Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Was ist Popmusik? 4
Verstellte Stimmen. 5
Androgynit ät. 7
Ursachen und Wirkung einer Entwicklung 10
Schlussbetrachtung und Tendenz 14
Literaturverzeichnis 18
Einleitung
Nirgends sonst findet man eine solche Überzahlan glatt rasierten Männern mit langen Haaren, wie auf den Musikbühnen der modernen, westlichen Welt. Egal ob Heavy Metal, Hip-Hop oder sanfter Popgesang- unabhängig vom Sender hört man gleichermaßen Männer und Frauen in höchsten Registern oder mit teils stark verfremdeten Stimmen singen. Bei manchen Künstlern lässt sich das Geschlecht weder äußerlich, noch vom Klang der Stimme eindeutig bestimmen, manche widersprechen den konventionellen Zuschreibungen auf die eine oder andere Art völlig. Wieder andere - oder auch dieselben - Sängerinnen und Sänger betonen ganz gezielt ihr eigenes Geschlecht und sind auf CD-Covers und in Musik-Videos vorwiegend in sexuell konnotierten Posen und Kleidungsstücken zu sehen. So vielschichtig und vielseitig all diese Phänomene auch geartet sein mögen, festzuhalten bleibt, dass Musik und Geschlecht in der Pop-Welt nicht zu trennen sind.Ebenso wenig kann man die ursprünglich rein musikalische Szene heutzutage noch losgelöst von Vermarktung, Außenbild und medialer Präsenz der Sänger betrachten. Popmusik ist also keine rein akustische Erscheinung.Deshalb lohnt sich über den Blick auf Gesangstechniken und Stimmenverfremdungsmechanismen hinaus auch der Blick auf Aussehen, öffentliches Auftreten und Selbstverständnis der zu Kultfiguren stilisierten Prominenten. Dabei ist eine Dominanz von androgynen Künstlern und dem Einsatz von Techniken zum Verstellen von Stimme deutlich festzustellen.Doch was für Ursachen und welche Bedeutung hat dieses Phänomen und wie könnte es sich weiter entwickeln? Diesen Fragen nachzugehen, soll Schwerpunkt dieser Auseinandersetzung sein.
Um das Thema dieser Arbeit grundlegend zu konkretisieren,wird im ersten Kapitel der weitreichende Begriff der ‚Popmusik‘ beleuchtet und für die Bedürfnisse dieser Untersuchung neu definiert. Im anschließenden Kapitel geht es konkret um Techniken zum Verstellen von Stimmen, wobei das ‚Falsett‘ aufgrund seiner herausragenden Bedeutung entsprechend umfangreich betrachtet wird. Das dritte Kapitel befasst sich mit dem Begriff der Androgynität und dessen Einfluss auf die Popmusik. Im vorletzten Kapitel geht es darum, einen Zusammenhang zwischen verstellten Stimmen, Androgynität und Popmusik herzustellen und eine gemeinsame Entwicklung aufzuzeigen und zu begründen. Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und es wird versucht, einen Ausblick auf den weiteren Verlauf der beschriebenen Entwicklung zu geben.
3
Was ist Popmusik?
‚Popmusik‘ ist kein eindeutiger Begriff, er unterliegt dem Wandel der Zeit und wurde seit dem letzten Jahrhundert mehrfach kontrovers diskutiert. Entsprechend viele und unterschiedliche Bestimmungen gibt es demnach für ihn, das Brockhaus Riemann Musiklexikon definiert ‚Popmusik‘ beispielsweise als:
„Bezeichnung für eine seit etwa 1960 international verbreitete Variante afro-amerikanischer Musik, die aus Rock and Roll, Beat und Folksong (Volkslied) im Kontext der Ausbildung jugendlicher Subkulturen (z.B. der Hippies) entstand und durch massenmediale Vermittlung sowie elektroakustische Aufbereitung und Verstärkung gekennzeichnet ist. Wie bei der Kunstform Pop-art […] ist die Ableitung von „pop“ als Abkürzung von „populär“ zur Bedeutungserklärung unzureichend, da der onomatopoetische Eigenwert dieser Silbe mit jenem schillernden Bedeutungsspielraum zwischen Protest, Scherz, Kunstanspruch, extravagantem Konsum usw. dabei verlorengeht.“1 Popmusik wird weiterhin in diesem Artikel als „dem Jazz und Blues verwandt“, von diesen Richtungen abgegrenzt.Im weiteren Sinne kann man aber jede durch Massenmedien verbreitete Art von Unterhaltungsmusik wie Schlager, Filmmusik, Operette, Musical, Tanzmusik, sowie populäre Adaptionen aus Klassik, Folklore und Jazz zur Popmusik zählen. Diese Begriffsverwendung im Sinne von ‚populäre Musik‘ ist in der Musikwissenschaft jedoch umstritten. 2 Darüber hinaus betonen viele andere Definitionen zu Recht den Unterhaltungswert und die mediale Verbreitung als wesentliche Kriterien für die Begriffsbestimmung, nicht selten wird auch auf den kommerziellen Aspekt der Popmusik hingewiesen.
Unumstritten hingegen ist die Ableitung von ‚popular‘ (engl. populär, weitverbreitet, beliebt). Letztendlich lässt sich ‚Pop‘ ähnlich wie ‚Literatur‘ als ein gesellschaftskultureller Kanon verstehen, demnach lässt sich der Begriff sehr vielseitig interpretieren und anwenden.
Für die Zwecke dieserArbeit soll unter‚Popmusik‘ generell viel gehörte und weit verbreitete Musik verstanden werden, der seit denSechziger Jahren in den westlichen Kulturkreisen öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wurde. Der so gefasste Begriff ist also nicht auf bestimmte Genres festgelegt und schließt im Gegensatz zum oben zitierten auch keines aus.Er erfasst explizit die weite Verbreitung und öffentliche Aufmerksamkeit und implizit die Rolle der modernen Medien als Verbreitungs- und Vermarktungsmittel. Darüber hinaus soll auch durch „viel gehörte“ die (Massen-)Unterhaltungsfunktion der Popmusikherausgestellt werden.
1 N.N. Brockhaus Riemann Musiklexikon (BRM): „Popmusik“.
2 Vgl. Peter Wicke:„‘Populäre Musik‘ als theoretisches Konzept.“PopScriptum 1/92, 6 - 42.
4
Verstellte Stimmen
Im Zuge dieses Kapitels werden mehrere unterschiedliche Techniken zum Verstellen von Stimmen beleuchtet. Eine herausragende Rolle nimmt dabei das Falsett, was nicht nur sehr weit verbreitet und für das Thema dieser Arbeit besonders relevant ist, sondern darüber hinaus auch eine historische Konstante in der Musikgeschichte darstellt.
Interessant ist, dass das Falsett weltweit in fast allen Kulturkreisen verbreitet war und ist. So ist die Technik beispielsweise in der arabischen Musik vermutlich seit dem achten Jahrhundert bekannt gewesen. Fundamentalisten hattendamals mit einer strengen Auslegungdes Korans versucht, Musik zu verbieten oder einzuschränken, da diese das andere Geschlecht erregen könnte. Vermutlich um das Verbot zu umgehen, entstand der Falsettgesang in dieser Kultur zu dieser Zeit als ein Gesang mit ‚geschlechtsloser‘ Stimme. Um 822 brachte dann ein berühmter Sänger aus Bagdad die Technik mit an einen Hof im spanischen Cordoba. Von dort aus hatte er dann vermutlich Einfluss auf die Musik Andalusiens, die ihrerseits die südfranzösischen Troubadoure inspirierten. So verbreitete sich die Gesangsform im mittelalterlichen Europa und erlebte seinen Höhepunkt, als spanische Falsettisten zu Palestrinas Zeit die hohen Stimmen in der päpstlichen Kapelle in Rom sangen. Eine Ursache dafür war, dass Frauen in dieser Zeit in der Kirche schweigen mussten. Die Falsettisten wurden ab 1600 dann von den Kastraten abgelöst. 3 Mit dem Beginn der Klassik kehrten die Frauen nach und nach auf die Musikbühnen zurück und das Weltbild wurde immer ‚prüder‘. In dieser Zeitgilt das Falsett, welches seinen Namen vom italienischen ‚falso‘ - falsch, künstlich, imitiert - bekommt, zunehmend als verpönt.Nach der geschlechterspezifischen Aufteilung der Register empfand man es letztendlich als „schlüpfrig, schwul, schlicht ‚unnatürlich‘“ 4 .
Über alpenländische Jodler und afrikanische Sklaven gelangte der Falsettgesang schließlich in die USA, wo er stets akzeptiert war und immer stärkeren Einzug in die Populärmusik hielt. In den verschiedenen Genres erfährt er weitere unterschiedliche Veränderungen.So wird Falsett beispielsweise Ende der Sechziger/Anfang der Siebziger im Soul zur Mode; als sich der Funk in der weiteren Entwicklung ‚gegen‘ den Soul durchsetzt, bleibt es fester Bestandteil und wird in der Folgezeit zu dem was heute als ‚Disco-Falsett‘ bekannt ist und erreichthöchste Popularität im sogenannten Discozeitalter. Als dessen bekannteste Vertreter gelten unter anderem die BeeGees.
3 Vgl. Hubert Ortkemper: „Eine Laune der Natur. Androgyne Stimmen.“ In: Neue Zeitschrift für Musik, 1/99. 14-
17. S. 15f.
4 Bernays, Ueli: „Die simulierte Euphorie“. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. Jan. 2010.
5
Arbeit zitieren:
Raúl Gaston Krüger, 2010, Das Zeitalter des Hermaphrodit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Musikwissenschaft: Das Zeitalter des Hermaphrodit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Musikwissenschaft: neuer Titel erschienen: Das Zeitalter des Hermaphrodit
Raúl Gaston Krüger hat einen neuen Text hochgeladen
L Lerner
0 Kommentare