INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2. Arbeitsübersetzung 4
3. Historischer Hintergrund zum Römerbrief 4
3.1. Homosexualität zur Zeit von Paulus 6
4. Textanalyse 7
4.1. Botschaft des Römerbriefes 7
4.2. Literarischer Kontext von Römer 1,26-27 10
4.3. Wortstudien zu Römer 1,26 12
4.3.1. Dahingegeben werden 12
4.3.2. Schändliche Leidenschaften 13
4.3.3. Ihre Frauen 14
4.3.4. Natürlicher Verkehr getauscht in den widernatürlichen. 15
4.4. Wortstudien zu Römer 1,27 17
4.4.1. Verlassen 17
4.4.2. Wollust 18
4.4.3. Treiben 18
4.4.4. Die notwendige Strafe 19
4.4.5. Verirrung 19
5. Theologische Analyse 19
5.1. Definition von Homosexualität 19
5.2. Ursachen von Homosexualität 21
5.3. Römer 1,26-27 25
5.4. Homosexualität in 1. Korinther 6,9-10 und 1. Timotheus 1,8-10 29
5.5. Schlussfolgerung zur theologischen Analyse 30
6. Umgang mit Homosexualität 31
6.1. Als Gemeinde 31
6.2. Als Seelsorger 32
7. Schluss 34
8. Bibliographie 35
2
1. EINLEITUNG
Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass ein Sohn eines adventistischen Geistlichen in höhere Position homosexuell sei und mit Bekanntwerden dieser Sache, eine hitzige Diskussion innerhalb der Gemeinde ausgelöst wurde, zeigte sich, wie herausfordernd dieses Thema für Christen sein kann. Unlängst erzählt mir eine Pastorentochter, dass ihr Vater seit einiger Zeit einem homosexuellen Pärchen, das im gemeinsamen Haushalt lebt, Bibelstunden gibt. Der Pastor sieht sich nun vor der Situation, „es“ irgendwann einmal ansprechen zu müssen. Wenn doch nur Klarheit herrschen würde! Unzählige Fragen stellen sich, wenn man sich auf das Thema Homosexualität einlässt: Ist Homosexualität angeboren oder nicht? Ist sie Sünde oder nicht? Wenn nein, welche Art von Homosexualität ist Sünde? Und wenn sie Sünde ist, wie verhält man sich dann? Was tut eine homosexuelle Person, die gläubig ist und Jesus lieb hat? Darf sie dann wenigstens eine monogame homosexuelle Beziehung führen, wenn man doch gläubig und fromm ist? Ist die sexuelle Orientierung eine Privatsache oder hat sie eine weitere Tragweite? Wie kann es sein, das etwas, dass die postmoderne Gesellschaft mittlerweile akzeptiert, und keinem zu Schaden scheint, von Christen immer noch als sündiges Verhalten dargestellt werden? Heute wird Homosexualität nicht mehr therapiert. Heute wird Homophobie therapiert. Doch was sagt die Bibel über Homosexualität? Diese Arbeit beschäftigt sich mit paulinischen Aussagen zu homosexuellem Verhalten in Römer 1,26-27 und geht auch auf 1. Korinther 6,9-10 und 1. Timotheus 1,8-10 ein. Weiters werden Implikationen für den Umgang mit Homosexualität als Christen beleuchtet.
3
2. ARBEITSÜBERSETZUNG
Zunächst eine nahezu wörtliche Arbeitsübersetzung des Textabschnittes Römer 1,26-27, die der nachfolgenden Textanalyse als Grundlage dienen soll.
3. HISTORISCHER HINTERGRUND ZUM RÖMERBRIEF
Das Paulus der Verfasser des Römerbriefes ist, wird heute von keinem ernsthaften Theologen bestritten. So wird der Römerbrief in 1,1 mit dem Wort „Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel“ eingeleitet. Eigentlich müsst man eher sagen, dass Paulus den Brief erstellte und von Tertius, seinem „Sekretär“, niederschreiben ließ (Röm 16,22). 1 Paulus lässt uns deutlich erkennen in welcher Situation er sich zur Zeit der Abfassung befindet. Anhand von internen Hinweisen wie in 16,1 wo Paulus die Gemeinde in Kenchreä 2 erwähnt, lässt darauf schließen, dass Paulus sich zu dieser Zeit in Korinth aufhielt. 3 Die Verfassungszeit des Briefes wird auf das Datum um 55. n. Chr. gelegt. Mit diesem Brief wir die Sammlung der paulinischen Briefe im Neuen Testament eröffnet. Sowohl von seiner länge als auch von seinem geistlichen und theologischen Gewicht her ist er der bedeutendste Lehrbrief des Apostels. Um auch andere Völker mit dem
1 Douglas J. Moo, Romans: From Biblical Text to Contemporary Life, The NIV Application Commentary
(Grand Rapids, Michigan: Zondervan, 2000), 16.
2 So schreibt Douglas ebd.: „For Cenchrea was the seaport next to Corinth.“
3 Ibid.
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Evangelium bekannt zu machen, hatte Paulus die Absicht, eine Missionsreise nach Spanien zu unternehmen. Dies wird in Kapitel 15,24 ersichtlich. Die Welthauptstadt Rom schien ihm bei der Durchführung dieses Vorhabens eine willkommene Ausgangsbasis zu sein. In 15,24 wünscht sich Paulus einige römische Christen als Reisebegleiter und Mitarbeiter. Doch hiermit eröffnet sich die Frage, warum Paulus einen solch umfangreichen Brief an die Gemeinde in Rom geschrieben hat. 4
Eine mögliche Begründung könnte die geistliche Situation der Gemeinde in Rom sein. Sie bestand aus Menschen unterschiedlichster nationaler Herkunf, die zum Glauben an Jesus Christus gefunden hatten: Juden aus Palästina und der Diaspora, Proselyten, Orientalen, Griechen, Römer und Angehörige westlicher Fremdvölker. So schreibt Douglas:
„The book of Acts tells us nothing about the founding of the church. But Luke does tell us that Jews from Rome were among those who saw the pouring out of the Spirit on the Day of Pentecost (2:10). We may surmise that some of them were among the three thousand converted on that day (2:41) and that they brought their new belief in Jesus as Messiah back with them to Rome.“ 5
Die meisten dieser Christen hatten noch nie jene anhaltende und sorgfältige Unterweisung im Glauben erhalten, die der Apostel den Gemeinden zur Zeit ihrer Gründung gab. 6 Es ist daher schwer vorstellbar, dass der strategisch denkende Völkermissionar nicht das Bedürfnis empfunden haben sollte, diesem Mangel durch nachträgliche gründliche Unterweisung abzuhelfen. Die geistliche Festigung der Gemeinde in der Kaiser- und Reichshauptstadt Rom hatte Bedeutung für das gesamte Christentum. Diese Theorie kann sich auch auch auf konkrete Aussagen im Brief selbst stützen: Paulus wollte den Glauben der römischen Gemeinde stärken (1,11; 16,25). Mit dieser Tatsache stellt sich nun konkret die Frage, aus welchem Grund Paulus das Thema der Homosexualität im Brief an die Gemeinde in Rom erwähnt. Gab es einen spezifischen Anlass in der Gemeinde, der Paulus animiert haben könnte, dieses Thema aufzugreifen? Oder hatte Paulus bloß die römische Kultur im Hinterkopf und wollte vor ihr warnen? Oder war es die hellenistische Kultur die Paulus vor Augen hatte? Immerhin schrieb er aus
4 Über diesen Punkt sind sich die Ausleger nicht einig. Eine gute Zusammenfassung findet sich in John C.
Brunt, Der Römerbrief (Lüneburg: Adventverlag, 1999) auf Seite 13.
5 Douglas,17-18.
6 Vgl. dazu Apostelgeschichte 19,10; 20,27.
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Korinth. Dieser Frage ist es wichtig nachzugehen indem die kulturellen Umstände und Hintergründe erarbeitet werden.
3.1. Homosexualität zur Zeit von Paulus
Zur Zeit von Paulus kannte man das „Phänomen“ der Homosexualität bereits. Müller behauptet sogar, dass drei verschiedene Konzepte bezüglich der Gründe von Homosexualität, bekannt waren. So macht er eine Unterteilung zwischen Leuten die eigentlich keine wahren Homosexuellen sind, sondern „teenagers and adults who are bored with hetereosexuality and get involved with members of the same sex“ 7 und den so genannten „situational homosexuals“ 8 , Leute die aus Mangel an heterosexuellen Begegnungen die Homosexualität als Zuflucht sahen. Neben diesen beiden Konzepten gab es auch die Idee der anlagebedingten Homosexualität. Die Vorstellung, dass die Neigung zur Homosexualität eine Veranlagung, ein Teil einer Person ist. Diese Vorstellung findet sich in Platos androgynem 9 Mythos.
„In this myth Plato explains that primal man was dual. He had four hands, four feet, two faces and two privy parts, that is, like two people back to back-the faces opposite directions. Some of these dual, primal creatures were male in both parts, others were female in both parts and yet others (a third sex) part male and part female. These primal creatures were so strong that they became insolent, attacking the gods. Because of their continued insolence, Zeus divided these dual four-legged creatures into two-legged creatures. A dual male became two males, a dual female two females and the male-female (androgynous) became a male and a female. On this basis he accounts for the differing sexual desires apparent in society, for each creature searches out its own or opposite kind, according to its original orientation. When dual parts encounter each other they fall in love. By the creation of this myth Plato attempts to explain the attraction some men and women have for persons of the same sex.“ 10
Es ist schwer vorstellbar, dass Paulus, der ja ein sehr gebildeter Mann war und sogar griechische Autoren zitierte, 11 Platos Mythos und somit das Konzept von anlagebedingter Homosexualität nicht kannte.
7 Ekkehardt Müller, Gehard Pfandl (Hg.), Interpreting Scripture: Bible Questions and Answers, Biblical
Research Institute Studies Vol. 2 (Silver Spring, MD: Review and Herald, 2010), 334.
8 Ibid.
9 Androgynie (von altgr. ἀνήρ, Gen. ἀνδρός = Mann, γυνή = Frau) bedeutet weibliche und männliche
Merkmale vereinigend. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Androgynie (Stand: 24.02.2011)
10 Roland M. Springett, Homosexuality in History and the Scriptures (Silver Spring, MD: Biblical Research
Institute of the General Conference, 1988, 97-98.
11 Vgl. Apostelgeschichte 17,28 oder Titus 1,12.
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Daher gibt es keine Rechtfertigung für die Ansicht, dass Paulus mit dem Abschnitt in Römer 1,26-27 bloß die gewalttätige und ausbeuterische Homosexualität und/ oder die Päderastie an den Pranger stellt und nicht die dauerhafte, fürsorgliche, sich bloß auf einen Partner einschränkende gleichgeschlechtliche Beziehung. Ihm war auch diese Art der Homosexualität bekannt. Da Paulus keinen Unterschied in den verschiedenen Formen von Homosexualität macht, scheint er wohl alle Fälle von gleichgeschlechtlichen Beziehung abzulehnen. 12 So schreibt Thiselton:
„Paul witnessed around him both abusive relationships of power or money and examples of ,genuine love‘ between males. We must not misunderstand Pauls ,worldly‘ knowledge.“ 13
4. TEXTANALYSE
4.1. Botschaft des Römerbriefes
Der Römerbrief ist im Neuen Testament die ausführlichste Darstellung der freien Gnade Gottes, die in Jesus Christus jedem Menschen angeboten ist. Paulus verfolgt hier eine Argumentationslinie, die sich an den Kernproblemen orientiert, die im Dialog mit judaisierenden Strömungen innerhalb der Christenheit immer wieder auftraten.
In den ersten acht Kapiteln zeigt Paulus die Erlösungsbedürftigkeit aller Menschen - Juden wie Nichtjuden - auf und betont mit Nachdruck die Notwendigkeit, dass der Mensch aus der Macht der Sünde befreit werden muss. So taucht das Wort paß - alle, angenau 70 Stellen im Römerbrief auf. Durch diesen Begriff macht Paulus deutlich, dass „alle Christen, im selben Boot‘ sitzen. Alle haben gesündigt (Rö 3,23). Alle werden vor Christus als dem Richter stehen (Rö 14,10).“ 14 Mit dieser theologischen Aussage beseitigt Paulus alle Unterschiede, die Mauern zwischen Menschen aufrichten und die verhindern, dass die Gläubigen wahre Einheit in Christus erleben. 15 Er macht deutlich, dass sich alle Menschen unter dem Zorn, den die Sünde herausfordert, befinden. Absolut niemand hat ein Anspruch auf Erlösung und auch niemand kann nur das Geringste tun um
12 Ibid.
13 Anthony C. Thiselton, The First Epistle to the Corinthians, The New International Greek Testament
Commentary (Grand Rapids, MI: Wm B. Eerdmans Publishing Company, 2000), 452.
14 Brunt, 19.
15 Ibid.
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Arbeit zitieren:
Andreas Weber, René Walter, 2011, Homosexualität - Eine exegetische Analyse und Auseinandersetzung mit Römer 1,26-27, München, GRIN Verlag GmbH
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