Gliederung:
1. Einleitung. 1
2. Hauptteil
2.1 Klärung der Begriffe „Institution“, „Institutionalismus“ und
„Institutionalisierung“ 2
2.2 Ansätze des Neo-Institutionalismus
2.2.1 Der Makroinstitutionalismus 4
2.2.1.1 John W. Meyer und Brian Rowan: Der Zusammenhang zwischen
Rationalit ätsmythen und Organisationsstruktur 5
2.2.1.2 Paul J. DiMaggio und Walter W. Powell: Institutioneller Isomorphismus
und Wandel von Organisationen 9
2.2.1.3 Kritische Reflexion des Makroinstitutionalismus 13
2.2.2 Der Mikroinstitutionalismus 16
2.2.2.1 Lynne Zucker: Institutionen als soziales Faktum 17
2.2.2.2 Lynne Zucker und Marshall W. Meyer: Überlebensstrategien bei
unzureichender organisationaler Performanz 21
2.2.2.3 Kritische Reflexion des Mikroinstitutionalismus 25
2.3 Vergleich der neo-institutionalistischen Ansätze auf das implizite und
explizite Akteurs- und Rationalitätsverständnis 27
3. Resümee 32
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1. Einleitung
Mit Hilfe der vorliegenden Arbeit „Der soziologische Neo-Institutionalismus: Überblick über die verschiedenen Ausrichtungen und Ansätze“ soll eine Theorierichtung näher untersucht werden, die vor allem in den letzten 30 bis 25 Jahren zunehmend an Relevanz gewonnen hat. Die neo-institutionalistische Bewegung kam insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika Ende der siebziger Jahre auf (vgl. Türk: 2000, S. 269). Sie ist gekennzeichnet durch eine enorme Vielfalt an unterschiedlichen Ausprägungen, so dass es relativ schwer erscheint, alle Vertreter und Strömungen gleichermaßen zu betrachten und zu beleuchten. Aus diesem Grund werde Ich mich inhaltlich auf die bis heute bedeutendsten Vertreter, darunter John W. Meyer, Brian Rowan, Paul J. DiMaggio, Walter W. Powell als Vertreter des makroinstitutionalistischen Ansatzes und Lynne Zucker sowie Marshall W. Meyer als Vertreter des mikrofundierten Neo-Institutionalismus beschränken.
Auffallend an der neo-institutionalistischen Ausrichtung ist bei allen Vertretern, dass sie die Erscheinung der Institution oder Organisation aus einem anderen Blickwinkel als bisher in der Organisationstheorie und -Soziologie üblich, betrachten. „Leitidee dieser Herangehensweise ist, dass Organisationen weit weniger von kulturell neutralen Effizienzüberlegungen abhängen als vielmehr von einem institutionalisierten Umfeld, in dem bestimmte kulturelle Werte präsent sind“ (Türk: 2000, S. 269). Klassischerweise wurde in der Organisationstheorie bis dahin ein etwas anderer Standpunkt dazu eingenommen: Als Erklärungsfaktor für Organisationsstrukturen wurde deren Legitimität fast vollständig ausgeleuchtet und stattdessen wurden diese von einer rationalen und effizienten Abstimmung der Arbeitsaktivitäten abhängig gemacht. Um die genauen Wirkungszusammenhänge innerhalb der einzelnen Theorieansätze besser zu verstehen, soll nun im Anschluss für eine gemeinsame Wissensbasis zuerst einmal der Neo-Institutionalismus mit Hilfe der Begriffe „Institution“, „Institutionalismus“ und „Institutionalisierung“ noch stärker eingegrenzt und umrissen werden. Daran schließt sich eine Abhandlung über die jeweiligen spezifischen Theorieansätze sowie deren kritische Reflexion an. Zusammenfassend erfolgt ein Vergleich der neo-institutionalistischen Ansätze auf das implizite und explizite Akteurs-und Rationalitätsverständnis in ihrer Relevanz bezüglich
Institutionalisierungsprozessen. Das Ende der Arbeit bildet ein persönliches Resümee mit einer eigenen ausblickenden Einschätzung der behandelten Thematik.
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2. Hauptteil
2.1 Klärung der Begriffe „Institution“, „Institutionalismus“ und „Institutionalisierung“
Der soziologische Neo-Institutionalismus unterscheidet sich von anderen Institutionstheorien dadurch, dass seine Vertreter der Vorstellung vom rational geleiteten Akteurshandeln nicht zustimmen und den Fokus viel stärker auf institutionalisierte Regeln, deren Merkmale und Wirkungsweisen legen und schließlich die kognitiven und kulturellen Einflussgrößen der Organisationsstruktur Berücksichtigung finden (vgl. Kieser: 2002, S. 323).
Ein wesentlicher Begriff für das Verständnis des Neo-Institutionalismus ist die „Institution“. Darunter versteht man allgemein implizite und explizite Regeln mit verbindlichem Geltungsanspruch und einer gewissen sozialen Reichweite. Es handelt sich dabei also um Normen, die mittels Sozialisation internalisiert werden und durch gesellschaftliche Sanktionen gestützt werden. Allerdings erscheint es schwierig, eine einheitliche Definition innerhalb der Soziologie zu finden, da die jeweiligen Theorien spezifischen Aspekten des Begriffes unterschiedliche Bedeutung beimessen. Die Neo-Institutionalisten betonen dabei besonders den Einfluss von Institutionen auf gesellschaftliche Prozesse und zugleich auch auf einzelne Akteure. Deshalb „sind Institutionen von zum Teil sehr lang anhaltenden kulturellen, professionellen, rechtlichen und historischen Charakteristika geprägt; räumlich und zeitlich von Kräften gebunden, die weit über spezifische Akteurs- und Interessenkonstellationen hinausreichen“ (Hasse, Krücken: 2005, S.9).
Bei dem zweiten zu klärenden Begriff handelt es sich um den „Institutionalismus“, der als „Erwartungen und Vorstellungen der Umwelt an die Gestalt und das Verhalten von Organisationen, die sich zu unabänderlichen Anforderungen verfestigen, d. h. zu Institutionen werden“ definiert wird (Jörges-Süß, Süß: 2004, S.2). Hier wird zudem der Bezug zur Organisationstheorie deutlich, indem Organisationen institutionell interpretiert werden. Folglich werden im soziologischen Neo-Institutionalismus Organisationen verstanden als
„Manifestationen, Verkörperungen institutioneller Muster der Gesellschaft, die sich nicht lediglich in den Regeln und Strukturen der Organisation, sondern darüber hinaus in regelmäßigen Praktiken, in Bewusstheitsformen und Denkgewohnheiten der Akteure wiederfinden“ (Maurer, Schmid: 2002, S. 227).
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Organisationen werden demnach als wertbasierte soziale Institutionen behandelt, in denen gesellschaftliche Werte Handlungsmuster vorgeben, die das Handeln der Menschen leiten und darüber zu sozialer Realität werden.
Der letzte zentrale Begriff, der in diesem Abschnitt genauer erläutert werden soll, ist der der „Institutionalisierung“. Darunter ist sowohl ein Prozess als auch ein Zustand zu verstehen. „Institutionalisierung als Prozess bezieht sich auf den Vorgang, durch den sich soziale Beziehungen und Handlungen zu Selbstverständlichkeiten entwickeln, die nicht mehr hinterfragt werden“ (Kieser: 2006, S. 355). Dieser prozesshafte Vorgang beinhaltet des Weiteren Zwänge und Normen, die sich im Lauf der Zeit etabliert haben und als objektive Wirklichkeit wahrgenommen werden. Der zweite Aspekt von „Institutionalisierung“ befasst sich mit sozialen Tatsachen, die gesellschaftlich verfestigt sind. „Institutionalisierung als Zustand bezeichnet Situationen, in denen die in einer Gesellschaft bestehenden Vorstellungen bestimmen, was welche Bedeutung besitzt und welche Handlungen möglich sind“ (Kieser: 2006, S. 355). Somit werden nicht nur Organisationen, sondern auch menschliche Akteure in ihrer Handlungsweise festgelegt. Weiterhin können verschiedene Abstufungen einer Institutionalisierung herausgearbeitet werden:
„Totale Institutionalisierung bedeutet die vollständige Abwesenheit der reflexiven und intentionalen Dimension des Handelns. Unter dieser Bedingung sind alle Handlungen und Interessen bestimmt, wird keine Handlung hinterfragt, wird jede Handlung als richtig und jedes Verfahren als angemessen betrachtet“ (Kieser: 2002, S. 322).
Damit wird demzufolge eine Art Automatismus, der auf das Verhalten konstitutiv einwirkt, beschrieben. In der gewohnheitsmäßigen Routine spiegelt sich also die institutionelle Umwelt von Organisationen und Personen wider. Dies trifft in abgemildertem Maße logischerweise ebenfalls auf die schwächeren Formen der Institutionalisierung, nämlich der so genannten „unvollständigen Institutionalisierung“ zu.
Anhand dieser definitorischen Erläuterungen wird bereits jetzt die immense Bedeutung von Institutionen im Alltag absehbar, die die Neo-Institutionalisten herausstellen möchten. Institutionen „schaffen, legitimieren und transformieren die grundlegenden Einheiten der Gesellschaft, ihre Identität, sowie ihre gesellschaftliche Verteilung“ (Hasse, Krücken: 2005, S. 9). Aus diesen Feststellungen lässt sich außerdem nun auch das wichtigste Erkenntnisinteresse der Neo-Institutionalisten ableiten: Sie wollen Erklärungen dafür finden, „wie formal freie und eigenwillige Akteure Institutionen
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etablieren, mit deren Hilfe sie ihren Handlungsbereich zugleich einschränken und erweitern, und infolge welcher Vorkehrungen die damit entstandenen Abstimmungsmechanismen reproduziert bzw. für den Fall verändert werden können, dass sich unhaltbare Externalitäten einstellen oder externe Umweltveränderungen auf eine adaptive Regeländerungen drängen“ (Maurer, Schmid: 2003, S. 10).
Was sich im Detail hinter dem Begriff „Neo-Institutionalismus“ verbirgt, soll im kommenden Abschnitt anhand ausgewählter Vertreter und Ausrichtungen behandelt werden. Diese Vorgehensweise erlaubt einen relativ breiten Überblick über die facettenreichen Perspektiven, die innerhalb des neo-institutionalistischen Ansatzes eingenommen werden können. Zunächst werde Ich mich dabei den makroinstitutionalistischen Ansätzen widmen.
2.2 Ansätze des Neo-Institutionalismus
2.2.1 Der Makroinstitutionalismus
Den makroinstitutionalistischen Ansätzen ist gemeinsam, dass sie den Einfluss der Umwelt auf die Bildung und Existenzsicherung von Organisationen stark fokussieren. Da sich Organisationen an ihrer Umwelt ausrichten, führt dies zu diversen Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. „Probleme ergeben sich, da Organisationen nicht von einer homogenen Umwelt, sondern von verschiedenartigen Umweltsegmenten umgeben sind (z. B. Kunden, Zulieferer, Kapitalgeber, Konkurrenten, Berater)“ (Jörges-Süß, Süß: 2004, S. 3). Daraus resultiert wiederum, dass Organisationen, die stets darauf bedacht sind, ihr Überleben zu sichern, also sich einerseits legitim zu verhalten und andererseits effiziente Arbeitsaktivitäten zu leisten, nicht immer kompatible Zielrichtungen in allen entsprechenden Bereichen haben. Somit kann festgehalten werden, dass die Umwelt eine entscheidende implizite und explizite Einflussgröße bei organisationalen Entscheidungen und Handlungen darstellt. Zudem gehen die makroinstitutionalistischen Vertreter davon aus, dass vor allem gesellschaftliche Einflüsse in Gestalt von institutionalisierten Regeln oder so genannten Rationalitätsmythen bestimmte Anforderungen an Organisationen stellen. „Indem Organisationen diese Mythen aufgreifen, kopieren und zeremoniell zur Geltung bringen,
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wird eine Strukturähnlichkeit (,Isomorphie´) zwischen Organisation und Gesellschaft hergestellt“ (Hasse, Krücken: 2005, S. 23). Diese Angleichungsprozesse finden gewöhnlicherweise in organisationalen Feldern statt. Diese Felder werden vielfach als neuartige, intermediäre Analyseebenen zwischen gesellschaftlichen Strukturen und einzelnen Organisationen angegeben (vgl. Türk: 2000, S. 270). Ferner können verschiedene Arten und Mechanismen des Isomorphismus benannt werden, wie im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch ersichtlich wird.
Trotzdem sind die makrofundierten Neo-Institutionalisten davon überzeugt, dass die Entstehung solcher Mythen/ Normen schlussendlich aus rational gewählten Handlungen einzelner Akteure mit einem gewissen Eigeninteresse innerhalb bestimmter Kultursysteme erwachsen. Die schwindende Heterogenität von Organisationen wird somit in der Verbreitung einer universalistischen Kultur begründet. „Neben der Ablehnung des handlungstheoretischen Akteurskonzepts wenden sich die Verf. (sic) ebenso gegen Ressourcenzusammenlegungsmodelle und ein Verständnis von Organisation als Produkt politischer Aushandlungsprozesse“ (Türk: 2000, S. 203). Nachdem die wichtigsten Zentralannahmen des makroinstitutionalistischen Neo-Institutionalismus erarbeitet sind, möchte Ich im nächsten Abschnitt auf einzelne Vertreter und ihre spezifischen Theorieansätze im einzelnen Bezug nehmen.
2.2.1.1 John W. Meyer und Brian Rowan: Der Zusammenhang zwischen Rationalitätsmythen und Organisationsstruktur
Wie bereits im Abschnitt zuvor bereits angerissen, existieren laut Meyer und Rowan hochgradig institutionalisierte Kontexte, in denen Organisationen agieren müssen. Zudem werden über die Gesellschaft Ansichten über die soziale Wirklichkeit expandiert. Dabei handelt es sich um kollektiv anerkannte Definitionen, die festlegen, was als rational und was als organisatorisch sinnvoll anzusehen ist. Diese vorherrschenden Konzepte von Rationalität (unabhängig davon, ob damit real Rationalität vorliegt oder nicht,) werden von Meyer und Rowan als „Rationalitätsmythen“ bezeichnet. Sie zeichnen sich durch zwei markante Eigenschaften aus. Zum einen handelt es sich um rationalisierte, unpersönliche Beschreibungen, die soziale Zwecke in technische Zwecke umwandeln und die Mittel
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Arbeit zitieren:
Andrea Walser, 2008, Der soziologische Neo-Institutionalismus: Überblick über die verschiedenen Ausrichtungen und Ansätze, München, GRIN Verlag GmbH
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