Baustein 09.1 Interkulturalität als Herausforderung für Bildung und Erziehung Befragt worden sind in der Zeit von November 2001 bis März 2002 950 Mädchen und unverheiratete Frauen zwischen 15 und 21 Jahren mit griechischem, italienischem, ehemals jugoslawischem und türkischem Hintergrund mit einem standardisierten Fragenbogen mit 138 Fragen. Bei den befragten Mädchen und jungen Frauen mit ehemals jugoslawischem Hintergrund handelt es sich überwiegend um serbische und bosnische Mädchen.
Die Befragungen wurden in verschiedenen Städten Deutschlands durchgeführt. Zu den Befragungsregionen gehörten: Berlin, Frankfurt/Main, Mannheim, Völklingen, Dresden, Chemnitz, der Ballungsraum des Ruhrgebiets mit Befragungen in den Städten Duisburg und Essen, so wie den Kreisen Unna und Recklinghausen. Dabei waren die größte Gruppe, der befragten Mädchen und Jugendlichen, die
Arbeitermigranten. Diese wurden mit 75% per Zufallauswahl aus dem Einwohnermelderegister und 25% mit dem Schneeballsystem ermittelt. Die Aussiedlerfamilien wurden nur über das Schneeballsystem ermittelt. Mit dem Begriff „Schneeballsystem“, bezeichnet man einen sozialen Prozess, bei dem Unbeteiligte von Werbenden aufgefordert werden, selber andere Unbeteiligte zu werben. Dadurch steigt die Zahl der Geworbenen und der Werbenden schnell. Dennoch wurden die Mädchen und jungen Frauen durch Eigenschaften eingegrenzt. Sie sollten nicht eigenständig in Deutschland eingewandert, in Migrantenfamilien eingeborene Töchter sein und keine Heiratsmigrantinnen oder Kinder aus
bikulturellen Ehen sein. In der Befragung, gibt es wenige Asylberechtigte und Flüchtlinge, jedoch spielen diese beiden Faktoren bei den Mädchen und jungen Frauen mit ehemals jugoslawischem Hintergrund eine Rolle.
2. Migrationsbiografien
Bei der Befragung „Viele Welten Leben“ wurden die vier größten Gruppen mit überwiegend Arbeitsmigranten und Spätaussiedlerinnen gegenübergestellt. Die meisten Kinder der Aussiedlerfamilien kamen oft als Seiteneinsteiger in das deutsche Schulsystem. 42% waren zwischen sieben und zwölf Jahre alt, 53% hingegen waren bereits über dreizehn, als sie nach Deutschland einreisten. Aus persönlicher Erfahrung entscheiden die Eltern meist selbst, was das Familienleben anbetrifft und nur sehr selten werden die Kinder in das Geschehen mit eingebunden. So kommt es auch in der Befragung zum Ausdruck, dass nur 23% der Kinder und Jugendlichen in der Familie ein Mitspracherecht hatten und mitgewirkt haben, ihr
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Baustein 09.1 Interkulturalität als Herausforderung für Bildung und Erziehung Heimatland zu verlassen. 58% wurden in die Entscheidung nicht einbezogen. Auch wenn die Kinder nicht bei der Entscheidung mitgewirkt haben, wollten 68% von ihnen nach Deutschland ausreisen. Lediglich 12% wollten ihr Heimatland nicht verlassen.
2.1 Migrationsbiografien -Griechenland
Die Jugendlichen mit griechischem Migrationshintergrund sind mehr als die anderen Gruppen zwischen Deutschland und Griechenland gependelt (12%) und haben weniger ununterbrochen in Deutschland gelebt. Zudem ist Zahl der Seiteneinsteigerinnen in das deutsche Schulsystem mit 21% sehr hoch. Dennoch besitzen die meisten eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, aber kaum die deutsche Staatsangehörigkeit.
2.2 Migrationsbiografien - Italien
77% der aus Italien stammenden Mädchen und jungen Frauen haben ununterbrochen in Deutschland gelebt. Von diesen 77% kamen nur 11% der Kinder und Jugendlichen bis zum sechsten Lebensjahr nach Deutschland. Das Pendelverhalten der Italiener ist mit 3% nur sehr gering ausgeprägt. Das Pendelverhalten beschreibt die Situation des ständigen Wohnortwechsels zwischen beiden Ländern.
Fast alle Mädchen mit italienischem Migrationshintergrund haben eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Diese Mädchen haben zum größten Teil die italienische Staatsangehörigkeit behalten.
2.3 Migrationsbiografien - ehemaliges Jugoslawien
Diese befragte Gruppe wird in zwei Gruppen geteilt. Zu einem gibt es die Kinder der Arbeitsmigranten. Dazu gehören 46% der Kinder, die ununterbrochen in Deutschland gelebt haben. Diese besitzen überwiegend eine unbefristete
Aufenthaltsgenehmigung. Zu anderem gibt es die Kinder aus Flüchtlingsfamilien. 25% dieser Kinder sind erst nach dem siebten Lebensjahr, als Seiteneinsteiger in das deutsche Schulsystem, eingereist. Sie verfügen selten über eine gesicherte Aufenthalterlaubnis.
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2.4 Migrationsbiografien - Türkei
Bei den befragten Mädchen mit türkischem Hintergrund haben, mehr als bei allen anderen befragten Gruppen, 83% ununterbrochen in Deutschland gelebt. Von den nach Deutschland eingereisten Mädchen und jungen Frauen waren nur 5% über sechs Jahre alt. Ähnlich wie bei den Mädchen mit italienischem Migrationshintergrund zeigen 3% das Pendelverhalten. Genau wie bei den anderen Gruppen besitzen diese einen unbefristeten Aufenthalt jedoch, als einzige mit 23% die deutsche Staatsangehörigkeit.
3. Soziale Bedingungen und räumliches Umfeld
89% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund leben bei den Eltern, davon 84% in gemieteten Wohnungen. Die Mädchen mit türkischem Hintergrund müssen häufiger das Zimmer mit einem Geschwisterkind teilen. Trotz des Mangels am eigenen Zimmer sind die Jugendlichen mit ihrer Wohnsituation zufrieden, auch wenn 69% derjenigen, die kein eigenes Zimmer haben, eines wünschen. 11% der Aussiedlerinnen wohnen mit dem festen Partner zusammen. Von diesen 11% sind 1% Mädchen mit türkischer Herkunft.
Die Wohnviertel, in denen die Mädchen leben, sind sehr unterschiedlich. So wohnen die Mädchen und jungen Frauen mit türkischem Hintergrund häufiger in einer Wohngegend ohne Kino, jedoch mit dem Wunsch eine solche Einrichtung zu besuchen. Die Mädchen aus Griechenland hingegen wohnen weniger in Gegenden mit Kaufhäusern, Cafes und Fußgängerzonen als die anderen befragten Gruppen. Dennoch sind sie mit ihrem räumlichen Umfeld zufrieden. 1/3 der befragten Mädchen mit italienischem, ehem. jugoslawischem, griechischem und Aussiedlerhintergrund und 17% der türkischen Mädchen leben in einem Umfeld mit stark dominierender deutscher Staatsangehörigkeit zusammen.
In einem Umfeld, in dem Deutsche und Migranten und Migrantinnen im Gleichgewicht sind, wohnen 57% der Mädchen aus Italien und ehem. Jugoslawien und 63% der Aussiedler.
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Arbeit zitieren:
Assuntina Kampmann, 2011, Aufwachsen in Migrantenfamilien, München, GRIN Verlag GmbH
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