INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 1. 1
Die Balladenzeit der Droste 2. 3
„Drei ausgewählte Balladen der Annette von 3. 5
Droste Hülshoff: ,Der Geierpfiff’, ,Die Schwes-
tern ’ und ,Die Vergeltung’“
Die Balladentechnik der Annette von Droste-Hülshoff 3.1 5
3.1.1 „Der Geierpfiff“ 6
Struktur und Sprachgestalt 3.1.1.1 7
Inhalt 3.1.1.2 11
Sinndeutung 3.1.1.3 12
3.1.2 „Die Schwestern“ 14
Struktur und Sprachgestalt 3.1.2.1 14
Inhalt 3.1.2.2 18
Versuch einer biographischen Deutung 3.1.2.3 20
3.1.3 „Die Vergeltung“ 22
Struktur und Sprachgestalt 3.1.3.1 22
Inhalt 3.1.3.2 25
Sinndeutung 3.1.3.3 26
Meinung der Verfasserin 4. 30
Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Die folgende Arbeit hat zum Ziel anhand der drei ausgewählten Balladen „Der Geierpfiff“, „Die Schwestern“ und „Die Vergeltung“ die Balladentechnik der Annette von Droste-Hülshoff zu durchleuchten.
Dabei lenken vor allem drei Fragen die Untersuchung: Welche Wirkung haben die balladesken Werke auf den Leser? Wodurch wird sie erzeugt? Welche Absicht verfolgt die Dichterin mit ihren Werken?
In der Untersuchung der Drosteschen Texte interessiert zunächst die Frage, wie es zur Produktion der Balladen, insbesondere zur Entstehung der drei ausgewählten Werke gekommen ist. Bevor es an die Analyse der ausgewählten Beispiele geht, werden noch allgemeine Bemerkungen zum Typus der Balladen vorangestellt. Die Texte „Der Geierpfiff“, „Die Schwestern“ und „Die Vergeltung“ werden im Hauptteil dieser Arbeit nacheinander behandelt.
Ein Diskussionspunkt, der sich zu den drei ausgewählten Werken anbietet, ist die Struktur und die Sprachgestalt der Gedichte.
Zuerst wird deren Aufbau näher betrachtet. In einem anschließenden Gang durch den Text soll die Sprache analysiert werden. Dabei müssen stets die Fragen im Auge behalten werden, welche Wirkung die gegebene Struktur und Sprache bei dem Leser hinterlassen, durch welche Mittel letztere erzeugt wird und drittens warum die Droste eine derartige Darstellung gewählt hat.
Nachdem der Laie auf diese Weise in die Balladentechnik der Autorin eingeführt worden ist, wird im Folgenden der Inhalt der drei Schriftstücke skizziert. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Interpretation der Drosteschen Texte liegt, werden ausschließlich die einschlägigen, die Handlung bestimmenden Ereignisse kurz angerissen. Dazu wird auf den geschickt angelegten Inhalt Bezug genommen und dessen Wirkung beim Leser untersucht. Dies ist notwendig, um eine Sinndeutung anschließen zu können.
Nach einer kurzen Gattungszuordnung soll im `Geierpfiff´ zunächst auf einige charakteristische Stellen Bezug genommen werden, um die Ausnahmesituation klar werden zu lassen, die dieses Werk besitzt. Im Anschluss daran ist die Funktion der
2
Landschaftsdarstellung von Interesse. Nachdem diese an einem Beispiel kurz erörtert worden ist, soll das Stück auf seine Hintergründigkeit untersucht werden. Es soll deutlich werden, dass es sich bei der Ballade „Der Geierpfiff“ nicht wie vielleicht nach dem ersten Lesen vermutet, um eine bloße Geschichtenerzählung ohne tiefere Bedeutung handelt.
Bei den Balladen „Die Schwestern“ und “Die Vergeltung“ soll nach einem ähnlichen Prinzip vorgegangen werden. Nachdem die Autorin dieser Arbeit die Struktur und Sprachgestalt der beiden Gedicht analysiert hat, steht als nächstes eine kurze Inhaltsangabe an. Bei der anschließenden Sinndeutung werden „Die Schwestern“ auf Grund ihrer Parallelen zur Biographie der Annette von Droste-Hülshoff biographisch ausgelegt. Hier werden zwei Fragen angesetzt: Welche Parallelen gibt es? Wie werden sie dargestellt? Bei „Der Vergeltung“ soll hauptsächlich auf die Schuld-Sühne-Thematik eingegangen werden.
Den Schlussteil dieser Arbeit bildet die Meinung der Verfasserin. Hier wird eine pointierte Zusammenfassung der in den Einzeluntersuchungen gewonnenen Ergebnisse angestrebt. Dies soll dadurch geschehen, dass die Verfasserin sich zu den diskutierten Punkten äußert und letztere noch einmal kurz zusammenfasst.
3
2. Die Balladenzeit der Droste
Zu Beginn dieser Arbeit soll zunächst untersucht werden, wie es zum einen zur Entstehung der zahlreichen Balladen 1 der Dichterin und zum anderen wie es im Speziellen zur Verfassung ihrer Werke „Der Geierpfiff“, „Die Schwestern“ und „Die Vergeltung“ gekommen ist.
Die Balladenzeit 1840-1842 begann eigentlich damit, dass Levin Schücking die Droste zur Mitarbeit an seinem „Malerischen und romantischen Westfalen“ bat. Annette sollte ihm einige Stoffe für neue Gedichte liefern. 2 Diese Aufforderung war ein auslösendes Moment für die neue Schaffensperiode. Eine explosive Balladenproduktion war das Ergebnis, das „weit über den gegebenen publizistischen Anlaß hinausreichte“ 3 . Darunter fanden sich eine Reihe von Balladen, die den westfälischen Aberglauben, die westfälische Sage und die Historie behandelten. Diese Gruppe der balladesken Werke ist in die Rüschhauser Zeit der Droste einzuordnen. 4
Einen anderen möglichen Anstoß sieht Ronald Schneider in der äußerst positivern, teilweise sogar begeisterten Aufnahme des 1838 publizierten `Graf von Thal´ „und in der hierin sich dokumentierenden allgemeinen Hochschätzung der Balladenform in der Zeit“ 5 .
Insgesamt sind die Balladen der Annette in drei Phasen geschrieben worden 6 : Die „Frühe Phase“, die die Jahre 1835 und 1836 umfasst, ist die erste ihrer drei Schaffensperioden. Dazu gehören folgende vier Gedichte: `Der Barmekiden Untergang´, `Bayazet´, `Der Venuswagen´ und `Der Graf von Thal´. Diese ersten Versuche der Dichterin, sind, wie man anhand der Jahreszahlen sehen kann, nicht auf die Anregung Levin Schückings zurückzuführen. Von diesen ersten Versuchen ist der `Graf von Thal´ am meisten gewürdigt worden.
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1 “Der Begriff `Ballade´, seit dem 16. Jahrhundert im Deutschen nachgewiesen, geht ethymologisch auf den italienischen Terminus „ballata“ und den provenzalischen „ballada“ zurück, womit ein von Tänzern gesungenes, volkstümliches Lied bezeichnet wird.“ Nach http://utenti.lycos.it/gfiona/balladef.html.
2 Vgl. Ronald Schneider: Annette von Droste-Hülshoff. Stuttgart: Metzler 1977 (Realien zur Literatur, Sammlung Metzler Band 153), S. 59.
3 Winfried Freund: Annette von Droste-Hülshoff. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2000 2 , S. 106.
4 Vgl. R. Schneider: Annette von Droste-Hülshoff (Anm. 1), S. 59.
5 Ebd., S. 59.
6 Vgl. http//utenti.lycos.it/gfiona/balladeb.html.
4
In der sogenannten „Reiferen Phase“ schuf die Dichterin in den Jahren 1840 und 1841 insgesamt 11 Gedichte. Sie werden zu den `Rüschhauser Balladen´ zusammengefasst. Dazu gehören `Das Fräulein von Rodenschild´, `Der Graue´, `Der Schlosself´, `Vorgeschichte´, `Das Fegefeuer des westfälischen Adels´, `Kurt von Spiegel´, `Die Stiftung Cappenbergs´, `Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln´, `Meister Gerhard von Köln´, `Der Geierpfiff´ und `Der Mutter Wiederkehr´. Davon sind die ersten neun genannten Gedichte, wobei die ersten fünf eine erste Gruppe bilden und die an sechster bis neunter Stelle aufgeführten eine zweite Gruppe formen, auf Anregung Schückings entstanden. `Der Geierpfiff´ und `Der Mutter Wiederkehr´ sind unabhängig von dem Projekt Levin Schückings entstanden. 7
Die dritte Phase ihrer Produktion fällt auf die Zeit ihres Meersburger Aufenthaltes zwischen 1841 und 1842. Während den zwei Jahren entstanden vier Balladen, die heute zu den sogenannten `Meersburger Balladen´ zusammengefasst werden: `Die Vergeltung´, `Die Vendetta´, `Der Fundator´ und `Die Schwestern´ bilden die letzte Gruppe in der Balladenproduktion der Annette von Droste-Hülshoff. Sie sind gänzlich unabhängig von Schückings `Malerischem und Romantischem Westfalen´ entstanden. 8 Positiv könnte auf die Entstehung der letzten vier Balladen die Gegenwart Schückings gewirkt haben. Denn er war während des gesamten Meersburger Aufenthaltes an Annettes Seite, da er zu dieser Zeit eine Bibliothekarsstelle innehatte. 9 Mit ihm konnte sie sich gedanklich austauschen, was während des Aufenthaltes im Rüschhaus im Kreise der Familie nicht gegeben war, und so womöglich Inspirationen für ihre Arbeit gewinnen. Er beflügelte die Droste nicht nur durch seine Kritik; allein schon seine enge Bindung zu Annette haben womöglich wesentlich zu ihrer Schaffenskraft beigetragen und schließlich wesentlich zu ihrem Erfolg.
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7 Vgl. R. Schneider: Annette von Droste-Hülshoff (Anm. 1), S. 59.
8 Informationen zur genaueren Entstehung der drei Balladen `Der Geierpfiff´, `Die Schwestern´ und `Die Vergeltung sind im Anhang dieser Arbeit dem Handout des am 12.06.2003 gehaltenen Referates zu entnehmen.
9 Vgl. W. Freund: Annette von Droste-Hülshoff (Anm. 3), S. 124.
5
3. Drei ausgewählte Balladen der Annette von Droste Hülshoff:
„Der Geierpfiff“, „Die Schwestern“ und „Die Vergeltung“
Den Balladen der Droste ist laut Schneider ein bedeutender Rang innerhalb der Geschichte dieser Gattung zuzumessen: „Sie ragen aus der Flut der aus dem 19. Jh. überlieferten Balladen heraus durch eine ungewöhnliche Synthese von Schaurig-Schicksalshaftem und Ethisch-Religiösem, und nicht wenige von ihnen weisen eine literarische Qualität auf, die sie den besten Ausprägungen dieses Genres bis hin zu Fontane und Bert Brecht gleichrangig an die Seite
stellt.“ 10
Warum die Balladen als äußerst gelungen bezeichnet werden können und wie dies die Autorin der drei ausgewählten Werke erzielt hat, soll im folgenden Gliederungspunkt der Arbeit deutlich werden.
3.1 Die Balladentechnik der Annette von Droste-Hülshoff
Bevor in den folgenden Punkten die Technik der Droste anhand der drei ausgewählten Balladen `Der Geierpfiff´, `Die Schwestern´ und `Die Vergeltung´, die einer genaueren Betrachtung unterzogen werden, dem Leser deutlich vor Augen geführt werden, sollen noch einige allgemeine Bemerkungen zu den Balladen der Dichterin vorangestellt werden.
Die allgemeinen bzw. als typisch geltenden Strukturzüge der Ballade, wie „die Tendenz zur Verknappung des Erzählvorgangs, zur dramatischen Szene und zur durchgehenden Gespanntheit auf den immer pointierten Ausgang, die Hinneigung aber auch zum stimmungshaften Bild und zur sinnbildlich-moralisierenden Akzentuierung“ 11 , gelten ohne jeden Abstrich auch für die Werke der Droste, die im Folgenden behandelt werden.
Die Eigentümlichkeit dieser Gattung liegt in der Menge der poetischen Elemente. Dieses Postulat kann aufgestellt werden, da sie von jeder Dichtgattung etwas
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10 R. Schneider: Annette von Droste-Hülshoff (Anm. 1), S. 59.
11 Ebd., S. 60.
6
übernommen hat. Sowohl Dramatisches, Episches, als auch Lyrisches ist in diesem Typus vorzufinden, wenn auch letzteres sehr zurücktritt. 12 Diese Eigenschaften der Ballade können je nach Dichter in vielfältiger Abstufung in Stärke und Anzahl verwendet werden. Je nach der Anschauungsform, nach der sich dann die Technik orientiert und ausrichtet, in welcher sich dem Autor ein Stoff darstellt, wird die eine oder andere Seite mehr hervorgehoben oder auch alle Elemente gleichmäßig verwendet. 13 Bei Annettes Produktion tritt das Epische sehr stark hervor. Episch bezeichnet Boehme sie insofern, „als sie mehr das äußere, die objektive Welt dichterisch zu bewältigen sucht, als ihr subjektives Innenleben unverhüllt darzustellen“ 14 . „Zu lyrischen Gedichten sich zu ergehen drängte es sie nicht,“ sagt Schücking, „ihre Natur war nicht subjektiv, nicht ichlebig genug, um sich lyrisch aussprechen zu müssen.“ 15 Aus diesem Grund und wegen der Zahl ihrer epischen Gedichte kann man laut Boehme die Droste nicht als „lyrische Natur“ 16 bezeichnen.
Wie Annette von Droste-Hülshoff ihren eigenen Typus der Ballade kreiert, soll in den folgenden Seiten dieser Arbeit veranschaulicht werden.
3.1.1 „Der Geierpfiff“
`Der Geierpfiff´ der Droste wird in dieser Arbeit als erstes behandelt, da er zeitlich vor den `Meersburger-Balladen´ (1841/1842) einzuordnen ist: Das eben erwähnte Gedicht gehört den sogenannten `Rüschhauser-Balladen´ an, die in den Jahren 1840 und 1841 entstanden sind.
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12 Lothar Boehme: Die Balladentechnik der Annette von Droste-Hülshoff. In: Euphorion 14, 1907, S. 725.
13 Ebd., S.725.
14 Ebd., S. 727.
15 Ebd., S. 727.
16 Ebd., S.727.
Arbeit zitieren:
Monika Reichert, 2003, Drei ausgewählte Balladen der Annette von Droste-Hülshoff: "Der Geierpfiff", "Die Schwestern" und "Die Vergeltung" - eine Interpretation, München, GRIN Verlag GmbH
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