2.1 Mehr Wettbewerb durch Förderung Erneuerbarer Energien
Ein Grund für die sinkenden Marktanteile ist unter anderem die zunehmende Bedeutung des Stroms aus Erneuerbaren Energien. Die Stromanbieter sind verpichtet, den so erzeugten Strom einzuspeisen und mit festgelegten, erhöhten Sätzen zu vergüten. Dadurch ist der Ausbau erneuerbarer Energien rentabel und neue mittelständische Unternehmen und private Betreiber treten in den Markt der Stromproduktion ein (BMU, 2008). Der Strom aus Erneuerbaren Energien spielt bei den groÿen vier Konzernen mit einen Anteil von 10% eine wesentlich geringere Rolle als bei den restlichen Erzeugern, wo die Quote bei 39% liegt. Bei der Stromerzeugung aus Wind, Biomasse, Erdwärme und Solarstrom ist der Unterschied noch gravierender (Hirschl, 2011). Mit einem Anteil von 20% des Investitionsvolumens scheint der Ausbau Erneuerbarer Energien momentan noch nicht oberste Priorität zu haben. Die groÿen Stromerzeuger versuchen noch durch den Ausbau und die Modernisierung konventioneller Kraftwerke ihre Marktmacht zu sichern. Die Energiekonzerne wollen den Anteil Erneuerbarer Energien aber bis 2020 kräftig erhöhen und versuchen, vor allem bei Groÿprojekten wie Oshore Windparks, ihre Finanzkraft auszuspielen (Neukirch, 2008).
2.2 Geringes Wachstum am europäischen Strommarkt Aufgrund von Ezienzmaÿnahmen und einer sinkenden Bevölkerungszahl wird für Europa zukünftig ein stagnierender Energieabsatz erwartet. Um dennoch das Wachstum zu sichern, wollen die Konzerne neue Märkte erschlieÿen, wie beispielsweise E.on Vorstandschef Teyssen in einem Interview mitgeteilt hat (Balser, 2010). Daneben nutzen sie ihre Kapitalstärke um Zukäufe und Beteiligungen bei Stadtwerken und anderen Stromproduzenten zu tätigen. EnBW beteiligte sich beispielsweise in 2008 mit zwei Milliarden Euro beim norddeutschen Windstromproduzenten EWE (BDEW, 2009).
2.3 Einbuÿen durch zurückgezogene Laufzeitverlängerung Ein Rückschlag für die groÿen Energiekonzerne ist auch der Ausstieg aus der Kernenergie. Durch den Wegfall der Kapazitäten verringert sich der Marktanteil und enorme Gewinne fallen weg. Abgeschriebene Laufwerke bringen Gewinne von ungefähr einer Million Euro pro Tag (Neukirch, 2008). Die Konzerne sehen darüber hinaus bei einer Abschaltung der Kernkraftwerke die Versorgungssicherheit gefährdet. Sie propagieren öentlich diese Gefahr und heben die CO 2 Neutralität der Kraftwerke hervor, mit dem Ziel den Atomausstieg zu verzögern (Hohlefelder, 2009).
3 Ungewisse energiewirtschaftliche und energiepolitische Rahmenbedingungen
Um gröÿere Investitionen planen zu können, sind langfristig zuverlässige und vorhersehbare Rahmenbedingungen notwendig. An den Aktienkursen spiegelt sich momentan eine groÿe Unsicherheit in diesem Bereich wieder. So verloren
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die Aktien von E.on und RWE in 2010, trotz Gewinnen, um rund 20%, während der DAX um den gleichen Wert zulegte (Gottschalck, 2010).
3.1 Anhaltend politische Inkonsequenz
Durch wechselnde Regierungskoalitionen und Wählerstimmungen ändert sich die Einstellung der Regierung regelmäÿig. Wie am Beispiel des Atomausstiegs zu verfolgen ist, können sich die Energieunternehmen nicht auf eine langfristige, konstante Politik verlassen (Gottschalck, 2010). Einen kritischen Punkt stellen auÿerdem drohende wettbewerbspolitische Eingrie dar. Die Monopolkommission erstellt alle zwei Jahre ein Gutachten über den Stand und die absehbare Entwicklung der Energiewirtschaft. Wie bereits bei E.on geschehen erwartet Bauchmüller (2008) dass sich zukünftig noch weitere Unternehmen von ihren Netzsparten trennen müssen. Daneben wird eine strengere Regelungen seitens des Bundes gefordert, um die Durchführung notwendiger Investitionen zu gewährleisten.
Um das aktuelle politische Geschehen mitzuverfolgen und nötigenfalls Bedenken anmelden zu können, setzt die Energiewirtschaft auf intensive Lobbyarbeit (BDEW, 2009). Auch Lorenz (2010) beschreibt die enge Verechtung von Politik und Energiewirtschaft und kritisiert häuge Wechsel von Politikern zu Energieunternehmen.
3.2 Volatile Brennsto- und CO 2 -Preise
Ein weiterer entscheidungsrelevanter Parameter für die Wirtschaftlichkeit von Investitionsoptionen ist die Entwicklung der Brennsto- und CO 2 -Preise. Langfristig wird ein Anstieg des Preisniveaus, bei zuletzt hoher Volatilität, erwartet. Die Preisspanne für Treibhausgasemmisionsberechtigungen (EUAs) bewegten sich innerhalb von zwei Jahren zwischen 8 B C und 28 B C. Dazu kommt, dass die Zertikate für die Elektrizitätswirtschaft ab 2012 nicht mehr kostenlos zugeteilt werden (Zimmer, 2010).
Durch langfristige Lieferverträge wollen sich die Stromproduzenten gegen Kursschwankungen absichern. Laut von Petersdor (2011) könnte sich dies aber auch nachteilig auswirken, da aufgrund neuer Marktbedingungen am Gasmarkt auch Preissenkungen nicht unwahrscheinlich sind. Um unabhängiger vom Handel mit EUAs zu werden wird die CCS 1 -Technologie weiter erforscht (Stigler, 2010) und auf Gaskraftwerke gesetzt, die einen geringeren CO 2 Ausstoÿ als Kohlekraftwerke haben (Zimmer, 2010).
4 Hoher Investitionsbedarf in die Infrastruktur
Aktuell wird die Energie landesweit verteilt und gröÿtenteils durch fossil-atomare Energieträger erzeugt. Der Kraftwerkspark ist weitestgehend auf das regelmäÿige, planbare Nachfrageprol abgestimmt. Halten sich Stromproduktion und Verbrauch allerdings nicht die Waage, kann dies zu Abweichungen der Netzfrequenz bzw. im Extremfall zu einem Zusammenbruch des Stromnetzes führen, was erhebliche Schäden an den angeschlossenen Anlagen verursachen kann (Weider, 2006).
1 Carbon Dioxide Capture and Storage
3
Um die Netzfrequenz stabil zu halten, müssen positive und negative Energiereserven - die Regelenergie - bereit gehalten werden, was unter anderem durch den Betrieb von Kraftwerken im Teillastbetrieb, oder durch Pumpspeicherkraftwerke erfolgen kann. Eingeteilt in drei Klassen, in Abhängigkeit von der Reaktionszeit wird der aktuelle Preis an der Leipziger Strombörse (EEX) ermittelt (Weider, 2006).
4.1 Notwendige Flexibilität der Kraftwerke
Bei vielen Kraftwerken die vor allem zur Grundlastdeckung eingesetzt werden, ist ein Herunterfahren nicht ohne Weiteres möglich oder mit hohen Kosten ver-bunden. Im Jahr 2009 gab es 18 Fälle, bei denen Strom zu negativen Preisen in das Netz eingespeist wurde. Da Energie aus Windkraft und Photovoltaikanlagen den Umwelteinüssen entsprechend, nicht aber bedarfsgerecht erzeugt wird, erwartet Lorenz (2010) durch den weiteren Ausbau, speziell von Windkraftanlagen, eine Zunahme dieser Fälle.
Dadurch können ältere, unexible Kraftwerke unrentabel werden, weshalb die Betreiber eine schrittweise Umrüstung auf exiblere Anlagen vornehmen. Daneben wird der Bau neuer Pumpspeicherkraftwerke vorangetrieben, um mit höchster Flexibilität auf die Marktlage reagieren zu können (Sterner, 2010).
4.2 Ausbau der Netzinfrastruktur
Fern von den Verbrauchszentren benden sich im Küstenbereich Norddeutsch-lands einige (Oshore-) Windparks sowie konventionelle Kraftwerke in Planung. Um den Betrieb weiterer Anlagen zu ermöglichen ist der Ausbau ezienterer Netze dringend notwendig. Die Netzbetreiber sind zur Anpassung der Netzinfrastruktur an die neuen Anforderungen verpichtet, was enorme Kosten verursacht (BMU, 2008).
Ein weiteres Problem stellt das aufwändige Genehmigungsvefahren dar, wo u.A. Einwände von Bürgerinitiativen und Umwelt- und Naturschutzverbänden, geklärt werden müssen (BMU, 2008; Balser, 2010). Um die Investition in Stromnetze attraktiver zu gestalten, gibt es mittlerweile Bemühungen seitens der Politik die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Erste Gesetzesentwürfe liegen bereits vor und die Bundesregierung prüft, ob eine Änderung der Anreizregulie-rungsverordnung geboten ist (Zimmer, 2010).
Zur Entlastung der Energienetze wird auch verstärkt in die Speicherung von Energie investiert. Bislang erweisen sich Pumpspeicherkraftwerke als die eektivste Methode, welche jedoch aus geologischen Gründen nicht unbegrenzt ausgebaut werden können. Weitere Methoden sind die Speicherung von Druckluft unter Tage oder die Nutzung der Energie zur Herstellung von Biomethan (Sterner, 2010).
4.3 Umsetzung von Demand Response Konzepten
Bei den Planungen bezüglich der Umgestaltung und des Ausbaus der Stromnetze spielen Smart Grid Konzepte eine groÿe Rolle. Beim intelligenten Stromnetz werden Erzeuger, Verbraucher und Speicher durch eine kommunikative Vernetzung zusammen gesteuert und überwacht. Durch gezielte koordinierte Eingrie kann so die Verbraucherlast kurzfristig verändert werden. In der Industrie wird
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Arbeit zitieren:
Benjamin Meindl, 2011, Aktuelle Herausforderungen der Energiekonzerne, München, GRIN Verlag GmbH
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