1. Einleitung
Das Mainzer Hoffest an Pfingsten 1184 von Kaiser Friedrich Barbarossa war so herausragend und schillernd, dass es immer wieder Forschungsgegenstand über die höfische Kultur ist. In Mainz haben tausende Gefolgsleute Barbarossas die Schwertleite seiner Söhne gefeiert und sich selbst in ihrer Höfischkeit zelebriert.
In dieser Arbeit möchte ich zeigen, dass man dieses Hoffest mit einem politischen Hoftag verbinden muss, um die Tage vollständig zu erfassen. Um sich diesem Thema anzunähern, habe ich im ersten Schritt einen chronologischen Ablauf dargestellt auf der Grundlage von Giesebrecht. Um die höfische Repräsentation zu dieser Zeit zu verstehen, habe ich den Begriff des Rituals umrissen und mich auf die Inszenierung der Großen auf diesem Fest konzentriert, wobei ich die Schwertleite und das anschließende Turnier gesondert betrachtet habe. Bei den Reaktionen habe ich mich auf die Quellen von Giselbert von Mons, Arnold von Lübeck und Otto von St. Blasien beschränkt.
Der zweite Teil meiner Arbeit ist auf den politischen Aspekt des Festes ausgerichtet. Dabei habe ich den Begriff Hoftag und Hoffest umrissen und die Besonderheiten des Mainzer Hoffestes herausgearbeitet. Im Fokus meiner Betrachtungen stehen die Ministerialen, da sie einen besonderen Stellenwert zu dieser Zeit hatten. Sie erreichten im Laufe der Zeit einen sozialen Aufstieg und bekamen auf dem Mainzer Hoffest die Möglichkeit, ihren Stand in der höfischen Kultur zu etablieren. Als Beispiel habe ich den Grafen von Hennegau angeführt, der auf dem Fest von Barbarossa in den Reichsfürstenstand erhoben worden ist.
In meiner Schlussbetrachtung bilanziere ich den Inhalt meiner Arbeit und zeige so auf, wie Barbarossa das Feierliche mit dem Politischen verband und der Hof Zentrum des Geschehens wurde.
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2. Die Festlichkeiten des Hoftages
Chronologischer Ablauf 1 2.1
Tausende Gefolgsleute des Kaisers Friedrich Barbarossa kamen der Einladung zum Mainzer Hoffest 1184 nach. Es kamen Menschen aus dem gesamten deutschen Reichsgebiet, Burgund, Frankreich, Italien, Illyrien, Spanien und England.
Da Mainz selbst zu klein war, um die Menschenmassen aufzunehmen, ließ der Kaiser eine Zeltstadt auf der anderen Rheinseite errichten. Der Mainzer Hoftag begann am Pfingstsonntag 1184 mit einer feierlichen Prozession. Es folgte die Festkrönung des Kaisers Friedrich Barbarossas, der Kaiserin Beatrix und des Sohnes Heinrich Vl. mit einem anschließendem Festmahl, an dem auch die Adligen teilnahmen.
Im Anschluss an die Frühmesse am Pfingstmontag fand die Schwertleite der Kaisersöhne, König Heinrich und Herzog Friedrich statt. Es folgte die Vergabe von reichen Geschenken an Ritter und Spielleute, Kreuzfahrer und Gefangene zu Ehren des Kaisers und seiner Söhne.
Nun begann ein Turnier, an dem mehr als 20.000 Ritter teilgenommen haben sollen und auch am folgendem Tag weitergeführt wurde. Selbst der Kaiser und seine Söhne haben mitgemacht.
Am Dienstagnachmittag musste das Turnier abgebrochen werden, weil ein Unwetter aufgezogen war und einige Zelte und und die Kapelle zum einstürzen brachte. Einige Tote wurden auch beklagt.
Am letzten Tag wurden die Reichsangelegenheiten und politischen Geschäfte abgehandelt.
1 Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, S. 63 - 72 und Lautemann, Geschichte in Quellen, S. 446 - 448.
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2.2 Ritual und Inszenierung
Seit dem 12. Jahrhundert wird so ausführlich über Hoffeste und die höfische Kultur berichtet, dass man sich fragen kann, welchen Stellenwert rituelle Vorgänge in der mittelalterlichen Gesellschaft hatten. Rituale dienten im Mittelalter zur Darstellung und Inszenierung des jeweiligen Status und höfischer Eigenschaften sowie der nonverbalen Kommunikation mit seinem Gegenüber. Sie erzielten einen Wiedererkennungseffekt, wenn Handlungen in bestimmten Situationen in immer der gleichen oder zumindest sehr ähnlicher Weise wiederholt wurden. Zumeist waren Rituale feierlich ausgestaltet, häufig dienten sie der Anerkennung sozialer Ordnung, es waren Akte der Erinnerung oder der Vergewisserung. 2 Ein Teil des Mainzer Hoffestes war die reiche Beschenkung nach der Schwertleite oder das Festmahl. In diesen Momenten, die immer auf ähnliche Weise zelebriert wurden, entstand eine enges Zusammengehörigkeits-Gefühl. Die Ritter konnten sich selbst würdigen und hoben sich damit von der übrigen Öffentlichkeit ab. 3 Die Zuschauer wurden zu Zeugen des Geschehenen und garantierten die Rechtsverbindlichkeit, in dem Fall dann den Status, den sich die ritterliche Gemeinschaft aufgebaut hat. Das rituelle Verhalten hatte gleiche Funktionen und gleiche Verbindlichkeiten wie etwa der Eid oder der schriftliche Vertrag. Um ihre Funktion zu erfüllen, mussten die Aussage von Ritualen in der öffentlichen Kommunikation eindeutig und allgemein verständlich sein. Wenn man bestimmte Richtlinien im rituellen Verhalten einhielt, konnte man auf subtile Weise Ansprüche durchsetzen und so indirekt Macht ausüben. Da alle Beteiligten wussten, dass jedes Verhalten rangbewusst war, bemühte man sich um Aufrechterhaltung des Ranges und der Ehre, um das Gleichgewicht zwischen den Teilnehmern nicht zu gefährden.4
Rituelle Kommunikation erfolgte durch immer wiederkehrende Ereignisse und Handlungen, wie z.B. die Sitzordnung beim Festmahl. Durch die Riten erreichte der Gastgeber unter den Mitgliedern ein Gefühl der Verbundenheit. 5 Um zu verstehen, welche Bedeutung hinter dem jeweiligem Ritus steckte, musste eine
2 Althoff, die Veränderbarkeit von Ritualen, S. 157 f.
3 Rösener, die Hoftage Kaiser Friedrichs I. Barbarossa, S. 369. 4 Althoff, die Macht der Rituale, S. 160 ff.
5 Lindner, Friedrich Barbarossa, S. 166 f.
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Vorstellung existiert haben, welche Regeln für ein rituelles Verhalten galten und welches Verhalten bei welcher Gelegenheit angemessen und richtig war.6 Niemand konnte sich der Wirkung der Rituale entziehen. Sie zwangen den Teilnehmer zur Kommunikation mit den anderen. Die Freiheit zu eigenem Handeln war dadurch stark beschnitten. 7
Die mittelalterliche Öffentlichkeit entschied kritisch über Rangfragen der Herrscher untereinander. Die bestehende oder auch sich verändernde Hierarchie wurde direkt wahrgenommen. Ein Abweichen der rituellen Handlungen konnte durchaus Folgen haben, die lange nachwirkten. Dabei waren sich die beteiligten Personen durchaus im Klaren darüber, welche Konsequenzen auf welche Handlungen folgten. 8 Arnold von Lübeck beschrieb einen Konflikt, der eben solche Rangfragen auslöste. 9 Beim Festmahl war der Platz zur Rechten des Kaisers dem ranghöchsten Herrscher reserviert. In diesem Fall handelte es sich um den Erzbischof von Mainz, der aufgrund der Ortswahl des Festes unbestritten blieb. Der zweit wichtigste Platz war der Platz zur Linken des Kaisers, den sich der Erzbischof Phillip von Köln erhoffte, da er der mächtigste Herrscher am Niederrhein und zugleich ein ernst zunehmender Gegenspieler des Kaisers war. Da Barbarossa sich bei der Platzvergabe selbst unschlüssig war, polarisierte sich kurzfristig die Gesellschaft. Die Anhänger des Kölner Erzbischof standen sich nun den Gegnern gegenüber und mussten sich öffentlich zu ihrer Gesinnung bekennen. Barbarossas Absicht war die Erhebung des Grafen von Hennegau in den Reichsfürstenstand, weshalb er sich bei der Sitzordnung für diesen und somit gegen den Kölner Erzbischof entschied. Nach der Entscheidung bat der Erzbischof unter Beachtung aller rituellen Formen um Erlaubnis, in die Herberge zurück gehen zu dürfen. So konnte er eine öffentliche Rangminderung vermeiden. Als Ranghöchster im Rheinland beanspruchte er diesen Ehrenplatz neben dem Kaiser, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass auch Barbarossa diesen Status anerkennt. Dessen Ablehnung, ihn neben sich sitzen zu lassen, signalisierte gleichzeitig, nicht den Kölner Status
6 Althoff, die Macht der Rituale, S. 22 ff. 7 Ebd., S. 200 f.
8 Moraw, die Hoffeste von 1184 und 1188, S. 74.
9 Arnold von Lübeck, S. 152 ff.
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zu akzeptieren. Die Anhänger des Kölner Erzbischofs baten daraufhin ebenfalls um eine Entlassung vom Fest. Der junge König Heinrich sah einen drohenden Eklat und intervenierte, so dass der Kölner Erzbischof blieb.10 Sein Weggehen und das seiner Anhänger hätte das Fest vermutlich scheitern lassen. So konnte das Fest weiter gefeiert werden, doch zwischen den Kölnern und den Staufern erhärtete sich die Front so sehr, dass noch Jahrzehnte später Feindschaft zwischen diesen herrschte.11
Dass das Mainzer Hoffest von den Zeitzeugen als besonders und außergewöhnlich empfunden wurde, zeigten die Superlative, die man in den Texten der Anwesenden hinsichtlich der Schilderung des Festes finden kann: Als 'curia celebris et famosa omni Romano orbi', als 'maxima curia, curia famosissima et celeberrima, maximum festum et convivium.' 12 Dieses Fest war nicht nur durch seine Spiele, Unterhaltung und Politik bedeutsam. Für die Teilnehmer war es eine Möglichkeit, ihre höfische Kultur und ritterlichen Eigenschaften zu präsentieren.
70.000 Menschen sollen die Einladung Friedrich Barbarossas angenommen haben. Heinz Wolter macht darauf aufmerksam, dass diese Zahl übertrieben ist. In einigen Quellen steht die Anzahl von 40.000 Menschen, doch auch diese Zahl ist seiner Meinung nach unglaubwürdig, da man allein aufgrund der Begleitung der Ritter die eigentliche Anzahl vervierfachen müsste. 13 Moraw geht davon aus, dass es zwischen 10.000 und 20.000 Teilnehmer gab. 14 Für das mittelalterliche Mainz war der Ansturm jedoch so gigantisch, dass Zeltstädte aufgebaut werden mussten um die Besucher zu bewirten. Die Annahme der Einladung zu einem Hoffest war freiwillig, weshalb man davon ausgehen kann, dass Barbarossa zu diesem Zeitpunkt ein anerkannter Herrscher war, dessen Einladung man gerne befolgte. Giselbert von Mons, der Kanzler des Grafen Balduin V. von Hennegau, schilderte den höfischen Glanz des Festes und auch den seines Herren. Die Zelte der Großen seien 'aufs Vornehmste' errichtet worden, um die
10 Arnold von Lübeck, S. 89. 11 Althoff, die Macht der Rituale, S. 164 f.
12 Fleckenstein, Friedrich Barbarossa, S. 392.
13 Wolter, der Mainzer Hoftag von 1184 als politisches Fest, S. 195.
14 Moraw, die Hoffeste von 1184 und 1188, S. 79
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Großartigkeit ihrer Würde zu zeigen15. Er schrieb weiter, dass der Graf 'prachtvolle Gewänder und kostbare Ausrüstung trug, mit viel Silber und mit einer würdigen Dienerschaft. Die Zelte seines Herren sollen unter all den vielen anderen Zelten durch seine Schönheit hervorgestochen sein.' 16 Arnold von Lübeck staunte über die 'unglaubliche Menge Menschen der verschiedenen Gegenden und Zungen' und dass 'die ganze Ebene durch Zelte von verschiedenen Farben bedeckt, die jede Zahl überschreitend errichtet waren, als ob man eine Stadt gebaut hätte, und nichts fehlte hier..'.17 Zu Ehren der Schwertleite der Söhne des Kaisers wurden anschließend besonders reiche Geschenke gemacht. Alle Herrscher und andere Edelleute gaben den 'Ritter, Gefangene und Kreuzfahrer, Gaukler und Gauklerinnen Pferde, kostbare Kleider, Gold und Silber. Sie taten dies zu Ehren des Kaisers und seiner Söhne und um ihren eigenen Ruhm weithin bekannt zu machen.' 18 Dieser Akt war Teil der Inszenierung für das ritterliche Attribut der Freigiebigkeit. Für einen Ritter war es namhaft, mit Ärmeren zu teilen. Das zeichnete ihn als großzügig und großherzig aus und zeigte nicht nur seinen Ruhm, sondern auch seinen Reichtum, den er sich als erfolgreicher Ritter aneignen konnte.
Laut Fleckenstein stand die Schwertleite im Mittelpunkt des Festes und war von vornherein als ritterliches Fest geplant. Auch das Turnier, das sich über zwei Tage erstreckte und ursprünglich eine Woche später in Ingelheim weitergeführt werden sollte, untermauert diese These. 19
Die Quellen berichten von Dichtern, Musikern und Gauklern, die während des Festes das Volk unterhält. Und von Pracht und Reichtum, der von allen Seiten zur Schau gestellt wird. 20
Der Ablauf des Festes und die höfische Inszenierung war von Barbarossa genau geplant und musste von jedem befolgt werden. Die Abläufe entsprachen eben jenen rituellen Handlungen, die die Ordnung der Gesellschaft stabilisieren. Innerhalb dieser Handlungen bekam jeder die Möglichkeit, sich unter
15 Krieg, Herrscherdarstellung in der Stauferzeit, S. 168.
16 Moraw, die Hoffeste von 1184 und 1188, S. 71 f. 17 Arnold von Lübeck, S. 77.
18 Lautemann, Geschichte in Quellen, S. 446.
19 Fleckenstein, das ritterliche Turnier im Mittelalter, S. 236.
20 Fleckenstein, Friedrich Barbarossa, S. 403 f.
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Yvonne Kafka, 2007, Fest und Politik auf dem Mainzer Hoftag 1184, München, GRIN Verlag GmbH
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