Inhaltsverzeichnis
Kurzbeschreibung 5
1.Einleitung 6
2. Zielgruppencharakteristik 8
3. Extralinguistische Merkmale des Kiezdeutschen 11
3. 1. Historisch-politscher Hintergrund der Genesis des Kiezdeutschen 11
3. 2. Kiezdeutsch als Subkultur 13
4. Inter- und intralinguistische Merkmale des Kiezdeutschen 16
4. 1. interlinguistische Merkmale als Begleiterscheinung der Subkultur. 16
4. 2. Grammatische Eigenschaften des Kiezdeutschen in der Nebeneinanderstellung mit
dem Standarddeutschen 21
4. 2. 1. Semantische Eigenschaften des Kiezdeutschen in der Nebeneinanderstellung mit
dem Standarddeutschen 21
4. 2. 2. Semantische Analysen des Kiezdeutschen in der Nebeneinanderstellung mit dem
Standarddeutschen. 22
4. 3. Syntaktische Eigenschaften des Kiezdeutschen in der Nebeneinanderstellung mit
dem Standarddeutschen 28
4. 3. 1. Wortklassen 28
4. 3. 2. Wortstellung 30
4. 3. 3. Flexion 32
4. 3. 3. 1. Deklination 33
4. 3. 3. 2. Konjugation 34
4. 3. 4. Präpositionen 36
4. 3. 5. Artikel 38
4. 3. 6. Partikel 39
4. 3. 7. Funktionsverbgefüge 42
4. 3. 8. Konjunktiv 44
4. 4. Authentische Texte im Kiezdeutschen 46
4. 4. 1. Tiger von Kreuzberg 46
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4. 4. 2 Verabredung 47
4. 4. 3 Telefongespräch 48
4. 5. Kiezdeutsch und seine Auswirkungen 49
4. 5. 1. Einfluss des Kiezdeutschen auf das Standarddeutsche 49
4. 5. 2. Anwendungsrelevanz des Kiezdeutschen im bilingualen
Fremdsprachenunterricht. 54
5. Stundenentwürfe 61
5. 1. Stundenentwurf: „Deutsch ist krass geil“ 61
5. 2. Stundenentwurf: Kinokarten und Polizei 68
5. 3. Stundenentwurf: Kopftuch und Deutschland 75
5. 4. Stundenentwurf: Kiezdeutsch 80
5. 5. Zusammenfassung der Stundenentwurferkenntnisse 89
Res ümee. 91
Zusammenfassung im Polnischen 94
Literaturverzeichnis 99
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Kurzbeschreibung
In multilingualen Großstädten formten sich im Laufe der Zeit soziolektale beziehungsweise ethnolektale Sprachfärbungen des Deutschen zu einem partiell separaten Sprachsystem, welches sich selbst Ghettoslang nennt. Dieses Sprachphänomen soll in Hinsicht auf die Fremdsprachenunterrichtstauglichkeit untersucht werden.
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1.Einleitung
Gegenstand der Arbeit ist die Erforschung der Unterrichtstauglichkeit des Kiezdeutschen im bilingualen Fremdsprachenunterricht.
Anstoß dieser Arbeit war die fehlende Berücksichtigung des Kiezdeutschen in jeglichen polnischen Fremdsprachen-Schulbüchern, obwohl Kommunikation in der Bundesrepublik, sogar in dem öffentlichen Diskurs, durch diesen Ethnolekt geprägt wird. Gegenstand der Untersuchung ist die Ergründung des Registerwechsels 1 , um die Unterrichtseignung für den DAF-Unterricht zu erforschen. Nicht allein linguistische, vielmehr auch kulturelle Rückschlüsse sollen gezogen werden, um die neu errungenen Erkenntnisse in die Linguistik, Pädagogik, Soziologie und Psychologie einfließen zu lassen. Diese Varietät der deutschen Sprache soll in ausgewählten Kategorien in Hinblick auf Grammatik aus-geforscht werden, um die Zugänglichkeit für nicht Kiezdeutsch bewanderte Menschen zu vermehren. Zum Trotz aller Kritiker ist die Zielsetzung, die Erstellung von Antithesen, die die Erfindungsgabe und Vereinfachung von kommunikativen und zweckdienlichen Funktionen bestätigen. Die wirkende Inkorrektheit des Kiezdeutschen soll unzweifelhaft widerlegt werden. Die vorliegende Untersuchung wird unter Umständen andersgeartete Anreize für den Fremdsprachenunterricht setzen. Eine Adaptivität an die Wirklichkeit der aktuellen Deutschen Gesellschaft könnte im Idealfall in den Fremdsprachenunterricht eingeflößt werden. „Kiezdeutsch konnte sich zu einem Dialekt des Deutschen entwickeln (…)“ 2 bringt Heike Wiese die aufsteigende Relevanz zum Ausdruck. Wie schon in der Kurzbeschreibung erwähnt wurde, fand das Kiezdeutsche seinen Ursprung in Großstädten und da die „Islamisierung“ und Urbanisierung Deutschlands weiterhin zunimmt, rückt folglich auch immer stärker das Kiezdeutsche ins Rampenlicht der Gesellschaft. Höchstwahrscheinlich wird auf das Kiezdeutsche in DAF-Schulbüchern nicht zurückgegriffen wegen des schlechten nachgesagten Rufes. „Dönerdeutsch“ und „Kanak-Sprak“ sind nur Beispiele aus den zahlreichen pejorativen Be- zeichnungenfür das Kiezdeutsche.
1 Austausch des standardgebrauchten Ausdrucksweise zu Gunsten der bevorzugten Sprachebene
2 Vgl. Heike Wiese: Kiezdeutsch - ein neuer Dialekt des Deutschen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 2010. S. 34 Seite | 6
Vom theoretischen zum praktischen Übergang vollziehen sich viererlei Schritte. Primär wird in dem Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit die Zielgruppe charakterisiert, um auf die Schülerbedürfnisse einzugehen, parallel dazu sollen die Übungsformen und -niveau ausgelotet werden. Dieser Schritt kehrt dafür vor, dass die Schüler weder untermotiviert, noch übermotiviert sind. Sekundär sollen im Kapitel 3 Fachtermini und der historischpolitisch-kulturelle Überblick näher beleuchtet werden. Im 4. Kapitel wird sich mit dem Kiezdeutschen in der Relation zum Standarddeutschen interlinguistisch (4.1, 4.2), als auch grammatisch (4.3) auseinandergesetzt. In demselben Kapitel werden die grammatikalischen kiezdeutschen Besonderheiten durch repräsentative Niederschriften (4.4) bekräftigt. Im darauffolgenden Unterkapitel 4.5 sollen die Einflüsse und Relevanz auf die Standardsprache bzw. auf den bilingualen Fremdsprachenunterricht ausgewertet werden. Im 5. Kapitel sollen die Erkenntnisse aus dem vorstehenden Kapitel unter Einbeziehung der Zielgruppencharakteristik in die Stundenentwürfe einfließen. Die Stundenentwurfserfahrungen sollen daraufhin ausgewertet werden und im Resümee dargeboten werden. Zuallerletzt soll die Bachelorarbeit mit einer auf Polnisch niedergeschriebenen Zusammenfassung abklingen.
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2. Zielgruppencharakteristik
Die aus der Diplomarbeit resultierenden Erkenntnisse sind an die bilinguale Altersgruppe 17-19 Jahre gerichtet, welche nach regulärer Schulzeit der Oberstufe entspricht. Diese Altersklasse bildet das Anfangsstadium, der im Fachjargon sogenannten späten Adoleszenz 3 , welche sich als Unterbegriff der Adoleszenz einordnet 4 . Unter dem Terminus Adoleszenz verstehen Rolf Oerter & Leo Montada eine „terminologische und zeitliche Strukturierung der Lebensphase ‚Jugend‘“ 5 . Ersichtlich vollzieht sich die Entwicklung des Heranwachsens auf der biologischen, psychischen, sowie der sozialen Ebene 6 . Allein aus der Hinsicht der Biologie lassen sich unverkennbare Grenzen ziehen, hingegen verlaufen sie aus der Ansicht der Soziologie und Psychologie eher schwammig. Die biologisch bedingte Evolution, die zielstrebend die Geschlechtsreife verfolgt, die als Pubertät betitelt wird, findet bei Schülerinnen früher, als bei Schülern ihr Ende 7 . Diese Veränderungen ziehen mit sich Liebeserfahrungssammlungen und erste sexuelle Annährungsversuche 8 . In der mittleren Adoleszenz vollstreckte sich die soziale Veränderung, die ihren Ursprung durch die Loslösung vom Vorbildstatus fand, welcher zu jener Zeit das Elternhaus inne hatte, und simultane Übernahme der Idolfunktion durch Peergroups 9 sowie einflussreiche Prominente. Jedoch sei ab der späten Adoleszenz eine Rückgangsentwicklung zu beobachten, indem das Elternhaus wieder an Einfluss gewinnt, so dass die Peergroups nicht abgeschieden eine Zufluchtsstätte für die Kreierung der eigenen Identität bilden. Trotz enger werdender Beziehung zu den Eltern, verspüren die Jugendlichen einen Drang zur Autarkie 10 . Die sozial-psychologisch Zwiespalt, die einerseits durch psychologische Unabhängigkeit, anderseits durch die sozialwirtschaftliche Unselbstständigkeit sich charakterisiert, ist ein repräsentatives Alters- 3 Vgl.Rolf Oerter / Leo Montada: Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch. 2008. Weinheim. S. 312
4 Ebd. S. 310
5 Ebd. S. 312
6 Vgl. Erik Homburger Erikson: Identität und Lebenszyklus. 1973. Frankfurt.
7 Vgl. Dieter Baacke: Jugend und Jugendkulturen. 1993. Weinheim.S. 36
8 Vgl. Ulrich Bernhard: Diplomarbeit: FAVAP. Fremdrating für adoleszentäres Verhalten im Arbeitsprozess. 2006. Zürich. S. 10
9 Fachbegriff aus Soziologie beziehungsweise Pädagogik für gleichaltrige respektive gleichrangigen Gruppen
10 Vgl. Eva Dreher / Michael Drecher: Kognitive Entwicklung im Jugendalter. In: Marcus Hasselhorn / Rainer Silbereisen: Enzyklopädie Psychologie, Serie V (Entwicklung), II Grundlegende Veränderungen
während des Jugendalters. 2008. Göttingen, S. 55-107 Seite | 8
merkmal, welches mit dem Zeitfortgang zu Gunsten der sozial-wirtschaftlichen Selbstständigkeit dahinschwindet. Des Weiteren steigt das Verantwortungsbewusstsein, welches maßgeblich für die Gestaltung von Zukunftsplänen ist. Zwar haben meistens Schüler nach der mittleren Adoleszenz die kritische Phase bewältigt, jedoch geraten sie mit neuen inneren Konflikten in Berührung, die oftmalig zu Depressionen führen können. Diese psychischen Konflikte belangen immer ähnelnder die, der Erwachsener, an. Auch erste Anzeichen für Zweifel des Scheiterns lassen sich wahrnehmen, die des Öfteren von aufdrängenden Existenzängsten begleitet werden. Demgegenüber können positive Erlebnisse zur Selbstsicherheit der eigenen Identität beitragen. Dieserhalben resultiert die Bewandtnis den Jugendlichen eine Schonfrist einzuräumen, um eine einigermaßen unbekümmerte Entfaltungsmöglichkeit zu gewährleisten 11 . Somit kann der Jugendliche sich dem relevantesten Aufgabenbereich der Adoleszenz widmen, zu welchem das Experimentieren mit der Identitätsfindung angehört. Andererseits gäbe es erste Anhaltspunkte der Abnahme oder geringstenfalls keine weitläufigere Zunahme der Isolierungsversuche gegenüber den Erwachsenen 12 . Nicht selten führen Jugendliche ein emotionalfacettenreiches Innenleben, welches der Außenwelt durch die Devianzen eine Einsicht bietet 13 .
Das Selbsteinschätzungsvermögen ist generell stark ausgebildet, so dass sie fähig sind, Rückschlüsse aus den eigenen Gedankengängen zu ziehen 14 . In Folge dessen tritt das selbständige Lernen immer stärker in den Vordergrund, womit die Stressresistenz lanciert werden soll, um auch unter Zeitdruck beachtliche Resultate liefern zu können. Die Langzeitige Motivation und Konzentrationsfähigkeit sollten unter Anwendung von individuell angepassten Lernstrategien aufrechterhalten werden können. Trotz der immer mehr steigenden Konzentrationsfähigkeit, muss die Aufmerksamkeit auf Nuancen gelenkt werden, da sie nicht andauernd den Überblick bewahren. Diese Lernverfahren sind unentbehrlich, um das erworbene Wissen handzuhaben und fordern einen hohen Orga-
11 Vgl.Erik Homburger Erikson: Identität und Lebenszyklus. 1973. Frankfurt. S. 194
12 Vgl. Markus P. Neuenschwander: Entwicklung und Identität im Jugendalter. 1996. Bern, Stuttgart, Wien. S. 93
13 Vgl. Gerd Mietzel: Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend. 2002. Weinheim. S. 320
14 Vgl. Helmut Fend: Entwicklungspsychologie des Jugendalters. 2001. Opladen. S. 118
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nisationsgrad 15 . Auch Zukunftsausblicke und hypothetisch ausarbeitete Fragestellungen sollten sich nicht, als entwicklungsstörend erweisen. Die Diskrepanzen zwischen abstrakten und realen Gedankenvorgängen fallen anhaltend ab. Obwohl die einsprachigen Jugendlichen von den Zweisprachigen sich unter biologischen und teileweise sozialen Gesichtspunkten nicht voneinander unterscheiden, so sind in den kognitiven Denkprozessen Unterschiede auszumachen. Die Sprachkompetenzen von bilingual geprägten Schülern heben sich prägnant in der Relation zu den einsprachig aufgewachsenen Schülern ab. Je zeitiger der Bilingualismus eingesetzt wird, desto ersprießlicher sind Voraussetzungen für einen erfolgsgekrönten Spracherwerb. In der Gegenüberstellung zu den traditional-einsprachigen Schülern, prädominieren die zweisprachigen Schüler unter den Aspektpunkten des abstrakten Denkens. Die Bilingualität erlaubt häufiger den Kindern ein intensiveres Verständnis von Synonymen auf Grund der engverbundenen Ausgangs-und Zielsprache beziehungsweise der zwei Muttersprachen. Dagegen sollen interessanterweise in der späten Adoleszenz immer noch einem erwähnenswerten Jugendanteil das formal-operationale Denken Schwierigkeiten bereiten, einem Viertel der Menschen gelingt es nicht einmal im Erwachsenenalter sich diese Denkvorgänge anzueignen, obwohl diese schon ursprünglich im Alter von 10-12 Jahren sich ereignen sollten 16 .
Grundsätzlich klingen emotionale Gemütsschwankungen im immer größer werdenden Maße ab. Das Weltbild der Heranwachsenden ist überwiegend der Abstraktheit entbehrt. Sowohl unter psychologischem, als auch biologischem Aspekt, der durch die Einfügung ins Sozialumfeld widergespiegelt wird. Kognitive Prozesse haben sich in den meisten Fällen vollständig evoluiert, so dass die sowohl schülerautonomen, als auch übergreifenden Lernmethoden und -strategien ihre Anwendung finden können.
15 Vgl. Gerd Mietzel: Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend. 2002. Weinheim. S. 336
16 Vgl. Helmut Fend: Entwicklungspsychologie des Jugendalters. 2001. Opladen. S. 123
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3. Extralinguistische Merkmale des Kiezdeutschen
3. 1. Historisch-politscher Hintergrund der Genesis des Kiezdeutschen
Deutschland stellt einen multikulturellen Staat dar, welcher von seiner kulturellen Varietät grundsätzlich positiv geprägt ist. Jedoch verbergen sich da hinter, in vielerlei Hinsichten, auch negative Aspektpunkte. Laut dem Bundesministerium des Inneren 17 beläuft sich die Quantität der Bevölkerung mit muslimischem Migrationshintergrund auf mehr als 3 Millionen 18 Einwohner, wodurch sie die stärkste in Deutschland vertretende Minderheit bildet. Eine Unzahl davon verzeichnet seine Existenz in Großstädten wie Berlin, Frankfurt am Main respektive Hamburg 19 . Gegenwärtig treffen wir auf die zweite beziehungsweise dritte Generation der Gastarbeiter 20 , die mitverantwortlich für den ökonomischen Aufschwung der 1960er Jahre waren. Jedoch stellt sich die Integration in das soziale sowie kulturelle System Deutschlands als ein diffiziles Unterfangen heraus. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung prädominieren prozentual gesehen Menschen mit Migrationshintergrund unter den Aspekten 21 wie z.B. Erwerbslosigkeit, fehlender Schulabschluss und Beziehung von staatlichen Unterstützungen in Form von sogenanntem Arbeitslosengeld II 22 . Die Anwesenheit von muslimischen Gastarbeitern war nicht zukunftsorientierend ausgelegt, daher waren keinerlei Integrationsprogramme vonstattengegangen 23 . Die langfristige Perspektivlosigkeit der Gastarbeiter führte daher zur Erziehung derer Kinder in der türkischen Heimatsprache 24 , beginnend mit dem Vorschulalter treten die Migrantenkinder mit der Deutschen Landessprache in Kontakt. Da-
17 AuschlaggebendesMinisterium für die Innenpolitik der BRD
18 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: Bevölkerung mit Migrationshintergrund - Ergebnisse des Mikrozensus 2008 - Fachserie 1 Reihe 2.2. 2008. Berlin. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 8
Millionen wie beispielweise in: Thilo Sarrazin: Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs
Spiel setzen. 2010. München.
19 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 8
20 Zeitlich befristete Arbeitnehmer ausländischer Herkunft
21 Vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland: Wirtschaft und Statistik (Zeitschrift). 2005. Deutschland.
22 Im Volksmund oft Hartz 4 genannt - Sozialleistung für arbeitslose Hilfsbedürftige, die erwerbstätig sind.
23 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 4, 8
24 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 5 Seite | 11
bei gilt die Wechselbeziehung von Sozialengagement und Spracherlernen - Je höher die soziale Bereitwilligkeit zu Integration ist, desto erworbener fallen Sprachkenntnisse des Deutschen aus. Selbstredend waren die multiethnisch geprägten Kinderstätten für solch artige Gegebenheiten unqualifiziert und daher absolut überfordert 25 . Schlussendlich war die 2. Generation der Allochthonen auf dem Arbeitsmarkt zum Versagen verdammt. Item die 1. Generation, die als Arbeitskraft in der BRD agierte, weilt in abgeriegelten Geflechten, die ihr Alltagsleben vollkommen ohne die deutsche Sprache bewältigen kann. Vor allem in Berlins Stadtteilen Neukölln, Wedding und Kreuzberg, in denen Schulen überwiegend 26 von Allochthonen besucht werden, kann solch eine Entwicklung einer Parallelgesellschaft 27 vermerkt werden. Bis zum heutigen Tage sind Menschen türkischer Abstammung zwar in Deutschland besser pekuniär aufgestellt, jedoch nehmen sie vorwiegend Arbeitsstellen in der Unterschicht der sozialen Hierarchie 28 ein 29 . Im Gegensatz zum Heimatland seien Beförderungensperspektiven in der Unterschicht Deutschlands sowieso spärlich vertreten. Der berufliche Durchbruch gelingt zugegebenermaßen manchen Individuen, jedoch bleiben sie in der Unterzahl. Interessanterweise wollen die Menschen türkischer respektive arabischer Abstammung, die sich die Karriereleiter hinaufarbeiten, in einen familienfreundlichen Stadtbezirk übersiedeln. Solch eine Entwicklung wird als erfolgsgekrönte Musterintegration angeführt. Jedoch führte das Fehlen jeglicher Integrationsformen sukzessiv zu einer Isolierung aus der Gesellschaft, welche bis zum heutigen Tage akribisch versucht die schwerwiegenden Spätfolgen auszumerzen. Durch das Ausbleiben von durchgreifenden Reformen wurde die Ghetto-Bildung in Deutschlands Großstädten befähigt 30 . Die Ausisolierung findet entweder auf eigenen Wunsch respektive durch die Gesellschaft selbst statt. Dabei kann die Gruppe von Menschen, die durch die Gesellschaft ausgegrenzt wurde, wieder durch
25 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 4
26 Über 85% der Schüler verfügen über eine Migrationsvergangenheit. Vgl. Kerstin Paul, Ulrike Freywald, Eva Wittenberg: Kiezdeutsch goes school - a multi-ethnic variety of german from an educational
perspectiv. 2008.Universität Potsdam. S. 647
27 Eine Umgangssprachlich übersteigerte Bezeichnung einer ethnisch-kulturell geprägte geschlossene Minderheit, die nicht integrationswillig zu scheinen mag
28 Arbeitsstellen, die nicht allzu viele Qualifikationen und Kompetenzen verlangen
29 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 4
30 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 8 Seite | 12
fördernde Integrationsprogramme in die Gesellschaft einverleibt werden 31 . Hierbei handelt es sich um eine lösbare Angelegenheit bei entsprechender Zuwendung. Die eigentliche Problematik liegt daher eindeutig bei der Gruppe von Menschen, die sich eigenwillig isolieren 32 . In dieser Gruppe sind besonders stark Menschen mit muslimischer Herkunft vertreten. Interessanterweise vollzieht sich die Eingliederung in das deutsche Schul- und Gesellschaftswesen von Menschen mit nicht türkischem oder arabischem Migrationshintergrund erfolgsversprechender, als bei der Muslimischen Minorität. Die vorherrschenden Diskrepanzen aus kultureller Hinsicht werden dafür verantwortlich gemacht und das trotz einer äußerst toleranten Gesellschaft. Das Sujet der problematischen Einverleibung in das soziale als auch kulturelle System wird von Thilo Sarrazin 33 in Deutschland schafft sich ab 34 kontrovers widergespiegelt. Somit bildete sich aus der abgesonderten Menschengruppe eine teilweise unabhängige Gesellschaft, die nicht allein von einer kulturellen sowie sozialen Alternativebene gekennzeichnet ist, sondern auch auf sprachlicher Ebene wiederauffindbar ist, in dem sogenannten Kiezdeutsch 35 .
3. 2. Kiezdeutsch als Subkultur
Das Kiezdeutsch (wird auch pejorativ als „Kanak Sprak 36 “ bezeichnet), ist hauptwiegend eine Vermischung der deutschen, türkischen und arabischen Sprache. Jedoch beherrscht äußerst selten ein Sprecher ausgezeichnet alle 3 Sprachen, denn meistens handelt es sich um bilingual aufgewachsene Menschen. Man spricht daher von einer Doppelten Halbsprachigkeit 37 , die im Kiezdeutschen sich durch teilweise fehlende Kompetenzen sowohl in der Muttersprache als auch in deutscher Sprache charakterisiert 38 . In
31 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 5, 7
32 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 5, 7
33 SPD-Mitglied und ehem. Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, welches Amt er auf Grund der Publikation Deutschland schafft sich ab niederlegen musste
34 Sachbuch-Bestseller 2010, in dem sich Thilo Sarrazin kontrovers über die Migranten äußert
35 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 8
36 Feridun Zaimoglu: Kanak Sprak: 24 Mißtöne vom Rand der Gesellschaft. 6Auflage, 1995 Hamburg, S. 9
37 Semilingualismus, eine gewichtige Sprachstörung
38 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 4 Seite | 13
der Relation zu der von den Gastarbeitern angewendetem Deutsch, ist Kiezdeutsch keine gebrochene Sprache 39 . Im Terminus erscheint das Wort Kiez 40 , welches folgerecht den Sprachraum erahnen lässt. Besonders stark wird das Kiezdeutsche in den einkommensschwachen sowie multikulturellen Wohnvierteln vertreten 41 . Der Gebrauch des Kiezdeutschen ist bei Menschen überwiegend im Alter zwischen von 12 bis 20 Jahren präsent. Somit handelt es sich hierbei um eine sprachliche Adoleszenz 42 , die spätestens mit der beruflichen Karriere sein Ende findet. Man spricht zwar hierbei von einer Jugendsprache, wobei der Begriff im ursprünglichen Sinne bedeutungsüberzogen sei, da die Realität auf Gegensätzen fußt und eine Erwachsensprache als Terminus evident ausgeblieben ist. Logischerweise sollte daher nachweislich die Definition der Jugendsprache zu mindestens als fragwürdig eingestuft werden. Somit handelt es sich bei der Jugendsprache eher um eine moderne Umgangssprache 43 . Daher soll der abermals auftauchende Begriff Jugendsprache in dieser Diplomarbeit als moderne Umgangssprache aufgefasst werden.
Der Sprachkreis hat sich im Laufe der Zeit stark erweitert. Anfänglich wurde der Sprachgebrauch bezüglich Menschen mit muslimischem Migrationshintergrund assoziiert. Heutzutage haben sich unter den Sprechern sogar deutsche Jugendliche etabliert, die sich durch die Anwendung dieser Sprache eine interkulturelle Kommunikationsform erhoffen 44 . Die Sprache darf deshalb nicht nur, als eine Sprache gewertet werden, sondern sie soll eher Ausdruck einer identitätsbezogenen Gruppenzugehörigkeit verleihen. Diese Gruppe grenzt sich nicht lediglich sprachlich ab, sondern disponiert darüber hinaus über einen markanten Stil, den sie durch ihre Kleidung sowie ihren Haarschnitt akzentuieren. Als Inbegriff der Mode gilt die deutsche Sprechgesangs-Branche 45 , die von
39 Als Gebrochenes Deutsch wird ein fehlerhafter Sprachgebrauch anerkannt. Vgl. Heike Wiese: Kiezdeutsch - ein neuer Dialekt des Deutschen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 2010. S. 33
40 Eine überschaubare Stadtgegend in einer Großstadt
41 Vgl. Daniela Krämer: Kiezdeutsch - Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlin mit türkischer Herkunftssprache. 2008. Berlin. S. 8
42 Im Heranwachsenden Alter veränderte Sprachebene
43 Alltagssprache, Antonym der Standardsprache, sie kann dialektale Konturen annehmen
44 Vgl. Inci Dirim und Peter Auer: Türkisch sprechen nicht nur die Türken: über die Unschärfebeziehung zwischen Sprache und Ethnie in Deutschland, 2004 Berlin; New York / Vgl. Heike Wiese: Kiezdeutsch -
einneuer Dialekt des Deutschen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 2010. S. 34
45 Im Fachjargon auch als Rap bzw. Hip Hop bezeichnet.
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Kiezdeutsch-Autoritäten wie Bushido 46 beziehungsweise Massiv 47 angeführt wird. Diese Garderobe ist kennzeichnend durch Jeans im Karottenschnitt 48 von berliner Trendmodemarken wie Zerva 49 und Gordon Sport, hingegen werden die Oberkörper von V-Kreuzbetonenden Bomberjacken 50 von Modemarken wie Alpha Industries, Gordon Sport und Zerva bedeckt. Vormalig wurden die Jeans in die Socken hineingestopft, jedoch wird dies derzeit eher äußerst selten praktiziert und stattdessen auf spezielle Gummibänder zurückgegriffen, die den Hosenbeinsaumen zusammenhalten um eine Überdeckung der Fußbekleidung zu vermeiden. In Puncto Haartracht überwiegt der sogenannte Boxerhaarschnitt 51 . Somit ist das nicht ausschließlich eine Analyse bezüglich der Sprache, sondern obendrein auch eine Auseinandersetzung mit einer Subkultur. So wie die Genese der Sprache vermutlich auf mangelende Sprachkenntnisse des Deutschen hindeutet, so lässt jedoch der Gebrauch des Kiezdeutschen keine zwangsmäßige Schlussfolgerung zu, dass der Sprecher über fehlende Sprachfertigkeiten verfügt 52 .
Diese markante Ausdrucksform wird lediglich in Peergroups 53 gepflegt. Eltern, Erwachsene und alle Menschen, die nach ihrer äußerlichen Erscheinungsform nicht dem oben beschriebenen Klischee im weitesten Sinne gleichen, erwecken eher einen ridikülen Eindruck. Auch die Verwendung des Kiezdeutschen bei offiziellen Anlässen oder desgleichen geziemt sich nicht.
46 Bürgerlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi, einer der meisterfolgreichsten Sprech-Gesang-Interpreten Deutschlands
47 Bürgerlich Wasiem Taha, Sprech-Gesang-Interpret
48 Firmenspezifisch wird der Karottenschnitt Zicco genannt.
49 ehem. Picaldi
50 Entworfene Jacken für Kampfflugzeugbesatzungen, welche in den 1930er Jahren erstmals eingeführt wurde
51 Auch Tyson-Schnitt (mit vollem Namen Mike Tyson) ist ein Kurzhaarschnitt, deren Seitenhaar auf wenige Millimeter gestutzt und die Haare am Oberkopf auf eine willkürliche Länge gekürzt werden.
52 Vgl. Heike Wiese: Kiezdeutsch - ein neuer Dialekt des Deutschen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 2010. S. 34
53 Fachbegriff aus Soziologie beziehungsweise Pädagogik für gleichaltrige respektive gleichrangigen Gruppen Seite | 15
4. Inter- und intralinguistische Merkmale des Kiezdeutschen
4. 1. interlinguistische Merkmale als Begleiterscheinung der Subkultur
Kiezdeutsch wird kursorisch von der Gesellschaft als deutsch-türkischer Nexus aufgefasst. Dagegen treten auch andere Fremdsprachen in Erscheinung oder üben wenigstens einen Einfluss aus. Zu den relevantesten Einflussquellen zählt neben dem Deutschen, die türkische sowie arabische Sprache, Jugendsprache inklusive Umgangssprache und das Englische.
54
Dieses Schema ist hinsichtlich der Überschaubarkeit radikal generalisieret worden, denn die differenten Wirkungsstärken und die komplexen Zusammenhänge zwischen den Sprachen werden nicht reproduziert.
54 Teilweise übernommen. Vgl. Heike Wiese: Ich mach dich Messer - Grammatische Produktivität in Kiez-Sprache (‚Kanak Sprak’). In: Linguistische Berichte 207. 2006. Hamburg. S.251
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Wie schon im vorangehenden Kapitel erwähnt wurde, ist es in gewisser Sicht eine Varietät der Jungendsprache. Allerdings gäbe es relativgroße sprachliche Schnittflächen zwischen der Jugendsprache und dem Kiezdeutschen. Dies besagt, dass einerseits kiezdeutsche Charakteristika auch mit der Jugendsprache übereinstimmen können, aber anderseits können sie auch nicht sprachlich kompatibel sein. Zuzüglich verlangt die Kiezsprache einen nicht-deutschen Inspirationshintergrund, wogegen die Jugendsprache und Umgangssprache sich auf einer zwangsläufigen Vereinfachung der Standradsprache stützen. Der wesentliche Unterschied zwischen der Jugendsprache und Umgangssprache beruht auf englischorientiertem Wortschatz sowie mehr kontroversen Auslegung seitens der Jugendsprache. Diesbezüglich kann bewiesenermaßen die Zugehörigkeit zur Umgangssprache aussortiert werden, was das Kiezdeutsche anbelangt. Jedoch ist die Umgangssprache einschließlich der Jugendsprache eine der beiden Schnittstelle zwischen dem Deutschen und dem Englischen. Die weitere Überlappung wird beim Fachsimpeln ausfündig gemacht, welches insbesondere in der Informatiksprache ans Tageslicht kommt. Das Deutsche, sowie das Englische kann auf Umwegen durch die Jugendsprache beziehungsweise Umgangssprache ins Kiezdeutsche gelangen - geschieht dies über den direkten Weg, verläuft der Registerübergang nicht flüssig. Hierbei sollte man jedoch ausdrücklich beachten, das Kiezdeutsch auf der deutschen Sprache basiert. Freilich überlappen sich Kiezdeutsch mit dem Deutschen schaffend eine sprachliches Fundament, welches aber linguistisch auf Grundschüler-Niveau zurückgreift. Gemeint ist die gehobene deutsche Sprache, die vom Kiezdeutschen zuwenigst nicht umwegslos oder insgemein emporkommen gelassen wird. Sowohl die Jugendsprache, als auch die Umgangssprache werden durch das Englisch unentwegt gekennzeichnet. Wird hingegen das Türkische und Arabische in die Jugendsprache mit einbezogen, so wird diese sprachliche Ausdrucksweise sehr abstrahierend unter Kiezdeutsch verbucht. Die Einflussausübung auf das Kiezdeutsche sei durch die türkische und arabische Sprache viel markanter, als durch die Türkische. Zwar ist die Deutsche Standardsprache so sehr entgegenkommend gegenüber der englischen Sprache, dass sie oftmals als Denglisch 55 betitelt wird, demgegenüber zeigt sich das Kiezdeutsche, wie schon erwähnt, abgeneigt Anglizismen unvermittelt aufzunehmen.
55 Kritikausübender Begriff an der vermehrten Einverleibung von englischen Lehnwörtern ins Deutsche
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Der nächste Schritt muss die Differenzierung von den Begriffen Sprache, Dialekt sowie Soziolekt in Anbetracht gezogen werden. Hierzu dient die gegenseitige Verständlichkeit als Unterschiedsmerkmal zwischen Sprache und Dialekt. Wobei man unterstreichen sollte, dass die Verständlichkeit aus zweierlei Sprecherperspektiven different ausfallen kann, da z.B. Hochdeutsch für sächsisch sprechende Menschen keine Kommunikationsbarriere darstellt, hingegen stoßen im umgekehrten Kasus die hochdeutschsprechenden Menschen auf eine sprachliche Erschwernis. Somit kann es sich bei Kiezdeutsch um keine eigenständige Sprache handeln, sondern um einen Dialekt, exakter ausgedrückt um einen Soziolekt. Infolgedessen ist der Soziolekt ist ein Unterbegriff des Dialekts, hierbei ist die Rede von einem gruppenbedingten Sprachvariante. Wie schon in der Definition beiläufig genannt wurde, verbleiben die Kiezdeutsch-Sprecher in sozialschwachen Stadtvierteln mit dominantem Migrationshintergrundverhältnis. Insofern agiert die Kiezsprache neben dem Soziolekt und Ethnolekt, auch noch als ein Regiolekt, der von der geografischen Lage sowie dem Auftreten von einer einflussübenden Stadtbevölkerung mit migrationsaufweisender Vorgeschichte bedingt ist. Am Anfang wurde zwar die deutsche Sprache von Mitbürgern mit Migrationshintergrund einer Ethnisierung unterzogen, die im Generationswandel vorhanden gegangen ist, so dass Heutzutage auch Deutsche Staatbürger sich mit dem Soziolekt angefreundet haben. Dieser Vorgang ist so weit vorangeschritten, dass man sogar von einer Deethnisierung sprechen könnte. Dieser Ablauf der Rückethnisierung findet jedoch auf sprachlicher Ebene statt und nicht auf der sozial-kulturellen. Somit Integriert sich in gewissermaßen die Sprache, aber nur auf Grund der Annährung anderer Mitbürger, dabei bleibt die Kultur unverändert und somit wird die Stärkung oder zu mindestens Entstehung einer Subkultur vorangetrieben.
Kiezdeutsch ist freilich ein seltener Ethnolekt, der jedoch keinen Sonderstatus genießt. Derartig Strömungen treten auch anderweit im Großraum Europa in Erscheinung. Interessanterweise können zwischen all diesen Soziolekten Parallelen gezogen werden. Eine Sprachverwandtschaft kann in Ansehung der Grammatik, insbesondere der Wortstellung, gewahrt werden.
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Zuzüglich tritt eine weitere Erscheinung auf, das beibenannte Code-Switching 56 . Dieser Sprachwechsel, der bei bilingualen Rednern vollzogen wird, war der Ursprung für die Adaption von arabischen und türkischen Lehnwörtern. Im Gegensatz zu den englischen Lehnwörtern, die durch die Medienwelt und das Berufsleben in das Deutsche vordringen, werden die arabischen beziehungsweise die türkischen Lehnwort durch die Alltagssprache in die Varietät der deutschen Jugendsprache eingeschleust. Dieses mannigfach verlaufende Phänomen gestaltet sich folgendermaßen:
Turn-externe Sprachwechsel/Turnspezifisch
57
:
56 Vgl. Erkan Özdil: Codeswitching im zweisprachigen Handeln. 2010 Münster/ New York / München / Berlin. S. 41
57 Vgl. Erkan Özdil: Codeswitching im zweisprachigen Handeln. 2010 Münster/ New York / München / Berlin. S. 78 Seite | 19
Turn-interne Sprachwechsel/Intraturnspezifisch
58
:
Äußerungsinterne Sprachwechsel/Intraphrasal
61
:
Zusammenfassend verfügt das Kiezdeutsch über eine partiell autonome Grammatik sowie Semantik, die mit Hilfe der Pragmatik ausgedrückt wird. Des Öfteren wird dem Kiezdeutschen eine inkorrekte Grammatik entgegengehalten, zumal sie bei den hochdeutschgewöhnten Sprechern einen regelwidrigen Eindruck hervorruft. Jedoch trübt der Anschein nach einer sprachlichen Zerlegung, da die grammatisch unkorrekt wirkende Satzlehre permanent verfolgt wird. Demgemäß konstituiert aus einer fehlerhaftangesehener Grammatik eine regelrechte Sprachlehre. Desgleichen ist Kiezdeutsch unter dem Gesichtspunkt der Semantik erheblich aufschlussreicher. Sowohl die Semantik als auch die Syntax des Kiezdeutschen sind längst noch nicht ausgiebige unausgeschöpft und zeugen daher von einer einfallsreichen Ausbaufähigkeit. Der Ghetto-Slang inhäriert wie
58 Vgl. Erkan Özdil: Codeswitching im zweisprachigen Handeln. 2010 Münster/ New York / München / Berlin. S. 77
59 Vgl. Erkan Özdil: Codeswitching im zweisprachigen Handeln. 2010 Münster/ New York / München / Berlin. S. 77
60 Anlehnend an Erkan Özdil: Codeswitching im zweisprachigen Handeln. 2010 Münster/ New York / München / Berlin. S. 78
61 Vgl. Erkan Özdil: Codeswitching im zweisprachigen Handeln. 2010 Münster/ New York / München / Berlin. S. 78 Seite | 20
Arbeit zitieren:
Piotr Snuszka, 2011, Kiezdeutsch in der Schule , München, GRIN Verlag GmbH
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