1. Wer hat es erfunden?
Bereits Jahrhunderte vor Gutenbergs Geburt gab es Vorformen des Druckens im ostasiatischen Bereich. In China wurde bereits im 5. Jahrhundert vor Christus Schrift verwendet, was der Fund von Schriftzeichen auf Knochen, Keramik u.a. belegt 1 . Die Erfindung des Papiers aus Hanffasern und ähnlichen Stoffen verhalf den Chinesen zur Reproduktion der Schrift. Das Medium des Papieres brachte auch bald das Verlangen mit sich, Schriftzeichen ebenso reproduzieren zu können, was uns zu den Vorformen des Druckens und somit näher an unser Thema des Buchdruckes mit beweglichen Lettern führt. Bereits im Jahr 175 findet man die chinesische Literatur in Stein eingeritzt. Das Verfahren des Abklatschens nutzen die Chinesen bereits im 2.
Jahrhundert nach Christus um ihre Texte zu kopieren. Dabei ritze man die Schriftzeichen in eine Steinplatte, drückte befeuchtetes Papier auf die Inschriftenseite und bürstete anschließend das Papier solang mit Tusche bis sich die Schriftzeichen weiß vom sonst
eingeschwärzten Papier absetzten.
Eine Gutenbergs Buchdruck noch ähnlichere Form lässt sich in dieser Region bereits im 7 Jahrhundert in Form des Holztafeldruckes finden. Diese Form des Druckens produzierte Bücher, Enzyklopädien, Bilddrucke u.a. bis ins 19. Jahrhundert hinein. Hierbei wurden die
Schriftzeichen seitenverkehrt in Holz geschnitzt und die dadurch entstandenen erhöhten Buchstaben in Farbe getunkt und in richtiger Position auf das Papier
1 Stadt Mainz
1
gedruckt. Trotz der fortwährenden Benutzung des
Holztafeldruckes benutzte der Chinese Bi Sheng bereits im Jahre 1040 einen Druck mit beweglichen Lettern. Diese bestanden im Unterschied zu Gutenberg aus Keramik und wurden auf einer Eisenform zu ganzen Texten zusammen gefügt und mit einer Schicht aus Wachs und Harz an dieser Form fixiert. Wollte man die Lettern wieder verwenden und um platzieren so musste man die Eisenplatte erhitzen um die Mischung aus Wachs und Harz zu schmelzen und die Lettern wieder zu lösen. Der Druck mit beweglichen Lettern setzte sich in China jedoch lange Zeit nicht durch aufgrund der Komplexität ihrer Schriftzeichen, die es zu Tausenden gab während Gutenberg mit 26 Lettern und weiteren Satzzeichen einen erfolgversprechenderen Weg einschlug. 2
An diesem Punkt möchte ich mich von der Betitelung Gutenbergs als Erfinder des Buchdrucks distanzieren und darauf verweisen, dass er die bereits vorhandenen Vorgänger und Formen des Buchdruckes (Tonstempel im 12. Jh., Holzschnitt um 1400 und Kupferstich um 1446) 3 vereinfachte. Der Patrizier, der um 1400 In Mainz geboren ist und 1468 verstarb, revolutionierte den Buchdruck um 1450, nachdem er den Einsatz von aus Holz geschnitzten Lettern (wie ihn bereits seine
chinesischen Vorfahren betrieben), durch bewegliche Metalllettern ersetzte. Um sein Ziel zu erreichen nahm er eine hohe Verschuldung in Kauf, erzielte kaum Gewinne und lebte somit wider heutige Erwartung in armen Verhältnissen 4 .
2 Stadt Mainz
3 Polenz (2000), S. 127
4 Polenz (2000), S. 128
2
2. Wie funktioniert es?
Der der Erfindung zu Grunde liegende Gedanke ist der einen Text in alle seine Bestandteile zu zerlegen 5 . Die auswechselbaren Metalllettern ermöglichen es einen Text geradezu beliebig zu vervielfältigen und zahlreiche identische Texte herzustellen 6 . Um dies zu erreichen wurden die Einzelelemente des Texte als seitenverkehre Lettern in Metall gegossen und anschließend in einer Spindelpresse, die einen gleichmäßigen Druck
ermöglicht, auf Papier gedruckt 7 . Es gilt anzumerken, dass Gutenberg nicht nur die beweglichen Lettern aus Metall hervorbrachte, darüber hinaus erfand er das Gießgerät, die haltende Metallschiene, die Tinte, die Presse und den Guss. Nach vielen Experimenten
verwendete er für den Guss eine Legierung aus Blei und Zinn die leichtes Gießen ermöglichte und unter dem Druck der Presse dennoch die Form bewahrte 8 . 9
3. Auswirkungen
Während Hartwig den Buchdruck mit beweglichen Metallettern als „markantes Ereignis in der
europäischen Kulturgeschichte“ 10 bringt Polenz an: „Die Bedeutung des Buchdrucks für die Popularisierung des Lesens und für die deutsche Sprachgeschichte des Frühneuhochdeutschen ist früher überschätzt worden.“ 11 . Er verweist darauf, dass um 1500 nur 1-4% des Deutschen Volkes zum lesefähigen Publikum zählen 12 . Gedruckte Bücher sind bis ins 16. Jh. hinein so teuer, dass sich
5 Stadt Mainz
6 Schmidt (2007), S.114‐115
7 Stadt Mainz
8 Stadt Mainz
9 Für nähere Information über das Gießen der Lettern und weitere Prozesse des Druckvorganges siehe die Website des Gutenbergmuseums der Stadt Mainz (s. Bibliographie)
10 Hartweg (2000), S.1682
11 Polenz (2000), S.126
12 Polenz (2000), S.128 3
Arbeit zitieren:
Nathalie Gerlach, 2011, Der Buchdruck und seine Rolle bei der Entstehung einer einheitlichen Schriftsprache, München, GRIN Verlag GmbH
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