Marquise de Pompadour (1721-1764). Porträt des französischen Malers Maurice Quentin de La Tour (1704-1788) zwischen 1748 und 1755
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Meinen Schwiegersöhnen Bernd Werner und Jochen Werner gewidmet
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Junge Mätresse von Louis XV.: Marie-Louise O’Murphy de Boisfally (1737-1814). Gemälde „Ruhendes Mädchen“ des französischen Malers François Boucher (1703-1770) von 1751. Original im „Wallraf-Richartz-Museum -Foundation Corboud“ (Köln)
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Ernst Probst
Pompadour
und Dubarry
Die Mätressen
von Louis XV.
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Inhalt
Vorwort:
Louis XV.:
Täter oder Opfer?
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König Louis XV.
„Der Vielgelebte“
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Die Mätressen
Halboffizielle Geliebte
der Fürsten
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Bildquellen / Seite 299
Der Autor / Seite 305
Bücher von Ernst Probst Seite 307
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Vorwort
Louis XV.: Täter oder Opfer?
W ie konnte es dazu kommen, dass ein so men- und schüchterner König wie Louis XV. von Frankreich und Navarra im Laufe seines Lebens so viele Geliebte hatte und zahlreiche eheliche und uneheliche Kinder zeugte? War „der Vielgeliebte“, wie sein Volk ihn anfangs nannte, auf sexuellem Gebiet ein Wüstling? Handelte es sich eher um einen Täter oder eher um ein Opfer oder abwechselnd um beides? Was waren das für Frauen, die sich mit dem Herrscher trotz seines zweifelhaften Rufes einließen? Hat der vergnügungssüchtige Monarch sie gezwungen, seine Mätresse zu werden oder haben sie sich ihm regelrecht aufgedrängt? Diesen und anderen Fragen geht das Taschenbuch „Pompadour und Dubarry. Die Mätressen von Louis XV.“ nach. Es befasst sich nicht nur mit der Pompadour und der Dubarry, sondern auch mit den vier adligen Schwestern Mailly-Nesle und vielen anderen Frauen, die ins Bett des Königs stiegen. Autor dieses reich bebilderten Taschenbuches ist der Wiesbadener Journalist Ernst Probst, zu dessen Spezialitäten Biografien über berühmte Frauen und Männer gehören.
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Der Vater von Louis XV.:
Louis von Frankreich, Herzog von Burgund (1682-1712). Porträt des französischen Malers Joseph Vivien (1657-1734) von 1700
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König Louis XV.
„Der Vielgeliebte“
V on Historikern wird Louis XV. (1710-1774), König
von Frankreich und Navarra, oft negativ beurteilt. Man macht ihn vielfach für jene Missstände verantwortlich, die unter seinem Nachfolger Louis XVI. zur Französischen Revolution (1789-1799) führten. Die Nachwelt kennt den führungsschwachen Louis XV. vor allem wegen seines ausschweifenden Lebenswandels und wegen seiner Beziehungen zur Marquise de Pompadour und zur Madame Dubarry, die beide als Inbegriff der Mätresse gelten. Kurioserweise bezeichnete das französische Volk diesen vielleicht missverstandenen Herrscher zunächst als „der Vielgeliebte“ („le Bien-Aimé“) und später als „der Ungeliebte“ („le Mail-Aimé“). Louis XV. kam am 15. Februar 1710 als dritter Sohn von Louis von Frankreich, Herzog von Burgund (1682-1712), und dessen Ehefrau Maria Adélaïde, Prinzessin von Savoyen (1685-1712), zur Welt. Seine Eltern hatten am 7. Dezember 1697 geheiratet. Seine beiden jüngeren Brüder hießen ebenfalls Louis. Der älteste Bruder Louis, Herzog der Bretagne, wurde 1704 geboren und starb 1705. Der zweitälteste Bruder Louis, Herzog der Bretagne, kam 1707 zur Welt.
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Mutter von Louis XV.:
Maria Adélaïde, Prinzessin von Savoyen (1685-1712). Porträt des französischen Malers Jean-Baptiste Santerre (1650-1717) von 1709
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Urgroßvater von Louis XV.: „Sonnenkönig“ Louis XIV. (1638-1715). Porträt des französischen Malers Charles Le Brun (1619-1690) von 1661
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Großvater von Louis XV.: Grand-Dauphin Louis (1661-1711) von Frankreich. Porträt eines unbekannten Malers
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Erzieher von Louis von Frankreich, Herzog von Burgund: Theologe François Fénelon (1651-1715). Porträt des französischen Malers Joseph Vivien (1657-1734) aus dem 18. Jahrhundert
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Gouvernante von Louis XV.:
Charlotte-Éléonore Madeleine de la Mothe-Houdan-Court, Herzogin von Ventadour (1653-1744). Porträt des französischen Malers Pierre Mignard (1612-1695) von 1720
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Urgroßvater von Louis XV. war der „Sonnenkönig“ Louis XIV. (1638-1715) von Frankreich. Sein Großvater war der Grand-Dauphin Louis (1661-1711) von Frankreich. Als sein Großvater Louis 1711 starb, wurde sein Vater Louis von Frankreich, Herzog von Burgund, neuer Thronfolger. Letzterer war als Kind halsstarrig und jähzornig gewesen, hatte sich aber dank der Erziehung durch den katholischen Theologen François Fénelon (1651-1715) total gewandelt. Bald galt er als äußerst intelligent und politisch begabt und gab zu großen Hoffnungen Anlass. 1712 traf die Familie von Louis XV. ein harter Schicksalsschlag. Damals erkrankten seine Mutter, sein Vater und sein fünf Jahre alter Bruder Louis, Herzog von Bretagne, an Masern oder Scharlach und starben. Lediglich der zweijährige Louis, Herzog von Anjou, der spätere Louis XV., überlebte die Krankheit und stieg durch den Tod seines Vaters und seines älteren Bruders zum Kronprinzen (Dauphin) auf. Nach 1349 wurde der jeweils älteste lebende Sohn bzw. Kronprinz oder Thronfolger des französischen Königshauses als Dauphin bezeichnet.
Der zwei Jahre alte Louis, Herzog von Anjou, verdankte seiner Gouvernante Charlotte-Éléonore Madeleine de la Mothe-Houdan-Court, Herzogin von Ventadour (1653-1744), sein Leben. Diese hatte einen Argwohn gegen Ärzte und hielt Aderlässe bei Kindern für unvernünftig. Als Ärzte am Krankenbett des
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Louis XV. als kleiner Kronprinz (Dauphin). Kleinkinder wurden damals wie Mädchen gekleidet. Porträt eines unbekannten Malers aus dem 18. Jahrhundert
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fünfjährigen Louis, Herzog von Bretagne, über Behandlungsmethoden diskutierten, die ihr bedenklich erschienen, verschwand sie mit dessen jüngerem Bruder. Danach ließ sie ihn mit einer Mischung aus Ammenmilch, Wein und Biskuit ernähren. Der Zweijährige überlebte, während sein fünfjähriger Bruder die Krankheit und die rabiaten Behandlungsmethoden nicht überstand. In der Folgezeit wuchs der Kleine ohne jeden Kontakt zu Kindern auf. Die bereits 1710 zur Gouvernante berufene CharlotteÉléonore Madeleine de la Mothe-Houdan-Court, Herzogin von Ventadour, bildete für Louis XV. die wichtigste Bezugsperson in seiner Kindheit und eine Art von Ersatzmutter. Einer Empfehlung ihrer Freundin Françoise d’Aubigné, Marquise von Maintenon (1635-1723), folgend ließ die Herzogin von Ventadour dem jungen Louis einen liberalen Erziehungsstil zukommen. Der Junge lernte früh Schreiben und befasste sich gerne mit Geographie. Anfang 1715 ließ der Urgroßvater Louis XIV. den inzwischen Fünfjährigen an zeremoniellen Veranstaltungen des Hofes teilnehmen. Am 1. September 1715 starb der Urgroßvater König Louis XIV. in Versailles. Von Rechts wegen fiel die Regentschaft für den minderjährigen König Louis XV. dessen Onkel, Philippe II. de Bourbon, Herzog von Orléans (1763-1743), zu. In seinem Testament hatte Louis XIV. die Funktion des Regenten aber zugunsten eines Regentschaftsrates eingeschränkt. Dagegen
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Onkel von Louis XV.: Philippe II. de Bourbon, Herzog von Orléans (1763-1743). Porträt aus dem Studio von Jean-Baptiste Santerre (1658-1717)
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forderte der Herzog von Orléans die uneingeschränkte Regentschaft für sich. Tatsächlich wurde ihm am 2. September 1715 die uneingeschränkte Regentschaft zugesprochen, weil er als Einziger die Personen des Regentschaftsrates auswählen durfte. Als Gegenleistung hob er die Einschränkungen des Remonstrationsrechts des Parlaments auf, die 1667 und 1673 durch Louis XIV. erfolgt waren. Bei einer Remonstration handelt es sich um eine Gegenvorstellung oder eine Einwendung, die ein Beamter gegen eine Weisung erhebt, die er von seinem Vorgesetzten erhalten hat. Der kleine König wurde vom Herzog von Orléans über den Tod seines Großvaters Louis XIV. informiert. Gemäß Zeremoniell stand der Fünfjährige dabei in einer prächtig bestickten Samtgarderobe allein in dem weiten Raum. Obwohl er so jung war, wusste er, was das Erscheinen des Herzogs, den er kaum kannte, und all der Anderen bedeutete. Er war nun König von Frankreich und Navarra und brach in Tränen aus. Alle Anwesenden starrten ihn an und er fühlte sich verloren. Auch in seiner Residenz Vincennes lebte der fünfjährige Louis XV. allein unter Erwachsenen. Oft musste er nach Paris fahren und auf hohen Polstern sitzend langweiligen Reden lauschen. Von vielen fremden Herren und Damen sollte er sich deren Namen merken und sie später wieder erkennen, was ihm als Erwachsener noch schwer fiel. Wenn er nach Vincennes zurückkam, war er schon dunkel und er musste gleich ins Bett.
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„Der König ist tot, lang lebe der König!“ Der fünf Jahre alte Louis
empfängt nach dem Tod seines Urgroßvaters Louis XIV. die Huldigungen nach seiner Proklamation als König.
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Der Herzog von Orléans übte von 1715 bis 1723 die Regentschaft aus. Durch das Amt des Regenten wurde er als „le Regent“ bekannt. Die Zeit seiner liberalen Herrschaft wird in der Geschichte von Frankreich als „Régence“ bezeichnet. Seine Mutter war die unkonventionelle Elisabeth Charlotte von der Pfalz (1652-1722), genannt Liselotte von der Pfalz, die zweite Ehefrau von Philippe I. de Bourbon, Herzog von Anjou, 2. Herzog von Orléans (1640-1701) und Bruder des „Sonnenkönigs“ Louis XIV. Ab Dezember 1715 residierte der kleine König Louis XV. in den Tuilerien in Paris. Im Juni 1722 verlegte man die Residenz nach Versailles. Auch dort durfte er nicht hinauslaufen und mit Kindern seines Alters spielen. „Maman“ Ventadour erklärte ihm, das sei zu gefährlich für ihn und er dürfe sich nicht verletzen. Kinder dürften auch nicht zu ihm hereinkommen, weil sie krank sein und ihn anstecken könnten. Vor allem lernte er, er müsse stets Gott dienen, dürfte nie vergessen, dass er König sei und müsse sich entsprechend benehmen, Geheimnisse wahren und nie wahre Gefühle zeigen. Ein neuer Abschnitt im Leben des kleinen Königs Louis XV. begann an seinem siebten Geburtstag im Februar 1717. Das Ganze kündigte sich mit einer seltsamen Zurschaustellung an. Der Siebenjährige musste völlig nackt auf einem Tisch sitzen, während sein Körper von Ärzten untersucht wurde und Höflinge an ihm vorbeidefilierten. Alle, die ihn so sahen, mussten im
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Philippe I. de Bourbon, Herzog von Anjou, 2. Herzog von Orléans (1640-1701), Ehemann von Liselotte von der Pfalz (1652-17229. Porträt eines unbekannten Malers
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Protokoll die körperliche Unversehrtheit des Königs mit ihrer Unterschrift bestätigen. Danach musste Louis XV. von „Maman“ Ventadour seinen Abschied nehmen. Er weinte, klammerte sich an ihr fest und man musste ihn mit Gewalt von ihr losreissen. Abends aß er erst, nachdem man „Mamam“ geholt hatte. Am Tag darauf durfte er Madame de Ventadour zum Dank für ihre liebevolle Betreuung eine Schmuckschatulle schenken. Gemäß des Testaments von Louis XIV. kam Louis XV. in die Obhut von François de Neufville, Herzog von Villeroy (1644-1730), der als Hofmeister (Gouverneur) wirkte. Als Hauslehrer (Präzeptor ) des Königs fungierte der frühere Bischof von Fréjus, André-Hercule de Fleury (1653-1743). Der fromme Fleury unterrichtete den verletzlichen und misstrauischen Louis XV. mit geduldiger Sanftmut. Dies tat er so erfolgreich, dass sein königlicher Schüler bald erfreuliche Fortschritte machte. Ungeachtet dessen hatte Louis XV. weiterhin Kontakt zur Herzogin von Ventadour. Auf dem Stundenplan des kleinen Königs standen täglich Unterricht im Schreiben, Latein und Geschichte. Dreimal pro Woche gab es Übungen in Zeichnen, Mathematik, Tanz, Astronomie und Naturwissenschaften. Außerdem lernte Louis XV. sein zu Zornausbrüchen neigendes Temperament zu zügeln sowie Fehler zu vermeiden. Als Schüler war er fleißig und vielseitig interessiert und zeigte gute Leistungen. Weil man ihn nie gelobt hat, wurde er aber nicht selbstbewusst.
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Elisabeth Charlotte von der Pfalz (1652-1722), genannt Liselotte von der Pfalz. Porträt des französischen Malers Hyacinthe Rigaud (1659-1743) um 1713
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Hauslehrer von Louis XV.: André-Hercule de Fleury (1653-1743). Porträt der französischen Malerin Élisabeth Vigée-Lebrun (1755-1842)
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Louis XV. im Alter von fünf Jahren. Porträt des französischen Malers Hyacinthe Rigaud (1659-1743) von 1715
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Nachteilig für seine Entwicklung wirkte sich aus, dass Fleury die Sexualität rigoros verdammte. Sie sollte nur zur Erhaltung der Dynastie, nur in der Ehe und möglichst lustfrei erfolgen. Um das Zeremoniell perfekt zu beherrschen, musste Louis XV. auch Balletttanz lernen. Obwohl er dies ganz ordentlich tat, hatte er daran keine Freude. Vergnügen bereiteten ihm dagegen das Reiten und vor allem die Jagd.
Der über 70 Jahre alte Herzog von Villeroy führte den jungen König vor allem in die zeremoniellen Angelegenheiten ein. Vom Charakter und von seiner Bildung her war dieser Mann für den Umgang und für die Erziehung eines Kindes denkbar ungeeignet. Innerhalb weniger Wochen machte er aus dem bis dahin aufgeweckten, freundlichen und lebhaften Louis XV. ein verstörtes, introvertiertes und völlig verschüchtertes Wesen. Ständig wurde ihm eingetrichtert, er sei der absolute Herrscher über alle ihn umgebenden Menschen. Statt normal zu gehen, musste er schwebend schreiten. Beim Anziehen reichten Dutzende von erwachsenen Männern dem Jungen umständlich jedes einzelne Teil seiner Kleidung. Schon ab Sommer 1717 wurde er bei Festen oder Staatsakten regelrecht vorgeführt. Allmählich steigerte sich seine angeborene Schüchternheit zu einer Phobie vor Menschenansammlungen. Louis XV. lernte die lateinische und italienische Sprache und wurde in Religion unterrichtet. Besonderes Interesse
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zeigte er für Anatomie, Chirurgie, Astronomie und Geographie. Bischof Fleury entwickelte eine intensive persönliche Beziehung zum König, welcher er seinen späteren politischen Aufstieg verdankte. Im Alter von elf Jahren setzte bei Louis XV. die Pubertät ein. Sein erster Samenerguss erschreckte ihn sehr. Er befürchtete, krank zu sein und vertraute sich einem Diener an, der ihn zu einem Arzt schickte. Der Mediziner beruhigte ihn, diese vermeintliche Krankheit sei ein Zeichen für Gesundheit. So entstand das geflügelte Wort von der „königlichen Krankheit“. Mitte Juni 1722 kehrte der elfjährige Louis XV. in das Schloss Versailles zurück. Der Umzug erfolgte, weil es dort bessere Möglichkeiten zum Reiten und Jagen gab. Für Louis war es eine Rückkehr in das Reich seiner frühen Kindheit. In Versailles brachte man ihn in den Räumen seines Urgroßvaters unter. Im Sommer 1772 wurde Louis XV. den lästigen Hofmeister Villeroy los, der keinen Augenblick von seiner Seite wich und weiterhin streng auf die Einhaltung der Etikette achtete. Wegen des allgegenwärtigen Villeroy konnte der Regent Orléans den König kaum jemals unter vier Augen sprechen. Villeroy besiegelte seinen Sturz, als er sich weigerte, den Raum zu verlassen, um dem Herzog von Orléans ein privates Gespräch mit dem König zu ermöglichen. Der Regent behielt die Fassung und verließ den Raum, nachdem ihm Villeroy angeboten hatte, er könne am Nachmittag mit ihm über diesen
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Kardinal Guillaume Dubois (1656-1725). Stich von Pierre Drevet (1664-1738) und Pierre-Imbert Drevet (1697-1739) nach einem Gemälde von Hyacinthe Rigaud (1659-1743)
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Vorfall sprechen. Wenig später erschien der Hauptmann der Wache und bat den Hofmeister, ihm kurz ins Vorzimmer zu folgen. Dort angekommen, wurde er verhaftet und in einer Kutsche nach Lyon gebracht. Vor der Abfahrt durfte er sich nicht vom König verabschieden.
Am Abend war auch der Erzieher Fleury verschwunden. Er hatte früher erklärt, falls Villeroy abgesetzt würde, werde er sein Amt abgeben. Louis XV. war bestürzt und konnte seine Tränen kaum zurückhalten. Doch man holte Fleury zurück. Im August 1722 litt der Regent Orléans unter Depressionen. Einem Freund gestand er, sein ganzes derzeitiges Leben, die Rückschläge in der Politik und das ewige intrigante Gezänk des Hofes bereiteten ihm nur noch Überdruss. Sogar an Fressen, Saufen und Sex hatte er nur noch wenig Freude. Am liebsten hätte er sich auf eines seiner Landgüter zurückgezogen. Aus diesem Grund war der Herzog von Orléans bereit, endlich dem Wunsch seines ehemaligen Erziehers Kardinal Guillaume Dubois (1656-1725) nachzugeben und diesen zum Premierminister zu ernennen. Der König mochte Dubois nicht, weil jener ihn nicht respektvoll behandelte. Der Herzog von Orléans führte den König - seinem kindlichen Alter entsprechend - allmählich in politische Angelegenheiten ein, wobei ihn Kardinal Dubois unterstützte. Am 25. Oktober 1722 salbte und krönte
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Hofmeister François de Neufville, Herzog von Villeroy (1644-1730). Porträt eines unbekannten Malers
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Regent Philippe II. de Bourbon, Herzog von Orléans (1763-1743), links, mit dem jungen König Louis XV. und dessen Hofmeister François de Neufville, Herzog von Villeroy (1644-1730),rechts. Gemälde eines unbekannten Künstlers um 1718
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man Louis XV. in Reims. Entgegen der Tradition hatte das Volk bei dieser Zeremonie keinen Zugang zur Kathedrale. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger war Louis XV. unnahbar, schätzte die Privatheit und erfüllte das steife Hofzeremoniell nur ungern. Vor großen Mengen wirkte er eher unsicher.. Am 15. Februar 1723 feierte Louis XV. seinen 13. Geburtstag. Gemäß der damals für Könige geltenden Regelung galt er jetzt als volljährig. Deswegen endete die Zeit der Regentschaft. Das Parlament bestätigte und registrierte die Großjährigkeit von Louis XV. in einer feierlichen Zeremonie. Statt des Regentschaftsrates gab es fortan einen Kronrat, dem außer dem König auch der Herzog von Orléans, dessen Sohn Chartres, Condé, Kardinal Dubois und Fleury angehörten. Kardinal Dubois fungierte weiterhin als Premierminister. Der Herzog von Orléans regierte faktisch für den jungen König.
Ungefähr ein Jahr nach seiner Ernennung zum Premierminister starb Kardinal Dubois im August 1723. Er erlag im Alter von 66 Jahren den Folgen einer Syphilisinfektion. Nach dem Tod des Kardinals bat der Herzog von Orléans den König, zum Premierminister ernannt zu werden. Diesen Posten hatte bis dahin in Frankreich noch nie ein Mitglied der königlichen Familie oder ein Mitglied des Hochadels bekleidet. Der Herzog von Orléans bemühte sich nicht aus Machtwillen um dieses Amt, sondern aus Pflichtgefühl.
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Stanislaus Leszczynski (1677-1766), der Vater von Königin Maria Leszczynska (1703-1768). Porträt eines unbekannten Malers
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Im Alter von 49 Jahren erlitt der Herzog von Orléans am 1. Dezember 1723 in Versailles einen schweren Schlaganfall. Er erlangte nicht mehr das Bewusstsein und starb einige Stunden später. Kaum hatte Heinrich, Prinz von Condé, Herzog von Bourbon (1692-1740), die traurige Nachricht über den Tod des Herzogs von Orléans gehört, stürmte er im Laufschritt zum Schlafzimmer des 13-jährigen Königs. Dort angekommen, bat er noch ganz atemlos um seine Ernennung zum Premierminister. Louis XV. erfüllte diese Bitte. Sein Onkel Orléans hatte Condé selbst als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Der sehr reiche Condé besaß ein abstoßendes Aussehen und einen schlechten Charakter. Als er noch ein Kind war, hatte ihm der Herzog von Berry bei der Jagd versehentlich ein Auge ausgeschossen. Wegen seiner langen Storchenbeine, seines gebeugten Ganges und seines gedrungenen Körpers erinnerte er an eine Spinne. Biografen schilderten ihn als stolz, widerlich, gierig, intrigant und ehrlos.
Einziger ernsthafter Konkurrent von Condé für das Amt des Premierministers war der Erzieher Fleury gewesen. Zum Dank für sein Stillhalten belohnte ihn Condé mit der Verfügungsgewalt für alle Kirchenämter in Frankreich. Fleury wurde damit nach dem Premierminister Condé der mächtigste Mann im Land. Condé behielt die Minister von Dubois und Orléans, die er als Empfehlsempfänger behandelte. Die Linien
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Ernst Probst, 2011, Pompadour und Dubarry - Die Mätressen von Louis XV., München, GRIN Verlag GmbH
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