Andreas Weber, Einleitung zum Buch Sacharja
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Das Buch 4
2.1. Einer von Zwölf 4
2.2. Der Name 4
2.3. Literarische Formen 6
3. Zur Person Sacharja 7
3.1. Wirkungszeit Sacharjas 7
3.2. Welcher Sacharja? 9
4. Verfasser 12
4.1. Kapitel 1-8 13
4.2. Kapitel 9-14 14
4.2.1. Die vorexilische Theorie 14
4.2.2. Die nachalexandrische Theorie 16
4.3. Argumente für die Einheit der Prophetenschrift 18
5. Empfänger und historische Kontext 20
6. Übersicht und Gliederung des Buches 22
7. Botschaft 23
7.1. Der Messias in Sacharja 24
8. Schluss 26
9. Bibliographie 27
2
1. EINLEITUNG
Bevor man sich an das Studium eines Buches macht, ist es von Vorteil, wenn man einige Dinge über das Buch weiss. In der vorliegenden Arbeit wurden verschiedene Einleitungsfragen zum Buch Sacharja, das in der heutigen, aber auch schon in der hebräischen Bibel unter den kleinen Propheten zu finden ist, untersucht.
Folgende Fragen waren führend: Wie kam das Buch zu seinem Namen? Ist dieser Name auch gerechtfertigt? Wer ist der Verfasser? Diese Frage ist in der heutigen theologischen Welt eine viel diskutierte Frage, deshalb ist auch in dieser Arbeit ein grosser Teil dieser Frage gewidmet. Es stellt sich aber nicht nur die Frage wer das Buch geschrieben hat, sondern auch wer der Empfänger des Geschriebenen sein sollte. Damit man verstehen kann, was der Schreiber den Empfängern mitgeben wollte, ist es immer von Vorteil den historischen Zusammenhang zur Zeit des Autors zu kennen, deshalb ging man kurz auf die Situation ein. Als zusätzliche Hilfe wurde ein knapper Überblick des Inhaltes von Sacharja erstellt. Zum Schluss versuchte man die Hauptthemen und die Schwerpunkte des Verfassers im Geschriebenen zu extrahieren.
Zur Erarbeitung des Themas wurden etliche Lexika und Einleitungen aber auch Kommentare zum Alten Testament und spezifisch zum Buch Sacharja konsultiert. Die Arbeit verschafft einen kurzen, aber zum Teil detaillierten Überblick über Informationen rund um das Buch Sacharja.
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Andreas Weber, Einleitung zum Buch Sacharja
2. DAS BUCH
In diesem Abschnitt behandle ich die Platzierung des Buches in der Bibel sowie die Bedeutung und Herkunft das Namens.
2.1. Einer von Zwölf
Das Buch Sacharja wird im Kanon zu den „zwölf kleinen Propheten“ gezählt. Der Grund für diese Zuordnung ist die uns bekannte masoretische Überlieferung. „Der Text 1,1-6 ist nach seiner masoretischen Überlieferung in allem als ursprünglich anzusehen“. 1 Es sind in der hebräischen Zwölfprophetenrolle von Murabba‘at fragmentarische Ausschnitte aus dem „Buch Sacharja 1,1 (init) - 4 (la; ) erhalten“ 2 . Diese bestätigen trotz der Größe der Lücken, in jeder
Einzelheit den masoretischen Text, demnach können wir nicht anders, als Sacharja zu den Zwölf Propheten zu zählen.
2.2. Der Name
Einer der wichtigsten Fragen die man sich zu beginn der Untersuchung eines biblischen Buches, unabhängig ob Altes oder Neues Testament, stellen sollte ist die Frage nach dem Namen. Namen stehen in der Bibel in Verbindung mit einer Bedeutung, einer Identität. Namen werden nicht zufällig oder unüberlegt vergeben, sondern Bewusst erwählt. 3 Oft haben Namen in der Bibel einen besonderen Sinn, sie deuten auf ein bestimmtes Ereignis oder drücken das Wesen eines Menschen aus. Woher hat das Buch Sacharja nun seinen Namen, welche Bedeutung und welche Ursprung hat es.
Für hy" r> k; z gibt zwei verschiedene Lesarten. hy" r> k; z kommt fünfundzwanzig mal im AT vor. An fünf stellen, davon vier im Buch Sacharja selbst, wird hy" r> k; z mit Sacharja übersetzt. An
den anderen zwanzig Stellen übersetzt man mit Secharja, so wie man es aus dem heb. erwarten würde. Die LXX hat an diesen Stellen Zacariaj stehen. Sach 1,1 wird hingegen mit Zacarian
übersetzt. Wenn Jesus in Mt 23,35 von Secharja sprich, steht im griechischen an dieser Stelle
1 Robert Hanhart, Dodekaporpheton 7.1: Sacharja 1-8, Siegfried Herrman, Hg., Biblischer Kommentar Altest
Testament, 7.1 (Neukirchen-Vluyn: Neukirchner Verlag, 1998) 3.
2 Ibid.
3 Siehe 1 Mose 17,19 (hebr. Jizchak; d.h. er wird lachen); Lukas 1,31; Offenbarung 2, 17.
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Andreas Weber, Einleitung zum Buch Sacharja
Zacari, ou. Es ist zu vermuten, dass unsere deutsche Übersetzung Sacharja sich an das Wort Zacarian anlehnt. Die englische Bibel hingegen übersetzt hy" r> k; z grundsätzlich mit Zechariah.
Mit größter Wahrscheinlichkeit wurde das Buch Sacharja nach dem im Buch vorkommenden Propheten Sacharja benannt, der als zentrale Figur auftaucht und schon zu beginn
in Kapitel 1,1 und in 1,7 mit Namen und Abstammung eingeleitet wird. Die Wurzel von hy" r> k; z> ist hyrkz, so vermutet man, dass dies eine Kombination aus den Wörtern hwhy und rkz ist, die wir uns
nun genauer anschauen werden. 4
Die Wurzel rkz kommt in allen semitischen Sprachbereichen vor. Die häufigste Form
dieses Verbums im AT ist die qal Form, die 168 mal vorkommt. Daher sollte man bei theologisch ausgerichteten Untersuchungen von eben dieser Form der Wurzel ausgehen. Das Wort zakar wird oft mit „gedenken, sich erinnern“ übersetzt, kann aber zwei Bedeutungen haben, je nach dem wer das Subjekt und wer das Objekt ist. 5 1. Der Mensch denkt an Gott.
Gegenüber den wenigen Fällen, daß bei zakar Menschen an Menschen denken, kommt es also
viel häufiger vor, daß der Mensch Gottes gedenkt. [...] In den Psalmen wird das preisende
Gedenken an die Großtaten Gottes zum Gebot formuliert, womit ein umfassendes Thema
angesprochen wird, das etwa den Psalm 105 formt [...] Israel wird vorgeworfen, es habe nicht
an die Wundertaten Gottes in der Vergangenheit gedacht, was auch im Bußgebet des
Nehemias verkommt (Neh 9,17). 6
Wir halten fest, dass das Wort zakar unter Punkt 1 bedeutet, dass Gott das Objekt ist und der Mensch derjenige ist, der sich an seine Wundertaten erinnert. Doch der häufigste Gebrauch dieses Wortes ist 2. der, dass Gott des Menschen gedenkt. Gott ist der, der z.B. an Rahel (1 Mo 30,22) und an Hanna (1 Sam 1,11.19) gedenkt und ihnen Kinder schenkt. 7
Wenn wir von dem Wort hwhy (JHWH) sprechen, ist eher von einem Tetagramm die
reden, das den Eigenname des Gottes Mose wiedergibt. Der Name Gottes wurde zur Zeit des
4 Ralph L. Smith, Word Biblical Commentary, 32 (Waco, Texas: Word Books, Publisher , 1984), 167.
5 H. Eising, „rkz“, in G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren, Hg., Theologisches Wörterbuch zum Alten
Testament, (Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH, 1977), 2, 571-593, dort 572.
6 Ibid., 575.
7 Ibid., 579.
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Andreas Weber, Einleitung zum Buch Sacharja
zweiten Tempels als unaussprechbar heilig empfunden und wurde so in den öffentlichen Vorträgen
nicht verwendet. hwhy wird nicht mit JHWH sondern wird als adonaj gelesen. 8
Schlussfolgerung: Da wir uns nun diese zwei Wörter etwas genauer angeschaut haben,
ihre Bedeutung und ihre Übersetzung, können wir den Name hyrkz vermutlich besser verstehen. hyrkz könnten wir folgend also mit „Gott hat sich erinnert“ übersetzen. 9 So kann der Name
Sacharja ein Stück Verheißung an Israel sein: Gott denkt an sein Volk, wenn er seine Herrlichkeit an Israel erweisen wird. „Sacharja wird mit seinem Leben und seiner Verkündigung ein lebendiger Beweis der Treue Gottes.“ 10
Doch die Frage dich ich mir nun an dieser Stelle stelle ist, hat die Bedeutung des Namens etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun?
2.3. Literarische Formen
Im Buch Sacharja gibt es eine Anzahl von verschiedenen literarischen Formen. Zum größten Teil ist das Buch in Prosa geschrieben doch in manchen Teilen sind auch Poetische Strukturen zu finden (Kap. 9-10). Es enthält Ermahnungen (Kap. 1,1-6), Visionen (Kap. 1,7-6,8) sowie symbolische Elemente (6,9-15) aber auch Weissagungen (7,1-14,21). 11 Was noch besonders bei Sacharja auffällt, sind die Botschaften die er von Gott weitergibt.
Now and then, however, especially when he is delivering an express message from Yahweh,
he falls into a rhythmical movement, and moste frequently thaht of the second Isaiah. In some
cases the rhythmical passage is so short, containing only one or two lines, that it is doubtful if
the porpeht was conscious of employing the metrical form. 12
8 D.N. Freedman und P. O`Connor, „hwhy“, in G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren, Hg., Theologisches
Wörterbuch zum Alten Testament, (Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH, 1982), 3, 533-554, dort 534.
9 Gleason L. Archer, Einleitung in das Alte Testament, 2 (Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1989), 337.
10 Fritz Laubach, Der Prophet Sacharja, Gerhard Maier und Adolf Phol, Hg., Wuppertaler Studienbibel, Reihe: Altes
Testament, (Wuppertal: R. Brockhaus, 2 1989), 16.
11 Ralph L. Smith, 173.
12 Hinckley G. Mitchell, Haggai and Zechariah, The International Critical Commentary, (Edinburgh; T&T Clark
LTD, 1999) 99.
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Andreas Weber, Einleitung zum Buch Sacharja
Sacharja kann durchaus als ein Apokalyptisches Buch betrachtet werden, da es Elemente wie Visionen, einen angelus interpres sowie Interpretationen von früheren Propheten enthält. Zu dem so meint Smith „are stronge eschatological emphases in the book“ 13 .
3. ZUR PERSON SACHARJA
Nachdem wir uns mit der Bedeutung und Herkunft des Namens Sacharja vertraut gemacht haben, ist es nun an der Zeit sich mit der Person Sacharja auseinander zu setzen. Wer ist dieser Sacharja? Zu welcher Zeit und Wo hat er gelebt? Was erfahren wir über diesen Menschen.
3.1. Wirkungszeit Sacharjas
Die Frage die ich mir nun stelle ist, wie man die Wirkungszeit Sacharjas definieren kann. Was für Anhaltspunkte haben wir um eine Zeitspanne festzulegen in der Sacharja gewirkt hat?
Was wir definitiv anhand von innerbiblischen Hinweisen sagen können ist, dass der Prophet Sacharja zur selben Zeit mit dem Propheten Haggai in Juda wirkten. Doch zur welcher Zeit war dies?
Dank der genauen Informationen bezüglich Jahr und Monat ist es möglich, Historisch auf ein Datum zu kommen.
Nach dem Fall von Jerusalem im Jahr 587/586 v. Chr. waren die Überlebenden als Gefangene nach Babylon weggeführt worden. 538 v. Chr. hatte Kyrus von Persien Babylon erobert und durch ein Edikt im Jahre 538 v. Chr. den Weggeführten unter Serubbabel die Rückkehr in die Heimat und den Wiederaufbau des Tempels erlaubt (Esr 1,1-4; 6,3-5) 14 . Wir befinden uns im 6. Jh.
13 Ralph L. Smith, 175.
14 John H. Walton, Chronologische Tabellen zum Alten Testament (Marburg an der Lahn: Verlag der Francke-
Buchhandlung GmbH, 1982), 71.
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Andreas Weber, 2010, Einleitungsfragen zum Buch Sacharja , München, GRIN Verlag GmbH
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