Dementsprechend bildet die Rhetorik ein wichtiges Analyse-und
Bewertungskriterium mit welchem Vorträge und eben deren Qualität analysiert werden können. Demnach wird die Rhetorik als Disziplin vor allem im Sinne einer modernen Wissenschaft brauchbar zu handhaben sein insofern, dass der wissenschaftliche Vortrag, neben dem geschriebenen Text, als Grundkategorie der Ausbildung und Publikation wissenschaftlichen Wissens, das wichtigste Instrument für die Verbreitung und Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse darstellt. Folglich wird die Rhetorik in der Wissenschaft als Empirie für die Kontrolle und Beobachtung von Sprechakten eingesetzt, wobei diese Sprechakte auf ein Publikum gerichtet sind, dass durch wirkungsorientiertes Kommunizieren von Sachverhalten oder Erkenntnissen überzeugt werden soll. Antike Rhetorik
Aus antiker Sichtweise kann die Rhetorik als eine Form der überredenden Kommunikation verstanden werden, was erneut aus ihrem geschichtlichen Kontext heraus begründet werden muss insofern, dass die frühesten, altertümlichen Formen der Rhetorik innerhalb der Sophistik eine persuasive Funktion erfüllten, die die Entscheidungen und Handlungen der zu überzeugenden Personen, des Publikums eben, beeinflussen sollten. Folglich lagen die Grundziele der sophistischen Rhetorik in der Überredung des Publikums mittels dem Einsatz von Emotionen, wodurch die materielle und ideelle Macht des Redners erweitert werden sollte (vgl. Uebning 2000: S.18ff). Erst durch die von Aristoteles in seiner berühmten Publikation „Rhetorik“ eingeführte Unterteilung des Vortrags in drei Gattungen, veränderte sich das Verständnis der Redekunst weg von der überzeugenden Form der Rede im Sinne der Sophistik hin zum dialektischen Prozess von Frage und Antwort. Dementsprechend unterschied Aristoteles: 1. die Gerichtsrede (genus iudicale) 2. die politische Rede (genus deliberativum)
3. die Fest- und Prunkrede (genus demonstrativum). (Uebening 2000: S.8) Im Sinne des wissenschaftlichen Vortrags wird die aristotelische Einsicht konstruktiv zu handhaben sein, da es im Kontext des akademischen Vortrags um eine objektivere Vermittlung des Inhalts gehen soll(te), wenngleich Aristoteles die
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Ansicht vertrat, dass der Wissenschaftler sein Publikum durch Beweise und klar formulierte, schlüssig nachvollziehbare Argumente überzeugen sollte. Dementsprechend dient die Anwendung der Rhetorik im wissenschaftlichen Kontext eben der Vermittlung gewonnener Erkenntnisse, die den rhetorischen Regeln im Sinne des gekonnten Sprechens folgen sollten. Diese Auffassung von Rhetorik wird unter dem Begriff allgemeine Rhetorik zusammengefasst (vgl. Uebening 2006: S.8). Neben Aristoteles sind auch die Philosophen Cicero und Quintilian als Wegbereiter Selbiger anzuführen. Die Fundamente der Rhetorik wurde dementsprechend bereits in der Antike entwickelt und sind in ihren Grundzügen gegenwärtig noch vertreten, sodass bis dato kein vergleichbar konstruktives System entwickelt werden konnte. Angewandte Rhetorik
Neben der wissenschaftlichen Rhetorik findet diese ihre Anwendung ebenso als praktische Fachrichtung, wodurch handlungstheoretische Prinzipien auf der non-, para- und verbalen Ebene, im Sinne von klarem Sprechen, dem gezieltem Einsatz von Mimik und Gestik sowie der Anwendung der eben historisch beeinflussten Regeln einer gekonnten Rede unter Miteinbezug des Publikums zum Tragen kommen. Demnach kann die oben beschriebene allgemeine Rhetorik von der soeben angeführten angewandten Rhetorik unterschieden werden. Besondere Popularität in der Gegenwart konnte vor allem letztere in der postmodernen ‚Fortbildungs- und Selbstfindungsgesellschaft‘ generieren, da die Kunst des gekonnten Vortrags im Hinblick auf beruflichen und privaten Erfolg zum Non-Plus-Ultra erhoben wurde, was die Rhetorik zum multikonnotierten Schlagwort der gegenwärtigen Gesellschaft werden ließ. Publikationen im Kontext reichen von Trainingsbüchern für eine gezielte Rhetorik im Alltag, im Privat- und Geschäftsleben, bis hin zu zahlreichen weiteren Einsatzmöglichkeiten. Die Auflistung der Anwendungsbereiche der Rhetorik ließe sich schier unendlich fortführen. Ein verhältnismäßiges Abbild für die Popularität und vielfache Verwendung des Begriffs in zahlreichen Feldern, Kontexten und Formen zeichnet die Trefferquote zum Schlagwort Rhetorik auf www.amazon.de, sodass die benannte Suche elfeinhalb tausend Buchtreffer auflistet, die sich neben CDs, DVDs, Videos, Software und Zeitschriften um die gewinnbringendsten Plätze drängen.
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Wenngleich die heutige Rezeption intensiver und die Anwendungsfelder der Rhetorik breiter sind, haben sich die Grundbedingungen des Vortrags nicht gravierend verändert. Ob nun der Lehrer seinen Schülern, der Politiker dem Volk oder eben der Wissenschaftler seinem Publikum, welches zugegebener weise in ein Laien- und Fachpublikum, und in seiner schwierigsten Konstellation, einer Mischung aus beiden, vorträgt, die Konstellation bleibt die Selbe: ein Einzelner versucht seine Fachkenntnisse oder Erfahrungen durch gezielte Formulierungen wirkungsvoll zu vermitteln. Dementsprechend folgt der Aufbau der Rede noch heute dem in der Antike entwickelten System, dass im Folgenden dargestellt werden soll. [Rhetorischer] Aufbau der Rede
Folglich unterschieden die antiken Philosophen fünf grundlegende
Produktionsstadien des Aufbaus eines Vortrags, die im Wesentlichen mit dem Produktionsprozess wissenschaftlicher Erkenntnisse verglichen werden können, wie mit der folgenden Erläuterung aufgezeigt werden soll. Demnach steht zu Beginn jedes Vortrags die Erkenntnis über das (eben zu erforschende oder zu referierende) Thema, welches sich aus einer Anhäufung von (auffälligen) Ereignissen oder Situationen ergibt, da ja erst aus diesem Verständnis heraus eine Situation als zu hinterfragend bedeutsam wird. Der soeben beschriebene Arbeitsprozess, wird im antiken Verständnis als „inventio“ (Uebening 2006: S.56) bezeichnet. Nach dieser Stufe der Erkenntnis soll auf der Basis des vorhandenen Datenmaterials, welches als „materia“ (ebd.) bezeichnet wird eine Hypothese entwickelt werden, aus welcher heraus die Abweichungen nach einer Überprüfung der Situation aufgezeigt werden können, worauf die erhobenen Daten auf einen größeren Kontext bezogen werden sollten, was als „dispositio“ im Sinne einer logischen Ordnung der Gedanken verstanden wurde (vgl. ebd.). Im Kontext eines modernen Forschungsprozesses ließe sich die beschriebene Stufe als der Erhebungsteil mittels dem Einsatz der brauchbarsten Methode beschreiben, durch welchen eben der aktuelle ‚Status‘ zu einer Situation bzw. Forschungsfrage erhoben wird. Nach der systematischen Anordnung der Gedanken, der Disposition eben, können Selbige interpretiert und eben in einen umfassenderen Zusammenhang gebracht sowie einer Verortung
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Arbeit zitieren:
MMag. Catrin Neumayer, 2009, Wissenschaftliche Rhetorik, München, GRIN Verlag GmbH
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