Inhalt
1. Einleitung 3
2. Zur Kodifizierung des bon usage im 19. Jahrhundert 4
2.1. Historische und sprachliche Ausgangssituation 4
2.2. Wörterbücher 5
2.2.1. Le Dictionnaire de l’Académie française, 1835 6
2.2.2. Emile Littré: Dictionnaire de la langue française 7
2.2.3. Pierre Larousse: Grand Dictionnaire universel du XIXe siècle 11
2.3. Grammatiken. 12
2.3.1. Girault-Duvivier : Grammaire des grammaires 13
3. Zur Kodifizierung des bon usage im 20. Jahrhundert 16
3.1. Historische und sprachliche Ausgangssituation 16
3.2. Wörterbücher 16
3.2.1. Paul Robert: Dictionnaire alphabétique et analogique de la
langue française 17
3.3. Grammatiken. 19
3.3.1. Maurice Grevisse: Le Bon Usage 19
4. Zusammenfassung 22
Literatur 25
2
1. Einleitung
Frankreich stellt angesichts der Vorstellung einer festen Sprachnorm in-
1 Vgl.MÜLLER (1975), S. 23
3
2. Zur Kodifizierung des bon usage im 19. Jahr-hundert
2.1. Historische und sprachliche Ausgangssituation
Frankreich erlebt am Anfang des 19. Jahrhunderts die Auswirkungen, die sich mit der veränderten politisch-gesellschaftlichen Lage durch die Französische Revolution von 1789 ergaben. Die Revolutionäre beeinflussten nicht nur die Politik und das französische Staatssystem nachhaltig, sondern beteiligten sich ebenso stark an der Diskussion um die französische Sprache. Das Französische soll zur einzigen Nationalsprache erhoben werden, soll das Merkmal der Universalität nun für sich beanspruchen können. Die Revolutionäre sprechen von da an von der „langue une et indivisible“. Die unternommenen Aktionen sind nicht Thema dieser Arbeit und sollen im Weiteren auch nicht tiefergehend Erwähnung finden. Was jedoch wichtig für die Kodifizierung des bon usage ist, der nach wie vor in den Werken der Autoren und des Hofes des 17. Jahrhunderts wurzelt, ist der gesellschaftliche Wandel mit und nach der Großen Revolution. Das Bürgertum ist nun die herrschende Klasse der Gesellschaft und es soll gegen Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens dominieren. Der gute Sprachgebrauch des 17. Jahrhunderts wird schließlich mit den Reformen im 19. Jahrhundert zum Zeichen des bürgerlichen Aufstiegs: 1881/1882 wird mit dem Loi Ferry der kostenlose Schulunterricht eingeführt, Lehrbücher stabilisieren das Französische im Unterricht. 2 Während die Schulbildung große Teile der Bevölkerung alphabetisiert, werden die Minderheitensprachen unterdrückt, um den bon usage durchzusetzen. 3 Weitere Faktoren bilden die Industrielle Revolution und die sich rasant entwickelnden Wissenschaften ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften bauen sich aus, mit diesem Ausbau erfolgt die massive Ausweitung des Wortschatzes. Allein die neu
2 Vgl. MÜLLER (1975), S. 24
3 KLARE (2006), S. 159
4
entwickelte Terminologielehre für die Chemie von Lavoisier kreiert unzählige Wortschöpfungen, die in die französische Lexik Eingang finden. Es kommt zu einer Explosion des Wortschatzes, die sich sowohl intern als auch extern vollzieht. Zu den internen Prozessen zählen die Wortbildung, die Wortneubedeutung und die Phrasembildung. Beispiele finden sich bei dem Wort „grève“, das 1805 noch als „cessation de travail“ verstanden wurde und ab 1821 ausgeweitet wird auf „gréviste“, „grève générale“ et cetera. Zu den externen Prozessen gehören Entlehnungen aus dem Englischen, Deutschen, Arabischen, Lateinischen, Griechischen und Italieni- schenwie zum Beispiel „le boycott“, „le football“, „le tennis“, „le lied“, „le leitmotiv“, „le putsch“ und „un ersatz“. 4 WINKELMANN führt in seinem Aufsatz noch als weiteren Faktor die literarische Kanonbildung auf, die zur Kodifizierung des bon usage im 19. Jahrhundert beiträgt. Durch einheitliche Buchausgaben und die Schulre-formen erfahren die Schüler so eine gemeinsame literarische Grundausbildung. 5
2.2. Wörterbücher
Im Laufe des 19. Jahrhunderts werden unzählige Wörterbücher veröffentlicht, die versuchen das nun in seinem Umfang immens vergrößerte Vokabular aufzunehmen. Dennoch bleiben viele „angesichts der zu bewäl- tigenden Materialfülle[…] selektiv“ 6 , die Gesamtmasse des Lexikons ist aber auch aufgrund der eingeschränkten Mittel zur Bearbeitung des Korpus noch nicht erfassbar.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts findet man Wörterbücher, die gewissenhaft und einheitlich erarbeitet wurden und durch diese Methodik zur Kodifizierung des bon usage beitragen konnten. Dazu zählen die sechste Auflage des Wörterbuchs der Académie française, und die Wörterbücher von
4 Ebd., S. 166 f.
5 Vgl. WINKELMANN (1990), S. 345
6 KLARE (2004), S. 39
5
Emile Littré und Pierre Larousse, die im Folgenden näher betrachtet werden.
2.2.1. Le Dictionnaire de l’Académie française, 1835
Die sechste Auflage des Akademiewörtebuches erschien 1835, und soll als eigentliche Nachfolgerin der Ausgabe von 1762 gelten, da die Revolutionsauflage aus dem Jahre 1798 nicht von der Académie française anerkannt wird, die selbst von 1793 bis 1803 geschlossen war. Diese sechste Ausgabe ist im Vergleich mit den bisher erschienen „die wohl sorgfältigs- te“ 7 ,als wichtigste Neuerung wird immer wieder die Änderung der Imperfekt-Endung von -ois auf -ais genannt, die hier erstmalig von der Akademie vorgeschrieben wird. Brunot bezeichnet die vorhergehende Ausgabe von 1762 so auch als ein Wörterbuch „d’une société morte, d’une langue morte“, dem die Veröffentlichung der sechsten Ausgabe als „événement considérable“ gegenübersteht. 8
Mit dem Vorwort des Professors Abel-François Villemain (1790 - 1870), der das Verständnis für die geschichtliche Entwicklung der französischen Sprache aufzeigt, demonstriert die Akademie ihre Bereitschaft, sich der Lexikographie zu öffnen und im Bewusstsein zu wirken, dass sich das Französische wandelt. Nachdem er auf verschiedene Einflüsse auf die Sprache eingeht, reißt er das Thema des Sprachwandels im Laufe der Entwicklung einer Sprache an:
„A ces causes particulières se joindraient les causes générales, qui, chez toutes les nations, ont amené une sensible différence entre la changeante rapidité des époques de formation et de débrouillement, et la durée de l’époque dernière, où une langue, qui semble fixée, se développe encore, sans s’altérer, et acquiert, sans rien perdre.“ 9
7 SCHMITT (1990), S. 361
8 BRUNOT (1948), S. 556
9 VILLEMAIN, (1835), S. VIII
6
Auf den Wunsch Voltaires werden zu den Worterläuterungen nun auch Autorenzitate gefügt, die den jeweiligen Gebrauch bestätigen. 10 Die darauffolgende siebte Ausgabe stellt sich laut SCHMITT „wie eine bescheidene Arbeit von Dilettanten“ dar und wird vom 1863 veröffentlichten Wörterbuch von Emile Littré verdrängt. 11
Zur Veranschaulichung folgt der Eintrag zu „croquis“ des Dictionnaire de l’Académie française von 1835:
Dieser Eintrag zeigt, wie die Académie française auf die Nennung der Au-toren, deren Zitate genommen werden, verzichtet. Im Gegensatz zum noch folgenden Auszug des Wörterbuchs von Emile Littré wirkt dieser Artikel auch etwas knapp gehalten.
2.2.2. Emile Littré: Dictionnaire de la langue française
Statt des Wörterbuchs der Académie française soll aber ein anderes zum Referenzwerk des 19. Jahrhunderts werden: das Dictionnaire de la langue française von Emile Littré, das in der Zeit von 1863 bis 1872 in vier Bänden erscheint.
Emile Littré wurde am 01. Februar 1801 in Paris geboren, er genoss eine gute erzieherische Ausbildung seiner Eltern, durch den Vater als Schüler Voltaires und der Mutter als Protestantin. Als vielversprechendes Kind studiert Littré Medizin und arbeitet anschließend als Arzt. Im Laufe seiner Karriere wird er jedoch immer mehr zum Gelehrten, so liefert er eine kritische Übersetzung von einigen Werken Hippokrates. Als ihm 1840 der
10 BRUNOT (1948), S. 556
11 SCHMITT (1990), S. 362
7
Arbeit zitieren:
Ulrike Hager, 2010, Aktionen zur Kodifizierung des 'bon usage' im 19. und 20. Jahrhundert: Wörterbücher, Grammatiken, München, GRIN Verlag GmbH
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