Inhalt
Einleitung 1
1. Biographie des Hofpredigers Adolf Stoecker 1
2. Die Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei. 4
2.1. DER UMSCHWUNG ZUR CHRISTLICH-SOZIALE PARTEI. 6
3. Der Antisemitismus der Stoecker-Bewegung 10
3.1 DIE ANTIJÜDISCHE DEMAGOGIE DER CHRISTLICH-SOZIALEN PARTEI
(CSP) 10
3.2 DER ANTISEMITISMUS DES ADOLF STOECKER. 10
4. Schlussbemerkung. 17
Quellen 18
Literatur 18
II
Einleitung
Der Hofprediger Adolf Stoecker ist eine bis heute noch wenig umfangreich betrachtete Person in der Geschichtsforschung. Mitunter versuchte er Ende des 19. Jahrhunderts, als redegewandter Prediger „soziale“ und vor allem „christliche“ Werte in den Vordergrund zu rücken um somit dem staatsfeindlichen Liberalismus und den religionsfeindlichen Sozialdemokraten entgegenzuwirken. Durch seine antisemitischen Reden und Vorträgen zur „Judenfrage“ wurde er im ganzen Land bekannt.
In dieser Arbeit soll die antisemitische Bewegung des Hofpredigers Adolf Stoecker etwas genauer betrachtet und mit Hilfe der neuesten Literatur, aber auch durch überlieferte Reden und Tabellen als Quellentexte, die Denkweise des Antisemitismus Stoeckers ergründet werden. Es ist nicht klar, ob der Antisemitismus Adolf Stoeckers ein Nachläufer des Antijudaismus war oder ob er bereits als Vorläufer des im Nationalsozialismus bekannten rassistischen Antisemitismus verantwortlich zu machen ist.
Hierzu möchten wir einen kurzen Überblick über Adolf Stoeckers Biographie (Kapitel 1) geben und im darauf folgenden Kapitel die politische Entwicklung der von ihm gegründeten Partei darbieten (Kapitel 2). Im dritten Kapitel werden wir auf Adolf Stoecker als Wegweiser des Antisemitismus gezielt eingehen.
1. Biographie des Hofpredigers Adolf Stoecker
Als zweites Kind von vier Kindern wurde Christian 1 Adolf Stoecker am 11. Dezember 1835 in Halberstadt geboren.
Mitunter durchlief Stoeckers Vater die Wachtmeisterkarriere bis hinauf zum Quartiermeister, welches für dessen Vater, einen einfachen Tagelöhner, großen Wert hatte. Nachdem Stoeckers Vater auf Grund einer Erkrankung seinen Dienst nicht mehr vollständig ausführen konnte, wurde ihm der Posten des Gefängnisdirektors anvertraut.
1 Nach seinem Vater Christian Stoecker benannt. ( Braun, Max: Adolf Stoecker, Berlin 1912, S. 1)
1
Stoeckers Mutter war Schneiderin und versuchte stets für ihre Kinder das Großtmöglichste zu erlangen. Stoecker selbst beschrieb sie: „von großer Kraft des Willens, reich mit Phantasie begabt, voll starker Entschlüsse, die sie um jeden Preis in die Tat umsetzte.“ 2 Im frühen Kindesalter konnte Stoecker bereits reiten und wurde daheim von seinem Vater in Lesen, Rechnen und Schreiben unterrichtet. Schon bald war zu erkennen, dass Stoecker geistig begabt war. Mit sechs Jahren war er bereits für die Sexta des Gymnasiums, welches er mit seinen zwei Brüdern besuchte, reif. Jedoch beließ man ihn auf Grund seines jungen Alters auf der Volksschule und schickte ihn mit zwölf Jahren in die Quarta des Gymnasiums, wo er „Klein Stoecker“ genannt wurde, da sein älterer Bruder ebenfalls die Quarta besuchte. 3 Bald darauf erwies sich Stoeckers Begabung als Vorteil. Auf Wunsch der Lehrer half Stoecker den zurückgebliebenen Mitschülern und förderte zudem gleichzeitig sein eigenes Lehrgeschick. Darüber hinaus gewann Stoecker hierbei Einlass in die Häuser gebildeten und vornehmen Familien. Diese Hausbesuche waren stets wertvoll für den jungen Stoecker, da dieser in einfachen Verhältnissen heranwuchs.
Im Jahr 1854 bestand er mit Auszeichnung sein Abiturexamen, so dass ihm nun das Theologiestudium mit Wohlwollen bereit stand. Zunächst studierte er in Halle an der Saale, doch die ihm bald verhasste Studentenbewegungen veranlasste in zu einem Wechsel nach Berlin. Dort studierte er nach einem strengen Zeitplan und erhielt 1858 sein erstes theologisches Examen.
Nach einer einjährigen Pause, in welcher er sich als Hauslehrer verdingte, machte er sein zweites Examen 1859 in Magdeburg. 4
Daraufhin erhielt Stoecker das Angebot des Grafen Lambsdorff, dessen Kinder zu unterrichten, welches er annahm und in die baltische Provinz reiste. Nach seiner Rückkehr drei Jahre später führte ihn sein Weg abermals über Berlin, wo er 1862 das Oberlehrerexamen glänzend bestand. Daraufhin bereiste er den Süden des Landes, woraufhin sein Weg über die Schweiz und Italien führte.
2 Stocker, Adolf zitiert nach: Braun, Max: Adolf Stoecker, Berlin 1912, S. 4
3 Sexta entspricht der heutigen5 Klasse (Antrittsalter mit 10/11 Jahre), Quarta entspricht der heutigen 7 Klasse (Antrittsalter
mit 12/13 Jahre)
4 Braun, Max: Adolf Stoecker, Berlin 1912, S. 2ff.
2
1863 übernahm Stoecker die Pfarrstelle in Seggerde, von wo er 1866 nach gelungener Arbeit, nach Hamersleben ging, dessen Bewohner nach dem langen Krieg mit Österreich Bedarf an innere Missionierung hatten. Während der schweren Arbeit lernte Stoecker seine spätere Frau Anna Fredericke Krüger kennen.
Am 22 Mai 1867 heirateten sie in der der St. Gotthardi Kirche in Hamersleben. Im Herbst 1871 bewarb Stoecker sich um das Pfarramt von Metz, woraufhin er nach seiner Probepredigt zum Pastor ernannt wurde. Dort anwesende Offiziere und deren Mannschaften sprachen über Stoecker aus: „ Das ist der richtige Soldatenpastor.“ 5 Hier half er der Stadt zum Christentum zurück zu finden. Er ließ eine evangelische Kranken - und Altenpflege bauen, gründete einen Jünglingsverein und eine höhere Mädchenschule. Darüber hinaus sammelte er Geld, um den Bau einer evangelischen Kirche in der Stadt zu ermöglichen. Nach Beendigung seiner Aufgaben zog es Stoecker nach Berlin, wo er im Jahr 1874 zum Hof - und Domprediger ernannt wurde.
In Berlin angekommen, stieß Stoecker auf eine Mentalität, welches er später als Erscheinung der Massenentkirchlichung, Massenentchristlichung und der Massenentsittlichung betitelte. 6
Durch die innere Mission, welche schon 1849 unter Wichern misslang, machte Stoecker es sich im März 1877 zur Aufgabe, durch Hausbesuche bereits Kinder für den Kindergottesdienst zu gewinnen. Darüber hinaus errichtete Stoecker Bibelstunden für neugierige gewordene Menschen. Der Kulturkampf, welcher sich in ungetauften Kindern und unehelichen Beziehungen manifestierte, sollte durch die Berliner Mission bekämpft werden. 7 Die schnell aufblühende Mission unter Stoecker und seine Intention, nicht nur einzelne Gemeinden zu bekehren, führte dazu, dass Stoecker andere Wege einschlug, um das Volk für die Kirche zu begeistern. Dieses geschah durch die Gründung des „Central - Vereins für Socialreform auf religiöser und konstitutionell-monarchischer Grundlage“ gemeinsam mit dem
5 Militärische Gruppe zitiert nach: Braun, Max: Adolf Stoecker, Berlin 1912, hier S. 36
6 Ebenda, S. 20ff.
7 Bunke, Ernst: Adolf Stoecker. Ein deutscher Prophet, Gießen 1983, S. 33f.
3
Nationalökonomen Rudolph Meyer und Adolph Wagner sowie Pfarrer Rudolpf Todt im Dezember 1877. 8 Hier war der Parteiname Programm:
Einerseits sollte die Wochenzeitschrift, „Der Staatssocialist“ die soziale Frage erörtern, andererseits wollte Stoecker auf diese Weise Volksmission betreiben. Darüber hinaus sollte das Programm die Religionsfeindschaft der Sozialdemokraten beenden und dessen Inhalt des Sozialismus zu einer protestantischen Grundlage festigen. 9
Stoecker jedoch wollte, dass sich die Bestrebungen des Vereins nicht nur auf Berlin fokussierten, sondern auf das ganze Land ausdehnten. Am siebten Februar 1909 starb der im Volksmund genannte Hofprediger aller Deutschen (Hofprediger a. D. 10 ) in Bozen-Gries. 11
Über seine kirchlichen Interventionen hinaus versuchte Stoecker in der Politik Fuß zu fassen. Hierbei machte er Gebrauch von antisemitischen Hetzen, wodurch er für spätere Antisemiten als Vorbild und Wegbereiter des Antisemitismus, worauf im Späteren eingegangen wird, diente.
2. Die Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei
Um den Zuständen in Berlin 12 entgegen zu wirken, betätigt sich Stoecker in der Politik. Am 03.Januar 1878 ließ er die Christlich-soziale Arbeiterpartei mit Hilfe eines Strohmannes, in der sogenannten „Eiskellerversammlung“ 13 gründen. Von den ungefähr 1.000 Anwesenden - überwiegend Sozialdemokraten - erhielt der Strohmann nur Gelächter, so dass Stoecker schließlich selbst das Wort ergriff und gegen die Sozialdemokraten hetzte. Dabei prangerte er den falschen Weg der Sozialdemokraten an und wie, seiner Meinung nach, diese gegen das eigene Land und die christliche Kirche agierten. Dies sah Stoecker als schwerwiegenden
8 Greschat, Martin: Adolf Stoecker und der deutsche Protestantismus, S.25
9 Ebenda, S.25
10 Braun, Max: Adolf Stoecker, Berlin 1912, S.147
11 Ebenda, S.274 ff.
12 Berlin befand sich in den Händen der Sozialdemokraten und der Juden. Es drohte die Gefahr dass die Hauptstadt
entchristlicht und entdeutscht werden würde. Viele Ehen waren ungetraut und noch mehr Kinder ungetauft.
Siehe Brakelmann, Günter: Adolf Stoecker und die Sozialdemokratie, in: Brakelmann, Günther/ Greschat, Martin/
Jochmann, Werner (Hg.): Protestantismus und Politik. Werk und Wirkung Adolf Stoeckers, Hamburg 1982, S.84-122, hier
S.90
13 Die Versammlungen wurden so genannt, da sie in einem Berliner Lokal welches „Eiskeller“ heißt, stattfanden.
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Arbeit zitieren:
Veronika Dombaj, 2009, Adolf Stöcker als Wegbereiter des Antisemitismus, München, GRIN Verlag GmbH
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