier gibt es keinerlei Netzwerk zwischen den Bürgern. Einzelfallhilfe und der Aufbau von Gruppen stehen hier im Vordergrund. Primär geht es hier um die Verbesserung des Dienstleistungsangebots der im Wohnviertel tätigen Institutionen und Behörden. Gesellschaftliche Widersprüche sollen durch intensive zwischenmenschliche Beziehungen erträglich gemacht werden. Fragen von Macht, Herrschaft und politischer Beteiligung werden ausgeklammert.
In den 70ern war das für Wohlfahrtsverbände, trotz dieser Einschränkungen, ein revolutionärer Ansatz, da die Betroffenen gehört werden sollten, und die Bedürfnisse nicht nur anonym abgefragt oder per Statistik ermittelt werden sollten, was vorher so praktiziert wurde.
5 GALUSKE, MICHAEL (1998): Methoden der Sozialen Arbeit. 8. Aufl. 2009, Juventa Verlag Weinheim und
München, S.112 f.
2
3.2 Integrative Gemeinwesenarbeit
Die Annahmen von M.G. Ross, der diesen Ansatz entwickelt hat, waren 1971, daß der gesellschaftliche Rahmen insgesamt gesehen zufriedenstellend und die Verteilung von Macht und Herrschaft gerecht geregelt ist. Die Menschen haben allerdings nicht gelernt, ihren verfassungsmäßig verbürgten Freiraum kreativ auszufüllen, weil in den Gemeinwesen zu wenig Kommunikation geschieht, die eine dauerhafte Kooperation zwischen den verschiedenen Gruppen eines Gemeinwesens gewährleisten könnte. Integration und Verantwortlichkeit aller werden als Mittel angeführt, um zu dem Ziel harmonischer Anpassung verschiedener Interessen an ein abstraktes Gemeinwohl zu kommen. Integration wird als Qualität verstanden, die aus dem Miteinander erwächst, wenn Leute sich bei Anliegen, die alle betreffen, "aneinander reiben", ihre Gedanken über gemeinsame Projekte austauschen und nach gemeinsamen Zielen suchen. Alle Gruppen sollen einen Wertekanon entwickeln und damit an der Beseitigung der Schwierigkeiten arbeiten. Einzig akzeptable Interventionsstrategien sind kooperative Taktiken, vernünftige Gespräche, sachliche Kompromisse, denn Protest- und Kampfmaßnahmen versperren den Weg zu einer von allen getragenen Problemlösung. Partizipation meint auch in diesem Fall nur eine Beteiligung an der Umsetzung der bereits getroffenen Entscheidungen. In der Praxis lassen sich auf diesem Weg Maßnahmen mit hohem Konsens (dementsprechend wenig Widerstand) im Gemeinwesen durchsetzen.
3.3 Aggressive Gemeinwesenarbeit
Die aggressive GWA wartet im Gegensatz zur Integrativen GWA nicht darauf, daß eine Mehrheit der BewohnerInnen im Einzugsgebiet selbstständig die Notwendigkeit einer sozialen oder politschen Aktion erkannt hat. Sie zielt sowohl auf eine Veränderung von Kräfteverhältnissen und Machtstrukturen innerhalb eines Wohnquartiers durch solidarischen Zusammenschluß von Minderheiten als auch auf gerechte Verteilung von Macht und Herrschaft und sich daraus ergebende Veränderungen des gesellschaftlichen Systems. Erreicht werden sollen diese Ziele durch die Organisation der Arbeiterklasse. Es wird davon ausgegangen, daß diese am ehesten für Veränderung zu mobilisieren ist, da sie am fühlbarsten an bestimmten sozialen Bedingungen leidet. Die Aktionsformen der aggressiven GWA inkludieren- im Gegensatz zu den vorherigen- auch sogenannte disruptive Taktiken. Damit ist gemeint, daß das System an seiner üblichen kontinuierlichen Arbeit gehindert werden soll. Es gehört zu den Methoden, die Verletzung der Verkehrssitten oder sogar der gesetzlichen Norm in Form von Demonstrationen, Steuerstreik oder öffentlichem Ungehorsam zu organisieren.
3
Arbeit zitieren:
Florian Gotthardt, 2009, Die Gemeinwesenarbeit (GWA), München, GRIN Verlag GmbH
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