Inhaltsverzeichnis
Vorwort S. 3
1. Einführung in den Familienbegriff 4
1.1. Definition Familie 4
1.2. Funktionen der Familie 9
1.3. Strukturmerkmale der Familie 11
1.4. Bedeutung der Familie 13
2. Zwei Familienformen
S. 14
2.1. Kernfamilie 14
2.1.1. Definition 14
2.1.2. Struktur und Besonderheiten 15
2.1.3. Rollenverteilung 16
2.1.4. Erziehung und Sozialisation 17
2.1.5. Familienzyklus 22
2.2. Pflegefamilie 23
2.2.1. Definition 23
2.2.2. Struktur und Besonderheiten 25
2.2.3. Rollenverteilung 26
2.2.4. Erziehung und Sozialisation 27
2.2.5. Familienzyklus 29
3. Kern- und Pflegefamilie im Vergleich 30
3. 1. Allgemein 30
3. 2. Struktur 32
3.3. Rollenverteilung und Rollenpositionen 34
3.4. Sozialisation 35
3. 5. Familienzyklus 37
4. Zusammenfassung
S. 39
Quellenverzeichnis S. 40
Abbildungsverzeichnis S. 44
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Vorwort
Ende des Jahres 1976 wurden in der amtlichen Statistik 69264 Kinder in der Bundesrepublik Deutschland verzeichnet, die unter 19 Jahren sind und in einer Pflegefamilie leben. (Junker, R. et al. , S. 11) Trotz dieser auffälligen Zahl von Pflegekindern ist nur wenigen Menschen der Begriff der Pflegefamilie tatsächlich bekannt (siehe S. 16 in dieser Hausarbeit, 2. 2. Pflegefamilie). Viele Personen meinen, dass die Adoptivfamilie und die Pflegefamilie dasselbe sind, nur die Begrifflichkeiten seien unterschiedlich, so wie man zu einem Auto auch Kraftfahrzeug sagen kann.
Was ist eine Pflegfamilie? Und was unterscheidet eigentlich eine Pflegefamilie von einer Kernfamilie? Dieser Frage möchte ich in der vorliegenden Hausarbeit nachgehen. Der erste Teil meiner Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Begriff der Familie im Allgemeinen. Er gibt Aufschluss über die Definition einer Familie, die Funktionen, die sie ausführt, die Strukturmerkmale, die sie besitzt und die Bedeutung, die ihr beigemessen wird. Dieser Beitrag schien mir angemessen, da schließlich Kernfamilie und Pflegefamilie zwei verschiedene Typen der Familie sind.
Im zweiten Teil dieser Hausarbeit werden die beiden Familientypen Kernfamilie und Pflegefamilie vorgestellt und definiert. Im Anschluss daran werden jeweils Struktur und Besonderheiten genannt und es werden Rollenpositionen innerhalb der Familien vorgestellt. Weiterhin werden Sozialisationsprozesse in beiden Familien behandelt und es wird auf den jeweiligen Familienzyklus eingegangen.
Der dritte Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich der Kern- und der Pflegefamilie. Die beiden Familientypen werden kurz allgemein verglichen. Im Folgenden werden sie im Hinblick auf ihre Struktur und Strukturbesonderheiten, die jeweilige Rollenverteilung innerhalb der Familien, die Sozialisationsprozesse und den Familienzyklus verglichen.
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1. Einführung in den Familienbegriff
Um dem Leser den Begriff der Familie nahe zubringen, möchte ich „Familie“ im folgenden Punkt definieren. Es soll gezeigt werden durch was sich eine Familie von anderen sozialen Gruppen unterscheidet und welche Besonderheiten diese Gruppe von sozial Handelnden besitzt, welche sie zu einer festen Institution machen. Desweiteren möchte ich auf die Kriterien eingehen, welche einer Familie als sozial anerkannter Institution zugrunde liegen. Es sollen weiterhin die Funktionen, strukturellen Merkmale und die Bedeutung der Familie aufgezeigt werden.
1.1. Definition Familie
Im Folgenden soll geklärt werden welche Kriterien der Institution der Familie zugrunde liegen und wann man eine Familie als "Familie“ bezeichnen kann. In vielen Büchern zur Familiensoziologie kann man Kriterien finden, die eine Familie auszeichnen. Hurrelmann zum Beispiel beschreibt Familien folgendermaßen; "Familien sind seit Jahrhunderten die zentrale Instanz der Sozialisation. Als sensible soziale Systeme sind sie geeignet, auf persönliche Bedürfnisse und die Einflüsse der äußeren Realität zu filtern und zu "übersetzen"." [ Hurrelmann, K. , Sozialisation in Familien, S. 127 ] Hurrelmann definiert die Aufgaben einer Familie, weniger die Akteure, die vorhanden sein „müssen“ um eine solche Gruppe darzustellen. Er definiert Familie als sensibles soziales System, welches als zentrale Gruppe die Sozialisation seiner Mitglieder übernimmt. Die Familienmitglieder sind deshalb auf sensible Weise miteinander verbunden, da sie aus emotionalen Gründen als Gruppe bestehen. In Familien sind Gefühle stärker vertreten als in allen anderen sozialen Gefügen und sind ausschlaggebend für deren Fortbestand oder Auflösung. Die, meist positive, emotionale Bindung der Mitglieder einer Familie untereinander schafft für den Einzelnen einen Raum von Akzeptanz und Zuneigung, welchen er der äußeren Realität entgegensetzen kann. Auch das Verständnis von Gesellschaft und außerfamiliären Vorgängen wird durch interne Gespräche und Riten innerhalb dieser sozialen Gruppe geprägt. Hurrelmann beschreibt Familie somit ohne die Anzahl oder den Verwandtschaftsgrad der Mitglieder zu manifestieren als sensibles soziales System, welches die zentrale Rolle bei der Sozialisation seiner Mitglieder übernimmt und das Verständnis von Realität und den jeweiligen Abgrenzungsgrad von dieser prägt.
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Die Soziologen Hill und Kopp haben ebenfalls recherchiert und sind zu der folgenden Definition für die Familie gekommen. Eine Familie ist vorhanden, wenn eine auf Dauer angelegte Verbindung von Mann und Frau vorliegt, diese einen gemeinsamen Haushalt führen und dieses Paar mindestens ein eigenes, oder adoptiertes, Kind hat. [Hill, Kopp, Familiensoziologie - Grundlagen und theoretische Perspektiven, S. 10] In dieser Definition wird in Bezug auf die Mitglieder dieser Gruppe ein enger Rahmen gegeben, so bleiben zum Beispiel Paare ohne Kinder, Alleinerziehende oder homosexuelle Paare ausgeschlossen. Paare, welche Kinder haben, aber aus beruflichen Gründen zwei Haushalte führen (müssen) würden nach dieser Definition ebenfalls nicht als Familie gelten. Dies führt zu der Diskussion, ob in der heutigen modernen Industriegesellschaft andere bzw. neue Lebensformen tatsächlich per definitionem aus dem Familienbegriff ausgeschlossen werden sollten.
Die oben genannte Definition der Soziologen Hill und Kopp ist ein Resultat aus der Theoriebildung und der empirischen Forschung, wie nahezu alle in der Soziologie entwickelten Begriffe und Definitionen. Diese Begrifflichkeiten unterliegen allerdings einem ständigen Wandel und gesellschaftlich geprägten Veränderungen, so dass einmal formulierte Definitionen innerhalb weniger Jahre ebenfalls verändert bzw. angepasst werden müssen. Familie wird in der Soziologie auch als Intimgruppe, System oder Gruppe besonderer Art bezeichnet.
Weiterhin wird die Familie als soziale Institution bezeichnet und ihr wird die Rolle als Primärsozialisator zugeteilt (siehe Hurrelmann, K. , Sozialisation in Familien, S. 127). In der Familie findet ein Enkulturationsvorgang statt durch welchen die jeweilige Zuteilung von geschlechts- und positionsspezifischen Rollen behandelt wird. Diese Vorgänge werden in der frühen Kindheit geprägt und im späteren Lebensverlauf durch weitere soziale Gruppen und gesellschaftliche Institutionen geformt. Die soziale Eingliederung im Kindergarten, der Schule, im Freundeskreis und späteren Berufsleben spielt hierbei eine ebenfalls große, wenn auch ergänzende Rolle.
Die Familie wird auch als ein „sich in ständigen Anpassungsprozessen“ [Kreppner, K., Familiale Sozialisation, S. 289 ] befindliches System bezeichnet. Sie durchläuft also eine Entwicklung, welche sich ständig an neue Situationen anpassen muss und lebenslang andauert.
Die Familie durchläuft also eine lebenslange Entwicklung. Sie ist kein statisches Gebilde, sondern eine formbare Institution, in deren Mittelpunkt die Familienmitglieder stehen. Durch
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die immerwährenden Aushandlungen der Rollenpositionen und des Machtgefüges durchläuft sie ständige Anpassungsprozesse und somit eine lebenslange Veränderung. Ein Paar mit einem Kind, welches in Erwartung eines weiteren Kindes ist, muss nach Geburt des neuen Familienmitgliedes die Rollenverteilung im Haushalt neu verhandeln und sich als Gruppe mit einem weiteren Mitglied selbst definieren und nach außen präsentieren. Die emotionalen Bindungen und Beziehungen müssen auf- und ausgebaut werden. Zieht später eines der Kinder in einen eigenen Haushalt verschiebt sich das Familiengefüge erneut. Auch die unmerklichen, kleinen Veränderungen der Mitglieder, welche auch durch äußere Faktoren bestimmt werden, führen zu einer innerfamiliären Veränderung und der Verschiebung der Rollen, Aufgaben und den emotionalen Beziehungen. Man unterscheidet in der Familiensoziologie weiterhin unter Abstammungs- oder Herkunftsfamilie, in die man hineingeboren wird, und Zeugungsfamilie, welche man mit einem gegengeschlechtlichen Partner selbst gründet (vgl. Segalen, 1990). Liegt eine Familienform per Definition vor, also ein Paar, welches einen gemeinsamen Haushalt führt und mindestens ein gemeinsames Kind hat, so spricht man von der Nuklear-oder Kernfamilie (vgl. Rosenbaum, 1982). Es gibt noch die erweiterte Familie, welche aus der Kernfamilie besteht und noch weitere Verwandte im Haushalt aufnimmt. Man unterscheidet bei dieser Familienform unter der Großfamilie und der Dreigenerationenfamilie. Eine Großfamilie liegt dann vor, wenn zum Beispiel die Kernfamilien von Geschwistern einen gemeinsamen Haushalt führen. Von einer Dreigenerationenfamilie spricht man, wenn die Kernfamilie mit den Eltern eines der Gatten zusammenlebt. [gesammelte Ansichten aus: Rosenbaum, H., Formen der Familie und Segalen, M. , Die Familie: Geschichte, Soziologie, Anthropologie]
Eine Familie baut also auf einer Paarbeziehung auf, welche einen gemeinsamen Haushalt führt und ein gemeinsames oder auch adoptiertes Kind hat. Dies ist eine der am häufigsten aufgetretenen Definitionen für eine Familie.
Auch Heidi Rosenbaum (vgl. Rosenbaum, 1982) versucht den Begriff „Familie“ zu definieren. Sie sucht einen Allgemeinbegriff für die Familie, der überzeitliche Geltung beansprucht. Voraussetzung dafür sollte sein, dass eine Gruppe aus Eltern und Kind(ern) vorhanden ist, welche in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen als gesonderte Gruppe existiert und erkennbar ist. Für sie besteht eine (Kern-)Familie aus einem auf Dauer zusammenlebenden Elternpaar, welches ein gemeinsames oder adoptiertes unmündiges Kind hat. Auch hier legt man es auf einen gemeinsamen Haushalt eines Paares, eine auf Dauer angelegte Beziehung und ein (unmündiges) Kind an.
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Selbst Helmut Kohl äußerte sich zum Begriff der „Familie“. Er bezieht sich allerdings nicht auf die Struktur der Familie, sondern auf die vermittelten Werte bzw. was eine Familie auszeichnet. Er bezeichnet die Familie als „das Fundament unserer Gesellschaft.“ [Dr. Helmut Kohl anlässlich des 40- jährigen Bestehens des Familienministeriums am 20.10.1993, aus dem Beitrag von Lüscher, K., Was heißt Familie?, S. 57 ] In der Familie würde man Geborgenheit und Zuwendung finden, in ihr könne man am besten Werte und Verhaltensweisen vermitteln. Die Familie ist eine Lebens- und Erziehungsgemeinschaft, ohne die eine freie, solidarische Gesellschaft nicht existieren könne. Er meint eine Familie ist eine gesellschaftliche Institution.
Wie auch Hurrelmann (vgl. Hurrelmann, 2002) beschreibt Kohl die Familie als sensibles System, in welchem man emotionale Nähe und Akzeptanz findet und welche als zentrale Institution der Sozialisation agiert. Als Gruppe, in welcher die primäre Vermittlung von Rollen und Werten stattfindet stellt sie in seinen Augen somit den Grundstein der Gesellschaft dar, auf welchen alle anderen gesellschaftlichen Gruppen und Systeme aufbauen. In der Mikro- und Familiensoziologie wurde der Begriff der Troade geprägt (vgl. Fivaz-Depeursinge und Corboz-Warnery 2001). In diesem Gefüge treffen wir auf den Vater, die Mutter und das Kind bzw. die Kinder. Diese Triade besteht aus Ausschlüssen und Einschlüssen. Wenn ein Elternteil sich mit dem Kind beschäftigt, entsteht eine dyadische Beziehung, aus der das andere Elternteil ausgeschlossen wird. Sobald die Eltern ihrerseits untereinander kommunizieren oder ein gemeinsames Ereignis begehen, wird das Kind aus dieser dyadischen Beziehung ausgeschlossen. Ebenfalls können sich beide Eltern gegen das Kind richten, z. B. in erziehungstechnischen Fragen oder ein Elternteil und das Kind gegen den anderen Elternteil, somit entsteht die Form „zwei gegen einen“. Formen der Einbezogenheit entstehen wenn „zwei für einen“ sind. Den triangulären Höhepunkt in dieser familiären Triade findet in der Form „drei gemeinsam“ statt.
In der Literatur findet man Kriterien, an denen man festmachen kann, wann es sich bei einer sozialen Gruppe um eine Familie handelt. Doch in der heutigen modernen Zeit findet man immer öfter auch Definitionen, in denen sich die Verfasser gegen einen festen „Familienbegriff“ aussprechen. Denn es gibt unter anderem auch gleichgeschlechtliche Paare mit Kind, unverheiratete Paare mit Kind und viele andere Formen, welche per definitionem nicht als Familien bezeichnet werden und doch die strukturellen, interaktionellen und beziehungstechnischen Grundlagen einer Familie aufweisen. Man sollte also nicht von „der“ Familie sprechen sondern von „den“ Familien, da es mehrere Formen gibt und schon immer gab. Den Begriff “die Familie” gibt es für einige Soziologen (vgl. Böhnisch und Lenz, 1997)
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nämlich nicht, da sie, in unserer pluralistischen Gesellschaft, nicht nur von einer einzigen Familienform ausgehen wollen. Sie gehen davon aus, dass es mehrere Familienformen gibt, die sich im Laufe der Zeit verändern und, dass man deshalb keine einheitliche Definition für “die Familie”, erbringen sollte. “Mit “Familien” statt des gebräuchlichen Singulars wollen wir von vornherein zum Ausdruck bringen, dass es “die Familie” nicht gibt (und wohl nie gab) und die wissenschaftliche Thematisierung dieses Gegenstandsbereiches von der vorhandenen Vielfalt der - in sich veränderlichen - Familienformen auszugehen hat.” [Böhnisch, L., Lenz, K., Familien - Eine interdisziplinäre Einführung, S. 7 ]
Auch Hurrelmann möchte sich nicht mit den gebräuchlichen Definitionen von Familien zufrieden geben. Er gibt an, wie er Familie definieren würde. "Stattdessen sollte Familie als eine soziale Lebensform definiert werden, die durch das dauerhafte Zusammenleben von mindestens einem Elternteil und einem Kind charakterisiert ist, in der die Beziehung durch Solidarität, persönliche Verbundenheit und Betreuung geprägt sind." [ Hurrelmann, K. , Sozialisation in Familien, S. 130 ]
Zusammenfassend kann man sagen, dass man keine allgemeingültige und immerwährende Definition der Familie geben kann, da auch die Familie als soziale Gruppe innergesellschaftlichem Wandel unterworfen ist und einer ständigen Veränderung unterworfen ist. Man kann nicht erwarten, dass unbedingt zwei Elternteile vorhanden sind, die auch noch verheiratet sein müssen oder einen gemeinsamen Haushalt bewohnen. Es ist schließlich möglich, dass die Heirat zwischen Partnern in einer weiter entwickelten Gesellschaft nicht mehr zur Norm gehört, sondern eher eine Ausnahme darstellt. Eine Familienbeziehung sollte auch nicht an eine biologische Vaterschafts- bzw. Mutterschaftsrolle einem Kind gegenüber gebunden sein. Pflege- und Adoptionsfamilien sind ebenfalls Familienformen, bei welchen sich allerdings keine biologische Verbindung zwischen den Eltern und den Pflege- bzw. Adoptivkindern feststellen lässt. Der soziologische Kern einer Familienbeziehung "liegt, nämlich in der dauerhaften Beziehung und Verbundenheit von Menschen verschiedener Generationen und der gegenseitigen Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse." [ Hurrelmann, K. , Sozialisation in Familien, S. 130 ] Wir definieren Familie hier in dieser Hausarbeit als soziale Gruppe, welche durch emotionale Verbundenheit und vielschichtige Beziehungen der Akteure untereinander gekennzeichnet ist. In dieser gesellschaftlichen Gruppe findet eine spezifische, aber veränderliche Rollenverteilung statt sowie wird sie als Hort der primären Sozialisation angesehen. Die verwandtschaftliche Beziehung der Akteure untereinander soll hierbei nicht ausschlaggebend sein.
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1.2. Funktionen der Familie
Der Familie werden viele verschiedene Funktionen zugeschrieben. So meinen viele Soziologen, sie sichere den Bestand der Gesellschaft, sie hätte also eine Reproduktionsfunktion. Die Funktionen der Sozialisation bzw. Erziehung, soziale Kontrolle, Statuszuweisung bzw. soziale Platzierung und eine Haushalts- und Freizeitfunktion werden ihr zugeschrieben. (vgl. Segalen, 1990 und Hettlage, 1996)
Der Familie werden die Funktionen der Aufrechterhaltung des biologischen Funktionierens der einzelnen Mitglieder, die Reproduktion oder Adoption neuer Familienmitglieder, die Sozialisation der neuen Mitglieder, die Produktion und Verteilung von Gütern und Diensten, die Aufrechterhaltung einer bestehenden Ordnung der Beziehungen sowie die Sinnstiftung und Aufrecherhaltung der Motivation der Familienmitglieder zugeschrieben. Man meint auch die Familie hätte eine wirtschaftliche bzw. ökonomische bzw. arbeitsteilige Funktion. Ebenfalls wird ihr die Funktion des emotionalen Spannungsausgleiches zugeschrieben. Man meint also die Familie hätte die Funktionen der biologischen, emotionalen und ökonomischen Erhaltung des (beteiligten) Individuums. Die vier am häufigsten von Soziologen genannten und zentralen Funktionen der Familie sind; die Reproduktionsfunktion, die Sozialisationsfunktion, die wirtschaftliche Funktion und die Regenerationsfunktion (vgl. Segalen, 1990 und Hettlage, 1996). Im Folgenden soll auf diese wichtigsten Funktionen, unter welchen alle weiteren Funktionen der Familie zusammengefasst werden können, eingegangen werden.
Eine Gesellschaft kann nur überleben indem sich ihre Mitglieder reproduzieren. Für den Erhalt der Gesellschaft ist also die Reproduktionsfunktion der Familie ebenso wichtig wie für die Familie selbst, denn auch für sie bedeutet die Reproduktion den Erhalt ihrer selbst. Wird in einer Familie ein Kind geboren, hat sie sich selbst produziert. Ein Paar, welches ein Kind zur Welt gebracht hat, hat in den Augen vieler Soziologen (z. B. Rosenbaum, 1982), eine Familie gegründet - aus einem Paar wurde eine Familie. Ihr obliegt nun die Erziehung und Formung dieses neuen Individuums der Gesellschaft. Im Beziehungsfeld „Familie“, welches für das Kind aus den beiden Elternteilen und eventuellen Geschwistern besteht, kann sich eine eigene Identität des neuen Erdenbürgers entwickeln. Die Familie schafft also durch ihre Reproduktionsfähigkeit neue Mitglieder der Gesellschaft und reproduziert diese somit.
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Arbeit zitieren:
M. A. Olivia Stockhause, 2004, Theoretischer Vergleich von Kern- und Pflegefamilie in Bezug auf Familienstruktur, inner- und außerfamiliäre Rollenspezifika, Sozialisation und Familienzyklus, München, GRIN Verlag GmbH
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